Hanau Wilhelmsbad

Das ehemalige Kurgebäude

Anfang April sind wir durch den Staatspark Wilhelmsbad spaziert. Dort gibt es nicht nur ein wunderbar restaurierte altes Karussell und eine mysteriöse Pyramide auf einer Insel, sondern auch einen – Trommelwirbel – Bismarckturm für meine Sammlung.

Bismarckturm

Das Karussell

Der Park

Bilder von mir und mrs.bananabrain

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Ein bisschen maso muss man schon sein

… wenn man Concierge in einem Nobelhotel werden will. Jedenfalls bekommt man den Eindruck, wenn man Der Concierge: Vom Glück, für andere da zu sein (meine Ausgabe: Bastei Lübbe, 2015) von Jürgen Carl liest. Der arbeitete seit 1966 im Frankfurter Hof und hat dementsprechend natürlich jede Menge wunderbare, aber auch unmögliche Menschen erlebt. Die Engelsgeduld, mit der er manch einem Exemplar dabei begegnet ist mehr als bemerkenswert – und ging einige Male über das Maß hinaus, das ein solcher Dienstleister zu erdulden verpflichtet ist. Aber hier hat ein Mensch nicht nur seinen Beruf, sondern seine Berufung gefunden. Deshalb ging er auch erst 2014, mit 75 Jahren, in den Ruhestand. Obwohl ich im Frankfurter Hof ein und ausgehe, habe ich ihn nie getroffen. Denn ich benutze den Seiteneingang, über den man direkt zu den Konferenzräumen gelangt. Wer sich für eine Zeitreise und einen Blick auf die Arbeit hinter den Kulissen in einem Grandhotel interessiert, dem sei dieses kleine Buch wärmstens ans Herz gelegt.

Lake District XVII: Rydal Water und Grasmere

Rydal Water

Von Rydal Mount aus bin ich entlang des Südufers von Rydal Water und Grasmere (dem See) nach Grasmere (dem Dorf) gelaufen, bevor ich auf den Silver How gestiegen bin. Auf der Strecke entdeckte ich ein Rotkehlchen, das ganz entspannt auf einem Baum direkt am Pfad saß, und atemberaubende Aussichten auf Wolkenformationen über den nördlichen Fells.

Lake District XVII: Rydal Water and Grasmere

Grasmere

Starting from Rydal Mount, I walked along the southern banks of Rydal Water and Grasmere (the lake) towards Grasmere (the village) before heading up to Silver How. Encountered a robin sitting on a tree right next to the path and breathtaking views of cloud formations on the northern fells.

Schräge Typen tragen das Laienspiel

Kommissar Kluftinger bekommt in seinem vierten Fall Unterstützung vom BKA und von den Kollegen aus Österreich. Und das ist auch gut so, denn bei dem Versuch der Vereitelung eines Terroranschlags hat der Leser eins und eins längst zusammengezählt, während die Ermittler allesamt noch auf der falschen Fährte sind. Es ist also wieder mal nicht der Fall, sondern die schrägen Typen, die das Laienspiel (meine Ausgabe: Piper, 2012) zum Lesespaß machen. Neben den üblichen Verdächtigen, also Kluftiger & Ko(llegen), glänzt diesmal vor allem noch Valentin Bydlinski, der ungeliebte Kollege aus Österreich.

Nächster Halt-Remix

Neulich zwischen Wächtersbach und Wirtheim:

Der Zugführer unterhält uns heute mit einem Remix der automatischen Durchsage – heißt: er versucht das Band „vorzuspulen“. Das klingt in etwa so:

Nächster Halt: Haitz-Höchst, nä-nä-nächster Halt: Rodenbach, nächster Ha-, nä-nächster Halt: Wolfgang. nächster-nächster Halt, nächster Halt: Frankfurt Hauptbahnhof.

Dort angelangt läuft die gesamte Ansage für den Hauptbahnhof einmal durch. Die kann man wohl nicht vorspulen.

