Das Ministerium für Desinformation präsentiert: Zuglotto

800px-Anzeigetafel_Verspätung

Verwirrende Anzeige

Gestern auf der Kinzigtalbahn: Haben wir heute Verspätung? Ja. Nein. Vielleicht. Natürlich!

Bei der Ankunft am Bahnhof grüßt die Anzeige freundlich mit 30 Minuten Verspätung wegen Verzögerungen im Betriebsablauf. Ja, so fängt der Morgen gut an. Aber ok. Will gerade kehrt machen, um mich in der Bahnhofshalle hinzusetzen, da springt die Anzeige um. „Berichtigung zu RE4507 nach Frankfurt/Main Hbf. Dieser Zug fährt wie im Fahrplan veröffentlicht.“ Wie cool ist das denn? Ganz was Neues. Das kommt gleich in meinen Blog. Wäre eine tolle Geschichte geworden, doch leider endet sie damit noch nicht.

Ich gehe also am Bahnsteig weiter nach vorne und warte auf den Zug. Das Signal wird pünktlich grün – und vorbei fährt ein Güterzug. Fünf Minuten später wird das Signal wieder grün. Ein zweiter Güterzug fährt vorbei. Ah, auf der Anzeigetafel am anderen Ende des Bahnsteigs hat sich was getan. Ich laufe zurück. 35 Minuten Verspätung. Wäre ja auch zu schön gewesen, um wirklich wahr zu sein. Warum gibt es eigentlich keine Durchsage?

Ab in die Wartehalle. Nach 30 Minuten stellt sich dann die Gretchenfrage. Nehme ich die RB, der gleich losfährt, oder versuche ich mein Glück mit dem verspäteten RE, in der Hoffnung, dass er nicht noch später kommt als angekündigt? Die Frau am Schalter wird mehrmals um Rat gefragt. Sie hat aber auch nur die Infos aus dem Internet. Knapp 40 Minuten Verspätung, schon mal mehr als die 35 von der Anzeigetafel – aber der kann man ja offensichtlich nicht vertrauen.

Ich gehe mal rüber zur RB. Dort wird der Schaffner von Mitreisenden befragt. „Wir werden ziemlich sicher vom RE überholt.“ Na gut, denn setze ich in dieser Zuglotterie auf den RE. Zurück zum Anfangsgleis. 10 Sekunden, nachdem die RB abgefahren ist – mit einer Menge Leute drin, die in der Lotterie anders gewählt haben – kommt die Durchsage. „Der RE nach Frankfurt erhält Einfahrt.“

Liebes Ministerium für Desinformation bei der DB/dem RMV,

Verspätungen gehen meist voll in Ordnung. Nicht in Ordnung gehen allerdings die fehlenden oder gar falschen Informationen, die der Kunde am Bahngleis geliefert bekommt. Also, noch mal zum Mitschreiben:

  • mindestens eine Durchsage, dass der Zug überhaupt Verspätung hat
  • Update der Zugverspätung, falls sich die Dauer ändert; Euer Vokabular kennt sogar ‚auf unbestimmte Zeit‘
  • Ansage welcher Zug der nächste in die betroffene Richtung ist, wenn es mehrere Möglichkeiten gibt.

Letzteres ist bisher äußerst selten, wurde aber schon in freier WildBahn gehört. Dann klappt das auch mit der Kundenzufriedenheit.

Bild: Anzeigetafel Verspätung von Sebastian Terfloth (CC BY-SA 2.5)

Advertisements

3 Gedanken zu “Das Ministerium für Desinformation präsentiert: Zuglotto

  1. Bei der Desinformation hatte ich auch einmal eine schöne, richtige Auskunft. Ich wollte von Bonn nach Köln Hbf. Aber der IC, den ich nehmen wollte, hatte viel Verspätung. Daher fragte ich die Auskunft, ob die Regionalbahn, die als nächstes käme, vor dem IC in Köln Hbf wäre, woraufhin ich die Antwort bekam: „Ja, der IC kann ihn ja vor Köln gar nicht überholen.“
    Das stimmte auch. Er hat ihn dann in Köln Süd (für die Regionalbahn zwei Stationen vor Hauptbahnhof) überholt.

    Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Alles was die freie WildBahn so zu bieten hat | Durch das Wilde Kinzigtal

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s