Der Anzeigenstreit von Wächtersbach

Freitagmorgen hatten die Anzeigentafel auf Gleis 1 und Gleis 2 in Wächtersbach eine kleine Meinungsverschiedenheit.

Wir warten auf Gleis 1 auf den RE50 um 8:46 Uhr nach Frankfurt. Kurz vor geplanter Einfahrt sagt uns die Anzeige auf Gleis 1 (ich nenne sie Einfachheit halber A1): „Der RE50 nach Frankfurt … hat heute 5 Minuten Verspätung.“ Direkt gefolgt vom Spruchband: „Der RE50 … fährt heute von Gleis 2.“ Die Menschen setzten sich langsam in Bewegung. Einige ganz vorne am Gleis – von wo aus man die Anzeige nicht lesen kann – brauchen etwas länger, aber alle schaffen es dank einer Durchsage auf Gleis 2. Die Anzeigentafel dort (A2) wiederholt die gleiche Information.

Fünf Minuten nach geplanter Abfahrt rauscht ein ICE in Richtung Fulda auf Gleis 2 an uns vorbei, unserem RE50 also direkt entgegen. Wir schielen rüber auf Gleis 1, wo sich die Anzeige verändert hat. Es geht los mit „Berichtigung“. Die ersten Leute machen bereits einen Schritt auf die Unterführung zu. Weiter geht es allerdings mit: „Der RE50 nach Frankfurt fährt heute pünktlich.“ A1 blendet direkt auch ganz hilfreich die Zeit ein: 8:52 Uhr. Ist klar.

A2 spricht derweil weiter von 5 Minuten Verspätung. A1 wiederholt die Berichtigung, dass der Zug pünktlich sei. Sehr spannend. Ich wundere mich ja immer wieder, über die unterschiedlichen Angaben in den einzelnen Informationssystemen (Anzeige – Durchsage – Internet – Zugpersonal). Eine Diskrepanz im gleichen Medium war für mich allerdings neu. Vielleicht verläuft ja in Wächtersbach zwischen Gleis 1 und 2 eine Systemgrenze, die sich die Daten aus unterschiedlichen Quellen zieht. Ich werde das weiter beobachten.

Am Ende hatten natürlich beide Anzeigen unrecht. Der RE50 fuhr mit mehr als zehn Minuten Verspätung ab. In Frankfurt hatten wir dann knapp zwanzig. Auf der Heimfahrt Abends waren es dann übrigens mehr als zwei Stunden. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich vielleicht an einem anderen Tag erzählen werde.