Transportabenteuer

Auf den RMV war verlass, bei unserer letzten Reise. Das war aber auch schon alles; ansonsten hat uns die Verkehrsinfrastruktur allenthalben im Stich gelassen.

Es ging mit dem RE 50 nach Frankfurt und von dort mit der S-Bahn zum Flughafen. Dort angekommen, wurden wir am Gate von einer gestressten einzelnen Dame eingecheckt, die einem Praktikanten noch zurief: „Ich weiß nicht, was sie von mir will, ich kann aber jetzt nicht hier weg.“

Als wir mit dem Bus am Flugzeug angelangt waren, wurde klar, was „sie“ wohl wollte. Die ersten Fluggäste waren schon eingestiegen, als dem Boardpersonal auffiel, dass wir die falschen Passagiere waren. Also ab zurück in den Bus. Der drehte noch eine Runde, während unser Flieger neben dem anderen einparkte. Wir warteten noch auf das Aussteigen und ein überhastetes Klar-Schiff-Machen, dann ging es in die Maschine.

Die landete in London Stansted – und zwar so hart, dass der Pilot sich dafür extra entschuldigt hat. Ich kann es ihm auch nicht verübeln, denn man kann schon etwas abgelenkt sein, wenn es auf der Landebahn direkt neben unserer lichterloh brennt. Da stand ein Flugzeug und mehrere Fahrzeuge, aber ich konnte so schnell nicht erkennen, was da genau brannte. War wohl nicht so tragisch, vielleicht sogar nur eine Übung, es gab auf jeden Fall keinen Bericht darüber. Trotzdem war ich froh, gut angekommen zu sein.

Der Rückflug hatte eingangs 40 Minuten Verspätung, weil besonders viel los war, im Luftraum über London. Macht ja nix, wir haben hinten raus noch Puffer bis zum letzten Zug aus Frankfurt, dachten wir noch. Aber das Rückflug-Abenteuer hatte noch gar nicht richtig angefangen.

In Stansted (und auch in Heathrow) wird das Gate immer erst ganz kurz vor Boarding angezeigt. Eigentlich kein Problem, es sei denn, der Shuttle-Zug zum Gate funktioniert nicht. Die Passagiere von drei Flugzeugen, für die zeitgleich das Gate bekannt gegeben wurde, trafen sich vor dem Zug, der einfach die Türen nicht aufmachte. Dann eine erste, völlig unverständliche Durchsage von einem britischen Flughafenmitarbeiter. Da sich die Tür weiterhin nicht öffnete, schloss ich rückwirkend: „Ich glaube er hat sowas wie ‚inoperational‘ gemurmelt.“

Ein paar Minuten später dann eine verständliche Durchsage einer Flughafenmitarbeiterin mit Migrationshintergrund: technischer Defekt am Zug. Wir sollen bitte auf Anweisungen vom Personal warten. Statt die Durchsage einfach noch mal zu wiederholen, durften die Nicht-Bestöpselten den ganzen Leuten mit Knopf im Ohr noch mal erklären was los war. Ganz zu schweigen von den Leuten, die nicht so gut Englisch sprechen. Wir informierten einige deutsche Passagiere, unsere Nachbarin übersetzte ins Spanische. Da könnten sich die Briten ausnahmsweise beim Service mal etwas von den Deutschen abschauen: In Frankfurt gibt es alle Durchsagen in drei Sprachen – deutsch, englisch und in der Landessprache des Reiseziels.

Naja, egal. Dann gab es wieder schlechten Service für alle, als zwei Damen in Warnwesten kamen und den Passagieren im direkten Umkreis sagten, sie könnten zum Gate laufen, das wäre gar kein Problem. Bis sich diese Stille-Post-Nachricht verbreitet hatte, dauerte es eine ganze Weile, dann kam die Masse in Bewegung, wurde aber vorne durch irgendein Hindernis aufgehalten. Wir fanden uns direkt neben einem weiteren Mitarbeiter wieder, der für Ordnung beim Einsteigen in den Zug sorgt. Der bekam gerade eine Nachricht über Walkie-Talkie, und sagte uns, dass der Zug gleich wieder einsatzfähig wäre, wir sollten am besten hier warten. Kurz darauf ging auch die Tür auf und der Zug fuhr los. Eine weitere Durchsage gab es keine. Mit Verzögerung sind auf jeden Fall irgendwann alle irgendwie am Gate angelangt.

