Verfrühte Verspätung

Der Bahnhof in Fulda

Durchsage neulich am Bahnhof in Fulda: „Der Regionalexpress Richtung Frankfurt, Abfahrt 19:08 Uhr, fährt heute voraussichtlich erst gegen 20 Uhr ab.“ Auf der Anzeige stehen erst 40, dann 45 Minuten Verspätung.

Na gut, dann hol ich mir jetzt erst mal einen Kaffee. Ich schlendere die Bahnhofstraße runter und wieder hoch und bin gegen 19:30 Uhr wieder am Bahnhof. Dort höre ich diese Durchsage: „Es erhält Einfahrt, der RE nach Frankfurt, der danach direkt zurück fährt.“ Und genau das tut er auch.

Gut, dass ich schon wieder da bin. Eine Gruppe Jugendlicher, die mit mir auf den Zug gewartet hatten, sind mir eben auf den Weg ins McDonald’s begegnet. Einer fragte noch: „Haben wir dafür noch Zeit?“ Hoffentlich ist der um 20:08 Uhr für die pünktlich.

Bild von High Contrast

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Glatteis vs. Platzmangel

penguinEigentlich wollte ich mich am Montag ja über den nicht gestreuten Bahnhof wundern. Über all die Menschen, die vorsichtig über das Glatteis – elegant wie Pinguine am Südpol – den Bahnsteig hinunter watscheln.

Dann überrascht mich der Zug damit, dass der erste statt der dritte Wagen vor mir stehenbleibt. Zu früh gebremst? Nein, irgendwas ist hier faul. Ich ergattere einen der allerletzten Sitzplätze, indem ich einen Mann freundlich dazu bringe, seine Tasche auf den Schoß zu nehmen. Warum ist es hier so voll?

Die Erklärung kommt mit der Durchsage: „Wo immer Sie was zum Sitzen finden, setzten Sie sich. Uns fehlen heute leider drei Wagen.“ Kurz vor Hanau wird sich noch mal entschuldigt: „Wir bedanken uns für Ihr Verständnis für unseren … Platzmangel.“

Bahnhofsrätsel

Ich bin unterwegs. Habe euch Bilder von drei Bahnhöfen mitgebracht, an denen ich heute Station gemacht habe. Erkennt ihr sie?

Train station riddle

I am out and about. Brought you pictures from three train stations I visited today. Can you name them?

Der Preis für saubere Bahnhöfe

Zuggespräch neulich in der Kinzigtalbahn: Ein Mann beschwert sich über die mangelnde Sauberkeit am Südbahnhof, wo er eben eingestiegen ist. „In anderen Ländern funktioniert das doch auch! Und die Fahrkarten sind auch noch viel günstiger.“ Als Beispiel nennt er Singapur.

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Saubere U-Bahn Station in Singapur

Was er nicht erwähnt, vielleicht weil er es einfach nicht weiß, ist, dass die Sauberkeit an Bahnhöfen nichts mit dem Bahnbetreiber zu tun hat, sondern mit den strengen Gesetzen im Land. Die Bußgelder sind sehr hoch, wenn man Müll einfach auf die Straße, oder eben den Bahnhof, schmeißt. Kaugummis und andere für uns selbstverständliche Dinge sind ebenfalls verboten. Ja, sicher, es ist sauber dort. Mein Gespräch mit dem Müllbergproduzenten im Zug letztes Jahr wäre sicher anders verlaufen, wenn ich mit der Polizei drohen hätte können.

Nebenbei haben sicher die im Vergleich zu Deutschland niedrigen Lohn– und Energiekosten auch etwas mit dem günstigen Preis der Fahrkarten zu tun … Sind wir aber wirklich bereit, diese Preise für mehr Sauberkeit am Bahnhof und günstigere Tickets zu bezahlen?

DB sucht Liftboys für Bahnhof Wächtersbach

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Keine Angst vor großen Zahlen – der Aufzug in Wächtersbach hat nur zwei Ebenen-Tasten.

Die Bahn hat endlich eine Lösung für den ständig defekten Aufzug an Gleis 2/3 im Bahnhof Wächtersbach gefunden. Sie sucht Liftboys, die den Aufzug im Dreischichtbetrieb bedienen und vor allem vor Beschädigungen schützen sollen. „Der ideale Kandidat kann nummerierte Knöpfe bedienen, ist serviceorientiert und hat eine imposante Statur, um mögliche Vandalen abzuhalten. Kenntnisse in Kampfsportarten, Fremdsprachen – vor allem Vogelsberger Dialekt – und in der Aufzugreparatur sind ebenso von Vorteil“, erzählte die zuständige Personalsachbearbeiterin Frau Scherz exklusiv dem Wilden Kinzigtal.

Die Frage, warum beim Umbau überhaupt ein Aufzug und keine Rampe eingebaut wurde, beantwortete Frau Scherz mit Kostengründen. „Unsere kreativen Buchhalter arbeiten ausschließlich mit der Kurzfristrechnung*. Die Rampe war in der Erstanschaffung einfach teurer.“ Mit Wartungs- und Reparaturkosten für den Aufzug hätte man nicht rechnen können. „Wer kann denn ahnen, dass Menschen so zerstörerisch sind, oder die Technik einfach nicht mitspielt?“

Die Liftboy-Lösung findet Scherz ideal: „Kurzfristig bleiben die Ausgaben bei den heutigen Personalkosten auf jeden Fall günstiger als die Rampe. Der Bahnhof wird endlich wieder behindertenfreundlich, sicherer und außerdem schaffen wir zusätzliche Arbeitsplätze im Kinzigtal. Eine rundum gelungene Win-Win Situation.“ Natürlich dürfen sich auch Liftgirls bewerben.

Bewerbungen werden heute noch bis 23:59 Uhr unter April.Scherz@db.com entgegengenommen.

*Eine besonders im öffentlichen Dienst beliebte Unterart der Teilkostenrechnung.

Verfrühung

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Auf und davon mit Tunnelblick

Anfang des Monats am Bahnhof in Schlüchtern. Ich sitze noch im Auto und rede mit meinem Chauffeur über die Abholung. Ausnahmsweise fahre ich heute mit der Kinzigtalbahn in die andere Richtung, nach Fulda. Noch vier Minuten bis zur Zugabfahrt, sagt meine Uhr im Auto – die nach dem Radio gestellt ist. Ich steige aus, um auf den Bahnsteig zu gehen, und sehe einen RE auf dem Gleis einfahren.

„Das kann doch nicht …“, entfährt es mir, und ich eile auf die Unterführung zu. Auf halbem Weg fällt mir ein: ich habe den Koffer gar nicht aus dem Auto geholt! Ich drehe wieder um, der ‚Kofferträger‘ kommt mir schon entgegen. Ich nehme nun zwei Stufen auf einmal, um schnell auf das Gleis zu kommen. Die Anzeige der Bahn direkt über der Treppe sagt mir, ich habe noch zwei Minuten Zeit. Ich habe den Finger noch nicht ganz auf dem Türknopf, als der Zug losfährt. Die Uhr springt in diesem Moment auf 8:26 Uhr um. Abfahrt ist um 8:27 Uhr.

Ich weiß ja, dass man den Anzeigen der Bahn nicht immer trauen darf. Aber nach einer Prüfung der Uhrzeit auf zwei Handys und der im Auto (die pünktlich mit dem Beginn der Radionachrichten auf 8:30 Uhr springt) steht es 4:1 gegen den Zug. Ein klarer Fall von Verfrühung.

Bild: Tunnel Schlüchtern von Lothar Mantel (CC BY-SA 2.0)