Hessentagswegs 2014 in Bensheim

Fernblick über die Weinberge

Letzten Monat sind wir den Hessentagsweg 2014 bei Bensheim gelaufen. Wir sind am Naturparkplatz Herrenwingert in die Runde eingestiegen und dann erst mal relativ schnell am Kirchberghäuschen vorbei gelaufen – denn dort war die Hölle los! Also nichts wie ab ins Tal nach Bensheim und dann wieder hinauf auf den Hemsberg – ein Aufstieg, der es ganz schön in sich hat.

Oben wurde ich dann allerdings mit einem neuen Stück für meine Bismarckturm-Sammlung entschädigt: dem Hemsbergturm. Der ist außerdem zeitweise bewirtschaftet, so dass wir uns mit einem frischen Getränk erst mal richtig ausruhen konnten, bevor es wieder hinunter ins Tal und dann über einen Hohlweg auf die nächste Erhöhung ging. Die Abzweigung zum Blauen Türmchen haben wir irgendwie verpasst, aber am Schönberger Kreuz haben wir wieder eine kurze Rast eingelegt. In Schönberg haben wir den offiziellen Wanderweg dann verlassen und sind direkt durch den Ort, am Schloss vorbei, zurück in Richtung Parkplatz marschiert.

Der Hemsbergturm von allen Seiten

Eine wunderschöne Tour, klasse ausgeschildert, mit ein paar steilen Anstiegen – dafür aber natürlich auch mit tollen Aussichten.

Länge: 14 km

Höhenmeter: 417m

Schwierigkeitsgrad: mittel

Gegen den Strom, ab in den Nebel

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An der Nebelgrenze

Gestern sind die Flachlandhessen alle rauf auf die Berge, um dort die Sonne zu genießen (s. z.B. Die Vogelsbergerin). Aber ich schwimme gegen den Strom. Während im Vogelsberg eitel Sonnenschein herrscht, schlägt mir kurz hinter Homberg/Ohm eine Nebelwand entgegen. In Marburg angekommen, hoffe ich noch, dass mir die Sonne bald hinunter ins Tal folgt, aber es bleibt den ganzen Tag duster. Die Panoramasicht vom Bismarckturm, Nr. 3 in meiner Sammlung, ist … nicht vorhanden, dafür haben die Schwertrichtstätte am Rabenstein im Nebel und das nur langsam auftauchende Landgrafenschloss auch was. Auf dem Weg von einer Talseite auf die andere nehme ich noch ein paar Eindrücke aus der Altstadt mit.

ca. 10km, Schwierigkeitsgrad: mittel

 

Ich sammle ab sofort Bismarcktürme

Erwandern will ich sie. Jedenfalls erst mal alle in Hessen. Auf die Idee gekommen bin ich, weil ich vor kurzem über den Blog vom Guten Bubi gestolpert bin, der sich und seine Radfahrerkollegen in einer Unendlichen Rundfahrt herausgefordert hat, alle 173 noch existierende Bismarcktürme zu erradeln.

Das klang irgendwie spannend. Warum gibt es davon eigentlich so viele? Eine Recherche, vor allem auf www.bismarcktuerme.de, brachte faszinierende Dinge zu Tage: Zwischen 1869 und 1934 wurden sage und schreibe 240 Bismarcktürme errichtet, bzw. vorhandene Bauwerke zu Bismarcktürmen umgewidmet – und das hauptsächlich auf das Betreiben von Studenten hin. Reichskanzler Otto von Bismarck wurde 1890 von Kaiser Wilhelm II. entlassen. Daraufhin entwickelte er sich zum scharfen Kritiker des Kaisers, was bei den Studenten wohl ganz gut ankam.

Bismarckhuldigung

Bismarckshuldigung, 1. April 1895, Friedrichsruh (Verlag Dr. W. Mertens & Cie., Berlin)

Zu diversen Geburtstagen empfing Bismarck studentische Gesandtschaften – und hinterließ dabei großen Eindruck. Zu seinem 80. Geburtstag wurde gar eine ‚Huldigungsfahrt‘ für 6,000 Studenten organisiert. Nach seinem Tode einigte man sich bei einer Studentenkonferenz in Hamburg darauf, ihm durch die Erbauung von Türmen im ganzen Reich ein Denkmal zu setzen. Aber mit einem einfachen Turm war es nicht getan. Der Aachener Bildhauer Christian Lehr schlug vor, Denkmäler zu errichten, von „deren Spitzen an dem geplanten Gedenktage [der 1. April, Bismarcks Geburtstag] mächtige Feuerflammen weithin durch die Nacht lodern sollten“.

