Verfrühte Verspätung

Der Bahnhof in Fulda

Durchsage neulich am Bahnhof in Fulda: „Der Regionalexpress Richtung Frankfurt, Abfahrt 19:08 Uhr, fährt heute voraussichtlich erst gegen 20 Uhr ab.“ Auf der Anzeige stehen erst 40, dann 45 Minuten Verspätung.

Na gut, dann hol ich mir jetzt erst mal einen Kaffee. Ich schlendere die Bahnhofstraße runter und wieder hoch und bin gegen 19:30 Uhr wieder am Bahnhof. Dort höre ich diese Durchsage: „Es erhält Einfahrt, der RE nach Frankfurt, der danach direkt zurück fährt.“ Und genau das tut er auch.

Gut, dass ich schon wieder da bin. Eine Gruppe Jugendlicher, die mit mir auf den Zug gewartet hatten, sind mir eben auf den Weg ins McDonald’s begegnet. Einer fragte noch: „Haben wir dafür noch Zeit?“ Hoffentlich ist der um 20:08 Uhr für die pünktlich.

Bild von High Contrast

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Transportabenteuer

Auf den RMV war verlass, bei unserer letzten Reise. Das war aber auch schon alles; ansonsten hat uns die Verkehrsinfrastruktur allenthalben im Stich gelassen.

Es ging mit dem RE 50 nach Frankfurt und von dort mit der S-Bahn zum Flughafen. Dort angekommen, wurden wir am Gate von einer gestressten einzelnen Dame eingecheckt, die einem Praktikanten noch zurief: „Ich weiß nicht, was sie von mir will, ich kann aber jetzt nicht hier weg.“

Als wir mit dem Bus am Flugzeug angelangt waren, wurde klar, was „sie“ wohl wollte. Die ersten Fluggäste waren schon eingestiegen, als dem Boardpersonal auffiel, dass wir die falschen Passagiere waren. Also ab zurück in den Bus. Der drehte noch eine Runde, während unser Flieger neben dem anderen einparkte. Wir warteten noch auf das Aussteigen und ein überhastetes Klar-Schiff-Machen, dann ging es in die Maschine.

Die landete in London Stansted – und zwar so hart, dass der Pilot sich dafür extra entschuldigt hat. Ich kann es ihm auch nicht verübeln, denn man kann schon etwas abgelenkt sein, wenn es auf der Landebahn direkt neben unserer lichterloh brennt. Da stand ein Flugzeug und mehrere Fahrzeuge, aber ich konnte so schnell nicht erkennen, was da genau brannte. War wohl nicht so tragisch, vielleicht sogar nur eine Übung, es gab auf jeden Fall keinen Bericht darüber. Trotzdem war ich froh, gut angekommen zu sein.

Der Rückflug hatte eingangs 40 Minuten Verspätung, weil besonders viel los war, im Luftraum über London. Macht ja nix, wir haben hinten raus noch Puffer bis zum letzten Zug aus Frankfurt, dachten wir noch. Aber das Rückflug-Abenteuer hatte noch gar nicht richtig angefangen.

In Stansted (und auch in Heathrow) wird das Gate immer erst ganz kurz vor Boarding angezeigt. Eigentlich kein Problem, es sei denn, der Shuttle-Zug zum Gate funktioniert nicht. Die Passagiere von drei Flugzeugen, für die zeitgleich das Gate bekannt gegeben wurde, trafen sich vor dem Zug, der einfach die Türen nicht aufmachte. Dann eine erste, völlig unverständliche Durchsage von einem britischen Flughafenmitarbeiter. Da sich die Tür weiterhin nicht öffnete, schloss ich rückwirkend: „Ich glaube er hat sowas wie ‚inoperational‘ gemurmelt.“

Ein paar Minuten später dann eine verständliche Durchsage einer Flughafenmitarbeiterin mit Migrationshintergrund: technischer Defekt am Zug. Wir sollen bitte auf Anweisungen vom Personal warten. Statt die Durchsage einfach noch mal zu wiederholen, durften die Nicht-Bestöpselten den ganzen Leuten mit Knopf im Ohr noch mal erklären was los war. Ganz zu schweigen von den Leuten, die nicht so gut Englisch sprechen. Wir informierten einige deutsche Passagiere, unsere Nachbarin übersetzte ins Spanische. Da könnten sich die Briten ausnahmsweise beim Service mal etwas von den Deutschen abschauen: In Frankfurt gibt es alle Durchsagen in drei Sprachen – deutsch, englisch und in der Landessprache des Reiseziels.

