Abgekapselt von der Außenwelt

Neulich am Fahrkartenschalter.

Vor mir steht ein junger Mann mit einem Stöpsel und lauter Musik im Ohr. Während des Gesprächs mit der Frau hinter der Scheibe muss er immer zweimal nachfragen, weil er sie nicht richtig versteht – was ihn aber nicht dazu veranlasst, den zweiten Stöpsel auch noch zu ziehen. Die Frau hat, wie immer, eine Engelsgeduld. Der Mann besorgt sich eine (kostenlose) Kundenkarte für Auszubildende und ist schon fast auf dem Sprung, bevor ihn die Frau fragt, ob er nicht noch eine Fahrkarte braucht.

„Ach so, ja, nach Biebergemünd über Gelnhausen. Monatskarte.“

„Das macht 104,40€.“

Der junge Mann legt vier Euro vierzig (!) hin.

Einhundert vier, vierzig.“

„Was?“

„Einhundert vier Euro und vierzig Cent.“

„Hab ich heute nicht dabei. Komme wieder.“

Beim Verlassen den Schalters rempelt er mich noch an, weil er auf das Display seines Handys stiert.

„Außenwelt. Nicht ganz schlecht, wenn man die wahrnehmen kann.“

„Was?“

Zugfahrt mit charmanter Begleitung

Zuggespräch neulich in der Kinzigtalbahn:

Sie: „Lass uns noch ein bisschen vorgehen.“

Er: „Das hat doch keinen Sinn, da ist es genauso voll.“

Sie: „Lass es und doch mal probieren.“

Er: „Das macht keinen Sinn.“

Sie macht ein paar Schritte nach vorne.

Er – plötzlich sehr laut: „Es ist doch jedes Mal das Gleiche mit Dir!“

Sie macht noch ein paar Schritte weiter nach vorne.

Er: „Der nächste Zug wäre in 20 Minuten gefahren. Was bringt Dir das jetzt in diesem vollen Zug zu stehen?“

Bei der charmanten Begleitung – die übrigens offensichtlich keine Ahnung hat, dass der nächste Zug mindestens genauso voll sein wird wie dieser – wäre ich jetzt ganz nach vorne gegangen, und zwar ohne mich noch einmal umzuschauen.

Die Menschen von Gleis 8

frankfurt-bahnhof

Am besten immer gleich alle Gleise im Auge behalten.

Die Heimreise am Donnerstag beginnt mit dem Ansatz eines Verspätungs-Countups für den Eingangszug. Die RB mit Ankunft 18:15 Uhr in Frankfurt hat erst 5, dann 15, dann 20 Minuten Verspätung. Der RE 50 nach Fulda mit Abfahrt 18:26 Uhr (der gleiche Zug) hat 10 konstante Minuten Verspätung. Es wird einfach nicht weiter hochgezählt, auch als wir 25 Minuten nach der eigentlichen Abfahrt immer noch auf Gleis 8 herumstehen.

Oberleitungsschaden. Da habe ich vollstes Verständnis für. Kann bei dem Sturm schon mal passieren.

Wofür ich allerdings keinerlei Verständnis habe, ist, dass der gemeine Kunde auf Gleis 8 nicht weiter über den Verbleib seines Zuges oder mögliche Ausweichmanöver informiert wird. Der aufmerksame Reisende sieht zwei Gleise weiter den RE aus Fulda ankommen, der als RB bis Wächtersbach zurückfahren soll. Der ist mit 15 Minuten Verspätung angeschlagen. Kurz vor dessen Abfahrt folge ich einigen Abenteurern rüber auf Gleis 10. Und die RB fährt tatsächlich mit 15 Minuten Verspätung los. Wir reisen im Schneckentempo, werden an der Schadstelle (Offenbach!) vorbeigeleitet, aber man kommt voran. Alles ok, für die Leute, die den Schritt auf Gleis 10 gewagt haben.

Was aus dem RE nach Fulda und den Menschen von Gleis 8 geworden ist, weiß ich nicht.

Glatteis vs. Platzmangel

penguinEigentlich wollte ich mich am Montag ja über den nicht gestreuten Bahnhof wundern. Über all die Menschen, die vorsichtig über das Glatteis – elegant wie Pinguine am Südpol – den Bahnsteig hinunter watscheln.

Dann überrascht mich der Zug damit, dass der erste statt der dritte Wagen vor mir stehenbleibt. Zu früh gebremst? Nein, irgendwas ist hier faul. Ich ergattere einen der allerletzten Sitzplätze, indem ich einen Mann freundlich dazu bringe, seine Tasche auf den Schoß zu nehmen. Warum ist es hier so voll?

Die Erklärung kommt mit der Durchsage: „Wo immer Sie was zum Sitzen finden, setzten Sie sich. Uns fehlen heute leider drei Wagen.“ Kurz vor Hanau wird sich noch mal entschuldigt: „Wir bedanken uns für Ihr Verständnis für unseren … Platzmangel.“

Überraschungsbesuch im RB 55

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Kurgäste aus Hanau Wilhelmsbad kamen vielleicht gerade noch so in den Zug hinein.

Am Montag durften sich ganz viele Menschen im RB 55 über den spontanen Besuch von hunderten Pendlern aus dem Kinzigtal freuen. Denen war nämlich der RE 50 mit (relativ pünktlicher) Ankunft um 8:07 Uhr in Hanau der Zug unter dem Arsch verreckt. „Wegen eines Triebwerkschadens hat unser Zug einige Minuten Verspätung“, sagte uns der Schaffner nach mehr als einigen Minuten Verspätung. Wann es in etwa weitergehen würde, blieb unbekannt. Dafür bekamen wir den Hinweis: „Der nächste Zug nach Frankfurt Süd fahrt um 8:29 Uhr von Gleis 102.“ Worauf die Menge aus dem laaaangen RE 50 Doppelstöcker losmarschierte und den armen kurzen RB 55, einstöckig, kaperte … Ab Maintal Ost passte keine Maus mehr in den Zug und einige Pendler in den Stationen danach blieben ob der fremden Menschenmassen im heimischen Zug verdutzt am Bahnsteig zurück.

Machtvolle Durchsage

Ich habe ja schon mal erwähnt, dass wir ziemlich coole Schaffner auf der Strecke haben. Neulich war einer mal wieder besonders unterhaltsam.

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Da hinten steht er irgendwo – und kommt nicht rein.

Wir stehen direkt vor dem Frankfurter Hauptbahnhof, in der langgezogenen Kurve kurz nach der Brücke über den Main. Nach 15 Minuten Stillstand kommt die Durchsage:

„Wie Sie und ich gemeinsam festgestellt haben, sind wir aus einem mir noch unbekannten Grund zum Halten gekommen. Sobald ich weitere Informationen von der Transportleitung habe, gebe ich Ihnen Bescheid.“

Kaum hat er den Satz zu Ende gesprochen, fährt der Zug weiter. Prompte Rückmeldung:

„Der Fehler lag wohl bei mir. Ich hätte die Durchsage einfach früher machen sollen.“