Der Meister seltsamer Welten

… ist China Miéville. Wenn man anderen Leuten von seinen Geschichten – und dabei insbesondere deren Settings erzählt – wird man schon mal schief angeschaut. Seine Welten und deren Bewohner sind seltsam (z.B. seine Kaktusmenschen in Bas-Lag), aber er beherrscht es wie kaum ein anderer, diese seltsamen Wesen und Orte glaubwürdig zu machen. In Railsea (meine Ausgabe: Pan, 2013) kreiert er eine Welt, in der das Überqueren von Erde genauso gefährlich ist, wie das durchsegeln eines Ozeans voller Seeungeheuer. Die ungeheuerlichsten Monster auf dem Schienenmeer (Railsea) – das man natürlich mit Zügen überquert – sind Moldywarpes, Riesenmaulwürfe die wie Wale gejagt werden. Die Geschichte folgt dem jungen Maulwurffänger Sham Yes ap Soorap auf seiner ersten Fahrt. Ein kurioser Fund in einem Zugwrack, bringt das Abenteuer so richtig in Gang. Obwohl Railsea ein Jugendbuch ist, schafft Miéville es, darin gewichtigen Themen wie Kritik am heutigen Kapitalismus unterzubringen. Genau diese Relevanz ist es, die ich an guter Fantasy schätze.

The Master of weird worlds

… is China Miéville. If you tell people about his stories – and especially their settings – they are bound to give you an astounded look or two. His worlds and their inhabitants are strange (e.g. his cactus people in Bas-Lag), but he has mastered the art of making them believable. In Railsea (my edition: Pan, 2013), he creates a world where traversing soil is as dangerous as sailing across a seamonster-infested ocean. The fiercest monsters on the Railsea – on which you travel by train, of course – are moldywarpes, giant moles which are hunted like whales. The story follows young moler Sham Yes ap Soorap on his first trip out on the sea. A curious find on a wrecked train starts off the adventure proper. Although a young adult novel, the book still deals with weighty topics such as a critique of today’s capitalism. This is exactly the kind of relevance I value in good fantasy stories.

 

Gelegenheitslektüre

Ich habe schon vor einiger Zeit mit Umberto Ecos Die Geschichte der legendären Länder und Städte angefangen – und bin immer noch nicht durch. Obwohl es ein Taschenbuch ist, ist die Ausgabe (dtv, 2015) sehr schwer, so dass es sich nicht gut als Reise- oder Pendlerlektüre eignet. Aber das ist gar nicht schlimm, denn die episodenhafte Kapitelstruktur macht das Buch zu einer idealen Gelegenheitslektüre.

Eco nimmt uns mit an mythische Orte, angefangen mit der Erde als Scheibe und den Antipoden. Dabei gibt er erst mal einen Überblick, wo und wann die Orte zum ersten Mal schriftlich erwähnt wurden, und welche Geschichten sich im Laufe der Jahrhunderte – teils bis in die heutige Zeit – um die jeweiligen Orte entsponnen haben. Danach gibt es passende Auszüge aus den Quellentexten, und alles ist groß und bunt bebildert. Dabei haben mich einige der älteren Quellentexte mit ihrer guten Lesbarkeit (jedenfalls in der deutschen Übersetzung) überrascht. Auch häppchenweise konsumiert ist das Buch eine wunderbare Einladung, in die ein oder andere Geschichte tiefer einzusteigen.

Man muss die Rat Queens einfach lieben

Ihre Abenteuer sind genau wie die, die man mit der langjährigen Rollenspieltruppe erlebt: man versinkt ganz im Charakter, der über die Jahre zur zweiten (oder dritten oder vierten …) Haut geworden ist, brilliert mit total verrückten Ideen („Ich fange den Thermal-Detonator einfach auf!“) und nimmt sich dabei vor allem selbst kein bisschen Ernst (den Charakter natürlich schon).

