Verspätung auf allerhöchstem Niveau

Wir Kinzigtalbahn-Fahrer, wir kommen ja schon von einem sehr hohen Niveau. Die Bahnstrecke zwischen Fulda und Frankfurt sorgt bekanntermaßen für die meisten Verspätungen in Hessen. Das sind wir gewohnt. Im Moment kommt es durch die Sperrung des S-Bahn-Tunnels in Frankfurt noch ein bisschen dicker, da sich z.B. in Frankfurt Süd plötzlich jede Menge S-Bahnen auf den Gleisen tummeln, die dort eigentlich nicht hingehören. Haben wir uns auch schon dran gewöhnt. Jetzt kommt allerdings noch der Faktor Wetter obendrauf. Und langsam fängt es an zu nerven.

Schönes Beispiel heute: Am Morgen mit 60 Minuten Verspätung in Frankfurt angekommen, wegen einer Gleisstörung in Wolfgang. Es ist zu heiß, sagt man uns. Da macht das Material schon mal schlapp. Auf dem Rückweg fangen wir uns dann 30 Minuten ein, auch wegen der Hitze – wenn auch diesmal indirekt.

Der Main-Spessart-Express hat das Rennen gegen den RE50 gewonnen und erhält als erstes auf Gleis 6 am Südbahnhof Einfahrt – und ist bei der Ankunft schon berstend voll. Natürlich wollen noch weitere Fahrgäste einsteigen, aber es geht weder vor noch zurück. Es dauert geschlagene 15 Minuten, bis sich die Türen endlich schließen lassen. Grund für die Enge (neben den S-Bahn Touristen aus Offenbach und Hanau): ein gesperrter Waggon, in dem die Klimaanlage ausgefallen ist. Das kann man ja keinem zumuten. Das unsägliche Gequetsche offensichtlich schon … Und so richtig kühl sahen die Menschenmassen auch nicht aus.

Naja, die Fahrt im dahinter fahrenden RE50 war im Vergleich wirklich angenehm – nur halt mal wieder viel zu lange. Ob sie uns jetzt auf ein noch höheres Verspätungsniveau anheben können, das bleibt abzuwarten. Ich hoffe ja auf eine Entspannung ab dem 6. August, wenn die ganzen S-Bahnen wieder dahin kommen, wo sie hingehören. Wir sind gespannt.

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Wenn man an böse Omen glauben würde

… hätte mir heute eine höhere Macht wohl empfohlen nicht nach Frankfurt zu fahren.

In den Bergen hat es heute Nacht geschneit. Dementsprechend vorsichtig machte ich mich mit dem Auto auf den Weg ins Tal. Wie glatt es ist, habe ich bei einer Vollbremsung getestet, als ein Fuchs ganz entspannt direkt vor mir über die Fahrbahn trabte. Nicht wirklich glatt, Glück gehabt.

Im nächsten Ort fuhr ein Auto mit Warnblinklicht direkt vor mir mitten auf die Kreuzung und blockierte beide Fahrbahnen. Hinter ihm bogen zwei Autos, ebenfalls mit Warnblinkern, auf die Hauptstraße ein. Sie tuckerten dann mit 20 km/h vor mir her. Der erste schleppte den zweiten ab und der Fahrbahnblockierer sicherte erst die Kreuzung und dann nach hinten ab. Alles klar. Bei der Abfahrt zur Werkstatt war ich sie wieder los.

Kaum im Wald des Fürsten angelangt, grüßte mich ein Warndreieck. Zwei Wagen standen am Straßenrand, die Menschen – vorbildlich in Warnweste – daneben. Kurz das Fenster runtergekurbelt, aber die Menschen winkten schon ab und bedankten sich. „Alles in Ordnung.“

Wohlbehalten im verregneten Kinzigtal angekommen, erfreute ich mit meinem schneebedeckten Auto wieder mal Kinder auf dem Weg in die Schule. Ich wurde nett gegrüßt, dann ging die Schneeballschlacht los. Zum Glück auch ohne meine Beteiligung.

Bei der Ankunft am Bahnhof sah ich bereits das ominös laufende Spruchband an der Anzeige. Das bedeutet ja nie was Gutes. Etwas näher dran erkannte ich dann: 20 Minuten wegen diverser Störungen.

Ach ja, wie gut, dass ich nicht abergläubisch bin.

30+∞+0+15=30

So oder so ähnlich ging das letzte Woche Dienstag mit der Verspätungsrechnung auf der Kinzigtalbahn. Frankfurt Hauptbahnhof, der RE 50 um 19:26 Uhr hat 30 Minuten Verspätung. Alles klar. Dann die schönste Botschaft, die der Bahnfahrer kennt: der Zug fällt aus; Verspätung also gegen Unendlich.

dbDie RB fährt pünktlich, also alles wieder auf 0. Dann die Durchsage im Zug: der RE wartet in Hanau auf uns, wo wir umsteigen können. Das nenne ich mal Service. Dort steht er, mit 15 Minuten Verspätung angeschlagen. Und steht, und steht, und steht … Die Anzeige in Hanau beherrscht offensichtlich nicht die große Kunst des Verspätungs-Countups, denn sie springt nach 20 Minuten spontan auf 30 um. Womit wir wieder beim Anfang wären.

