30+∞+0+15=30

So oder so ähnlich ging das letzte Woche Dienstag mit der Verspätungsrechnung auf der Kinzigtalbahn. Frankfurt Hauptbahnhof, der RE 50 um 19:26 Uhr hat 30 Minuten Verspätung. Alles klar. Dann die schönste Botschaft, die der Bahnfahrer kennt: der Zug fällt aus; Verspätung also gegen Unendlich.

dbDie RB fährt pünktlich, also alles wieder auf 0. Dann die Durchsage im Zug: der RE wartet in Hanau auf uns, wo wir umsteigen können. Das nenne ich mal Service. Dort steht er, mit 15 Minuten Verspätung angeschlagen. Und steht, und steht, und steht … Die Anzeige in Hanau beherrscht offensichtlich nicht die große Kunst des Verspätungs-Countups, denn sie springt nach 20 Minuten spontan auf 30 um. Womit wir wieder beim Anfang wären.

Säße ich noch in der RB, wäre ich wenigstens pünktlich. Egal. Der Zug fährt los und der Zugführer begeistert uns mit seiner guten Laune: „Willkommen im RE nach Fulda, der heute in Hanau gestartet ist und bei der Abfahrt 26 Minuten Verspätung hatte. Dafür soll ich mich entschuldigen.“

Ist das Kunst oder kann das weg?

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Die Kinzigtalbahn von gestern Abend

Die Bahn wird das eindeutig mit wegmachen beantworten – wenn nicht gar mit Vandalismus. Ich finde diese Tags ja meist echt langweilig. Es gibt so gute Graffitis da draußen (s. z.B. bei der Dosenkunst), auch an legalen Stellen, da erscheint mir diese Form des künstlerischen Ausdrucks doch irgendwie überflüssig.

Alles was die freie WildBahn so zu bieten hat

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Gleis 6 heute schwer beliebt

Letzte Woche am Frankfurter Hauptbahnhof: Der ICE nach Wiesbaden hat 25 Minuten Verspätung, der nach Stuttgart 15 Minuten. Vom RE nach Fulda weiß man – wie immer – nichts Genaues. Nur dass nach der Rechnung der Bahn alle drei gleichzeitig auf Gleis 6 ankommen werden. Der Wiesbadener macht das Rennen. Und steht und steht und steht. Stuttgart fährt auf Gleis 7 ein, direkt gegenüber, steht nur ein bisschen und fährt wieder ab. Die Durchsage für Fulda kommt pünktlich zur geplanten Abfahrt um17:26 Uhr: heute von Gleis 12.

Dort steht die VIA Richtung Erbach/Wiebelsbach, die vor fünf Minuten hätte abfahren sollen. Dann wir das Gleis frei und es folgt ein klassischer Verspätungs-Countup für Fulda. Um 17:47 Uhr, mittlerweile im Zug sitzend, fängt das Zuglotto wieder an. Ich stelle mir die Frage, ob ich vielleicht rüber zum Gleis 5 gehen sollte, um mein Glück mit dem RE um 17:50 Uhr zu versuchen. 17:49 Uhr haben wir Abfahrt – kurz nachdem ein ganzer Schwung sich im Lotto für Gleis 5 entschieden hatte. Heute war aber auch wirklich mal wieder alles in der Wundern-Tüte.

Bild: Blick in die mittlere Bahnsteighalle von Urmelbeauftragter (CC BY-SA 3.0)

Am besten einfach ignorieren

Es ist 17:15 Uhr. Die RB 50 fährt pünktlich in den Hauptbahnhof Frankfurt ein. Dabei die Durchsage: „Bitte nicht einsteigen. Zug endet hier.“ Die Hälfte der Wartenden am Bahnsteig hat es eh nicht gehört und steigt einfach ein, denn der Zug fährt normalerweise um 17:26 Uhr als RE 50 wieder zurück Richtung Fulda. Die andere Hälfte, die die Durchsage verstanden hat, geistert noch eine Weile etwas verunsichert auf dem Bahnsteig herum. Man läuft in Richtung der nächsten Anzeige – dort steht natürlich nichts. Gegen 17:25 Uhr steigen die letzten Zweifler ein, und der Zug fährt eine Minute später pünktlich ab. Ob wirklich einer der Durchsage brav Folge geleistet hat und uns jetzt vom Bahnsteig aus traurig hinterherschaut?

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Steht da etwa einer und winkt dem Zug hinterher?

Irgendeine Störung

Hatte mir diese Woche den besten Tag zum Pendeln mit der Kinzigtalbahn nach Frankfurt ausgesucht. Am Dienstagmorgen gab es ‚irgendeine Störung‘, so drücke ich das jetzt mal aus. Von der Bahn gab es mehrere interessante Erklärungen zu den Verspätungen.