Mit genau dieser Stimmung lockt Kurtis J. Wiebes Rat Queens Comic-Serie, erschienen bei Image. Die Abenteurertruppe besteht aus einem Elbenmagier, einem Zwergenkrieger, einem menschlichen Kleriker und einem Halbling-Dieb. Soweit das Fantasy-Klischee. Was danach kommt ist aber alles andere als klischeehaft. Alle Charaktere sind weiblich und haben sehr unterschiedliche Körpertypen. Die Elbin Hannah sieht aus wie eine Rockabilly-Braut; Zwergin Violet kämpft nur in allerneuster Rüstung; die dunkle Dee ist eigentlich Atheistin und der kleine Hippie Betty ernährt sich am liebsten von Süßigkeiten und Rauschmitteln.

Im ersten Sammelband, Sass and Sourcery, lernen wir die Stadt Palisade und deren Probleme (Abenteurer!) kennen. Neben den Rat Queens gibt es dort u.a. noch die Peaches (Pfirsiche), die Four Daves (Vier Daves), die Brother Ponies (Gebrüder Pony) und die Obsidian Darkness (Obsidianische Dunkelheit). Nachdem einige die Aufträge, die ganz offiziell von der Stadtverwaltung kommen, nicht überleben, beginnt das eigentliche Abenteuer um die Aufklärung der Todesfälle. Blutig geht es zu, und tief, mit Themen wie Freundschaft und Beziehungen. Vor allem aber fehlt es an einem nicht: am Spaß!

Gotta love the Rat Queens

Their adventures are like those you experience with your long-term roleplaying group: you sink into your character, which has become your second (or third or fourth…) skin over the years, you dazzle the GM with totally crazy ideas („I’ll simply catch the thermal detonator!“) and you do not take yourself seriously at all (but you do that for the character).

This is exactly the mood Kurtis J. Wiebe’s Rat Queens, published by Image, conjures up. The adventure group consists of an elven magician, a dwarven warrior, a human cleric and a halfling thief. That is how far the cliché goes. After that, nothing is cliché anymore. All characters are female, with distinctively different body types. Hannah the Elf looks like a Rockabilly broad, the dwarf Violet is only seen fighting in the latest armour fashion, dark Dee is really an atheist and the small hippy Betty loves sweets and drugs.

In the first collected volume, Sass and Sourcery, we are introduced to the city of Palisade and its problems (adventurers!). Apart from the Rat Queens, there are also the Peaches, the Four Daves, the Brother Ponies and Obsidian Darkness. When some of them do not survive missions set officially by the city, the real adventure of solving the riddle of these deaths begins. The stories are bloody and deep, with themes including friendship and relationships. But first and foremost, they are one thing: fun!

Bilder/Pictures: Image

Die Alternative in der Alternative

Philip K. Dicks The Man in the High Castle (übersetzt als: Das Orakel vom Berge, meine Ausgabe: Penguin, 2001) hat alles was ein alternativer historischer Roman braucht – inklusive eines beliebten alternativen historischen Romans. In der Alternativwelt haben die Nazis den 2. Weltkrieg gewonnen und die USA in einen von Deutschland im Osten und einen von den japanischen Alliierten besetzten Teil in Westen, mit den Rocky Mountains als Pufferzone in der Mitte, aufgeteilt. Im Alternativroman The Grasshopper Lies Heavy (Schwer liegt die Heuschrecke) haben die Nazis den Krieg verloren. Die Alternativversion der Alternativversion hat nichts mit unserer Geschichte zu tun, aber zeigt uns, wie nur kleine Veränderungen die Geschehnisse beeinflussen hätten können. Dabei Dick zeichnet ein faszinierendes Bild der unterschiedlichen Gesellschaftsschichten in der Alternativwelt. Ich habe die Serie (noch) nicht gesehen, aber das Buch kann ich allen Fans von alternativen Geschichtsszenarien und Dystopien wärmstens empfehlen.

Alternative inside the alternative

Philip K. Dick’s The Man in the High Castle (my edition: Penguin, 2001) has everything an alternative history novel needs – including a widely popular alternative history novel. In the alternative world, the Nazis won World War II and divided the US into an eastern part occupied by the Germans and a western one occupied by their Japanese allies, with the Rocky Mountains serving as a buffer zone. In the alternative novel The Grasshopper Lies Heavy, the Nazis have lost the war. The alternative version inside the alternative version is not our history, but it shows what other possible outcomes the war could have had. Meanwhile, Dick paints a fascinating picture of the world across the social stratum. I have not (yet) watched the series, but the book comes highly recommended to all fans of alternative historic novels and dystopias.

