Aus dem Land der Geschichtenerzähler

Zuhause von Kristof Magnusson

Zuhause von Kristof Magnusson

Das literarischste Volk der Erde lebt auf Island – und über dieses Zuhause schreibt Kristof Magnusson in seinem gleichnamigen Debütroman.

Larus, der in Hamburg wohnt, fährt zu Weihnachten in die alte Heimat, aber an schöne Weihnachtsstimmung ist nicht zu denken. Denn kurz vor der Abreise hat sein Freund mit ihm Schluss gemacht. Dann erklärt ihn das isländische Einwohnermeldeamt für tot, er verkracht sich mit der besten Freundin, ein neuer Verehrer begeht Selbstmord und ein Familiengeheimnis gibt Rätsel auf.

All das wunderschön humorig verpackt, auf der skurrilsten aller Inseln, über deren Gepflogenheiten ich mich in der Vorbereitungslektüre schon mal schlau gemacht habe. Nach Das war ich nicht, wird auch Zuhause nicht mein letzter Magnusson gewesen sein.

 

Zugidentitätsfindung

Schon vor einer ganzen Weile am Südbahnhof in Frankfurt.

womanEs ist x:30 Uhr, ich warte auf dem RE 50 nach Fulda. Auf der Anzeige steht seltsamerweise die RB nach Wächtersbach. Dann die Durchsage: „Auf Gleis 6 fährt ein, der RE nach Würzburg.“ Für den ist es – genau wie für die RB – eigentlich noch zu früh … Mal schauen, was da jetzt einfährt. Laut der Zugbeschriftung fährt der vordere Teil des Zugs als RE nach Fulda, der hintere als RB nach Frankfurt. Ich steige mal vorne ein. Der Schaffner schafft dann Klarheit: „Sie befinden sich im RE nach Fulda.“ Die Fahrgäste, die bereits am Hauptbahnhof eingestiegen sind, schauen etwas verwirrt. „War doch klar.“ Naja, nicht in Süd.

Dreiländerspaziergänge

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Morgens scheint noch die Sonne im beschaulichen Hausen

Am 9. November 2014 habe ich gleich drei Spaziergänge gemacht – und das in drei verschiedenen Bundesländern. Morgens früh ging es los mit einem Verdauungsspaziergang nach dem Frühstück im beschaulichen Örtchen Hausen in Baden-Württemberg. Auf dem Heimweg habe ich dann kurz Station im Staatsbad Bad Brückenau in Bayern gemacht, und etwas später auf der Burg Steckelberg im wunderschönen Sinntal in Hessen.

 

Meinungsverschiedenheit mit King über Shakespeare

Theater im Stil von Shakespeare […]. Ab und zu versucht jemand einen Blankvers aufzuführen, entweder auf dem Broadway oder off-Broadway. Das ist zwangsläufig zum Scheitern verurteilt.

kingStephen King sagte das 2002, im Vorwort zu seiner Kurzgeschichtensammlung Everything’s Eventual. Davor erwähnt er außerdem Shakespeare-Filme, die nicht mal funktionieren würden mit Brad Pitt als Hamlet oder Jack Nicholson als Polonius.

Da muss ich widersprechen. Wenn ich mir Shakespeare-Verfilmungen der Zeit anschaue, gab es 2000 Ethan Hawke als Hamlet, Kenneth Branagh in derselben Rolle 1996, Anthony Hopkins als Titus Andronicus 1999, Leonardo di Caprio als Romeo 1996 – alle in Blankvers, und nicht alle sind gescheitert.

Zu solchen Stücken auf dem Broadway kann ich nichts sagen. In den Theatern von London gehören Shakespeare-Produktionen zum Tagesgeschäft – und sie sind oft sehr erfolgreich. In Deutschland gibt es manchmal sehr seltsame Produktionen, die nur vage auf den Originalen basieren, aber oft auch in Blankvers aufgeführt werden. Vielleicht liegen die Dinge heute anders – oder vielleicht schätzen europäische Zuschauer den alten Barden einfach mehr – seine Stücke sind aber sicher keine verlorene Kunst, wie King uns das glauben machen möchte.

