Bismarcktürme

Meine Bismarckturm-Sammlung will erwandert werden. Auf die Idee gekommen bin ich, weil ich Anfang 2015 über den Blog vom Guten Bubi gestolpert bin, der sich und seine Radfahrerkollegen in einer Unendlichen Rundfahrt herausgefordert hat, alle 173 noch existierende Bismarcktürme zu erradeln.

Das klang irgendwie spannend. Warum gibt es davon eigentlich so viele? Eine Recherche, vor allem auf www.bismarcktuerme.de, brachte faszinierende Dinge zu Tage: Zwischen 1869 und 1934 wurden sage und schreibe 240 Bismarcktürme errichtet, bzw. vorhandene Bauwerke zu Bismarcktürmen umgewidmet – und das hauptsächlich auf das Betreiben von Studenten hin. Reichskanzler Otto von Bismarck wurde 1890 von Kaiser Wilhelm II. entlassen. Daraufhin entwickelte er sich zum scharfen Kritiker des Kaisers, was bei den Studenten wohl ganz gut ankam.

Bismarckhuldigung

Bismarckshuldigung, 1. April 1895, Friedrichsruh (Verlag Dr. W. Mertens & Cie., Berlin)

Zu diversen Geburtstagen empfing Bismarck studentische Gesandtschaften – und hinterließ dabei großen Eindruck. Zu seinem 80. Geburtstag wurde gar eine ‚Huldigungsfahrt‘ für 6,000 Studenten organisiert. Nach seinem Tode einigte man sich bei einer Studentenkonferenz in Hamburg darauf, ihm durch die Erbauung von Türmen im ganzen Reich ein Denkmal zu setzen. Aber mit einem einfachen Turm war es nicht getan. Der Aachener Bildhauer Christian Lehr schlug vor, Denkmäler zu errichten, von „deren Spitzen an dem geplanten Gedenktage [der 1. April, Bismarcks Geburtstag] mächtige Feuerflammen weithin durch die Nacht lodern sollten“.

Entwurf Nr 1 - Götterdämmerung von Wilhelm Kreis

Entwurf Götterdämmerung von Wilhelm Kreis

Im Dezember 1898 wurde der Aufruf an das deutsche Volk verfasst, Bismarcksäulen im ganzen Reich zu errichten. Ein Wettbewerb für geeignete Entwürfe wurde ausgerufen. Der Gewinner war die „Götterdämmerung“ vom Architekten Wilhelm Kreis. Nach dem Entwurf wurden letztlich 47 Säulen gebaut. Insgesamt wurden 410 Bismarcktürme geplant, von denen 240 realisiert wurden. 173 davon stehen noch heute, ein Dutzend davon in Hessen.

Coole Sache also. Im Radfahren bin ich gar nicht gut, und die Türme in meiner Gegend wurden beim Bubi eh alle schon erobert. Also, setzte ich mir meine eigene Herausforderung: Ich will vor Ende des Jahres 2016 alle Bismarcktürme in Hessen besuchen.

Zwischenstand meiner Sammlung:

Noch ausstehend:

  • Bensheim
  • Darmstadt
  • Eschwege
  • Gießen
  • Hanau
  • Lindenfels
  • Mengeringhausen
  • Wetzlar

Kurzvorstellung meiner erwanderten Türme:

Schotten

BismarckturmHöhe: 22 m
Baujahr: 1906-10
Baukosten: 21.000 Mark
Stufen: 100

Standort: Taufstein, ganzjährig geöffnet

Randnotiz: Zwei Monate nach Baubeginn stürzte der Turm in sich zusammen. Der Grundstein musste neu gelegt werden.

Kassel

Höhe: 25,5 m
Baujahr: 1904
Baukosten: 33.000 Mark
Stufen: 111

Standort: Brasselsberg, ganzjährig geöffnet

Randnotiz: Im Mai 1962 schlug der Blitz in den Turm ein. Teile einer Balustrade stürzten in die Tiefe. Der Turm war erst 1967 nach Renovierungsarbeiten wieder begehbar.

Marburg

Die Feuersäule in voller NebelprachtHöhe: 15 m
Baujahr: 1903-04
Baukosten: 17.000 Mark
Stufen: 63

Standort: Gottfried-Keller-Straße, nicht begehbar

Randnotiz: Auf dem Turm waren 20 Blechkästen befestigt, die mit 250 l Petroleum, 20 kg Kolophonium und jeweils einem 1,20 m langen, in Petroleum getränkten Kiefernholz befeuert wurden. So brannte das Leuchtfeuer 45-60 Minuten.

Dillenburg

Höhe: 8,85 m
Baujahr: 1885 (Einweihung)
Baukosten: 1.375 Mark
Stufen: keine

Standort: Auf dem Weinberg, ganzjährig begehbar

Randnotiz: Kein Turm, dafür gar ein Bismarck-Tempel! Vom Aussichtspavillion hat man einen fantastischen Blick auf die Stadt Dillenburg.

Weitere Informationen: www.bismarcktuerme.de