Gestörter Abend

Der Heimweg fing ganz gemütlich an. Mit dem Schienenersatzverkehr – der die aktuell gesperrten U-Bahn-Haltestellen der Linien U1, 2, 3 und 8 ersetzt – ging es mit ausreichend Zeitpuffer (auf den Straßen kann man ja nie vorhersehen, wie lange es dauert) zur Konstablerwache.

Da überraschte mich dann allerdings die erste Störung. Irgendwas war mit den S-Bahnen der Linien S3-5. Stadtauswärts fuhr zwar bereits wieder einiges, aber auf die erste Verbindung zum Südbahnhof wartete ich eine knappe halbe Stunde. So kam ich um Punkt 20:33 Uhr in Süd an – und sah den ausnahmsweise mal völlig pünktlichen RE50 vor meiner Nase wegfahren.

Immerhin traf auch die RB51 pünktlich um 20:48 Uhr ein. Also, alles etwas länger heute, aber gut. Also, jedenfalls bis Niedermittlau. Da hörten wir dann die sympathische Stimme mit osteuropäischem Akzent (als gebürtiger Westerwälder liebe ich das rollende R!) des Lokführers: „Der Lok hat eine technische Problem. Ich versuche das zu beheben.“

Nach einigen Minuten die Folgedurchsage: „Werte Fahrgäste, bitte steigen sie alle aus,“ – lautes Aufmurren im Abteil, – „äh, ich meine ein. Wir fahren gleich weiter.“

Das taten wir. Jedenfalls bis Wirtheim. Zugüberholung. Nein, zwei. Ankunftszeit: 22:05 Uhr statt der ursprünglich geplanten 21:10 Uhr. Was ein gestörter Abend.

Industrie/Kultur in der Mustersiedlung Saltaire

Ich habe in Bradford in Nordengland studiert. Da gibt es auf den ersten Blick nicht so viel Schönes oder Spektakuläres zu entdecken. Dafür waren die geschlossenen Freundschaften und das exotische Essen fantastisch. Aber den ein oder anderen tollen Ort gibt es doch zu entdecken, darunter die viktorianische Mustersiedlung Saltaire – ein UNESCO-Weltkulturerbe.

Erdacht und umgesetzt vom Tuchfabrikant Titus Salt, eröffnete er 1851 mit der Salts Mill eine neue Fabrik. Drumherum baute er eine Mustersiedlung für die etwa 3.000 Arbeiter und ihre Angehörigen nach damals modernsten sozialen und sanitären Standards. Neben Wohnhäusern entstanden zahlreiche Gemeinschaftseinrichtungen wie eine Kirche, eine Schule, eine Parkanlage, ein Krankenhaus, Wasch- und Badehäuser, ein Armenhaus, Kleingärten und ein Bildungsinstitut mit Bibliothek, Leseraum, Konzertsaal und Gymnastikraum.

Die Geschichte der Siedlung und der Industrie in Bradford wird heute im Museum in der Salts Mill erzählt. Außerdem gibt es in dem riesigen Komplex große Ausstellungsflächen. Ein Stockwerk widmet sich dabei ganz dem in Bradford geborenen Künstler David Hockney.

Salts Mill

Saltaire United Reformed Church

 

Beitragsbild: Salts Mill, Südfassade von Jungpionier (CC BY-SA 3.0)