Grenzgang

Wachholderheide

Mitte August haben wir unsere erste Spessartfährte (gut beschilderte Touren im hessischen Spessart, Äquivalent zu den Extratouren im Vogelsberg) erwandert. Die Jossgrund-Runde beginnt im Park von Burgjoss und führt entlang der Jossa aus dem Ort hinaus. Danach geht es erst mal eine Weile bergauf. Auf der ersten Anhöhe erreicht man eine Wachholderheide, die vom örtlichen Naturschutz und Schäfern gepflegt wird. Etwas abseits vom Weg, versteckte sich im Wald ein verlassener Ort. Vom Auragrund aus geht man dann eine ganze Weile direkt an der Landesgrenze zu Bayern entlang, hinauf zum Zöllers-Berg, von dem man wunderbare Aussichten hat. Zurück im Burgwiesenpark haben wir unsere Füße erst mal im Kneipp-Becken gekühlt und uns noch eine Weile auf den Liegen ausgeruht. Die Tour wird sicher nicht unsere letzte Spessartfährte gewesen sein.

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V – Heiligt der Zweck alle Mittel?

Das ist die zentrale Frage in V for Vendetta von Alan Moore (meine Ausgabe: DC, 2015). Nach dem Dritten Weltkrieg hat die faschistische Nordfeuer-Partei die Macht übernommen und England in einen totalitären Staat verwandelt. V, ein Anarchist und Terrorist in Guy Fawkes-Maske, kämpft im Alleingang gegen das Regime. Und dabei ist ihm jedes Mittel recht. Während der Leser natürlich mit dem Ziel des Umsturzes sympathisiert, strapaziert V durch seine massive Gewaltanwendung – auch gegenüber Unschuldigen – das anfängliche Wohlwollen. Und genau in diesem Spannungsfeld des Utilitarismus liegt die Faszination des Comics.

V – Does the end justify all means?

That is the central questions in V for Vendetta by Alan Moore (my edition: DC, 2015). After the Third World War, the fascist Norsefire Party has seized power and turned England into a totalitarian state. V, an anarchist and terrorist who is wearing a Guy Fawkes mask, is single-handedly fighting the regime. And he uses all possible means. While the reader of course sympathises with his goal to overthrow the status quo, V’s use of violence – also against innocents – soon puts a strain on the initial goodwill. And it is exactly this utilitarian conflict that makes V such a fascinating comic.

Lake District XIX: Ennerdale Water

Crag Fell

An einem der wettermäßig eher durchwachsenen Tag im letzten Urlaub im Lake District, sind wir um das Ennerdale Water gelaufen. Wir sind bei ziemlich guten Verhältnissen losgegangen, sogar mit dem ein oder anderen Sonnenstrahl, aber als wir Angler’s Crag erreichten – das einzige etwas schwierige Stück, auf dem man etwas klettern muss – hat es angefangen zu Regen. Aber egal, im Lake District ist es immer schön. Wir waren nur froh, dass wir nicht dem Vampirhund von Ennerdale begegnet sind!

Lake District XIX: Ennerdale Water

Ennerdale Water

On one of the days with a mixed weather forecast on our last holiday in the Lake District, we walked once around Ennerdale Water. We started in fairly good conditions, including the occasional burst of sunshine, but by the time we reached Angler’s Crag – the only challenging bit of the way with a bit of easy scrambling – it had started to pour down on us. But who cares, it’s always beautiful up in the Lake District. We were just happy we didn’t meet the Vampire Dog of Ennerdale!

 

Der Herzog von Portland

William Cavendish-Scott-Bentinck hat mich bereits bei der ersten Begegnung auf dem Kensal Green Friedhof fasziniert. Als ich dann über Mick Jacksons Roman über den Herzog von Portland gestolpert bin, musste ich natürlich gleich zugreifen. The Underground Man (meine Ausgabe: Faber and Faber, 2007) erzählt die Geschichte des Herzogs aus verschiedenen Blickwinkeln. Der meiste Text stammt aus dem fiktionalen Tagebuch des Herzogs selbst, aber es gibt auch ‚Augenzeugenberichte‘ von Bediensteten oder Nachbarn.