Die Wiege des Steampunk

differencejpgWilliam Gibsons und Bruce Sterlings The Difference Engine (Die Differenzmaschine) hat das Genre des Steampunks mitgeprägt. Die Geschichte begleitet Sybil Gerard, die Tochter eines hingerichteten Ludditen, Edward ‚Leviathan‘ Mallory, ein Paläontologe, und Laurence Oliphant, ein Spion der sich als Reiseberichterstatter ausgibt. Deren meist separate Handlungsstränge sind durch einen Stapel mysteriöser Lochkarten und Personen, die diese an sich bringen wollen, verbunden.

Das Buch hat einen voll ausgebauten alternativen historischen Hintergrund, von dem der Leser teilweise aus Zeitungsausschnitten, Gedichten, Postern oder Briefen erfährt. In diesem alternativen viktorianischen Großbritannien gelingt es zum Beispiel dem Universalgelehrten Charles Babbage einen dampfbetriebenen Computer zu bauen, Lord Byron regiert das Land und John Keats ist ein Kinotropist. Obwohl dieser Hintergrund total faszinierend ist, hätten die drei Handlungsstränge geschickter verwebt werden können. Sie wirken irgendwie ausgefranst, so dass die Iterationen nicht ihr volles Potential entfalten. Trotzdem müssen Steampunk-Fans das Buch natürlich unbedingt lesen.

The origin of steampunk

William Gibson’s and Bruce Sterling’s The Difference Engine is widely regarded as the book that helped establish the genre conventions of steampunk. The story centres around Sybil Gerard, the daughter of an executed Luddite, Edward ‘Leviathan’ Mallory, a paleontologist, and Laurence Oliphant, a spy posing as a travel writer. Their mostly separate story lines are linked by a set of mysterious computer punch cards and the agents trying to obtain them.

The novel comes with a fully-fledged alternative historical background, partly gleaned through newspaper clippings, poems, posters or letters. In this alternative Victorian Britain, polymath Charles Babbage succeeds in building a steam-powered computer, Lord Byron rules the country and John Keats is a kinotropist, for example. Though the backdrop is totally fascinating, the three stories could have been woven together a bit tighter and neater. The story threads seem  frayed so that the iterations do not realise their full potential. Nevertheless, the book is a must-read for steampunk fans.

Byatts Ragnarök

byatt-ragnarokA.S. Byatts Ragnarok: The End of the Gods (meine Ausgabe: Canongate, 2016) ist eine ganz besondere Nacherzählung des Nordischen Apokalypse-Mythos, die mit den Erfahrungen der Autorin im Zweiten Weltkrieg verwoben wird. Das „dünne Kind im Krieg“ (S. 3, meine Übersetzung) begegnet Nordischen Sagas und findet sie viel faszinierender als die Geschichten der Bibel.

“The thin child thought that these [Bible] stories – the sweet, cotton-wool meek and mild one, the barbaric sacrificial gloating one, were both human make-ups, like the life of the giants in the Riesengebirge. Neither aspect made her want to write, or fed her imagination.” (S. 12)

Byatt erforscht die Macht der Mythen und der Phantastik – und deren Aktualität in der heutigen Zeit. Obwohl die drei Teile (Kindheitserinnerung, Nacherzählung der Saga und das Essay) sicher keinen typischen Roman ergeben, versteht Byatt es, die Teile zu einem kohärenten Ganzen zusammenzufügen: zu einem Text über die Relevanz der Saga für sie selbst und den Rest der Welt.

Das Buch stammt aus der The Myths-Serie von Canongate, in der berühmte Autoren Mythen nacherzählen.

Byatt’s Ragnarok

A.S. Byatt’s Ragnarok: The End of the Gods (my edition: Canongate, 2016) is a unique retelling of the Norse apocalyptic myth interwoven with the author’s own experiences during World War II. The “thin child in wartime” (p. 3) encounters the Norse sagas and finds them so much more fascinating than the stories in the Bible.

