Das Gegenteil von gut ist gut gemeint

… singt Kettcar in „Im Taxi weinen“. Soweit würde ich gar nicht gehen, aber letztens begegnete ich in der Kinzigtalbahn innerhalb weniger Minuten einem (hoffentlich) guten und einem gut gemeinten Ratschlag:

„Ist da noch Platz?“ frage ich den jungen Mann freundlich, der seinen Koffer neben sich im Fußraum stehen hat.

„Ja,“ sagt er ein bisschen zweifelnd, und versucht seinen Koffer unter seine Füße zu ziehen.

geheimer Stauraum im RE

Ich zeige ihm die Lücke zwischen den Sitzen gegenüber. Sein Gesicht hellt sich auf und er bedankt sich. Er sieht aus, als würde er sich freuen, nun auch in den Club der Wissenden um den geheimen Stauraum in den doppelstöckigen REs aufgenommen worden zu sein.

Dann kommt der hilfsbereite Mann Mitte 40 von rechts in Spiel. In belehrendem Ton sagt er zu mir: „Nur mal so als Tipp – im ersten Wagen ist immer Platz.“

Ich schaue mich demonstrativ noch mal genau um. In unserer unmittelbaren Nähe sind noch fünf Plätze frei, verstellt mit Taschen und Koffern unterschiedlicher Größe (bei weiterem problemlosen Gepäckverstauungspotential). Meint der jetzt ernsthaft, dass ein Fahrgast sich gefälligst weiterzubewegen hat, um die Taschen nicht zu stören?

Laut und verwundert sage ich das Offensichtliche: „Es sind ja aber hier auch noch jede Menge Plätze frei.“

Der Mittvierziger schaut plötzlich etwas verschreckt aus, also schicke ich mein bestes Lächeln hinterher. War vielleicht gut gemeint, aber es könnte einem fast zum Weinen sein, wenn man im HVV-Bus-Equivalent den Kürzeren gegenüber einem Gepäckstück zieht.

2 Gedanken zu “Das Gegenteil von gut ist gut gemeint

  1. Oh ja. Genau das passiert mir auch immer wieder. Immer wieder nett, der Schaffner, der, wenn es mal beonders eng ist, weil ein Wagen fehlt o.ä., die Durchsage absetzt, es seien noch zahlreiche Plätze frei, „die aktuell noch mit Jacken und Taschen besetzt sind“. Ich hätte eigentlich mal gerne, dass er dann durch den Zug geht und die Jacken- und Taschenbesitzer selbst darauf hinweist, anstatt sich hinter seinem Mikrofon zu verstecken.

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  2. Ja, man kann darauf wetten, dass wenn der Zug sehr voll ist oder viel Verspätung hat, man den Schaffner nicht zu Gesicht zu bekommt. Manchmal blöd, wenn jemand was fragen will, aber ich kann den Selbstschutz auch verstehen. Es gibt leider immer mehr Passagiere, die das gerade greifbare Personal auf die unmöglichste Art angehen.

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