Naja, egal. Dann gab es wieder schlechten Service für alle, als zwei Damen in Warnwesten kamen und den Passagieren im direkten Umkreis sagten, sie könnten zum Gate laufen, das wäre gar kein Problem. Bis sich diese Stille-Post-Nachricht verbreitet hatte, dauerte es eine ganze Weile, dann kam die Masse in Bewegung, wurde aber vorne durch irgendein Hindernis aufgehalten. Wir fanden uns direkt neben einem weiteren Mitarbeiter wieder, der für Ordnung beim Einsteigen in den Zug sorgt. Der bekam gerade eine Nachricht über Walkie-Talkie, und sagte uns, dass der Zug gleich wieder einsatzfähig wäre, wir sollten am besten hier warten. Kurz darauf ging auch die Tür auf und der Zug fuhr los. Eine weitere Durchsage gab es keine. Mit Verzögerung sind auf jeden Fall irgendwann alle irgendwie am Gate angelangt.

Flughafen Frankfurt

In Frankfurt gelandet, stiegen wir in den dritten und letzten Bus für den Transfer zum Flughafen. Eigentlich sind nur zwei Busse üblich, aber so hatten wir immerhin ganz gut Platz. Am Terminal angelangt, warteten wir, dass erst der erste, dann der zweite Bus seine Ladung auslud und fuhren dann vor. Als die ersten Leute gerade die Rolltreppe bestiegen hatten, wurde diese abgeschaltet. Man hat wohl nicht mit einem dritten Bus gerechnet … Für uns war das nicht wirklich ein Problem, aber die Leute mit dem Kinderwagen und einige Passagiere mit schwererem Gepäck hatten ihren Spaß beim Erklimmen der beiden steilen und langen Rolltreppen. Beim Feierabend in Frankfurt hört der Service dann auf.

Glück hatten wir dann wieder mit dem RMV. Die S-Bahn am Regionalbahnhof fuhr eine Minute nach unserem Einstieg ab, so haben wir den letzten Zug nach Hause noch problemlos bekommen. Bei der nächsten S-Bahn wäre es knapp geworden.

Morgen geht es mit dem allerersten RE 50, der um 04:01 Uhr in Fulda startet, wieder auf den Weg zum Flughafen. Drückt uns die Daumen, dass die Reise diesmal nicht ganz so abenteuerlich wird!

 

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint

… singt Kettcar in „Im Taxi weinen“. Soweit würde ich gar nicht gehen, aber letztens begegnete ich in der Kinzigtalbahn innerhalb weniger Minuten einem (hoffentlich) guten und einem gut gemeinten Ratschlag:

„Ist da noch Platz?“ frage ich den jungen Mann freundlich, der seinen Koffer neben sich im Fußraum stehen hat.

„Ja,“ sagt er ein bisschen zweifelnd, und versucht seinen Koffer unter seine Füße zu ziehen.

geheimer Stauraum im RE

Ich zeige ihm die Lücke zwischen den Sitzen gegenüber. Sein Gesicht hellt sich auf und er bedankt sich. Er sieht aus, als würde er sich freuen, nun auch in den Club der Wissenden um den geheimen Stauraum in den doppelstöckigen REs aufgenommen worden zu sein.

Dann kommt der hilfsbereite Mann Mitte 40 von rechts in Spiel. In belehrendem Ton sagt er zu mir: „Nur mal so als Tipp – im ersten Wagen ist immer Platz.“

Ich schaue mich demonstrativ noch mal genau um. In unserer unmittelbaren Nähe sind noch fünf Plätze frei, verstellt mit Taschen und Koffern unterschiedlicher Größe (bei weiterem problemlosen Gepäckverstauungspotential). Meint der jetzt ernsthaft, dass ein Fahrgast sich gefälligst weiterzubewegen hat, um die Taschen nicht zu stören?

Laut und verwundert sage ich das Offensichtliche: „Es sind ja aber hier auch noch jede Menge Plätze frei.“

Der Mittvierziger schaut plötzlich etwas verschreckt aus, also schicke ich mein bestes Lächeln hinterher. War vielleicht gut gemeint, aber es könnte einem fast zum Weinen sein, wenn man im HVV-Bus-Equivalent den Kürzeren gegenüber einem Gepäckstück zieht.

Nächster Halt-Remix

Neulich zwischen Wächtersbach und Wirtheim:

Der Zugführer unterhält uns heute mit einem Remix der automatischen Durchsage – heißt: er versucht das Band „vorzuspulen“. Das klingt in etwa so:

Nächster Halt: Haitz-Höchst, nä-nä-nächster Halt: Rodenbach, nächster Ha-, nä-nächster Halt: Wolfgang. nächster-nächster Halt, nächster Halt: Frankfurt Hauptbahnhof.

