Das Gegenteil von gut ist gut gemeint

… singt Kettcar in „Im Taxi weinen“. Soweit würde ich gar nicht gehen, aber letztens begegnete ich in der Kinzigtalbahn innerhalb weniger Minuten einem (hoffentlich) guten und einem gut gemeinten Ratschlag:

„Ist da noch Platz?“ frage ich den jungen Mann freundlich, der seinen Koffer neben sich im Fußraum stehen hat.

„Ja,“ sagt er ein bisschen zweifelnd, und versucht seinen Koffer unter seine Füße zu ziehen.

geheimer Stauraum im RE

Ich zeige ihm die Lücke zwischen den Sitzen gegenüber. Sein Gesicht hellt sich auf und er bedankt sich. Er sieht aus, als würde er sich freuen, nun auch in den Club der Wissenden um den geheimen Stauraum in den doppelstöckigen REs aufgenommen worden zu sein.

Dann kommt der hilfsbereite Mann Mitte 40 von rechts in Spiel. In belehrendem Ton sagt er zu mir: „Nur mal so als Tipp – im ersten Wagen ist immer Platz.“

Ich schaue mich demonstrativ noch mal genau um. In unserer unmittelbaren Nähe sind noch fünf Plätze frei, verstellt mit Taschen und Koffern unterschiedlicher Größe (bei weiterem problemlosen Gepäckverstauungspotential). Meint der jetzt ernsthaft, dass ein Fahrgast sich gefälligst weiterzubewegen hat, um die Taschen nicht zu stören?

Laut und verwundert sage ich das Offensichtliche: „Es sind ja aber hier auch noch jede Menge Plätze frei.“

Der Mittvierziger schaut plötzlich etwas verschreckt aus, also schicke ich mein bestes Lächeln hinterher. War vielleicht gut gemeint, aber es könnte einem fast zum Weinen sein, wenn man im HVV-Bus-Equivalent den Kürzeren gegenüber einem Gepäckstück zieht.

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Kräuterworkshop auf dem Scheffehof

Der Scheffehof

An einem heißen Tag im Juli war ich mit dem Tolkien Stammtisch im Vogelsberg bei einem Kräuterworkshop auf dem Scheffehof in Kirchbracht. Unter fachlicher Anleitung von Eva Leitzgen stöberten wir dabei die passenden Kräuter auf einer Runde ums Dorf auf und lernten Grundtechniken für die Zusammenstellung einer Hausapotheke – also wie man zum Beispiel eine Tinktur, eine Einreibung oder ein Öl ansetzt. Dabei haben wir uns insbesondere das Johanniskraut, die Schafgarbe, den Spitzwegerich und den Ackerschachtelhalm angeschaut, aber noch viel mehr beim Spaziergang und bei der Sammlung von weiteren Kräutern für ein Duftkissen erfahren. Den Stoff für das Kissen haben wir stilecht mit Hammer und Blüten verziert.

Für unser leibliches Wohl wurde mit einem selbstgebackenen Brot mit Brennesselsamen und Blütenbutter und später mit leckeren Erdbeerkuchen gesorgt, und natürlich dürften eine Kräuterlimonade und ein Kräutertee nicht fehlen. Den Workshop kann ich uneingeschränkt weiterempfehlen und auch der Scheffehof selbst ist ein Kleinod, samt Möbelschreinerei und Imkerei, dem man unbedingt einen Besuch abstatten sollte!

Passend zum Tagwerk, gab es am Abend noch einen Vortrag zu (Heil-)Kräutern im Herrn der Ringe, natürlich mit besonderem Fokus auf dem Star aller Heilkräuter: dem Athelas.

Eine Reise durch Zeit und Raum

Landart-Künstler Andy Goldsworthy nimmt uns in Passage (meine Ausgabe: Thames & Hudson, 2007) mit auf eine Reise durch Zeit und Raum. Er zeigt uns, wie seine Werke sich in einem anderem Umfeld oder nach einer gewissen Zeit verändern. Die in diesem Bildband vorgestellten Projekte – teils von Kuratoren, teils von Goldsworthy selbst – reichen von Großprojekten wie der Errichtung diverser cairns (aufgeschichtete Steinkegel) oder dem Garten der Steine im Museum of Jewish Heritage in New York, bis hin zu kleineren Werken mit Laub und Stöcken – die ich fast am faszinierendsten finde.