Nach dieser kurzen Meinungsverschiedenheit mit King, ist der Rest des Buches voller wunderbarer Geschichten. Ich habe es natürlich gekauft wegen „The Sisters of Eluria“, das uns in das Universum des Revolvermanns zurückführt. Aber der Rest hat mich ebenfalls unterhalten. Da gibt es zum Beispiel einen Mann auf dem Autopsie-Tisch, der noch gar nicht tot ist, ein unheimliches Bild, Massenmord im Café, einen Mann, der über Selbstmord nachdenkt, eine „Täglich grüßt das Murmeltier“-Episode, Hunde- vs. Katzen-Menschen … einige Geschichten blutig, einige dunkel, alle tief.

Disagreeing with King on Shakespeare

Playwriting in the Shakespeare style […]. Every now and then someone tries mounting a blank-verse either on Broadway or off it. They inevitably fail.

Stephen King said that 2002, in the foreword to his short story collection Everything’s Eventual. Before that he also mentions Shakespeare on film, which would not even work with Brad Pitt as Hamlet or Jack Nicholson as Polonius.

I must beg to differ here. Looking at films, there was Ethan Hawke as Hamlet in 2000, Kenneth Branagh in the same role in 1996, then Anthony Hopkins as Titus Andronicus in 1999, Leonardo di Caprio as Romeo in 1996 – all in blank-verse and certainly not all failed.

Of course I cannot comment on the success of such plays on Broadway. In London’s theatres, Shakespeare productions are part of the everyday stock – and they are often quite successful. In Germany you sometimes get some very weird productions, more loosely based on the original but usually also in blank verse. Maybe things have changed these days – or maybe European audiences are simply more appreciative of the old bard – and his plays are certainly not a lost art, as King wants to make us believe.

After that short disagreement right at the beginning, the rest of the book is filled with wonderful stories. I bought it, of course, for “The Little Sisters of Eluria” which leads us back to the Gunslinger’s universe. But the rest of the tales kept me entertained as well. We get a man on the autopsy table who is not actually dead, an eerie picture, mass murder at a café, a man contemplating suicide, a Groundhog Day episode, dog vs. cat people … some stories gory, some dark, all deep.

Historische Durchsagensammlung I

Wie bereits erwähnt, schmökere ich gerade in alten Tagebüchern. Die habe ich oft im Zug beim Pendeln geschrieben. Und da habe ich tatsächlich schon interessante Durchsagen und Erlebnisse gesammelt, bevor ich überhaupt die Idee zu meinem Blog hatte. Hier die ersten fünf aus der historischen Sammlung:

12.01.11 – Eine panische Stimme aus dem Lautsprecher:

Zugführer sofort anhalten! Wir haben eine offene Tür!

12.01.11 – Etwas später während der gleichen Fahrt, in Frankfurt Süd:

Wir überprüfen die Türen. Dabei werden sie geschlossen gehalten.

31.03.11 – Super Information:

Die Bremsen funktionieren.

07.04.11 – Eine total normale Durchsage – wenn sie nicht während voller Fahrt gekommen wäre:

Bitte von den Türen zurückbleiben.

27.04.11 – Wir stehen am Hauptbahnhof Frankfurt, hätten schon vor 10 Minuten losfahren sollen:

Frau Antonia Z[.], bitte mal auf dem Bahnsteig melden. Es sind zwei Personen für sie da.

Goldene_Kamera_2012_-_Kai_PflaumeMeine Phantasie geht bei sowas ja immer mit mir durch. Haben wir deshalb Verspätung? Ist die Frau gefährlich? Oder steht da draußen Kai Pflaume mit zwei lang verschollenen Familienmitgliedern?

Bild: Kai Pflaume von JCS (CC BY-SA 3.0)

Johann Heinrich Orth – Im Kleeblatt begraben

DSCN0794[1]Ein Spaziergang durch Nidda, bereits im letzten Jahr. Die tollste Begegnung war mit dem ehrsamen Johann Heinrich Orth auf dem Kirchhof. Der gute Kupferschmied hatte drei Frauen: zwei Annas und eine Justina. Und „diese 3 Weiber liegen auf einem Kleebat um [i]hn herum begraben“. Er starb 1762 und wurde stolze 83 Jahre alt.