Der exzentrische Herzog wird dabei von Jackson als ein Mann mit wunderbar spitzfindig-verschrobenem Geist beschrieben. So schreibt er über eine Taschenuhr, die er von einer Frau geschenkt bekommen hat, die seinen Heiratsantrag abgelehnt hat:

It is a beautiful watch, and perhaps ironic that such a fine example of craftsmanship should should sit in my waistcoat pocket and be a neighbour to my heart which, being merely human, has functioned so poorly since the two were introduced.

(S. 55)

Der Platz des Buches auf der engeren Auswahlliste für den Booker-Preis ist hochverdient.

The Duke of Portland

William Cavendish-Scott-Bentick already fascinated me on my first encounter with him on Kensal Green Cemetery. When I stumbled over Mick Jackson’s novel about the Duke of Portland, I had to buy it, of course. The Underground Man (my edition: Faber and Faber, 2007) tells the story of the Duke from different points-of-view. Most of the text consists of excerpts from the Duke’s fictional diary but there are also ‚eye-witness accounts‘ by servants or neighbours.

Jackson describes the eccentric Duke as a man with a wonderfully quirky mind. Thus he writes about a pocket watch he was gifted by a woman who rejected his marriage proposal:

It is a beautiful watch, and perhaps ironic that such a fine example of craftsmanship should should sit in my waistcoat pocket and be a neighbour to my heart which, being merely human, has functioned so poorly since the two were introduced.

(p. 55)

The book’s shortlisting for the Booker Prize comes well-deserved.

Zugführer gesucht

Ich hatte Glück am Sonntag, denn ich war im Süden Deutschlands mit dem Zug unterwegs. Während viele der Mitreisenden im ICE von München nach Berlin wegen Sturmtief Herwart in Kassel Wilhelmshöhe stranden sollten, wollte ich ja nur bis Hanau mitfahren und von dort in den Regionalexpress Richtung Fulda umsteigen.

Wir waren so gut wie pünktlich in Frankfurt, aber dann ging es irgendwie nicht weiter. Die Zeit verstrich und mir wurde klar, dass ich es in Hanau nicht in den RE schaffen würde. Naja, die RB fährt ja ein bisschen später durch, kein Problem. Dann die etwas genervte Durchsage der Zugbegleiterin: „Wir sind im Moment auf der Suche nach einem Zugführer. Sobald wir einen aufgetrieben haben, können wir weiterfahren.“

Ah, ja. Der Personalwechsel in Frankfurt war geplant, aber möglicherweise war der zugeteilte Zugführer irgendwo im Norden steckengeblieben. Ich wollte mich auf keine Experimente einlassen und bin gleich in Frankfurt in die RB gestiegen, die praktischerweise auf dem Nachbargleis stand.

Dom und Stadtschloss Fulda

Fürstensaal mit Papagei

Im August waren wir in Fulda und haben uns dort den Dom und das Stadtschloss angesehen. Ich mag den Dom sehr gerne, weil er innen so hell ist. Außerdem freut sich der Heilige Bonifatius, wenn man ihm am Grab ein Ständchen bringt. Es herrscht dort also selten Grabesruhe. Auch der Besuch im Stadtschloss lohnt sich. Der Kaisersaal ist ein echtes Kleinod.

Der letzte Polizist

Hank Palace ist der letzte Polizist auf Erden. Naja, noch nicht ganz der letzte – aber der letzte, der seinen Job noch richtig ernst nimmt. Die meisten haben ihren Dienst quittiert, andere kommen nur noch, wenn sie sonst nichts besseres zu tun haben, viele sind tot. Und den Nerv für eine genaue Prüfung eines augenscheinlichen Selbstmords – von denen es gerade sowieso Unmengen gibt – hat auch niemand mehr.

Denn Asteroid 2011GV rast auf die Erde zu und wird in etwa einem halben Jahr mit katastrophalen Folgen einschlagen.

Das Setting in der Prä-Apokalypse macht diesen Krimi von Ben H. Winters (meine Ausgabe: Quirk, 2012) zu etwas ganz besonderem, denn es geht nicht nur um die Auflösung eines mysteriösen Todesfalls, sondern auch um den Zerfall einer Gesellschaft und den Umgang mit dem (fast) sicheren Tode eines jeden einzelnen.

Was würdest du tun, wenn wir alle nur noch sechs Monate zu leben hätten?