Ich bin früh da diesmal – und der Bahnsteig steht (schon? – nein, natürlich immer noch!) voll. Die RB hat 15 Minuten Verspätung wegen einer technischen Störung auf der Strecke. Das klingt nicht so toll. Aber wenn ich jetzt gleich in die RB steige, dann bin ich mindestens genauso schnell in Frankfurt, als wie wenn ich auf den RE warte, der ja möglicherweise auch später fährt wegen der Störung. So der erste Gedankengang – der völlig müßig war, da die RB erst mal nicht kam.

Endlich eine Durchsage: Die RB hat 25-30 Minuten Verspätung, wegen einer Weichenstörung, übrigens. Ok, dann kommt sie also nach dem RE, also eventuell jedenfalls. So der zweite, jetzt schon etwas vorsichtiger formulierte Gedankengang. Es fährt aber weder der RE noch die RB zur angedachten Zeit ein.

Dann endlich die nächste Durchsage: Der RE hat 10 Minuten Verspätung. Also fahren jetzt beide gleichzeitig ein … Wer wohl das Rennen macht? Die Spannung steigt.

Währenddessen auf Gleis 2: Alle fünf Minuten warnt uns die automatische Anzeige: „Achtung, ein Zug fährt durch.“ 30 Minuten lang tut sich auf Gleis 2 gar nichts. Dann fährt aus Richtung Frankfurt ein IC ein und hält außerplanmäßig. Nach fünf Minuten Halt setzt er plötzlich zurück, um dann fünf Minuten später wieder Richtung Fulda an uns vorbeizurauschen – diesmal ohne Vorwarnung, dass ein Zug durchfährt.

Zurück auf Gleis 1: Die RB hat Einfahrt. Und kurz darauf auch der RE, juchuh! Im Zug erfahren wir, dass wir 15 Minuten Verspätung wegen einer ‚witterungsbedingten Störung‘ haben (es hatte tatsächlich viel geregnet). Der gleiche Schaffner sagt uns dann kurz vor Frankfurt, dass wir wegen ‚diverser technischer Störungen‘ nun 30 Minuten zu spät sind. Irgendeine Störung halt. Ist schon ok. Wenn da nur nicht die Sache mit den leicht verzerrten Verspätungsangaben und verzögerten Durchsagen wäre … 😉

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So sollte die perfekte Weiche aussehen.

Bild: Schematische Darstellung einer Weiche von Sansculotte (CC BY-SA 2.5)

Papperlapapp DeLorean: Züge sind die wahren Zeitmaschinen

Ich begebe mich regelmäßig auf Zeitreise.

Nein, nicht in meinen Büchern, sondern ganz in echt, in der Bahn. Jedenfalls wenn man den Datums- und Uhrzeitangaben in den Zügen trauen kann.

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Aufgenommen am 08.03.2015, 12:56 Uhr

Am 08.03.2015 zum Beispiel. Da bin ich zur Mittagszeit in den Zug gestiegen. Und schwupps war ich in der Vergangenheit. 07.03.2015, sagte mir die Datumsanzeige, kurz vor vier Uhr. Interessant, wie die Leute gestern in diesem Zug ausgesehen haben.

Beim Ausstieg am Hauptbahnhof Frankfurt muss ich just in dem Moment, als ich vom Zug heraus auf den Bahnsteig trat, die Zeitschwelle übertreten und einen knappen Tag in die Zukunft zurückgereist sein.

In der Zukunft war ich übrigens auch schon mal, 2017. Die Leute fuhren Bahn.

Verspätungs-Countup

Heute widmen wir uns einem Phänomen, dass wohl jeder regelmäßige Bahnfahrer gut kennt: dem Verspätungs-Countup.

800px-Suedbahnhof_Ffm_Bahnhofsgebaeude18:33 Uhr, Gleis, 6, Südbahnhof Frankfurt. Eigentlich sollte jetzt der RE Richtung Fulda einfahren. Tut er aber nicht.

18:40 Uhr, Gleis 6, Südbahnhof Frankfurt. Eigentlich hätte der RE Richtung Fulda vor sieben Minuten einfahren sollen. Jetzt springt die Anzeige um. Ah, der RE hat also fünf Minuten Verspätung.

18:42 Uhr, Gleis 6, Südbahnhof Frankfurt. Die Anzeige springt um. Der RE 55 Richtung Aschaffenburg hat fünf Minuten Verspätung. Was mit dem RE 50 passiert ist, wissen wir erst mal nicht.

18:45 Uhr, Gleis 6, Südbahnhof Frankfurt. Der RE 55 fährt ein und kurz darauf wieder ab.

18:50 Uhr, Gleis 6, Südbahnhof Frankfurt. Eigentlich hätte der RE Richtung Fulda vor 17 Minuten einfahren sollen. Jetzt springt die Anzeige um. Ah, der RE hat also fünfzehn Minuten Verspätung.

18:55 Uhr, Gleis 6, Südbahnhof Frankfurt. Eigentlich hätte der RE Richtung Fulda vor 23 Minuten einfahren sollen. Jetzt springt die Anzeige um. Ah der RE hat also zwanzig Minuten Verspätung.