Nächster Halt: Wirtheim.

Ja, jetzt sind wir wieder auf Spur – aber dann geht es direkt danach (und noch vor Wirtheim) weiter mit:

Nächster Halt: Haitz-Höchst, nä-nä-nächster Hal-, nächster Halt: Hanau …

Bis Wirtheim haben wir das Band viermal komplett durch. Danach gibt es dann auf der gesamten Strecke keine Ansage mehr. Natürlich kein Problem für die täglichen Pendler und die, die beim Remix gut aufgepasst haben. Alle anderen haben haben halt einfach Pech gehabt.

Im fürstlichen Hirschpark

Wildwechsel gegen Ende der Wanderung

Ende Mai haben wir die Aurora in der Nähe von Unterreichenbach entdeckt. Auf einer kleinen Runde durch den ehemaligen Hirschpark der Birsteiner Linie der Ysenburger Fürsten, haben wir allerlei wunderbare Flora und Fauna entdeckt, inklusive Europas kleinster Hirschart.

Bilder von mrs.bananabrain und mir

Der Meister seltsamer Welten

… ist China Miéville. Wenn man anderen Leuten von seinen Geschichten – und dabei insbesondere deren Settings erzählt – wird man schon mal schief angeschaut. Seine Welten und deren Bewohner sind seltsam (z.B. seine Kaktusmenschen in Bas-Lag), aber er beherrscht es wie kaum ein anderer, diese seltsamen Wesen und Orte glaubwürdig zu machen. In Railsea (meine Ausgabe: Pan, 2013) kreiert er eine Welt, in der das Überqueren von Erde genauso gefährlich ist, wie das durchsegeln eines Ozeans voller Seeungeheuer. Die ungeheuerlichsten Monster auf dem Schienenmeer (Railsea) – das man natürlich mit Zügen überquert – sind Moldywarpes, Riesenmaulwürfe die wie Wale gejagt werden. Die Geschichte folgt dem jungen Maulwurffänger Sham Yes ap Soorap auf seiner ersten Fahrt. Ein kurioser Fund in einem Zugwrack, bringt das Abenteuer so richtig in Gang. Obwohl Railsea ein Jugendbuch ist, schafft Miéville es, darin gewichtigen Themen wie Kritik am heutigen Kapitalismus unterzubringen. Genau diese Relevanz ist es, die ich an guter Fantasy schätze.

The Master of weird worlds

… is China Miéville. If you tell people about his stories – and especially their settings – they are bound to give you an astounded look or two. His worlds and their inhabitants are strange (e.g. his cactus people in Bas-Lag), but he has mastered the art of making them believable. In Railsea (my edition: Pan, 2013), he creates a world where traversing soil is as dangerous as sailing across a seamonster-infested ocean. The fiercest monsters on the Railsea – on which you travel by train, of course – are moldywarpes, giant moles which are hunted like whales. The story follows young moler Sham Yes ap Soorap on his first trip out on the sea. A curious find on a wrecked train starts off the adventure proper. Although a young adult novel, the book still deals with weighty topics such as a critique of today’s capitalism. This is exactly the kind of relevance I value in good fantasy stories.

 

Abgekapselt von der Außenwelt

Neulich am Fahrkartenschalter.

Vor mir steht ein junger Mann mit einem Stöpsel und lauter Musik im Ohr. Während des Gesprächs mit der Frau hinter der Scheibe muss er immer zweimal nachfragen, weil er sie nicht richtig versteht – was ihn aber nicht dazu veranlasst, den zweiten Stöpsel auch noch zu ziehen. Die Frau hat, wie immer, eine Engelsgeduld. Der Mann besorgt sich eine (kostenlose) Kundenkarte für Auszubildende und ist schon fast auf dem Sprung, bevor ihn die Frau fragt, ob er nicht noch eine Fahrkarte braucht.

