Im fürstlichen Hirschpark

Wildwechsel gegen Ende der Wanderung

Ende Mai haben wir die Aurora in der Nähe von Unterreichenbach entdeckt. Auf einer kleinen Runde durch den ehemaligen Hirschpark der Birsteiner Linie der Ysenburger Fürsten, haben wir allerlei wunderbare Flora und Fauna entdeckt, inklusive Europas kleinster Hirschart.

Bilder von mrs.bananabrain und mir

Der Meister seltsamer Welten

… ist China Miéville. Wenn man anderen Leuten von seinen Geschichten – und dabei insbesondere deren Settings erzählt – wird man schon mal schief angeschaut. Seine Welten und deren Bewohner sind seltsam (z.B. seine Kaktusmenschen in Bas-Lag), aber er beherrscht es wie kaum ein anderer, diese seltsamen Wesen und Orte glaubwürdig zu machen. In Railsea (meine Ausgabe: Pan, 2013) kreiert er eine Welt, in der das Überqueren von Erde genauso gefährlich ist, wie das durchsegeln eines Ozeans voller Seeungeheuer. Die ungeheuerlichsten Monster auf dem Schienenmeer (Railsea) – das man natürlich mit Zügen überquert – sind Moldywarpes, Riesenmaulwürfe die wie Wale gejagt werden. Die Geschichte folgt dem jungen Maulwurffänger Sham Yes ap Soorap auf seiner ersten Fahrt. Ein kurioser Fund in einem Zugwrack, bringt das Abenteuer so richtig in Gang. Obwohl Railsea ein Jugendbuch ist, schafft Miéville es, darin gewichtigen Themen wie Kritik am heutigen Kapitalismus unterzubringen. Genau diese Relevanz ist es, die ich an guter Fantasy schätze.

The Master of weird worlds

… is China Miéville. If you tell people about his stories – and especially their settings – they are bound to give you an astounded look or two. His worlds and their inhabitants are strange (e.g. his cactus people in Bas-Lag), but he has mastered the art of making them believable. In Railsea (my edition: Pan, 2013), he creates a world where traversing soil is as dangerous as sailing across a seamonster-infested ocean. The fiercest monsters on the Railsea – on which you travel by train, of course – are moldywarpes, giant moles which are hunted like whales. The story follows young moler Sham Yes ap Soorap on his first trip out on the sea. A curious find on a wrecked train starts off the adventure proper. Although a young adult novel, the book still deals with weighty topics such as a critique of today’s capitalism. This is exactly the kind of relevance I value in good fantasy stories.

 

Abgekapselt von der Außenwelt

Neulich am Fahrkartenschalter.

Vor mir steht ein junger Mann mit einem Stöpsel und lauter Musik im Ohr. Während des Gesprächs mit der Frau hinter der Scheibe muss er immer zweimal nachfragen, weil er sie nicht richtig versteht – was ihn aber nicht dazu veranlasst, den zweiten Stöpsel auch noch zu ziehen. Die Frau hat, wie immer, eine Engelsgeduld. Der Mann besorgt sich eine (kostenlose) Kundenkarte für Auszubildende und ist schon fast auf dem Sprung, bevor ihn die Frau fragt, ob er nicht noch eine Fahrkarte braucht.

„Ach so, ja, nach Biebergemünd über Gelnhausen. Monatskarte.“

„Das macht 104,40€.“

Der junge Mann legt vier Euro vierzig (!) hin.

Einhundert vier, vierzig.“

„Was?“

„Einhundert vier Euro und vierzig Cent.“

„Hab ich heute nicht dabei. Komme wieder.“

Beim Verlassen den Schalters rempelt er mich noch an, weil er auf das Display seines Handys stiert.

„Außenwelt. Nicht ganz schlecht, wenn man die wahrnehmen kann.“

„Was?“

Lake District XVI: Great Langdale

Das Langdale Tal hinauf / Up Langdale

Nach meiner Runde um den Loughrigg Tarn, bin ich das wunderschöne Great Langdale Tal hinaufgewandert. Auf dem ersten Teil der Strecke, ein Abschnitt des Cumbria Way Fahrrad- und Wanderwegs, war ganz schön viel los. Der Weg zwischen Skelwith Bridge und Elterwater folgt dem Brathay Fluss das Tal hinauf. Gleich am Anfang kann man über Treppen auf Felsen mitten in den Fluss hinab steigen und von dort den kleinen Skelwith Force Wasserfall bestaunen.

An einem ruhigeren Abschnitt des Flusses treffe ich ein älteres Ehepaar. Der Mann stößt einen Seufzer aus, dreht sich zu mir um und schwärmt: „Ach, ist das nicht herrlich hier?“ Ich frage ihn, woher er kommt – und denke irgendwie, dass der arme Mann vielleicht aus einer alten Industriestadt wie Sheffield kommt, und jetzt von Lake District total überwältigt ist. „Wir wohnen im Borrowdale Tal.“ Also, sozusagen nebenan. Aber da habt ihr doch auch eine tolle Landschaft! „Naja, nicht so schön wie hier.“ Wahrscheinlich ist es ‚woanders‘ einfach immer schöner.

