Naive Regionalbahnreisende

Ein junges Pärchen besteigt den RE 50 in Frankfurt Süd. Als sie die Treppe herunterkommen, fragt er sie ganz rührend: „Oder willst du lieber an einen Tisch?“

Sorry, solchen Firlefanz können wir uns hier nicht leisten.

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Die hessichen REs sind eher spartanisch ausgelegt (s. z.B. auch fehlende Ausklapptische an den Rückseiten der Sitze).

Naive regional train travellers

A young couple boards the RE 50 in Frankfurt Süd. As they are coming down the stairs, he asks her considerately: “Or do you rather want to sit at a table?”

Sorry, we cannot afford such frippery here.

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Zugidentitätsfindung

Schon vor einer ganzen Weile am Südbahnhof in Frankfurt.

womanEs ist x:30 Uhr, ich warte auf dem RE 50 nach Fulda. Auf der Anzeige steht seltsamerweise die RB nach Wächtersbach. Dann die Durchsage: „Auf Gleis 6 fährt ein, der RE nach Würzburg.“ Für den ist es – genau wie für die RB – eigentlich noch zu früh … Mal schauen, was da jetzt einfährt. Laut der Zugbeschriftung fährt der vordere Teil des Zugs als RE nach Fulda, der hintere als RB nach Frankfurt. Ich steige mal vorne ein. Der Schaffner schafft dann Klarheit: „Sie befinden sich im RE nach Fulda.“ Die Fahrgäste, die bereits am Hauptbahnhof eingestiegen sind, schauen etwas verwirrt. „War doch klar.“ Naja, nicht in Süd.

Historische Durchsagensammlung I

Wie bereits erwähnt, schmökere ich gerade in alten Tagebüchern. Die habe ich oft im Zug beim Pendeln geschrieben. Und da habe ich tatsächlich schon interessante Durchsagen und Erlebnisse gesammelt, bevor ich überhaupt die Idee zu meinem Blog hatte. Hier die ersten fünf aus der historischen Sammlung:

12.01.11 – Eine panische Stimme aus dem Lautsprecher:

Zugführer sofort anhalten! Wir haben eine offene Tür!

12.01.11 – Etwas später während der gleichen Fahrt, in Frankfurt Süd:

Wir überprüfen die Türen. Dabei werden sie geschlossen gehalten.

31.03.11 – Super Information:

Die Bremsen funktionieren.

07.04.11 – Eine total normale Durchsage – wenn sie nicht während voller Fahrt gekommen wäre:

Bitte von den Türen zurückbleiben.

27.04.11 – Wir stehen am Hauptbahnhof Frankfurt, hätten schon vor 10 Minuten losfahren sollen:

Frau Antonia Z[.], bitte mal auf dem Bahnsteig melden. Es sind zwei Personen für sie da.

Goldene_Kamera_2012_-_Kai_PflaumeMeine Phantasie geht bei sowas ja immer mit mir durch. Haben wir deshalb Verspätung? Ist die Frau gefährlich? Oder steht da draußen Kai Pflaume mit zwei lang verschollenen Familienmitgliedern?

Bild: Kai Pflaume von JCS (CC BY-SA 3.0)

Zugdegradierung

Am 19. Januar 2007 wurde mein Zug vom RE zur RB degradiert. Das ist in etwa so, als würde eine Anlage von (gerade noch so) investment grade auf Ramsch heruntergestuft. Die Geschichte habe ich gerade beim Lesen eines alten Tagebuchs wiederentdeckt.

Strommast

Sturmopfer Strommast

Am Tag davor hat Orkan Kyrill das Land und die Bahngleise unsicher gemacht. Am nächsten Morgen gegen 9:30 Uhr fuhren die ersten Züge dann bereits wieder durch das Kinzigtal. In der ersten Ansage im Zug hieß es, der RE wurde bis Hanau zum RB heruntergestuft – und hielt damit an allen Bahnhöfen. Noch habe ich mir keine Gedanken über die Ansage gemacht. Erst als uns der Schaffner in Hanau dann etwas enttäuscht erkläre, dass wir tatsächlich die restliche Strecke bis Frankfurt Hauptbahnhof ebenfalls in einer RB darben müssten, wurde ich hellhörig.

Ein RE von Hanau nach Frankfurt Hbf hält auf dem Weg in Offenbach und Frankfurt Süd.

Eine RB von Hanau nach Frankfurt Hbf hält auf dem Weg in Offenbach und Frankfurt Süd.

Aber schon klar. Die Kinzigtalbahn sollte in der Hackordnung einfach ganz unten sein. Auf Ramschniveau herabgestuft. Trotzdem hat uns kein ICE mehr überholt.

Bild: Umgeknickter Freileitungsmast bei Magdeburg von Olaf 2 (CC BY-SA 3.0)