Ihr wisst schon wie es weitergeht. Manchmal hat der Bahnfahrer Glück und es gibt eine Durchsage zum Sachverhalt, der reinrassige Countup kommt allerdings nur über die Anzeige daher.

Bild: Südbahnhof von EvaK (GNU FDL 1.3)

Ärzte raten: Auf den Zug umsteigen

Öpnv

Ärzte raten dazu, wo es geht, auf die Anfahrt mit dem eigenen Pkw zu verzichten. Pendler mit Auto neigen demnach häufiger zu Übergewicht und seien vor allem auf dem Heimweg nach einem anstrengenden Arbeitstag gefährdet, wenn erste Ermüdungserscheinungen eintreten.

Ich rate das auch. Nicht nur wegen der Gesundheit. Ist auch besser für die Umwelt, reduziert den Stress und man kann etwas Sinnvolles mit seiner Zeit anfangen. Lesen, zum Beispiel. Zur Not auch Arbeiten, oder Schlafen. Interessante Mitmenschen beobachten. Am Ende kommt dabei gar ein Blog heraus …

Den ganzen Artikel, aus dem das Zitat stammt, gibt es >hier. Ich frage mich, wo die Buchleser in der Statistik abgeblieben sind. Die gibt es noch. Wirklich. Am Ende allerdings die Fahrgemeinschafts-Empfehlung als ultimative Lösung anzupreisen, ist völliger Schwachsinn. Besser als Alleinfahren, natürlich, aber den ÖPNV schlägt die Fahrgemeinschaft in keiner der vorgebrachten Kategorien. Ob man nun im Auto oder im Zug sitzt ist völlig egal. In letzterem hat man aber tatsächlich die Option aufzustehen und rumzulaufen. Außerdem kann man davon ausgehen, dass der Pendler durchschnittlich weitere Wege zur Haltestelle zu Fuß zurücklegt als vom Parkplatz. Das Problem der Übermüdung des Fahrers bleibt auch bei Fahrgemeinschaften bestehen. Und der vollbesetzte Zug/Bus ist immer noch effizienter als ein vollbesetzter PKW. Nachdenken vor dem Schreiben hilft manchmal.

Ich liege bei der Pendelzeit übrigens um mehr als das doppelte über dem Durchschnitt. Leider verbringe ich dabei nicht die ganze Zeit im Zug, sondern muss erst noch mit dem Auto an den Bahnhof fahren. Auch dazu gibt es demnächst ein paar Geschichten.

Post-retarde Verspätungsmeldung

Um die begrifflichen Grundlagen für diesen Blog zu legen, widmen wir uns heute einem völlig gewöhnlichen Phänomen in freier WildBahn: der verspäteten Verspätungsmeldung (kurz PRV).

Es ist 18.20 Uhr, die RB aus Wächtersbach, weiter als RE Richtung Fulda, fährt gerade am Frankfurter Hauptbahnhof ein. Eigentlich hätte sie schon um 18.15 Uhr einfahren sollen, aber wegen dieser paar Minuten macht sich heute keiner die Mühe mit einer Durchsage oder Anzeige – dachte ich. Nachdem der Zug bereits fünf Minuten auf dem Gleis steht, hören wir: „RB aus Wächtersbach hat heute fünf Minuten Verspätung.“ Sag bloß!

Zu diesem Zeitpunkt hätte es ‚hatte‘ heißen müssen. Zudem beginnt der Zug pünktlich seine Reise als RE. Trotzdem danke für diese völlig überflüssige Information.

Mit dem verwandten Phänomen des Verspätungs-Countups beschäftigen wir uns in einem der nächsten Artikel.

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Wussten Sie schon? 1888 hatte mal ein Zug Verspätung.

PS: Ich hatte kein Latein.

“Hier spricht ihr Lokführer”

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Edgar Wallace (RAMC Muniment Collection, CC BY 4.0)

Eine wiederkehrende Rubrik in diesem Blog werden interessante Zugdurchsagen sein. Eine vor kurzem Gehörte begann mit: „Hier spricht ihr Lokführer.“ Das ist schon mal außergewöhnlich. So fängt keine Durchsage an. Ich denke sofort an Edgar Wallace. Haben wir einen Mörder an Bord? Nein, die heutige Geschichte ist kein Thriller.

„Wir hatten eine Türstörung.“ Alles klar, nichts Besonderes. Wie es dann weitergeht allerdings schon: „Ich wollte etwas ausprobieren, bevor der Zug anfährt, deshalb konnten sie die Türen eben nicht öffnen.“ Kurze Pause. „Ja, es hat funktioniert, deshalb sind wir nur mit geringer Verspätung losgefahren.“ Das Abteil bricht spontan in Applaus aus.

Und weil es der erste Beitrag in der Kategorie ist noch eine Anmerkung: Ich liebe das Bahnfahren! Die widrigsten Widrigkeiten der Bahn sind das Paradies gegenüber dem Wahnsinn auf den Straßen. Außerdem kann man beim Autofahren so schlecht nebenbei lesen.