In Elterwater mache ich bei einem heißen Tee Rast und schreibe ein paar Postkarten. Danach geht es links vom Fluss hinauf, an Schieferhalden vorbei und über Teile des Betriebsgeländes des Burlington Steinbruchs, auf einen Waldweg an der Nordseite des Lingmoor Fells. Ab und zu öffnet sich der Blick hinunter ins Tal, bevor es dann langsam wieder hinuntergeht. An der vom National Trust betriebenen Sticklebarn treffe ich wieder auf meine Reisegefährten, die heute die Langdale Pikes oberhalb vom Stickle Tarn abgeklappert haben. Dort gibt es leckeres Essen für hungrige Wanderer.

Lake District XVI: Great Langdale

Achtung, gefährliches Schaf! / Beware of the sheep!

After my walk around Loughrigg Tarn, I went up the beautiful Great Landale. The first stretch of the path, which is part of the Cumbria Way for hikers and bikers, was very busy. Between Skelwith Bridge and Elterwater, it follows the River Brathay up the valley. Right at the beginning, you can climb down some iron steps onto rocks in the water to have a closer look at Skelwith Force.

On a quieter stretch of the road I meet an elderly couple. The man sighs heavily, turns around and waxes lyrical about the landscape: “Isn’t it beautiful here?“ I ask him where he comes from – somehow thinking that he could be from an old industrial town such as Sheffield, and is now totally overwhelmed by the Lake District. “We live in Borrowdale.“ Which is right next door. But you’ve got such a wonderful landscape there as well! „Well, not as nice as here.“ I guess the grass is always greener on the other side.

I take a break and a tea in Elterwater and write a few postcards. After that, the way leaves the river and goes up the left side of the valley, past mine tips and partly over the Burlington slate quarry, to become a forest road on the norther slope of Lingmoor Fell. You get the occasional glance of the valley below before the path starts to descend again. I meet up with my travel companions, who ticked off the Langdale Pikes above Stickle Tarn today, at the National Trust’s Sticklebarn, which offers excellent food for hungry hikers.

Gelegenheitslektüre

Ich habe schon vor einiger Zeit mit Umberto Ecos Die Geschichte der legendären Länder und Städte angefangen – und bin immer noch nicht durch. Obwohl es ein Taschenbuch ist, ist die Ausgabe (dtv, 2015) sehr schwer, so dass es sich nicht gut als Reise- oder Pendlerlektüre eignet. Aber das ist gar nicht schlimm, denn die episodenhafte Kapitelstruktur macht das Buch zu einer idealen Gelegenheitslektüre.

Eco nimmt uns mit an mythische Orte, angefangen mit der Erde als Scheibe und den Antipoden. Dabei gibt er erst mal einen Überblick, wo und wann die Orte zum ersten Mal schriftlich erwähnt wurden, und welche Geschichten sich im Laufe der Jahrhunderte – teils bis in die heutige Zeit – um die jeweiligen Orte entsponnen haben. Danach gibt es passende Auszüge aus den Quellentexten, und alles ist groß und bunt bebildert. Dabei haben mich einige der älteren Quellentexte mit ihrer guten Lesbarkeit (jedenfalls in der deutschen Übersetzung) überrascht. Auch häppchenweise konsumiert ist das Buch eine wunderbare Einladung, in die ein oder andere Geschichte tiefer einzusteigen.

Hessentagswegs 2014 in Bensheim

Fernblick über die Weinberge

Letzten Monat sind wir den Hessentagsweg 2014 bei Bensheim gelaufen. Wir sind am Naturparkplatz Herrenwingert in die Runde eingestiegen und dann erst mal relativ schnell am Kirchberghäuschen vorbei gelaufen – denn dort war die Hölle los! Also nichts wie ab ins Tal nach Bensheim und dann wieder hinauf auf den Hemsberg – ein Aufstieg, der es ganz schön in sich hat.

Oben wurde ich dann allerdings mit einem neuen Stück für meine Bismarckturm-Sammlung entschädigt: dem Hemsbergturm. Der ist außerdem zeitweise bewirtschaftet, so dass wir uns mit einem frischen Getränk erst mal richtig ausruhen konnten, bevor es wieder hinunter ins Tal und dann über einen Hohlweg auf die nächste Erhöhung ging. Die Abzweigung zum Blauen Türmchen haben wir irgendwie verpasst, aber am Schönberger Kreuz haben wir wieder eine kurze Rast eingelegt. In Schönberg haben wir den offiziellen Wanderweg dann verlassen und sind direkt durch den Ort, am Schloss vorbei, zurück in Richtung Parkplatz marschiert.

Der Hemsbergturm von allen Seiten

Eine wunderschöne Tour, klasse ausgeschildert, mit ein paar steilen Anstiegen – dafür aber natürlich auch mit tollen Aussichten.