„Ach so, ja, nach Biebergemünd über Gelnhausen. Monatskarte.“

„Das macht 104,40€.“

Der junge Mann legt vier Euro vierzig (!) hin.

Einhundert vier, vierzig.“

„Was?“

„Einhundert vier Euro und vierzig Cent.“

„Hab ich heute nicht dabei. Komme wieder.“

Beim Verlassen den Schalters rempelt er mich noch an, weil er auf das Display seines Handys stiert.

„Außenwelt. Nicht ganz schlecht, wenn man die wahrnehmen kann.“

„Was?“

Lake District XVI: Great Langdale

Das Langdale Tal hinauf / Up Langdale

Nach meiner Runde um den Loughrigg Tarn, bin ich das wunderschöne Great Langdale Tal hinaufgewandert. Auf dem ersten Teil der Strecke, ein Abschnitt des Cumbria Way Fahrrad- und Wanderwegs, war ganz schön viel los. Der Weg zwischen Skelwith Bridge und Elterwater folgt dem Brathay Fluss das Tal hinauf. Gleich am Anfang kann man über Treppen auf Felsen mitten in den Fluss hinab steigen und von dort den kleinen Skelwith Force Wasserfall bestaunen.

An einem ruhigeren Abschnitt des Flusses treffe ich ein älteres Ehepaar. Der Mann stößt einen Seufzer aus, dreht sich zu mir um und schwärmt: „Ach, ist das nicht herrlich hier?“ Ich frage ihn, woher er kommt – und denke irgendwie, dass der arme Mann vielleicht aus einer alten Industriestadt wie Sheffield kommt, und jetzt von Lake District total überwältigt ist. „Wir wohnen im Borrowdale Tal.“ Also, sozusagen nebenan. Aber da habt ihr doch auch eine tolle Landschaft! „Naja, nicht so schön wie hier.“ Wahrscheinlich ist es ‚woanders‘ einfach immer schöner.

In Elterwater mache ich bei einem heißen Tee Rast und schreibe ein paar Postkarten. Danach geht es links vom Fluss hinauf, an Schieferhalden vorbei und über Teile des Betriebsgeländes des Burlington Steinbruchs, auf einen Waldweg an der Nordseite des Lingmoor Fells. Ab und zu öffnet sich der Blick hinunter ins Tal, bevor es dann langsam wieder hinuntergeht. An der vom National Trust betriebenen Sticklebarn treffe ich wieder auf meine Reisegefährten, die heute die Langdale Pikes oberhalb vom Stickle Tarn abgeklappert haben. Dort gibt es leckeres Essen für hungrige Wanderer.

Lake District XVI: Great Langdale

Achtung, gefährliches Schaf! / Beware of the sheep!

After my walk around Loughrigg Tarn, I went up the beautiful Great Landale. The first stretch of the path, which is part of the Cumbria Way for hikers and bikers, was very busy. Between Skelwith Bridge and Elterwater, it follows the River Brathay up the valley. Right at the beginning, you can climb down some iron steps onto rocks in the water to have a closer look at Skelwith Force.

On a quieter stretch of the road I meet an elderly couple. The man sighs heavily, turns around and waxes lyrical about the landscape: “Isn’t it beautiful here?“ I ask him where he comes from – somehow thinking that he could be from an old industrial town such as Sheffield, and is now totally overwhelmed by the Lake District. “We live in Borrowdale.“ Which is right next door. But you’ve got such a wonderful landscape there as well! „Well, not as nice as here.“ I guess the grass is always greener on the other side.

I take a break and a tea in Elterwater and write a few postcards. After that, the way leaves the river and goes up the left side of the valley, past mine tips and partly over the Burlington slate quarry, to become a forest road on the norther slope of Lingmoor Fell. You get the occasional glance of the valley below before the path starts to descend again. I meet up with my travel companions, who ticked off the Langdale Pikes above Stickle Tarn today, at the National Trust’s Sticklebarn, which offers excellent food for hungry hikers.