A journey through time and space

In Passage (my edition: Thames & Hudson, 2007), landartist Andy Goldsworthy takes us on a journey through time and space. He shows us how his works are changing in a different environment or after a certain amount of time. The projects presented in this coffee-table book – partly by curators, partly by Goldsworthy himself – range from large ones such as the building of several cairns or the Garden of Stones in the Museum of Jewish Heritage in New York, to smaller ones made of fallen leaves and sticks – which I actually find the most fascinating.

Wäller Abenteuer VI: Spektakuläre Aussichten

Domspitzen

Meinen bisher liebsten Bismarckturm habe ich heute in Wetzlar entdeckt: die ehemalige Garbenheimer Warte. Das liegt nicht nur am Turm an sich – der besonders schön ist und sogar einen eigenen ‚Burggraben‘ hat – sondern auch an den atemberaubenden Aussichten in alle Richtungen vom Lahnberg aus. Der Aufstieg von der Altstadt aus ist sehr steil, aber lohnt auf jeden Fall!

Bismarckturm

Aussichten

Wetzlarer Altstadt

Wäller Abenteuer III: Den Kniebrecher hinab

Blick über Herborn

Ich habe mich heute auf den steilen und kurvenreichen Weg (der deshalb auch Kniebrecher genannt wird) hinab ins Tal nach Herborn gemacht. In Merkenbach bin ich gerade noch vor dem Kirmeszug durch den Ort gekommen. Von meinem Besuch habe ich Bilder von einem Spaziergang durch die Altstadt, inklusive Besichtigung der Kirche, mitgebracht.

Wäller Abenteuer II: Westerwald-Querung

Burg Blankenberg

Heute habe ich den Westerwald überquert – durch drei Bundesländer und meinen kulinarischen Lieblingsort Nister-Möhrendorf (der direkt vor Linsengericht rangiert) – um nach Blankenberg zu kommen. Beim Spaziergang durch die wunderschöne mittelalterliche Stadt habe ich diesmal vor allem den Spielplatz kennengelernt, und das sehr leckere hausgemachte Eis im Zum Alten Turm.

Westerwälder Abenteuer I: Hui, Wäller? Allemol!

Im Tal ist noch Nebel

Ich bin im Moment in meiner alten Heimat – dem Westerwald – unterwegs. Heute ging es auf den Leonhard-Hörpel-Rundwanderweg. Eingestiegen sind wir in die durchgängig gut beschilderte Runde in Nenderoth, von wo es gleich hinauf zum Nenderother Wasserfall ging. Am Naturbiotop Haarhausen konnte man Bäume raten – und am Denkmal des Heimatdichters und Wäller-Gruß-Erfinders Adolf Weiss eine erste Rast machen. Von dort geht es auf einem kleinen, nicht ganz leicht zu entdeckenden Pfad in den Wald und hinauf auf den Gipfel des Knotens (605m). Am Gipfelkreuz haben wir uns natürlich in das Gipfelbuch eingetragen und uns die teils lustigen Einträge angeschaut („Aufstieg ohne Sauerstoffmaske gelungen!“). Beim Abstieg vom Knoten hat man einen tollen Ausblick bis auf den Feldberg im Taunus. Oberhalb von Arborn gab es die nächste Rast unter der alten Linde an den Überresten der Heilig-Kreuz-Kirche. An der Tongrube haben wir kurz den Weg verloren, denn ein Abschnitt scheint oben gesperrt worden zu sein. Einfach links in Richtung See hinunter und dann unten auf dem Weg bleiben (und nicht auf dem ursprünglichen Abstieg links wieder hochlaufen). Wir sind dann noch einen kleinen Umweg gelaufen, um am Sauerborn vorbeizukommen. Dort gibt es ein (für mich) neues Hüttchen und eine Pumpe – inklusive Beschriftung als Bismarck-Quelle. Das Wasser schmeckt total cool, sehr eisenhaltig und leicht mit Kohlensäure versetzt. Von dort aus ging es dann über den Kallenbachradweg zurück nach Nenderoth.

Länge: ca. 18 km (die eigentliche Runde ist 15 km lang)

Schwierigkeitsgrad: mittel