Länge: 14 km

Höhenmeter: 417m

Schwierigkeitsgrad: mittel

Man muss die Rat Queens einfach lieben

Ihre Abenteuer sind genau wie die, die man mit der langjährigen Rollenspieltruppe erlebt: man versinkt ganz im Charakter, der über die Jahre zur zweiten (oder dritten oder vierten …) Haut geworden ist, brilliert mit total verrückten Ideen („Ich fange den Thermal-Detonator einfach auf!“) und nimmt sich dabei vor allem selbst kein bisschen Ernst (den Charakter natürlich schon).

Mit genau dieser Stimmung lockt Kurtis J. Wiebes Rat Queens Comic-Serie, erschienen bei Image. Die Abenteurertruppe besteht aus einem Elbenmagier, einem Zwergenkrieger, einem menschlichen Kleriker und einem Halbling-Dieb. Soweit das Fantasy-Klischee. Was danach kommt ist aber alles andere als klischeehaft. Alle Charaktere sind weiblich und haben sehr unterschiedliche Körpertypen. Die Elbin Hannah sieht aus wie eine Rockabilly-Braut; Zwergin Violet kämpft nur in allerneuster Rüstung; die dunkle Dee ist eigentlich Atheistin und der kleine Hippie Betty ernährt sich am liebsten von Süßigkeiten und Rauschmitteln.

Im ersten Sammelband, Sass and Sourcery, lernen wir die Stadt Palisade und deren Probleme (Abenteurer!) kennen. Neben den Rat Queens gibt es dort u.a. noch die Peaches (Pfirsiche), die Four Daves (Vier Daves), die Brother Ponies (Gebrüder Pony) und die Obsidian Darkness (Obsidianische Dunkelheit). Nachdem einige die Aufträge, die ganz offiziell von der Stadtverwaltung kommen, nicht überleben, beginnt das eigentliche Abenteuer um die Aufklärung der Todesfälle. Blutig geht es zu, und tief, mit Themen wie Freundschaft und Beziehungen. Vor allem aber fehlt es an einem nicht: am Spaß!

Gotta love the Rat Queens

Their adventures are like those you experience with your long-term roleplaying group: you sink into your character, which has become your second (or third or fourth…) skin over the years, you dazzle the GM with totally crazy ideas („I’ll simply catch the thermal detonator!“) and you do not take yourself seriously at all (but you do that for the character).

This is exactly the mood Kurtis J. Wiebe’s Rat Queens, published by Image, conjures up. The adventure group consists of an elven magician, a dwarven warrior, a human cleric and a halfling thief. That is how far the cliché goes. After that, nothing is cliché anymore. All characters are female, with distinctively different body types. Hannah the Elf looks like a Rockabilly broad, the dwarf Violet is only seen fighting in the latest armour fashion, dark Dee is really an atheist and the small hippy Betty loves sweets and drugs.

In the first collected volume, Sass and Sourcery, we are introduced to the city of Palisade and its problems (adventurers!). Apart from the Rat Queens, there are also the Peaches, the Four Daves, the Brother Ponies and Obsidian Darkness. When some of them do not survive missions set officially by the city, the real adventure of solving the riddle of these deaths begins. The stories are bloody and deep, with themes including friendship and relationships. But first and foremost, they are one thing: fun!

Bilder/Pictures: Image

Zugfahrt mit charmanter Begleitung

Zuggespräch neulich in der Kinzigtalbahn:

Sie: „Lass uns noch ein bisschen vorgehen.“

Er: „Das hat doch keinen Sinn, da ist es genauso voll.“

Sie: „Lass es und doch mal probieren.“

Er: „Das macht keinen Sinn.“

Sie macht ein paar Schritte nach vorne.

Er – plötzlich sehr laut: „Es ist doch jedes Mal das Gleiche mit Dir!“

Sie macht noch ein paar Schritte weiter nach vorne.

Er: „Der nächste Zug wäre in 20 Minuten gefahren. Was bringt Dir das jetzt in diesem vollen Zug zu stehen?“

Bei der charmanten Begleitung – die übrigens offensichtlich keine Ahnung hat, dass der nächste Zug mindestens genauso voll sein wird wie dieser – wäre ich jetzt ganz nach vorne gegangen, und zwar ohne mich noch einmal umzuschauen.

Lake District XV: Spaziergang durch Ambleside

Bridge House über/on top of Stock Beck

Bei einem Spaziergang durch Ambleside im letzten Jahr, haben wir Bridge House – eines der kleinsten Museen der Welt – besichtigt, ein Suppenschaf gesichtet und am Ufer von Lake Windermere ein eisernes Eichhörnchen entdeckt.

Lake District XV: Stroll through Ambleside

Eisernes Eichhörnchen / Iron squirrel

During a stroll through Ambleside last year, we visited Bridge House – one of the smalles museums in the world – spotted a soup sheep and an iron squirrel on the shores of Lake Windermere.