The Last Policeman

Hank Palace is the last policeman on earth. Well, not quite the last one – but the last one who still cares about his job. Most have left their post, others are only coming in when they don’t have anything better to do, a lot are dead. And no one has the patience to dig into the details of an apparent suicide – of which there are countless out there anyway.

And that is because asteroid 2011GV is racing towards earth and will hit in about half a years‘ time, with catastrophic impact.

The pre-apocalyptic setting is what makes this crime novel by Ben H. Winters (my edition: Quirk, 2012) special, because it does not only deal with solving a mysterious murder but also with a deteriorating society and how each individual comes to grips with (almost) certain death.

What would you do if you knew that we all just had another six months to live?

Seltsame Dispositionsentscheidung

Neulich hatten wir Fernreisendenbesuch in der Kinzigtalbahn. Der Regionalexpress war 40 Minuten verspätet, „wegen einer technischen Störung an einem anderen Zug,“ sagte das Spruchband an der Anzeigentafel. Also sind wir alle in die zuerst eintreffende Regionalbahn gestiegen.

Kurz vor Gelnhausen kam dann die – eigentlich total hilfreiche – Durchsage, dass der RE direkt hinter uns fährt und wir in Gelnhausen am gleichen Gleis umsteigen können, da er uns danach überholen wird. Super, da hat mal jemand an den Service für die Fahrgäste gedacht – auch wenn die Empfehlung nicht bis zum Ende durchdacht war.

Eine kleine Überfüllungs-Warnung wäre nett gewesen, denn als wir in den RE steigen wollen, stolpern wir schon im Eingangsbereich über jede Menge Koffer und Taschen – und stehende Menschen. Neben den üblichen Pendlern, die den Zug ab Gelnhausen schon selbst vollkriegen, wimmelt es hier von Fernreisenden.

Die sind total genervt und aufgeregt, viele von ihnen sind auf dem Weg zum Flughafen. Ein Geschäftsreisender ist gerade am Telefon und bucht um. Ein älterer Herr läuft auf einem kleinen freien Stück Gang hin und her wie ein eingesperrter Tiger. Bei jedem Halt wird er nervöser. „Am liebsten würde ich den Zug anschieben. Warum halten wir jetzt so lange hier? Wir müssen unbedingt diese S-Bahn um kurz vor 10 Uhr bekommen, sonst ist der Flieger weg. Da fährt man extra Zug, um nicht im Stau zu stehen …“

Der Bahnhof in Flieden

Natürlich konnte keiner mit dem liegengebliebenen Güterzug zwischen Flieden und Schlüchtern rechnen. Der ICE (mit Halt Frankfurt Flughafen Fernbahnhof) direkt dahinter musste erst wieder ein Stück zurücksetzen, und hat dann seine Passagiere in Flieden am Bahnhof ausgesetzt. Da standen sie wohl eine knappe Stunde, bis der RE 50 sie von dort aufgegabelt hat. Während die Pendler am Ende mit 53 Minuten Verspätung in Frankfurt ankamen, hatten die ICEler mittlerweile über 2 Stunden – und mussten dann ja auch noch vom Hauptbahnhof an den Flughafen gelangen. Eine etwas seltsam anmutende Dispositionsentscheidung, denn wo ein RE und ein RB langfahren können, hätte auch ein ICE seinen Weg, mit viel weniger Unterbrechungen und damit wohl auch viel schneller, gefunden.

Bild: Bahnhof Flieden von Johannes Müller (CC BY-SA 3.0)

Lake District XVIII: Ravenglass

Willkommen in / Welcome to Ravenglass

Nach einer Fahrt mit der Ravenglass & Eskdale Bahn, sind wir noch kurz durch das Küstenörtchen Ravenglass spaziert. An der Straße zum Hafen hinunter gibt es interessante Dingen in den Vorgärten zu entdecken – und eine freundliche Katze, die den Weg zum Hafen weist.

Interessante Dinge in Vorgärten / Interesting things in frontyards

Lake District XVIII: Ravenglass

After a trip with the Ravenglass & Eskdale Railway, we went on a short stroll through the coastal village of Ravenglass. There are interesting things to discover in the frontyards of the street leading towards the harbour. A friendly cat showed us the way.