Der Herzog von Portland

William Cavendish-Scott-Bentinck hat mich bereits bei der ersten Begegnung auf dem Kensal Green Friedhof fasziniert. Als ich dann über Mick Jacksons Roman über den Herzog von Portland gestolpert bin, musste ich natürlich gleich zugreifen. The Underground Man (meine Ausgabe: Faber and Faber, 2007) erzählt die Geschichte des Herzogs aus verschiedenen Blickwinkeln. Der meiste Text stammt aus dem fiktionalen Tagebuch des Herzogs selbst, aber es gibt auch ‚Augenzeugenberichte‘ von Bediensteten oder Nachbarn.

Der exzentrische Herzog wird dabei von Jackson als ein Mann mit wunderbar spitzfindig-verschrobenem Geist beschrieben. So schreibt er über eine Taschenuhr, die er von einer Frau geschenkt bekommen hat, die seinen Heiratsantrag abgelehnt hat:

It is a beautiful watch, and perhaps ironic that such a fine example of craftsmanship should should sit in my waistcoat pocket and be a neighbour to my heart which, being merely human, has functioned so poorly since the two were introduced.

(S. 55)

Der Platz des Buches auf der engeren Auswahlliste für den Booker-Preis ist hochverdient.

The Duke of Portland

William Cavendish-Scott-Bentick already fascinated me on my first encounter with him on Kensal Green Cemetery. When I stumbled over Mick Jackson’s novel about the Duke of Portland, I had to buy it, of course. The Underground Man (my edition: Faber and Faber, 2007) tells the story of the Duke from different points-of-view. Most of the text consists of excerpts from the Duke’s fictional diary but there are also ‚eye-witness accounts‘ by servants or neighbours.

Jackson describes the eccentric Duke as a man with a wonderfully quirky mind. Thus he writes about a pocket watch he was gifted by a woman who rejected his marriage proposal:

It is a beautiful watch, and perhaps ironic that such a fine example of craftsmanship should should sit in my waistcoat pocket and be a neighbour to my heart which, being merely human, has functioned so poorly since the two were introduced.

(p. 55)

The book’s shortlisting for the Booker Prize comes well-deserved.

Zugführer gesucht

Ich hatte Glück am Sonntag, denn ich war im Süden Deutschlands mit dem Zug unterwegs. Während viele der Mitreisenden im ICE von München nach Berlin wegen Sturmtief Herwart in Kassel Wilhelmshöhe stranden sollten, wollte ich ja nur bis Hanau mitfahren und von dort in den Regionalexpress Richtung Fulda umsteigen.

Wir waren so gut wie pünktlich in Frankfurt, aber dann ging es irgendwie nicht weiter. Die Zeit verstrich und mir wurde klar, dass ich es in Hanau nicht in den RE schaffen würde. Naja, die RB fährt ja ein bisschen später durch, kein Problem. Dann die etwas genervte Durchsage der Zugbegleiterin: „Wir sind im Moment auf der Suche nach einem Zugführer. Sobald wir einen aufgetrieben haben, können wir weiterfahren.“

Ah, ja. Der Personalwechsel in Frankfurt war geplant, aber möglicherweise war der zugeteilte Zugführer irgendwo im Norden steckengeblieben. Ich wollte mich auf keine Experimente einlassen und bin gleich in Frankfurt in die RB gestiegen, die praktischerweise auf dem Nachbargleis stand.