“The thin child thought that these [Bible] stories – the sweet, cotton-wool meek and mild one, the barbaric sacrificial gloating one, were both human make-ups, like the life of the giants in the Riesengebirge. Neither aspect made her want to write, or fed her imagination.” (p. 12)

Byatt explores the power of myths and the fantastic and how they are still pertinent today. Though the three parts of childhood memory, saga retelling and the essay certainly do not make for a typical novel, Byatt manages to pull it all together into one coherent text on the saga and its relevance to herself as well as the rest of the world.

The book is part of the The Myths series by Canongate, which published retellings of myths by well-known authors.

Hinter den Kulissen bei Wordsworths

dorothyBei meinen Ausflügen im Lake District habe ich sowohl Dove Cottage als auch Rydal Mount besucht, zwei ehemalige Wohnsitze von William Wordsworth und seiner Familie. Seine Schwester Dorothy war ein wichtiger Bestandteil dieser Familie, und sie führte ein Tagebuch des Kommens und Gehens im Hause, der Wanderungen, der Besucher, was die Nachbarn so anstellten. Sie beschreibt das Leben im Dove Cottage in ihrem Grasmere Tagebuch (The Grasmere and Alfoxden Journals. Oxford UP, 2002). Ich gebe zu, dass ich mir mehr davon versprochen habe, längere Geschichten oder Anekdoten, aber leider bleiben Dorothys Einträge meist sehr kurz. Was mich hauptsächlich bei der Stange bleiben hat lassen, war Dorothys Eigenständigkeit und, dass ich mit ihr zusammen wieder auf Wanderschaft gehen konnte, bei einer Runde um Grasmere oder Rydal Water oder beim Aufstieg aufs Loughrigg Fell.

Behind the scenes at Wordsworths

Dove Cottage

Dove Cottage

On my tours through the Lake District, I visited both Dove Cottage and Rydal Mount, two dwellings once occupied by William Wordsworth and his family. His sister Dorothy was an integral part of that family, and she kept a diary of the comings and goings, the hikes, the visitors, what the neighbours were up to. You can find out a lot about life in Dove Cottage in her Grasmere Journal (The Grasmere and Alfoxden Journals. Oxford UP, 2002). I admit to having had higher hopes in terms of actual stories and anecdotes unfolding but Dorothy tended to keep her entries short. What kept me going was mostly Dorothy’s independent spirit and the fact that I could walk alongside her on her strolls, imagining myself back on a round of Grasmere, Rydal Water or a hike up Loughrigg Fell.

Geschichten sind keine sicheren Orte

triggerwarningIn der Einleitung zur Kurzformatsammlung Trigger Warning spricht Neil Gaiman über Triggerwarnungen für fiktionale Texte. Er und ich sind uns darin einig, dass Geschichte keine sicheren Orte sein sollten; dass sie uns ab und zu herausfordern (s. auch Tolkiens Ansichten dazu), dass sie unbehaglich sein, ja sogar Albträume verursachen sollten. Man muss einigen Dingen einfach unvorbereitet begegnen, wie sonst sollte man seinen Horizont erweitern? Das heißt nicht, dass man das gelesene mögen muss. Ich habe Bret Easton Ellis American Psycho zwischendurch mal an die Wand geschmissen. Ich habe das Buch wieder aufgehoben und mich durchgequält, bis ans Ende. Ich habe die Erfahrung gemacht – und weiß, dass ich sie nicht wiederholen möchte.

Gaimans Welten, egal wie düster, würde ich jederzeit wieder betreten. Man muss die Fragebogen-Geschichte „Orange“ einfach lieben. Und ich hatte ein ähnliches Gefühl bei einer Übernachtung in einem heruntergekommenen Bed & Breakfast in Marlborough, wie das was in „My Last Landlady“ heraufbeschwört wird. Ich hatte viel Vergnügen auch beim zweiten Lesen von „The Sleeper and the Spindle“, welches gleich zwei Märchen neu erzählt, beim Sherlock Holmes-Abenteuer „The Case of Death and Honey“ … Eigentlich könnte ich hier alle aufzählen.

Fiction is not a safe place

In the introduction to the short story collection Trigger Warning, Neil Gaiman talks about his view on trigger warnings for works of fiction. He and I very much agree that stories should not be safe places; that they should challenge us from time to time (cf. also Tolkien’s view on that), make us uncomfortable, even carry nightmares. You need to encounter some things unprepared, how else do you expect to broaden your horizon? It does not mean that you have to like what you read. I threw Bret Easton Ellis’ American Psycho against a wall at some point. I picked it up again and plowed through to the end. I had the experience – and knew I would not want to repeat it.