Ein wunderbar geekiges Leben

felicia-day…beschreibt Felicia Day in ihren Memoiren You’re never weird on the internet (almost). Musik- und Mathe-Genie, Schauspielerin, Spieler, Drehbuchautorin, Filmemacherin, wunderbarer Geek. Hausunterricht, Depression, Gamer Gate, online Mobbing, Feminismus … Kurz gesagt: die geekige Reise einer wunderbaren Frau. Kommt mit den höchsten Empfehlungen!

A wonderful geeky life

…is what Felicia Day writes about in her memoirs You’re never weird on the internet (almost). Home-schooled, music and maths genius, actor, gamer, screenwriter, filmmaker, wonderful geek. Depression, Gamer Gate, online bullying, feminism … In short: a wonderful woman’s geeky journey. Highly recommended!

Zugdegradierung

Am 19. Januar 2007 wurde mein Zug vom RE zur RB degradiert. Das ist in etwa so, als würde eine Anlage von (gerade noch so) investment grade auf Ramsch heruntergestuft. Die Geschichte habe ich gerade beim Lesen eines alten Tagebuchs wiederentdeckt.

Strommast

Sturmopfer Strommast

Am Tag davor hat Orkan Kyrill das Land und die Bahngleise unsicher gemacht. Am nächsten Morgen gegen 9:30 Uhr fuhren die ersten Züge dann bereits wieder durch das Kinzigtal. In der ersten Ansage im Zug hieß es, der RE wurde bis Hanau zum RB heruntergestuft – und hielt damit an allen Bahnhöfen. Noch habe ich mir keine Gedanken über die Ansage gemacht. Erst als uns der Schaffner in Hanau dann etwas enttäuscht erkläre, dass wir tatsächlich die restliche Strecke bis Frankfurt Hauptbahnhof ebenfalls in einer RB darben müssten, wurde ich hellhörig.

Ein RE von Hanau nach Frankfurt Hbf hält auf dem Weg in Offenbach und Frankfurt Süd.

Eine RB von Hanau nach Frankfurt Hbf hält auf dem Weg in Offenbach und Frankfurt Süd.

Aber schon klar. Die Kinzigtalbahn sollte in der Hackordnung einfach ganz unten sein. Auf Ramschniveau herabgestuft. Trotzdem hat uns kein ICE mehr überholt.

Bild: Umgeknickter Freileitungsmast bei Magdeburg von Olaf 2 (CC BY-SA 3.0)

Schelder Wald und Erdbacher Höhlen

Bereits letztes Jahr haben wir eine kleine Tour durch den Schelder Wald gemacht. Leider ist das ganze mittlerweile so lange her, dass ich den genauen Weg  nicht mehr nachvollziehen kann, aber ein paar der Bilder (teils von mir, teils von mrs.bananabrain) will ich Euch nicht vorenthalten. An einem alten Basaltsteinbruch fanden wir einen Geocache unter einem Baum – obwohl wir gar nicht danach gesucht haben. Auf dem Rückweg machten wir uns noch auf den kleinen Rundweg um die Erdbacher Höhlen.

 

Nachholbedarf bei deutschsprachigen Klassikern

Ich habe Nachholbedarf bei den deutschsprachigen Klassikern. Irgendwie habe ich in meinem Deutschunterricht nur halb so viele Bücher gelesen, wie alle anderen – habe ich jedenfalls so das Gefühl. Jedenfalls gibt es bei mir große Lücken bei den Klassikern. *hust-Goethe-hust* Nach und nach habe ich mir einige vorgenommen, zuletzt Friedrich Dürrenmatts Theaterstück Der Besuch der alten Dame, weil eine ehemalige Mitbewohnerin in Studienzeiten so begeistert davon erzählt hat.

der_besuch_der_alten_dameClaire Zachanassian, eine Milliardärin aus Amerika, kehrt in ihre alte Heimat, das mittlerweile verarmte Dorf Güllen, zurück. Während die Einwohner auf Investitionen spekulieren, will Claire vor allem eins: Rache für ein altes Unrecht. Und dabei spekuliert sie auf die Gier der verarmten Bevölkerung. Rache, Gier, Mord, Schuld und Sühne … die großen dunklen Themen kommen leider nie aus der Mode. Prima zu lesen (meine Ausgabe: Diogenes, 1998), aber nun würde ich es gerne noch mal auf der Bühne sehen.

Hat jemand noch so eine tolle Empfehlung unter den deutschen Klassikern für mich? Faust ist auf jeden Fall schon auf der Liste.