ÖPNV-Tutorial IV: Rolltreppenfahren

Nach dem richtigen Einstieg, dem Verstauen von Gepäck und der Müllentsorgung, widmen wir uns in der neusten Folge des Tutorials für schöneres Fahren mit dem öffentlichen Personennahverkehr einem Thema, das nicht nur Reisende, sondern alle Personen im öffentlichen Raum angeht: das Rolltreppenfahren.

Scherl: 22.12.1925 Bei Herrman Tietz in der Leipziger Strasse. Berlins erste Rolltreppe in Betrieb genommen.

Was 1925 noch brandneu war, sollte heute eigentlich jedem geläufig sein. Da aber kein Personal mehr bei jeder Rolltreppe abgestellt ist, hier noch mal eine kleine Erinnerung: Wer es nicht besonders eilig, oder schweres Gepäck dabei hat, der stellt sich auf die rechte Seite der Rolltreppe und lässt Platz links neben sich, um die Leute vorbeizulassen, die sich beeilen müssen, um den nächsten Zug zu erreichen. Sollte der Platz links nicht frei sein, spricht der Eilige den oder die Blockierenden einfach kurz freundlich an. Ein einfaches „Darf ich mal durch?“ reicht meistens vollkommen aus. Schubsen und Pöbeln sollte ein zivilisierter Mensch eigentlich bereits nach dem Kindergarten abgelegt haben.

Das wichtigste zum Schluss: Bleiben sie am Ende der Rolltreppe nicht direkt stehen, um sich zu orientieren. Es gibt eine Welt hinter ihnen – und die kommt gerade mit Macht auf sie zugerollt.

Bild: Bundesarchiv, Bild 183-2004-0807-500 (CC BY-SA 3.0 DE)

Advertisements

Vom Hoherodskopf nach Hause

… bin ich letztens mal fast gelaufen. Das ganze fing mit einer wilden Verfolgungsjagd an. Wir wollten mit dem Vulkan-Express hoch auf den Berg fahren. Dazu sind wir mit dem Auto nach Fischborn gefahren, wo die nächstbeste Haltestelle zu finden ist. In der Riedstraße, direkt parallel zur Hauptdurchgangstraße, warteten wir also geduldig auf den Bus, der zwar pünktlich kam, dann aber auf der Hauptstraße an uns vorbeirauschte. Er war gar nicht in die Parallelstraße zu seiner eigentlichen Haltestelle abgebogen.

Nach kurzer Beratung stieg das Wanderteam ins Auto und wir lieferten uns eine Verfolgungsjagd mit dem Bus bis zur nächsten Haltestelle in Hartmannshain. Kurz vorm Ort konnten wir überholen und dann das Auto zum Glück direkt neben der Haltestelle auf dem Parkplatz abstellen. Der Tag begann also schon mal vielversprechend aufregend. Auch in der Freizeit kann man offensichtlich Pendel-Abenteuer erleben.

Vom Hoherodskopf aus sind wir dann dem Lahn-Kinzig Fernwanderweg gefolgt. Vor dem Taufstein war die Markierung leider nicht wirklich eindeutig, so dass wir erst mal kurz in die falsche Richtung gelaufen sind (auf jeden Fall bis zum Bismarckturm laufen, nicht vorher links abbiegen). Aber so ein Umweg birgt ja auch seine Reize… Wieder auf dem richtigen Wege gab es einige total überwucherte Streckenabschnitte durch den Wald. An der Herchenhainer Höhe genossen wir den tollen Ausblick ins Tal bei einer längeren Rast und staunten nicht schlecht über das verwunschene Denkmal für die in den Weltkriegen gefallenen Wanderer mitten im Wald. Die Bonifatiuskanzel, eine Basaltformation von der aus der Heilige natürlich damals gepredigt hat, ist auch schön anzusehen. Am Ende war ich tatsächlich ganz froh, dass ich nicht bis nach Fischborn zurück müsste. Ich bin ja noch ganz am Anfang mit meiner Wanderer-Karriere.

Länge: ca. 14km, Schwierigkeitsgrad: leicht

Bilder von mir und der wunderbaren mrsbananabrain.