Dort angelangt läuft die gesamte Ansage für den Hauptbahnhof einmal durch. Die kann man wohl nicht vorspulen.

Nächster Halt: Wirtheim.

Ja, jetzt sind wir wieder auf Spur – aber dann geht es direkt danach (und noch vor Wirtheim) weiter mit:

Nächster Halt: Haitz-Höchst, nä-nä-nächster Hal-, nächster Halt: Hanau …

Bis Wirtheim haben wir das Band viermal komplett durch. Danach gibt es dann auf der gesamten Strecke keine Ansage mehr. Natürlich kein Problem für die täglichen Pendler und die, die beim Remix gut aufgepasst haben. Alle anderen haben haben halt einfach Pech gehabt.

Abgekapselt von der Außenwelt

Neulich am Fahrkartenschalter.

Vor mir steht ein junger Mann mit einem Stöpsel und lauter Musik im Ohr. Während des Gesprächs mit der Frau hinter der Scheibe muss er immer zweimal nachfragen, weil er sie nicht richtig versteht – was ihn aber nicht dazu veranlasst, den zweiten Stöpsel auch noch zu ziehen. Die Frau hat, wie immer, eine Engelsgeduld. Der Mann besorgt sich eine (kostenlose) Kundenkarte für Auszubildende und ist schon fast auf dem Sprung, bevor ihn die Frau fragt, ob er nicht noch eine Fahrkarte braucht.

„Ach so, ja, nach Biebergemünd über Gelnhausen. Monatskarte.“

„Das macht 104,40€.“

Der junge Mann legt vier Euro vierzig (!) hin.

Einhundert vier, vierzig.“

„Was?“

„Einhundert vier Euro und vierzig Cent.“

„Hab ich heute nicht dabei. Komme wieder.“

Beim Verlassen den Schalters rempelt er mich noch an, weil er auf das Display seines Handys stiert.

„Außenwelt. Nicht ganz schlecht, wenn man die wahrnehmen kann.“

„Was?“

Zugfahrt mit charmanter Begleitung

Zuggespräch neulich in der Kinzigtalbahn:

Sie: „Lass uns noch ein bisschen vorgehen.“

Er: „Das hat doch keinen Sinn, da ist es genauso voll.“

Sie: „Lass es und doch mal probieren.“

Er: „Das macht keinen Sinn.“

Sie macht ein paar Schritte nach vorne.

Er – plötzlich sehr laut: „Es ist doch jedes Mal das Gleiche mit Dir!“

Sie macht noch ein paar Schritte weiter nach vorne.

Er: „Der nächste Zug wäre in 20 Minuten gefahren. Was bringt Dir das jetzt in diesem vollen Zug zu stehen?“

Bei der charmanten Begleitung – die übrigens offensichtlich keine Ahnung hat, dass der nächste Zug mindestens genauso voll sein wird wie dieser – wäre ich jetzt ganz nach vorne gegangen, und zwar ohne mich noch einmal umzuschauen.

Die Menschen von Gleis 8

frankfurt-bahnhof

Am besten immer gleich alle Gleise im Auge behalten.

Die Heimreise am Donnerstag beginnt mit dem Ansatz eines Verspätungs-Countups für den Eingangszug. Die RB mit Ankunft 18:15 Uhr in Frankfurt hat erst 5, dann 15, dann 20 Minuten Verspätung. Der RE 50 nach Fulda mit Abfahrt 18:26 Uhr (der gleiche Zug) hat 10 konstante Minuten Verspätung. Es wird einfach nicht weiter hochgezählt, auch als wir 25 Minuten nach der eigentlichen Abfahrt immer noch auf Gleis 8 herumstehen.

Oberleitungsschaden. Da habe ich vollstes Verständnis für. Kann bei dem Sturm schon mal passieren.

Wofür ich allerdings keinerlei Verständnis habe, ist, dass der gemeine Kunde auf Gleis 8 nicht weiter über den Verbleib seines Zuges oder mögliche Ausweichmanöver informiert wird. Der aufmerksame Reisende sieht zwei Gleise weiter den RE aus Fulda ankommen, der als RB bis Wächtersbach zurückfahren soll. Der ist mit 15 Minuten Verspätung angeschlagen. Kurz vor dessen Abfahrt folge ich einigen Abenteurern rüber auf Gleis 10. Und die RB fährt tatsächlich mit 15 Minuten Verspätung los. Wir reisen im Schneckentempo, werden an der Schadstelle (Offenbach!) vorbeigeleitet, aber man kommt voran. Alles ok, für die Leute, die den Schritt auf Gleis 10 gewagt haben.

Was aus dem RE nach Fulda und den Menschen von Gleis 8 geworden ist, weiß ich nicht.