Meinungsverschiedenheit mit King über Shakespeare

Theater im Stil von Shakespeare […]. Ab und zu versucht jemand einen Blankvers aufzuführen, entweder auf dem Broadway oder off-Broadway. Das ist zwangsläufig zum Scheitern verurteilt.

kingStephen King sagte das 2002, im Vorwort zu seiner Kurzgeschichtensammlung Everything’s Eventual. Davor erwähnt er außerdem Shakespeare-Filme, die nicht mal funktionieren würden mit Brad Pitt als Hamlet oder Jack Nicholson als Polonius.

Da muss ich widersprechen. Wenn ich mir Shakespeare-Verfilmungen der Zeit anschaue, gab es 2000 Ethan Hawke als Hamlet, Kenneth Branagh in derselben Rolle 1996, Anthony Hopkins als Titus Andronicus 1999, Leonardo di Caprio als Romeo 1996 – alle in Blankvers, und nicht alle sind gescheitert.

Zu solchen Stücken auf dem Broadway kann ich nichts sagen. In den Theatern von London gehören Shakespeare-Produktionen zum Tagesgeschäft – und sie sind oft sehr erfolgreich. In Deutschland gibt es manchmal sehr seltsame Produktionen, die nur vage auf den Originalen basieren, aber oft auch in Blankvers aufgeführt werden. Vielleicht liegen die Dinge heute anders – oder vielleicht schätzen europäische Zuschauer den alten Barden einfach mehr – seine Stücke sind aber sicher keine verlorene Kunst, wie King uns das glauben machen möchte.

Nach dieser kurzen Meinungsverschiedenheit mit King, ist der Rest des Buches voller wunderbarer Geschichten. Ich habe es natürlich gekauft wegen „The Sisters of Eluria“, das uns in das Universum des Revolvermanns zurückführt. Aber der Rest hat mich ebenfalls unterhalten. Da gibt es zum Beispiel einen Mann auf dem Autopsie-Tisch, der noch gar nicht tot ist, ein unheimliches Bild, Massenmord im Café, einen Mann, der über Selbstmord nachdenkt, eine „Täglich grüßt das Murmeltier“-Episode, Hunde- vs. Katzen-Menschen … einige Geschichten blutig, einige dunkel, alle tief.

Disagreeing with King on Shakespeare

Playwriting in the Shakespeare style […]. Every now and then someone tries mounting a blank-verse either on Broadway or off it. They inevitably fail.

Stephen King said that 2002, in the foreword to his short story collection Everything’s Eventual. Before that he also mentions Shakespeare on film, which would not even work with Brad Pitt as Hamlet or Jack Nicholson as Polonius.

I must beg to differ here. Looking at films, there was Ethan Hawke as Hamlet in 2000, Kenneth Branagh in the same role in 1996, then Anthony Hopkins as Titus Andronicus in 1999, Leonardo di Caprio as Romeo in 1996 – all in blank-verse and certainly not all failed.

Of course I cannot comment on the success of such plays on Broadway. In London’s theatres, Shakespeare productions are part of the everyday stock – and they are often quite successful. In Germany you sometimes get some very weird productions, more loosely based on the original but usually also in blank verse. Maybe things have changed these days – or maybe European audiences are simply more appreciative of the old bard – and his plays are certainly not a lost art, as King wants to make us believe.

After that short disagreement right at the beginning, the rest of the book is filled with wonderful stories. I bought it, of course, for “The Little Sisters of Eluria” which leads us back to the Gunslinger’s universe. But the rest of the tales kept me entertained as well. We get a man on the autopsy table who is not actually dead, an eerie picture, mass murder at a café, a man contemplating suicide, a Groundhog Day episode, dog vs. cat people … some stories gory, some dark, all deep.

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