Entwurf Nr 1 - Götterdämmerung von Wilhelm Kreis

Entwurf Götterdämmerung von Wilhelm Kreis

Im Dezember 1898 wurde der Aufruf an das deutsche Volk verfasst, Bismarcksäulen im ganzen Reich zu errichten. Ein Wettbewerb für geeignete Entwürfe wurde ausgerufen. Der Gewinner war die „Götterdämmerung“ vom Architekten Wilhelm Kreis. Nach dem Entwurf wurden letztlich 47 Säulen gebaut. Insgesamt wurden 410 Bismarcktürme geplant, von denen 240 realisiert wurden. 173 davon stehen noch heute, ein Dutzend davon in Hessen.

Coole Sache also. Im Radfahren bin ich gar nicht gut, und die Türme in meiner Gegend wurden beim Bubi eh alle schon erobert. Also, setzte ich mir meine eigene Herausforderung: Ich will binnen eines Jahres alle Bismarcktürme in Hessen besuchen.

Ohne mich irgendwie besonders angestrengt zu haben, kann ich bereits den ersten Bismarckturm in meine Sammlung aufnehmen, und zwar den in Schotten. Entdeckt auf dem Taufstein bei einer Wanderung auf dem Höhenrundweg, und zwar bevor ich wusste, welch faszinierende Geschichte hinter den Türmen steckt. Einen eigenen Steckbrief zum Turm, und damit den eigentlichen Auftakt der Sammlung, gibt es demnächst.

Vom Hoherodskopf nach Hause

… bin ich letztens mal fast gelaufen. Das ganze fing mit einer wilden Verfolgungsjagd an. Wir wollten mit dem Vulkan-Express hoch auf den Berg fahren. Dazu sind wir mit dem Auto nach Fischborn gefahren, wo die nächstbeste Haltestelle zu finden ist. In der Riedstraße, direkt parallel zur Hauptdurchgangstraße, warteten wir also geduldig auf den Bus, der zwar pünktlich kam, dann aber auf der Hauptstraße an uns vorbeirauschte. Er war gar nicht in die Parallelstraße zu seiner eigentlichen Haltestelle abgebogen.

Nach kurzer Beratung stieg das Wanderteam ins Auto und wir lieferten uns eine Verfolgungsjagd mit dem Bus bis zur nächsten Haltestelle in Hartmannshain. Kurz vorm Ort konnten wir überholen und dann das Auto zum Glück direkt neben der Haltestelle auf dem Parkplatz abstellen. Der Tag begann also schon mal vielversprechend aufregend. Auch in der Freizeit kann man offensichtlich Pendel-Abenteuer erleben.

Vom Hoherodskopf aus sind wir dann dem Lahn-Kinzig Fernwanderweg gefolgt. Vor dem Taufstein war die Markierung leider nicht wirklich eindeutig, so dass wir erst mal kurz in die falsche Richtung gelaufen sind (auf jeden Fall bis zum Bismarckturm laufen, nicht vorher links abbiegen). Aber so ein Umweg birgt ja auch seine Reize… Wieder auf dem richtigen Wege gab es einige total überwucherte Streckenabschnitte durch den Wald. An der Herchenhainer Höhe genossen wir den tollen Ausblick ins Tal bei einer längeren Rast und staunten nicht schlecht über das verwunschene Denkmal für die in den Weltkriegen gefallenen Wanderer mitten im Wald. Die Bonifatiuskanzel, eine Basaltformation von der aus der Heilige natürlich damals gepredigt hat, ist auch schön anzusehen. Am Ende war ich tatsächlich ganz froh, dass ich nicht bis nach Fischborn zurück müsste. Ich bin ja noch ganz am Anfang mit meiner Wanderer-Karriere.

Länge: ca. 14km, Schwierigkeitsgrad: leicht

Bilder von mir und der wunderbaren mrsbananabrain.