Lebenswichtiges Utensil bei der Sommerbahnfahrt

Der Sommer ist endlich da – bekanntlich ja einer der vier Todfeinde der Bahn. Nehmen wir den gestrigen Tag als Beispiel, eine Begebenheit auf der Kinzigtalbahn.

Ich bin extra früher ins Büro, damit ich früher gehen kann. Bei dem Wetter brauche ich eine Abkühlung. Der Plan ist heute Abend ins Freibad zu gehen. Der RE 50 um 16:26 Uhr steht pünktlich am Gleis. Ich sitze im gut klimatisierten Abteil – aber der Zug fährt nicht los. Eine Minute bevor der 16:50er Richtung Fulda fährt, kommt die erste Durchsage: „Wegen einer technischen Störung verzögert sich die Abfahrt dieses Zuges um ca. 40 Minuten. Geplante Abfahrt ist um 17:08 Uhr.“ Ein bisschen knapp, aber alle die wollen, schaffen es noch in den 17:50er, der natürlich wegen der Umsteiger ein paar Minuten später losfährt. Alles noch im grünen Bereich, ich habe vollstes Verständnis. In Hanau Steinheim bleibt der Zug dann stehen. „Wegen einer Stellwerkstörung in Hanau Wolfgang, verzögert sich die Weiterfahrt.“ Ja, ok, auch dafür habe ich Verständnis.

Kein Verständnis habe ich allerdings dafür, dass die Klimaanlage ausgestellt wird. Ich bin mir relativ sicher, dass es keinen Defekt gab, denn bei der Weiterfahrt geht sie wieder an – wird der Situation im völlig überhitzten Zug aber nicht mehr Herr.

Lieber RMV/liebe Deutsche Bahn,

Sie sind gestern ganz knapp einer selbstverschuldeten Sachbeschädigung im RE 50 entgangen. Nach etwa einer halben Stunde im ungekühlten Zug, war die Hitze kaum noch erträglich. Passagiere versuchten wiederholt, die nicht ohne Schlüssel zu öffnenden Fenster zu knacken. Es wurde schon laut darüber nachgedacht, die Scheiben einzuschlagen. Kurz vor dem Kreislaufkollaps, nützt es nichts nochmal die Information zu bekommen, dass in Hanau ein Weichenschaden ist. Der Passagier möchte wissen, wann mit frischem Luftzufuhr zu rechnen ist. Es muss doch möglich sein, eine Klimaanlage in einem stehenden Zug laufen zu lassen – oder wenn das tatsächlich nicht geht, sollte jemand vom Personal mit dem Schlüssel vorbeikommen und die Fenster öffnen können. Für alles andere habe ich kein Verständnis.

Ein fast geschmolzener Passagier

Das ‚fast‘ habe ich übrigens diesem (über-)lebenswichtigen Utensil bei der Sommerbahnfahrt zu verdanken:

fächer

DB sucht Liftboys für Bahnhof Wächtersbach

elevator

Keine Angst vor großen Zahlen – der Aufzug in Wächtersbach hat nur zwei Ebenen-Tasten.

Die Bahn hat endlich eine Lösung für den ständig defekten Aufzug an Gleis 2/3 im Bahnhof Wächtersbach gefunden. Sie sucht Liftboys, die den Aufzug im Dreischichtbetrieb bedienen und vor allem vor Beschädigungen schützen sollen. „Der ideale Kandidat kann nummerierte Knöpfe bedienen, ist serviceorientiert und hat eine imposante Statur, um mögliche Vandalen abzuhalten. Kenntnisse in Kampfsportarten, Fremdsprachen – vor allem Vogelsberger Dialekt – und in der Aufzugreparatur sind ebenso von Vorteil“, erzählte die zuständige Personalsachbearbeiterin Frau Scherz exklusiv dem Wilden Kinzigtal.

Die Frage, warum beim Umbau überhaupt ein Aufzug und keine Rampe eingebaut wurde, beantwortete Frau Scherz mit Kostengründen. „Unsere kreativen Buchhalter arbeiten ausschließlich mit der Kurzfristrechnung*. Die Rampe war in der Erstanschaffung einfach teurer.“ Mit Wartungs- und Reparaturkosten für den Aufzug hätte man nicht rechnen können. „Wer kann denn ahnen, dass Menschen so zerstörerisch sind, oder die Technik einfach nicht mitspielt?“

Die Liftboy-Lösung findet Scherz ideal: „Kurzfristig bleiben die Ausgaben bei den heutigen Personalkosten auf jeden Fall günstiger als die Rampe. Der Bahnhof wird endlich wieder behindertenfreundlich, sicherer und außerdem schaffen wir zusätzliche Arbeitsplätze im Kinzigtal. Eine rundum gelungene Win-Win Situation.“ Natürlich dürfen sich auch Liftgirls bewerben.

Bewerbungen werden heute noch bis 23:59 Uhr unter April.Scherz@db.com entgegengenommen.

*Eine besonders im öffentlichen Dienst beliebte Unterart der Teilkostenrechnung.