Weichenstörung Wolfgang II

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So sollte die ungestörte Weiche aussehen

„Immer noch oder schon wieder?“ – frage ich mich am Tag nach meiner bisher härtesten Sommerbahnfahrt. Bevor ich mich auf den freitäglichen Heimweg mache, zeigt mir ein schneller Blick ins Internet eine Weichenstörung in Hanau Wolfgang. Dementsprechend ist mit Verspätungen des RE 50 und eventuellen Ausfällen zu rechnen. Ich bin gegen 17:30 Uhr am Hauptbahnhof. Der 17:26er ist noch nicht eingefahren, trifft aber bald auf Gleis 9 statt auf 6 ein. Dort eingestiegen bleibt erst mal jede weitere Information aus. So lange uns diesmal nicht wieder jemand von der Klimaanlage abklemmt, ist mir alles egal. Dafür gibt es von draußen alle fünf Minuten Informationen zu diversen ICEs nach München. Der erste hat 40 Minuten Verspätung wegen einer technischen Störung am Zug, der zweite hat 30 Minuten wegen verzögerter Bereitstellung. Wir fahren plötzlich ohne jede Vorwarnung los. Dann meldet sich der Schaffner: „Bitte beachten sie: Der Zug hat bei der Abfahrt 40 Minuten Verspätung.“ Alles klar, ist beachtet. Danke für die Information.

Bild: Schematische Darstellung einer Weiche von Sansculotte (CC BY-SA 2.5)

Die Zukunft des Schicksalsbergs

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Gestern haben wir uns auf einer Tour rund um den Hoherodskopf die Zukunft des Schicksalsbergs angeschaut. Mit dem Tolkien Stammtisch Vogelsberg, seit neustem auch unter dem Namen Filig’rain bekannt, ging es zum zweiten Mal auf den Höhenrundweg. Diesmal allerdings mit Naturparkführerin und Stammtischmitglied Andrea, die uns auf einer Einführungstour endlich die Grundlagen über den Vogelsberg vermittelt hat. Jetzt wissen wir genau, auf welcher Art Vulkan wir da tanzen, äh, wandern.

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Beim Abendessen im Schöttener Wirtshaus schauten wir in Karen Wynn Fonstads Atlas von Mittelerde – und da vor allem natürlich auf die Seiten zum Schicksalsberg. Die Ähnlichkeit des Kartenmaterials zum Vulkan, aber auch zu Wetterphänomenen oder Wasserscheiden war frappierend … Die Zukunft des Schicksalsbergs sieht also alles andere als düster aus.

Lebenswichtiges Utensil bei der Sommerbahnfahrt

Der Sommer ist endlich da – bekanntlich ja einer der vier Todfeinde der Bahn. Nehmen wir den gestrigen Tag als Beispiel, eine Begebenheit auf der Kinzigtalbahn.

Ich bin extra früher ins Büro, damit ich früher gehen kann. Bei dem Wetter brauche ich eine Abkühlung. Der Plan ist heute Abend ins Freibad zu gehen. Der RE 50 um 16:26 Uhr steht pünktlich am Gleis. Ich sitze im gut klimatisierten Abteil – aber der Zug fährt nicht los. Eine Minute bevor der 16:50er Richtung Fulda fährt, kommt die erste Durchsage: „Wegen einer technischen Störung verzögert sich die Abfahrt dieses Zuges um ca. 40 Minuten. Geplante Abfahrt ist um 17:08 Uhr.“ Ein bisschen knapp, aber alle die wollen, schaffen es noch in den 17:50er, der natürlich wegen der Umsteiger ein paar Minuten später losfährt. Alles noch im grünen Bereich, ich habe vollstes Verständnis. In Hanau Steinheim bleibt der Zug dann stehen. „Wegen einer Stellwerkstörung in Hanau Wolfgang, verzögert sich die Weiterfahrt.“ Ja, ok, auch dafür habe ich Verständnis.

Kein Verständnis habe ich allerdings dafür, dass die Klimaanlage ausgestellt wird. Ich bin mir relativ sicher, dass es keinen Defekt gab, denn bei der Weiterfahrt geht sie wieder an – wird der Situation im völlig überhitzten Zug aber nicht mehr Herr.

Lieber RMV/liebe Deutsche Bahn,

Sie sind gestern ganz knapp einer selbstverschuldeten Sachbeschädigung im RE 50 entgangen. Nach etwa einer halben Stunde im ungekühlten Zug, war die Hitze kaum noch erträglich. Passagiere versuchten wiederholt, die nicht ohne Schlüssel zu öffnenden Fenster zu knacken. Es wurde schon laut darüber nachgedacht, die Scheiben einzuschlagen. Kurz vor dem Kreislaufkollaps, nützt es nichts nochmal die Information zu bekommen, dass in Hanau ein Weichenschaden ist. Der Passagier möchte wissen, wann mit frischem Luftzufuhr zu rechnen ist. Es muss doch möglich sein, eine Klimaanlage in einem stehenden Zug laufen zu lassen – oder wenn das tatsächlich nicht geht, sollte jemand vom Personal mit dem Schlüssel vorbeikommen und die Fenster öffnen können. Für alles andere habe ich kein Verständnis.