The Walking Dead

MAR092419_362_564_s_c1Ich habe mir nun endlich, auf diverse Empfehlungen hin, The Walking Dead reingezogen. Als Comic, nicht als Fernsehserie. Also, Kompendium 1 und 2, erschienen bei Image. Und was soll ich sagen? Ganz gute Unterhaltung, aber lange nicht so super, wie ich es von den Empfehlungen her erwartet hätte.

Ja gut, die Abwärtsspirale in einer sich auflösenden Gesellschaft wird prima dargestellt. Der Horror sind die anderen Menschen, nicht die Zombies, alles klar. Trotzdem packt mich die Geschichte nicht so ganz. Vielleicht bin ich zu naiv. Oder zu Europäisch.

Ich kann die Handlungen der meisten Charaktere nicht nachvollziehen. Ja, das ist alles schlimm und furchtbar, und der Überlebensinstinkt setzt in einer solchen Situation ein und man kümmert sich gerne erst mal um sich selbst oder die ganz Nahestehenden. Trotzdem bezweifle ich jetzt einfach mal, ganz naiv, dass so viele Menschen in meiner Umgebung solch asoziale Psychopathen werden würden. Trauma hin oder her. Vielleicht ist das tatsächlich ein kulturelles Ding. Wir haben ja auch kein Gewehr unterm Kopfkissen. Wahrscheinlich müssten wir uns über die Nachwehen der Zombie-Apokalypse also sowieso keine Gedanken machen. Wir sind dann eh alle auf der anderen Seite.

The Walking Dead

TWD_Compendium_Vol2-web_362_557_s_c1So, following several recommendations, I finally tackled The Walking Dead. The comic, not the TV series. I read Compendium One and Two, published by Image. And what can I say? Good entertainment but not as fantastic as I’d expected from the recommendations.

Yeah, ok, the downward spiral in a dissolving society is shown nicely enough. The horror is other people, not the zombies, all clear. Still, the story doesn’t totally hook me. Maybe I am too naïve. Or too European.

I simply cannot comprehend the actions of most characters. Yes, it’s all dire and awful, and the survival instinct will kick in in such situations and you’ll care about yourself and those closest to you first and foremost. Yet I doubt, totally naively, that so many people in my vicinity would become such anti-social psychopaths. No matter the trauma. Maybe this is actually a cultural thing. We don’t sleep with shotguns underneath our pillows after all. We will probably not even have to think about the aftermath of a zombie apocalypse. We’ll all be on the other side anyway.

Der Tag an dem Mama die Smileys entdeckte

So oder ähnlich könnte der Tagebucheintrag eines jungen Mannes betitelt sein, dem ich neulich im Zug gegenübersaß. Gleich neben ihm seine Mutter, die gerade dabei ist eine Nachricht über ihr Smartphone zu versenden.

„Die Kathrin hat mir letztens so ein lustiges Grinsemännchen mitgeschickt. Die kann man hier irgendwie hinzufügen.“

Der junge Mann zeigt der Mama, wo die zu finden sind.

„Mann, was es hier nicht alles gibt! Aber … was bedeutet denn der?“ Sie hält ihrem Sohn das Telefon vor die Nase.

„Der ist total wütend.“512px-Twemoji_1f610.svg

„Und der hier?“

„Na, der kotzt.“

„Ui, ui, ui. Und der?“

„Der lacht so krampfhaft.“

„Und der?“

„So neutral.“512px-Twemoji_1f4a9.svg

„Und der?“

„Weiß ich auch nicht.“

„Und der?“

„Das ist ein Scheißhaufen.“

„Was??? Und der?“

Die Frage wiederholt sich, für mich gefühlte 20 Mal, für den Sohn sicher um die 100 Mal. Es klingt fast wie eine späte Rache an der oft im Minutentakt gestellten Frage aller Fragen bei der Reise mit dem Kind damals: „Wann sind wir denn endlich da?“

Bild: Twemoji von Ebrahim & Twemoji von Ebraminio (CC BY 4.0)

Vogelsberger Rinder und muntere Pferde

… gibt es laut dem Prospekt auf der Vogelsberger Extratour Eschenrod-Stausee. Und ja, die habe ich auch gesehen. Besonders munter waren die Haflinger am Schönen Stein nicht unbedingt, aber das muss man in der Nachmittagshitze an einem Spätjunisonntag ja auch nicht unbedingt sein. Die Highland-Rinder haben uns ignoriert, während die Angus-Rinder uns kurz vor Ende der Wanderung neugierig folgten.