Now, Gaiman’s worlds, no matter how dark, I am willing to enter any day. Simply got to love the questionnaire story “Orange”, had a similar feeling staying in a run-down B&B in Marlborough at some point as that evoked in “My Last Landlady”, enjoyed a re-read of the retelling of two fairy stories in “The Sleeper and the Spindle”, the Sherlock Holmes adventure “The Case of Death and Honey” … I could name them all, really.

Krimi-Ausflug mit King

mr-mercedesMr. Mercedes?“ fragt mich ein Bekannter beim Lesen des gleichnamigen Werkes von Stephen King. „So wie ich King kenne, rast da ein Verrückter mit dem Mercedes in eine Menschenmenge.“

Ja, genau so ist es. Was sich auf den ersten Blick wie typischer King’scher Horror erscheint, ist allerdings ein für den Autor eher untypischer typischer Krimi – ok, einer von denen mit ganz viel Blut. Im Laufe des Buches (meine Ausgabe: Pocket, 2015) kristallisiert sich ein Ermittlertrio heraus, das trotz aller Inkongruenzen ziemlich gut zusammenarbeitet.

Und zwar so gut, dass die drei im zweiten Band der Serie, Finders Keepers (Hodder & Stoughton, 2016), eine Privatdetektei zusammen eröffnet haben. Die Geschichte lässt sich auch ohne Vorwissen aus dem ersten Teil verstehen, wer alle Nuancen und Anspielungen verstehen möchte, der sollte den ersten Band natürlich gelesen haben.

Den zweiten finde ich tatsächlich spannender, da er das Verhältnis zwischen Autor und Leserschaft thematisiert. Der Bösewicht Morris Bellamy ist so besessen von seinem Lieblingsautor, dass er über Leichen geht, um dessen unveröffentlichte Werke sein eigen zu machen. Sein Verhältnis zum Autor und der Welt, die er kreiert hat, erinnert doch sehr an den ein oder anderen fanatischen Fan da draußen, der seine Ansprüche an eventuelle Fortsetzungen, Adaptionen etc. lautstark Kund tut. Wie schon Annie Wilkes in Misery überschreitet Bellamy dabei natürlich alle Grenzen.

Ich freue mich auf jeden Fall schon auf den dritten Teil der Reihe, End of Watch.

A walk on the crime side with King

findersMr. Mercedes?” an acquaintance asked me when he saw me reading the book of the same name by Stephen King. “The way I know my King, a crazy guy drives into a crowd of people, right?”

Right, exactly so. What seems to be a typical King horror story on first glance, is a, for the author, atypical typical crime story – admittedly one with a lot of gore. In the novel (my edition: Pocket, 2015), a detective trio is emerging that is working really well together despite its incongruences.

And they do it so well, that they have founded a private investigator’s office together by the second book of the series, Finders Keepers (Hodder & Stoughton, 2016). You can read the story without knowing the first, but those who want to understand all allusions and nuances should have read the first novel, of course.

All in all, I found the second one more compelling because it broaches the issue of the relationship between an author and his readers. The villain Morris Bellamy is so obsessed by his favourite author that he is ready to kill in order to get at unpublished material. His relationship to the author and the world he has created reminds me a lot of some fanatic fans out there who are vociferous about their demands on possible sequels, adaptations etc. Just as Annie Wilkes in Misery, Bellamy transgresses all sorts of boundaries, of course.

I am definitely looking forward to the third part of the series, End of Watch.

Der Blick von Außen

cover-jpg-rendition-460-707Neil MacGregor, der ehemalige Direktor des Britischen Museums, vermittelt Geschichte gerne über Objekte (s. Eine Geschichte der Welt in 100 Objekten). Diesem Prinzip bleibt er auch in Germany: Memories of a Nation (Penguin, 2016) treu, welches ebenso wie das erste, über den Umweg als Podcast, eine Ausstellung des Britischen Museums begleitet hat. Anhand einiger Ausstellungsstücke, spezifischen Ereignissen, Gebäuden und Personen erzählt MacGregor hier die Geschichte des Landes, der Entwicklung vom der Kleinstaaterei hin zum heutigen Deutschland.