Ein fast geschmolzener Passagier

Das ‚fast‘ habe ich übrigens diesem (über-)lebenswichtigen Utensil bei der Sommerbahnfahrt zu verdanken:

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Historische Durchsagensammlung II

Weiter geht es mit meiner Sammlung historischer Zugdurchsagen.

09.09.11 – Beim ersten Hören macht es wenig Sinn, aber mit ein bisschen Fantasie, wird eine schlüssige Geschichte draus:

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Blick in den Himmel vom Flughafen Fernbahnhof

Wegen eines Triebwerkschadens hält ICE XYZ heute nicht in Frankfurt Flughafen Fernbahnhof. Der Zug hält außerplanmäßig an Frankfurt Flughafen Regionalbahnhof.

 

16.12.11 – Wir hören dich prima:

Wir können jetzt losfahren; sind jetzt beide auf dem Zug drauf. Lokführer, hörst du mich?

17.02.12 – Einfach kann ja jeder:

Wegen einer extrem komplexen Türstörung haben wir 40 Minuten Verspätung.

24.02.12 – Klingt, als wäre da jemand mit der Betriebsleitung nicht ganz d‘accord:

Wegen einem weiteren betrieblichen Befehl haben wir nun zehn Minuten Verspätung.

30.05.12 – Wer hat da eigentlich das Mikrofon gekapert?

Herr Zugführer, bitte mal in den ersten Wagen kommen. Da ist jemand in der Toilette eingesperrt.

Die Weidmühle in Eschenrod

P1120359Im April ging es mit dem Tolkien-Stammtisch im Vogelsberg zu einer Führung durch die historische Weidmühle nach Eschenrod. Dort gab es nicht nur Spannendes über das alte Handwerk zu erfahren, Familie Kuss schuf für uns außerdem einen wunderbaren Ort – mit fantastisch leckerem Kuchen und heißem Kaffee an einem kühlen Frühlingstag – für unsere Diskussion zum Thema Tolkien und Anti-/Feminismus.

 

Ich bin kein junger Designer

Title_HaifischUnd werde sicher auch keiner mehr werden. Trotzdem habe ich Von der Badewanne ins Haifischbecken. Ein Survival Guide für junge Designer von Jan Hochbruck mit Freude gelesen. Ich wollte ja eigentlich nur mal kurz reinschauen, nachdem ich das Buch bei Palmer Hargreaves gewonnen habe. Ich kenne die Schreibe des Autors und war überzeugt, dass das sicher ganz heiter wird. Das Ganze war dann so kurzweilig, dass ich plötzlich durch war mit dem Buch.

Wenn das Werk also einem nicht-jungen Nicht-Designer gefällt, muss man es natürlich jedem ‚Betroffenen‘ wärmstens ans Herz legen. Es gibt ein paar sehr spezifische Passagen zur Berufswahl, aber viele Tipps sind auf alle möglichen anderen Jobs übertragbar. Das Buch ist keine oberflächliche Karrierefibel mit Motivations-Platituden, sondern ein echter Ratgeber eines Branchenprofis, der einfach frei Schnauze aus dem Nähkästen plaudert und dabei die Vor- und Nachteile, Höhen und Tiefen des Berufszweigs und eben des Berufslebens allgemein beleuchtet. Ob Bewerbung, Praktikum, das Zwischenmenschliche, Zeitmanagement, Karrieresprung, Arbeitslosigkeit – hier findet jeder Berufsanfänger, aber auch ein paar alte Hasen, gute Tipps.

Besonders gut gefallen hat dem Geek in mir natürlich die Verknüpfung der ‚trockenen‘ Materie mit Bildern aus der Fantasy, der Sci-Fi oder gar Mythen. Stellvertretend sind hier einfach mal die Tolkien-Anspielungen gesammelt.

Falls es dir immer noch schwerfällt, dich für die richtige Agentur (Firma, Studio, egal) zu entscheiden: Mache es wie Gandalf in der „Herr der Ringe“-Verfilmung, und vertraue deiner Nase. (S. 76)

Die Geschichte der Welt zeigt, dass die meisten aussichtslosen Kämpfe mit brutalen Niederlagen endeten (dennoch ist der Kampf „allen Widernissen zum Trotz“ eines der hartnäckigsten Themen in Literatur und Kunst, von David vs. Goliath bis zu Frodo Beutlin oder Luke Skywalker). (S. 158)

Über Leute, die in ihrem ersten Job verblieben sind:

Sei mit denen bloß vorsichtig. Diese Leute haben keine Abenteuer erlebt, sind nicht mit den Zwergen losgezogen, um einem Drachen seinen Schatz zu rauben. (S. 182)

An alle späten Schnorrer

euro„Mir fehlt nur noch 1€ für das Ticket nach Hause.“

Manchmal hört man es auf dem Bahnsteig, oft aber auch direkt im noch stehenden Zug. Wer die Frage nach 18 Uhr in einem Pendler-Zug im RMV-Gebiet stellt, hat seine Hausaufgaben nicht gemacht.