Flughafen Frankfurt

In Frankfurt gelandet, stiegen wir in den dritten und letzten Bus für den Transfer zum Flughafen. Eigentlich sind nur zwei Busse üblich, aber so hatten wir immerhin ganz gut Platz. Am Terminal angelangt, warteten wir, dass erst der erste, dann der zweite Bus seine Ladung auslud und fuhren dann vor. Als die ersten Leute gerade die Rolltreppe bestiegen hatten, wurde diese abgeschaltet. Man hat wohl nicht mit einem dritten Bus gerechnet … Für uns war das nicht wirklich ein Problem, aber die Leute mit dem Kinderwagen und einige Passagiere mit schwererem Gepäck hatten ihren Spaß beim Erklimmen der beiden steilen und langen Rolltreppen. Beim Feierabend in Frankfurt hört der Service dann auf.

Glück hatten wir dann wieder mit dem RMV. Die S-Bahn am Regionalbahnhof fuhr eine Minute nach unserem Einstieg ab, so haben wir den letzten Zug nach Hause noch problemlos bekommen. Bei der nächsten S-Bahn wäre es knapp geworden.

Morgen geht es mit dem allerersten RE 50, der um 04:01 Uhr in Fulda startet, wieder auf den Weg zum Flughafen. Drückt uns die Daumen, dass die Reise diesmal nicht ganz so abenteuerlich wird!

 

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Das Gegenteil von gut ist gut gemeint

… singt Kettcar in „Im Taxi weinen“. Soweit würde ich gar nicht gehen, aber letztens begegnete ich in der Kinzigtalbahn innerhalb weniger Minuten einem (hoffentlich) guten und einem gut gemeinten Ratschlag:

„Ist da noch Platz?“ frage ich den jungen Mann freundlich, der seinen Koffer neben sich im Fußraum stehen hat.

„Ja,“ sagt er ein bisschen zweifelnd, und versucht seinen Koffer unter seine Füße zu ziehen.

geheimer Stauraum im RE

Ich zeige ihm die Lücke zwischen den Sitzen gegenüber. Sein Gesicht hellt sich auf und er bedankt sich. Er sieht aus, als würde er sich freuen, nun auch in den Club der Wissenden um den geheimen Stauraum in den doppelstöckigen REs aufgenommen worden zu sein.

Dann kommt der hilfsbereite Mann Mitte 40 von rechts in Spiel. In belehrendem Ton sagt er zu mir: „Nur mal so als Tipp – im ersten Wagen ist immer Platz.“

Ich schaue mich demonstrativ noch mal genau um. In unserer unmittelbaren Nähe sind noch fünf Plätze frei, verstellt mit Taschen und Koffern unterschiedlicher Größe (bei weiterem problemlosen Gepäckverstauungspotential). Meint der jetzt ernsthaft, dass ein Fahrgast sich gefälligst weiterzubewegen hat, um die Taschen nicht zu stören?

Laut und verwundert sage ich das Offensichtliche: „Es sind ja aber hier auch noch jede Menge Plätze frei.“

Der Mittvierziger schaut plötzlich etwas verschreckt aus, also schicke ich mein bestes Lächeln hinterher. War vielleicht gut gemeint, aber es könnte einem fast zum Weinen sein, wenn man im HVV-Bus-Equivalent den Kürzeren gegenüber einem Gepäckstück zieht.

