ÖPNV-Tutorial I: Einsteigen lernen

Sie steigen in die Straßen-, S-, U-Bahn oder den Bus ein und bleiben direkt hinter der Tür stehen? Herzlichen Glückwunsch, sie haben sich gerade für unser erstes ÖPNV-Tutorial: Einsteigen lernen qualifiziert.

Dieses Verhalten geht in Ordnung, wenn sie der letzte auf dem Bahn-/Bussteig sind und an der nächsten Haltestelle gleich wieder aussteigen wollen. Oder wenn das Verkehrsmittel so gut wie leer ist. Im Berufsverkehr nerven sie damit nur ihre Mitpendler und sorgen sogar manchmal für Verspätungen.

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U4 vor dem Pendleransturm

„Bitte machen sie den Türbereich frei“, höre ich regelmäßig die Durchsage in der U4, bei der die Türen nicht zugehen, weil jemand in der Lichtschranke steht. Da stapeln sich die Leute direkt hinter der Tür, während der Gang und sogar einige Sitzplätze frei bleiben. Tatsächlich erlebte Konversation: „Würden sie bitte durchrücken?“ – „Aber ich will ja die nächste Station gleich wieder aussteigen.“ – „ Die Menschen direkt hinter ihnen würden aber gerne in dieser Station noch einsteigen. Und das wäre kein Problem, wenn sie durchrücken würden.“

Die Angst des Nichtrückers ist nicht ganz unbegründet. Es gibt auch manchmal Probleme beim Aussteigen. Da stehen noch mehr Nichtrücker, die erst die übernächste rauswollen, machen einen halbmotivierten Schritt zur Seite, um Leute durchzulassen, aber das Nadelöhr an der Tür bleibt zu schmal zum Ausstieg, weil da irgendwo noch ein Koffer/Kinderwagen/Mensch quersteht. „Würden sie kurz auf den Bahnsteig hinaustreten, damit wir aussteigen können?“ Da schauen die Leute total verdattert. Meist gefolgt von „Äh, ja, natürlich!“ Schon seltsam, das immer mehr da nicht mehr selbst draufkommen. Ich spreche mit diesen Leuten, andere schubsen sie einfach zur Seite. Auch total unmöglich. Für mich noch so ein Fall von fehlender Empathie, mit den einen, die meinen es sei besser zu Schubsen als zu Reden und den anderen, die verlernt haben, die Welt um sich herum wahrzunehmen.

Also, beim nächsten Mal kurz prüfen, ob man selbst ein Verkehrshindernis ist, und wenn man einem begegnet, dann doch bitte mit Anstand und Respekt. Vielleicht träumt der Nichtrücker heute ausnahmsweise von einer besseren Welt.

Im zweiten ÖPNV-Tutorial lernen wir dann das Rolltreppenfahren.

Bild: U-Bahnhof Bornheim Mitte von Jivee Blau (CC BY-SA 3.0)

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5 Gedanken zu “ÖPNV-Tutorial I: Einsteigen lernen

  1. Ich fahre ja nur äußerst ungern und eher selten mit Öffentlichen, aber das habe ich auch schon beobachtet. Ich musste mal einen reservierten Platz aufgeben, weil der Zug überfüllt war, ich nicht am entsprechenden Wagen einsteigen konnte weil die Mitreisenden keinen Platz an der Tür machten oder machen konnten. Bin dann entnervt den Zug langgehechelt, bis an einer Tür noch Platz war, um einzusteigen. Bis ich mich zu dem reservierten Platz durchgehangelt hatte, hatte der Zug schon die nächste Station erreicht. Eine Frau sah mich triumphierend an, lachte übermäßig laut und schrill und schrie förmlich „Pech gehabt, pech gehabt. Musst halt schneller sein“. Und wieder lachte sie …
    Ob die auch noch gelacht hätte, wenn sie erfahren hätte, dass ich aufgrund meiner Beschwerde beim Zugbegleiter einen Platz in der 1. Klasse bekam und ein Freigetränk wegen „der Unannehmlichkeiten“ ? Von Gießen nach Villingen-Schwenningen war das ganz bequem, zumal der Zu in den 2. Klasse-Abteilen förmlich aus allen Nähten platzte, während die 1. Klasse sehr geräumig und praktisch „unterbesetzt“ war.

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