Säße ich noch in der RB, wäre ich wenigstens pünktlich. Egal. Der Zug fährt los und der Zugführer begeistert uns mit seiner guten Laune: „Willkommen im RE nach Fulda, der heute in Hanau gestartet ist und bei der Abfahrt 26 Minuten Verspätung hatte. Dafür soll ich mich entschuldigen.“

Ist das Kunst oder kann das weg?

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Die Kinzigtalbahn von gestern Abend

Die Bahn wird das eindeutig mit wegmachen beantworten – wenn nicht gar mit Vandalismus. Ich finde diese Tags ja meist echt langweilig. Es gibt so gute Graffitis da draußen (s. z.B. bei der Dosenkunst), auch an legalen Stellen, da erscheint mir diese Form des künstlerischen Ausdrucks doch irgendwie überflüssig.

Alles was die freie WildBahn so zu bieten hat

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Gleis 6 heute schwer beliebt

Letzte Woche am Frankfurter Hauptbahnhof: Der ICE nach Wiesbaden hat 25 Minuten Verspätung, der nach Stuttgart 15 Minuten. Vom RE nach Fulda weiß man – wie immer – nichts Genaues. Nur dass nach der Rechnung der Bahn alle drei gleichzeitig auf Gleis 6 ankommen werden. Der Wiesbadener macht das Rennen. Und steht und steht und steht. Stuttgart fährt auf Gleis 7 ein, direkt gegenüber, steht nur ein bisschen und fährt wieder ab. Die Durchsage für Fulda kommt pünktlich zur geplanten Abfahrt um17:26 Uhr: heute von Gleis 12.

Dort steht die VIA Richtung Erbach/Wiebelsbach, die vor fünf Minuten hätte abfahren sollen. Dann wir das Gleis frei und es folgt ein klassischer Verspätungs-Countup für Fulda. Um 17:47 Uhr, mittlerweile im Zug sitzend, fängt das Zuglotto wieder an. Ich stelle mir die Frage, ob ich vielleicht rüber zum Gleis 5 gehen sollte, um mein Glück mit dem RE um 17:50 Uhr zu versuchen. 17:49 Uhr haben wir Abfahrt – kurz nachdem ein ganzer Schwung sich im Lotto für Gleis 5 entschieden hatte. Heute war aber auch wirklich mal wieder alles in der Wundern-Tüte.

Bild: Blick in die mittlere Bahnsteighalle von Urmelbeauftragter (CC BY-SA 3.0)

Am besten einfach ignorieren

Es ist 17:15 Uhr. Die RB 50 fährt pünktlich in den Hauptbahnhof Frankfurt ein. Dabei die Durchsage: „Bitte nicht einsteigen. Zug endet hier.“ Die Hälfte der Wartenden am Bahnsteig hat es eh nicht gehört und steigt einfach ein, denn der Zug fährt normalerweise um 17:26 Uhr als RE 50 wieder zurück Richtung Fulda. Die andere Hälfte, die die Durchsage verstanden hat, geistert noch eine Weile etwas verunsichert auf dem Bahnsteig herum. Man läuft in Richtung der nächsten Anzeige – dort steht natürlich nichts. Gegen 17:25 Uhr steigen die letzten Zweifler ein, und der Zug fährt eine Minute später pünktlich ab. Ob wirklich einer der Durchsage brav Folge geleistet hat und uns jetzt vom Bahnsteig aus traurig hinterherschaut?

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Steht da etwa einer und winkt dem Zug hinterher?

Irgendeine Störung

Hatte mir diese Woche den besten Tag zum Pendeln mit der Kinzigtalbahn nach Frankfurt ausgesucht. Am Dienstagmorgen gab es ‚irgendeine Störung‘, so drücke ich das jetzt mal aus. Von der Bahn gab es mehrere interessante Erklärungen zu den Verspätungen.

Ich bin früh da diesmal – und der Bahnsteig steht (schon? – nein, natürlich immer noch!) voll. Die RB hat 15 Minuten Verspätung wegen einer technischen Störung auf der Strecke. Das klingt nicht so toll. Aber wenn ich jetzt gleich in die RB steige, dann bin ich mindestens genauso schnell in Frankfurt, als wie wenn ich auf den RE warte, der ja möglicherweise auch später fährt wegen der Störung. So der erste Gedankengang – der völlig müßig war, da die RB erst mal nicht kam.