Dabei haben mich die vielen positiven Kommentare überrascht, vor allem über unseren Umgang mit der NS- und Kriegs-Vergangenheit. Gleich am Anfang sagt MacGregor, dass Monumente in Deutschland ganz anders sind, als in anderen Ländern. Als Beispiel nennt er das Siegestor in München. Auf der einen Seite scheint es ein ganz normaler Triumphbogen zu sein, so wie der Wellington Memorial Arch in London oder der Arc de Triomphe in Paris. Wo auf der einen Seite klassische Reliefs zu finden sind und die Inschrift „Dem Bayrischen Heere“, dessen Leistungen hier ursprünglich geehrt werden sollten, ist die andere Seite blank. Der Bogen wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt. Statt ihn wieder in den Originalzustand zu versetzen – und dabei weiter den Krieg zu verherrlichen – entschieden sich die Münchener für eine andere Aussage mit der Inschrift: „Dem Sieg geweiht, vom Krieg zerstört, zum Frieden mahnend“.

Mir ist selbst aufgefallen, dass ich z.B. die Erinnerungsfeiern der Briten zum Ersten Weltkrieg vor kurzem eher befremdlich fand. Denn trotz getragener Stimmung und Trauer, waren es immer noch Feiern. Mit Pathos, großem Tamtam und Helden und so. Ich habe gelernt, dass jeder Krieg furchtbar ist, dass es dabei nichts, aber auch gar nichts zu feiern gibt. Und als Konfliktlösungsmethode ist er sowieso völlig ungeeignet. Eine Bekannte aus Polen sagte vor kurzem, dass sie die Deutschen dafür schätzt, dass sie sich wirklich mit ihrer Geschichte auseinandergesetzt haben. So ähnlich drückt das MacGregor in seinem Buch auch aus. Ich fürchte nur, dass die Zeit des Vergessens und Verdrängens der dunkleren Erinnerungen langsam eingesetzt hat. Die Ausstellung im Britischen Museum fand vor dem Aufstieg von AfD, Pegida & Co. statt, und so klingen auch die letzten Worte im Buch mit dem Blick in die Zukunft vielleicht ein bisschen zu optimistisch.

The view from outside

Neil MacGregor, the former director of the British Museum, likes to mediate history through objects (cf. A History of the World in 100 Objects). He remains true to this principle in Germany: Memories of a Nation (Penguin, 2016), which accompanied, just as the first one, via a detour as a podcast, an exhibition at the British Museum. With the help of some exhibits, specific events, buildings or persons, he puts spotlights on the country’s history, its development from a conglomerate of small states to today’s Germany.

The many positive commentaries came as a surprise to me, especially about how we are handling our Nazi and general war legacy. Right at the beginning, MacGregor states that monuments are quite special in Germany compared to other countries. As an example he names the Siegestor arch in Munich. From one side, it looks like any other triumphal arc commemorating some sort of feat of war, such as the Wellington Memorial Arch in London or the Arc de Triomphe in Paris. The side shows reliefs in the classical style and the inscription “Dem Bayrischen Heere” (“To the Bavarian Army”) as you would expect, the other side is blank, however. It was damaged during the Second World War. Instead of restoring it to its former state – and thus continuing to glorify war – the people of Munich decided to convey a different message with the inscription: „Dem Sieg geweiht, vom Krieg zerstört, zum Frieden mahnend” (“Dedicated to victory, destroyed by war, urging peace.”).

I myself found the festivities to remember the First World War in the UK recently quite strange, for example. Despite a solemn mood and a show of mourning, they remained festivities. With pathos, tam-tam, heroes and such. I learned that any war is abominable, that there is nothing whatsoever to celebrate. And that is does not serve as a way to solve problems at all. An acquaintance from Poland recently noted that she values the Germans for their sincere examination of their own past, and MacGregor puts it similarly in his book. I am afraid, however, that the time of forgetting and suppressing some of the darker memories has set in. The exhibition at the British Museum took place before the rise of nationalist movements such as AfD, Pegida & Co., and so the final words of the book, looking into the future, sound maybe a bit too optimistic.