Vom Parkplatz am Sportplatz in Eschenrod geht es los, vorbei an Streuobstwiesen, Äckern und Weiden. Ein erstes Highlight, welches im Tourenführer keine Erwähnung findet, ist der trostlos daliegende Waldspielplatz, dessen Einrichtung ausschließlich aus industriellen Großspulen besteht, und die dazugehörige sanitäre Einrichtung. Von der kurz danach erreichten Höhe aus hat man einen wunderbaren Ausblick Richtung Hoherodskopf auf der einen und Frankfurt auf der anderen Seite. Bei klarer Luft erkennt man gerade so die Hochhäuser. Durch den Wald geht es gemächlich hinab zum Stausee, vorbei an drei über 100 Jahre alten Mammutbäumen, den ältesten ihrer Art im Vogelsberg.

Am Stausee haben wir eine Pause, samt Vollbad, eingelegt. Eine Wohltat für die heißgelaufenen Füße/Beine! (Die bei mir noch erschwerend in brandneuen Wanderschuhen steckten). Danach geht es wieder bergan, mal sanft, mal etwas steiler, am Anfang mit Blick auf Schotten linker Hand. Das letzte Highlight auf der Reise ist das Geotop Alteburgkopf, ein herausgewitterter Vulkanschlot mit Ringwallanlage. Oben auf der Höhe steht außerdem ein Denkmal für die im ersten und zweiten Weltkrieg gefallenen Forstarbeiter.

Besondere Vorkommnisse: Meine Wandergefährtin ist auf eine Ringelnatter getreten, was der Natter offensichtlich wenig ausmachte, nach dem Tempo und der Behändigkeit des Wegschlängelns zu urteilen. Allerdings drang ein weibischer Aufschrei aus zwei Kehlen – also in etwa so und so – über die Wiese …

14 km, 380 Höhenmeter, Schwierigkeitsgrad: leicht

Weitere Eindrücke von der Tour, im Mai begangen, gibt es übrigens bei der Vogelsbergerin.

So, Drohung wahrgemacht. Weitere Ausflugsberichte folgen.

Der Reiseführer für den Mittelerdeprofi

pauschalreisen

Pflichtlektüre für den Mittelerde-Reiseleiter

Wer glaubt mit dem Erwerb von Pauschalreisen nach Mittelerde von Uli Hacke einen Reiseführer mit vorgefertigten Angeboten in die Hand zu bekommen (Gondor in 3 Tagen, Wellness in Bruchtal…), der hat weit gefehlt. Ja, es beinhaltet sicher ein paar wunderbare Beispiele, wie man seine Ferien in Mittelerde verbringen kann, aber hauptsächlich wendet sich dieses Werk an den Profi: an den Reiseführer selbst. Das wird besonders deutlich im Kapitel „Ohne meinen Tolkien sag‘ ich nix“, welches sich direkt an angehende Reiseleiter wendet.

Mit viel hintersinnigem Humor und Sachverstand werden dem Leser die Vorzüge aber auch die Tücken (Zeitunterschied!) einer Reise nach Mittelerde nähergebracht. Es gibt unter anderem Hintergrundinformationen zur Infrastruktur, Wirtschaft, Finanzen, Wetter, Sicherheitslage und Kultur. Das Werk ist also ein absolutes Muss für jeden Reiseveranstalter, der eine Reise nach Mittelerde ins Programm aufnehmen möchte. Aber auch Otto-Normal-Reisender wird hier viele nützliche Tipps für die Reise finden.

Das 212-seitige Werk gibt es übrigens direkt beim Autor für 15€ zu bestellen.

lotr1.pl

Wohl einer der bekanntesten Reiseführer Mittelerdes: Streicher – hier auf dem Weg mit einer Reisegruppe Hobbits zur Wetterspitze (oben links, Abbildung von Anke Eißmann)