Endlich eine Durchsage: Die RB hat 25-30 Minuten Verspätung, wegen einer Weichenstörung, übrigens. Ok, dann kommt sie also nach dem RE, also eventuell jedenfalls. So der zweite, jetzt schon etwas vorsichtiger formulierte Gedankengang. Es fährt aber weder der RE noch die RB zur angedachten Zeit ein.

Dann endlich die nächste Durchsage: Der RE hat 10 Minuten Verspätung. Also fahren jetzt beide gleichzeitig ein … Wer wohl das Rennen macht? Die Spannung steigt.

Währenddessen auf Gleis 2: Alle fünf Minuten warnt uns die automatische Anzeige: „Achtung, ein Zug fährt durch.“ 30 Minuten lang tut sich auf Gleis 2 gar nichts. Dann fährt aus Richtung Frankfurt ein IC ein und hält außerplanmäßig. Nach fünf Minuten Halt setzt er plötzlich zurück, um dann fünf Minuten später wieder Richtung Fulda an uns vorbeizurauschen – diesmal ohne Vorwarnung, dass ein Zug durchfährt.

Zurück auf Gleis 1: Die RB hat Einfahrt. Und kurz darauf auch der RE, juchuh! Im Zug erfahren wir, dass wir 15 Minuten Verspätung wegen einer ‚witterungsbedingten Störung‘ haben (es hatte tatsächlich viel geregnet). Der gleiche Schaffner sagt uns dann kurz vor Frankfurt, dass wir wegen ‚diverser technischer Störungen‘ nun 30 Minuten zu spät sind. Irgendeine Störung halt. Ist schon ok. Wenn da nur nicht die Sache mit den leicht verzerrten Verspätungsangaben und verzögerten Durchsagen wäre … 😉

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So sollte die perfekte Weiche aussehen.

Bild: Schematische Darstellung einer Weiche von Sansculotte (CC BY-SA 2.5)

Papperlapapp DeLorean: Züge sind die wahren Zeitmaschinen

Ich begebe mich regelmäßig auf Zeitreise.

Nein, nicht in meinen Büchern, sondern ganz in echt, in der Bahn. Jedenfalls wenn man den Datums- und Uhrzeitangaben in den Zügen trauen kann.

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Aufgenommen am 08.03.2015, 12:56 Uhr

Am 08.03.2015 zum Beispiel. Da bin ich zur Mittagszeit in den Zug gestiegen. Und schwupps war ich in der Vergangenheit. 07.03.2015, sagte mir die Datumsanzeige, kurz vor vier Uhr. Interessant, wie die Leute gestern in diesem Zug ausgesehen haben.

Beim Ausstieg am Hauptbahnhof Frankfurt muss ich just in dem Moment, als ich vom Zug heraus auf den Bahnsteig trat, die Zeitschwelle übertreten und einen knappen Tag in die Zukunft zurückgereist sein.

In der Zukunft war ich übrigens auch schon mal, 2017. Die Leute fuhren Bahn.

Verspätungs-Countup

Heute widmen wir uns einem Phänomen, dass wohl jeder regelmäßige Bahnfahrer gut kennt: dem Verspätungs-Countup.

800px-Suedbahnhof_Ffm_Bahnhofsgebaeude18:33 Uhr, Gleis, 6, Südbahnhof Frankfurt. Eigentlich sollte jetzt der RE Richtung Fulda einfahren. Tut er aber nicht.

18:40 Uhr, Gleis 6, Südbahnhof Frankfurt. Eigentlich hätte der RE Richtung Fulda vor sieben Minuten einfahren sollen. Jetzt springt die Anzeige um. Ah, der RE hat also fünf Minuten Verspätung.

18:42 Uhr, Gleis 6, Südbahnhof Frankfurt. Die Anzeige springt um. Der RE 55 Richtung Aschaffenburg hat fünf Minuten Verspätung. Was mit dem RE 50 passiert ist, wissen wir erst mal nicht.

18:45 Uhr, Gleis 6, Südbahnhof Frankfurt. Der RE 55 fährt ein und kurz darauf wieder ab.

18:50 Uhr, Gleis 6, Südbahnhof Frankfurt. Eigentlich hätte der RE Richtung Fulda vor 17 Minuten einfahren sollen. Jetzt springt die Anzeige um. Ah, der RE hat also fünfzehn Minuten Verspätung.

18:55 Uhr, Gleis 6, Südbahnhof Frankfurt. Eigentlich hätte der RE Richtung Fulda vor 23 Minuten einfahren sollen. Jetzt springt die Anzeige um. Ah der RE hat also zwanzig Minuten Verspätung.

Ihr wisst schon wie es weitergeht. Manchmal hat der Bahnfahrer Glück und es gibt eine Durchsage zum Sachverhalt, der reinrassige Countup kommt allerdings nur über die Anzeige daher.

Bild: Südbahnhof von EvaK (GNU FDL 1.3)