Kräuterworkshop auf dem Scheffehof

Der Scheffehof

An einem heißen Tag im Juli war ich mit dem Tolkien Stammtisch im Vogelsberg bei einem Kräuterworkshop auf dem Scheffehof in Kirchbracht. Unter fachlicher Anleitung von Eva Leitzgen stöberten wir dabei die passenden Kräuter auf einer Runde ums Dorf auf und lernten Grundtechniken für die Zusammenstellung einer Hausapotheke – also wie man zum Beispiel eine Tinktur, eine Einreibung oder ein Öl ansetzt. Dabei haben wir uns insbesondere das Johanniskraut, die Schafgarbe, den Spitzwegerich und den Ackerschachtelhalm angeschaut, aber noch viel mehr beim Spaziergang und bei der Sammlung von weiteren Kräutern für ein Duftkissen erfahren. Den Stoff für das Kissen haben wir stilecht mit Hammer und Blüten verziert.

Für unser leibliches Wohl wurde mit einem selbstgebackenen Brot mit Brennesselsamen und Blütenbutter und später mit leckeren Erdbeerkuchen gesorgt, und natürlich dürften eine Kräuterlimonade und ein Kräutertee nicht fehlen. Den Workshop kann ich uneingeschränkt weiterempfehlen und auch der Scheffehof selbst ist ein Kleinod, samt Möbelschreinerei und Imkerei, dem man unbedingt einen Besuch abstatten sollte!

Passend zum Tagwerk, gab es am Abend noch einen Vortrag zu (Heil-)Kräutern im Herrn der Ringe, natürlich mit besonderem Fokus auf dem Star aller Heilkräuter: dem Athelas.

Eine Reise durch Zeit und Raum

Landart-Künstler Andy Goldsworthy nimmt uns in Passage (meine Ausgabe: Thames & Hudson, 2007) mit auf eine Reise durch Zeit und Raum. Er zeigt uns, wie seine Werke sich in einem anderem Umfeld oder nach einer gewissen Zeit verändern. Die in diesem Bildband vorgestellten Projekte – teils von Kuratoren, teils von Goldsworthy selbst – reichen von Großprojekten wie der Errichtung diverser cairns (aufgeschichtete Steinkegel) oder dem Garten der Steine im Museum of Jewish Heritage in New York, bis hin zu kleineren Werken mit Laub und Stöcken – die ich fast am faszinierendsten finde.

A journey through time and space

In Passage (my edition: Thames & Hudson, 2007), landartist Andy Goldsworthy takes us on a journey through time and space. He shows us how his works are changing in a different environment or after a certain amount of time. The projects presented in this coffee-table book – partly by curators, partly by Goldsworthy himself – range from large ones such as the building of several cairns or the Garden of Stones in the Museum of Jewish Heritage in New York, to smaller ones made of fallen leaves and sticks – which I actually find the most fascinating.

Wäller Abenteuer VI: Spektakuläre Aussichten

Domspitzen

Meinen bisher liebsten Bismarckturm habe ich heute in Wetzlar entdeckt: die ehemalige Garbenheimer Warte. Das liegt nicht nur am Turm an sich – der besonders schön ist und sogar einen eigenen ‚Burggraben‘ hat – sondern auch an den atemberaubenden Aussichten in alle Richtungen vom Lahnberg aus. Der Aufstieg von der Altstadt aus ist sehr steil, aber lohnt auf jeden Fall!

Bismarckturm

Aussichten

Wetzlarer Altstadt

Wäller Abenteuer III: Den Kniebrecher hinab

Blick über Herborn

Ich habe mich heute auf den steilen und kurvenreichen Weg (der deshalb auch Kniebrecher genannt wird) hinab ins Tal nach Herborn gemacht. In Merkenbach bin ich gerade noch vor dem Kirmeszug durch den Ort gekommen. Von meinem Besuch habe ich Bilder von einem Spaziergang durch die Altstadt, inklusive Besichtigung der Kirche, mitgebracht.

Wäller Abenteuer II: Westerwald-Querung

Burg Blankenberg

Heute habe ich den Westerwald überquert – durch drei Bundesländer und meinen kulinarischen Lieblingsort Nister-Möhrendorf (der direkt vor Linsengericht rangiert) – um nach Blankenberg zu kommen. Beim Spaziergang durch die wunderschöne mittelalterliche Stadt habe ich diesmal vor allem den Spielplatz kennengelernt, und das sehr leckere hausgemachte Eis im Zum Alten Turm.