„Ach, das trifft sich ja prima. Ich nehme sie einfach auf mein Ticket mit.“

Bisher hat noch niemand mein Angebot angenommen. Mehr oder minder geschickt wird sich rauslaviert, meist mit: „Äh, ja, ich komme dann gleich wieder …“

Da ist mir die direkte Frage – „Haste ma en Euro?“ –lieber. Da werde ich wenigstens nicht angelogen.

Die Geschichten der Toten

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Treffpunkt zur Führung / Meeting point for the guided tour

Mein letzter langer Spaziergang war eine Führung über den Kensal Green Friedhof in London. Wer sich am Sonntag um 14 Uhr an der Kapelle in der Friedhofsmitte einfindet, der trifft meist auf Henry Vivian-Neal, der von dem Gebäude (das übrigens über einen Sargaufzug mit drehbarer Auflage verfügt) einfach drauf los spaziert und Geschichten erzählt. Natürlich von den berühmteren Bewohnern des Friedhofs, aber vor allem denen mit kuriosen Geschichten. Und dabei kommt man schnell zu dem Schluss: „Egal auf welches Grab ich hier zeige – er kann mir die Lebensgeschichte all dieser Menschen hier erzählen.“ Im Gedächtnis geblieben sind mir vor allem:

Charles Blondin

20160522_143559[1]Ein Seiltänzer, der einige Male die Niagarafälle überquerte. Er hat immer noch Fans, die sich einmal im Jahr auf dem Friedhof zu einer großen Party treffen. Mit Champagner. Man findet im Kies auf dem Grab so einige Korken.

Dr. James Barry

Ein anerkannter Arzt, dem unter anderem einer der ersten erfolgreichen Kaiserschnitte – also einer bei dem sowohl Mutter als auch Kind überlebten – gelang. Barry war eine Frau, die sich als Mann ausgegeben hat, um studieren zu können.

Prince George, Duke of Cambridge

20160522_144347[1]Ein Cousin von Königin Victoria und ein schlechter Militärstratege. Aber vor allem bekannt für die skandalöse Heirat der Schauspielerin Sarah Fairbrother – die man vor allem von einem Gemälde kennt, auf dem sie Abdullah in Aladdin verkörpert.

William Cavendish-Scott-Bentinck, Duke of Portland

20160522_150437[1]Einsiedler und Exzentriker. Er wollte von seinen Angestellten ignoriert werden, wenn sie ihn trafen und installierte Briefkästen im ganzen Haus, damit er nicht direkt kommunizieren musste. Liebte pink. Nach seinem Tode tauchten die Druces auf und behaupteten, mit ihm verwandt zu sein. Während der anschließenden Verfahren wurden zwei Beteiligte für verrückt erklärt, und landeten im Irrenhaus.

Dead men’s tales

20160522_151736[1]My last longer stroll was a guided tour of Kensal Green Cemetery in London. If you arrive at the chapel in the middle of the graveyard at 2 pm on a Sunday, you’ll probably meet Henry Vivian-Neal, who just starts to march on from the chapel (which by the way houses a coffin elevator), telling tales. Of course there are stories about the more famous inhabitants of the cemetery, but mostly there are the curious ones. And you quickly come to the realisation: “No matter what grave I point to – the man can tell me the life story of any one of these people.” I especially recall the following:

Dr. James Barry

A recognised surgeon, who among other things performed one of the first successful caesareans – i.e. one in which both the mother and the child survived. Barry was a woman posing as a man to be admitted to study.

Charles Blondin

Tightrope walker who regularly crossed the Niagara Falls. He still has fans who come to celebrate at the cemetery once a year. With champagne. You will find several corks on the gravel in front of his grave.

Prince George, Duke of Cambridge

A cousin of Queen Victoria and a bad military strategist. Best known, however, for his unsuitable marriage to actress Sarah Fairbrother – who is remembered in a painting dressed up as Abdullah from Aladdin.

William Cavendish-Scott-Bentinck, 5th Duke of Portland

A recluse and eccentric. Wanted to be ignored by his staff when he passed by and installed letterboxes to leave messages around the house instead of communicating directly. Loved pink. After his death, the Druces turned up claiming relations. Over the ensuing trial, two people were declared mad and ended up in an asylum.

Some more impressions / Ein paar weitere Impressionen: