Hanau Wilhelmsbad

Das ehemalige Kurgebäude

Anfang April sind wir durch den Staatspark Wilhelmsbad spaziert. Dort gibt es nicht nur ein wunderbar restaurierte altes Karussell und eine mysteriöse Pyramide auf einer Insel, sondern auch einen – Trommelwirbel – Bismarckturm für meine Sammlung.

Bismarckturm

Das Karussell

Der Park

Bilder von mir und mrs.bananabrain

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Glatteis vs. Platzmangel

penguinEigentlich wollte ich mich am Montag ja über den nicht gestreuten Bahnhof wundern. Über all die Menschen, die vorsichtig über das Glatteis – elegant wie Pinguine am Südpol – den Bahnsteig hinunter watscheln.

Dann überrascht mich der Zug damit, dass der erste statt der dritte Wagen vor mir stehenbleibt. Zu früh gebremst? Nein, irgendwas ist hier faul. Ich ergattere einen der allerletzten Sitzplätze, indem ich einen Mann freundlich dazu bringe, seine Tasche auf den Schoß zu nehmen. Warum ist es hier so voll?

Die Erklärung kommt mit der Durchsage: „Wo immer Sie was zum Sitzen finden, setzten Sie sich. Uns fehlen heute leider drei Wagen.“ Kurz vor Hanau wird sich noch mal entschuldigt: „Wir bedanken uns für Ihr Verständnis für unseren … Platzmangel.“

Überraschungsbesuch im RB 55

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Kurgäste aus Hanau Wilhelmsbad kamen vielleicht gerade noch so in den Zug hinein.

Am Montag durften sich ganz viele Menschen im RB 55 über den spontanen Besuch von hunderten Pendlern aus dem Kinzigtal freuen. Denen war nämlich der RE 50 mit (relativ pünktlicher) Ankunft um 8:07 Uhr in Hanau der Zug unter dem Arsch verreckt. „Wegen eines Triebwerkschadens hat unser Zug einige Minuten Verspätung“, sagte uns der Schaffner nach mehr als einigen Minuten Verspätung. Wann es in etwa weitergehen würde, blieb unbekannt. Dafür bekamen wir den Hinweis: „Der nächste Zug nach Frankfurt Süd fahrt um 8:29 Uhr von Gleis 102.“ Worauf die Menge aus dem laaaangen RE 50 Doppelstöcker losmarschierte und den armen kurzen RB 55, einstöckig, kaperte … Ab Maintal Ost passte keine Maus mehr in den Zug und einige Pendler in den Stationen danach blieben ob der fremden Menschenmassen im heimischen Zug verdutzt am Bahnsteig zurück.

Verwirrung nach dem Downgrade

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Heute kein außerplanmäßiger Halt in Wächtersbach (Blick auf das Schloss)

Neulich im RE 50, kurz nach einer noch pünktlichen Abfahrt am Bahnhof Wächtersbach: „Eine Durchsage der Betriebsleitung: Ab Wächtersbach halten wir an allen Zwischenhalten.“ Der Zug wird also zum RB heruntergestuft, was den Schaffner irgendwie ein bisschen verwirrt. Kurz vor der Einfahrt in den Hauptbahnhof Frankfurt sagt der nämlich: „Wir haben zurzeit 20 Minuten Verspätung wegen außerplanmäßigen Zwischenhalten in Wächtersbach und Hanau.“

Kurzer Hinweis für alle, die nicht regelmäßig durch das Kinzigtal pendeln: Wächtersbach und Hanau stehen sowohl beim RE als auch bei der RB immer auf dem Halteplan. Die außerplanmäßigen Halte waren Wirtheim, Haitz-Höchst, Hailer-Meerholz, Niedermittlau, Rodenbach und Wolfgang – aber die Liste war dem Schaffner vielleicht einfach zu lange.

Lebenswichtiges Utensil bei der Sommerbahnfahrt

Der Sommer ist endlich da – bekanntlich ja einer der vier Todfeinde der Bahn. Nehmen wir den gestrigen Tag als Beispiel, eine Begebenheit auf der Kinzigtalbahn.

Ich bin extra früher ins Büro, damit ich früher gehen kann. Bei dem Wetter brauche ich eine Abkühlung. Der Plan ist heute Abend ins Freibad zu gehen. Der RE 50 um 16:26 Uhr steht pünktlich am Gleis. Ich sitze im gut klimatisierten Abteil – aber der Zug fährt nicht los. Eine Minute bevor der 16:50er Richtung Fulda fährt, kommt die erste Durchsage: „Wegen einer technischen Störung verzögert sich die Abfahrt dieses Zuges um ca. 40 Minuten. Geplante Abfahrt ist um 17:08 Uhr.“ Ein bisschen knapp, aber alle die wollen, schaffen es noch in den 17:50er, der natürlich wegen der Umsteiger ein paar Minuten später losfährt. Alles noch im grünen Bereich, ich habe vollstes Verständnis. In Hanau Steinheim bleibt der Zug dann stehen. „Wegen einer Stellwerkstörung in Hanau Wolfgang, verzögert sich die Weiterfahrt.“ Ja, ok, auch dafür habe ich Verständnis.

Kein Verständnis habe ich allerdings dafür, dass die Klimaanlage ausgestellt wird. Ich bin mir relativ sicher, dass es keinen Defekt gab, denn bei der Weiterfahrt geht sie wieder an – wird der Situation im völlig überhitzten Zug aber nicht mehr Herr.

Lieber RMV/liebe Deutsche Bahn,

Sie sind gestern ganz knapp einer selbstverschuldeten Sachbeschädigung im RE 50 entgangen. Nach etwa einer halben Stunde im ungekühlten Zug, war die Hitze kaum noch erträglich. Passagiere versuchten wiederholt, die nicht ohne Schlüssel zu öffnenden Fenster zu knacken. Es wurde schon laut darüber nachgedacht, die Scheiben einzuschlagen. Kurz vor dem Kreislaufkollaps, nützt es nichts nochmal die Information zu bekommen, dass in Hanau ein Weichenschaden ist. Der Passagier möchte wissen, wann mit frischem Luftzufuhr zu rechnen ist. Es muss doch möglich sein, eine Klimaanlage in einem stehenden Zug laufen zu lassen – oder wenn das tatsächlich nicht geht, sollte jemand vom Personal mit dem Schlüssel vorbeikommen und die Fenster öffnen können. Für alles andere habe ich kein Verständnis.

Ein fast geschmolzener Passagier

Das ‚fast‘ habe ich übrigens diesem (über-)lebenswichtigen Utensil bei der Sommerbahnfahrt zu verdanken:

fächer

Wenn die Luft im gestrandeten Wal knapp wird

flashDie Gewitterwolken werden immer dunkler, changieren von dunkelgrau, über dunkellila hin zu einem dichten schwarz. Ein Blitz nach dem anderen zuckt vom Himmel. Plötzlich sind alle Lichter aus, die Klimaanlage stellt ihren Dienst ein, der Zug gibt keinen Mucks mehr von sich. Wir sind mit unserem RE 50-Wal zwischen Offenbach und Hanau gestrandet.

Die Lautsprecher funktionieren noch. „Wegen eines Blitzeinschlags verzögert sich die Weiterfahrt auf unbestimmte Zeit.“ Für diese Entschuldigung habe ich vollstes Verständnis. Wir bekommen kurz darauf sogar weitere Details geliefert: „Wegen einem Blitzeinschlag im Bahnhof Hanau verzögert sich die Weiterfahrt – auf unbestimmte Zeit halt.“ Ja, so halt.

Einerseits fühle ich mich in unserem Metall-Leviathan ganz gut aufgehoben im Moment, denn so eine hohe Blitzfrequenz habe ich noch nie vorher gesehen. Leider gibt es im toten Monstrum aber keine Frischluftzufuhr mehr. Die Luft wird schwül-warm und zusehends dünner. Der Zug wird vom Wind durchgerüttelt. Die apokalyptischen Regenfälle und der Hagel machen das Durchatmen nicht leichter.

Eine S-Bahn zieht als erster Hoffnungsschimmer aus Richtung Hanau an uns vorbei. Kurz darauf gibt es wieder Strom und frische Luft. „Wir fahren jetzt erst mal bis zum nächsten Signal. Dahinter ist noch alles ohne Strom wegen Kurzschluss. Mehr weiß ich auch nicht.“ Ein sehr auskunftsfreudiger Zugführer heute. Wir kommen irgendwann in Hanau an. Weitere Durchsagen informieren uns, dass die Oberleitung auf der Strecke irgendwo runtergekommen ist. Nach und nach weitere Berichte von Blitzeinschlägen im Stellwerk Hanau und in Haitz Höchst. Der Tunnel in Schlüchtern ist geschlossen. Diverse Sturmschäden, gefallene Bäume, Hagelschäden. Eine Heimfahrt, die man nicht so schnell vergisst.

Ich schaffe es dank Abholung mit PKW gegen 22 Uhr an dem Tag, dem 24. August 2011, nach Hause zu kommen.

 

 

Zugdegradierung

Am 19. Januar 2007 wurde mein Zug vom RE zur RB degradiert. Das ist in etwa so, als würde eine Anlage von (gerade noch so) investment grade auf Ramsch heruntergestuft. Die Geschichte habe ich gerade beim Lesen eines alten Tagebuchs wiederentdeckt.

Strommast

Sturmopfer Strommast

Am Tag davor hat Orkan Kyrill das Land und die Bahngleise unsicher gemacht. Am nächsten Morgen gegen 9:30 Uhr fuhren die ersten Züge dann bereits wieder durch das Kinzigtal. In der ersten Ansage im Zug hieß es, der RE wurde bis Hanau zum RB heruntergestuft – und hielt damit an allen Bahnhöfen. Noch habe ich mir keine Gedanken über die Ansage gemacht. Erst als uns der Schaffner in Hanau dann etwas enttäuscht erkläre, dass wir tatsächlich die restliche Strecke bis Frankfurt Hauptbahnhof ebenfalls in einer RB darben müssten, wurde ich hellhörig.

Ein RE von Hanau nach Frankfurt Hbf hält auf dem Weg in Offenbach und Frankfurt Süd.

Eine RB von Hanau nach Frankfurt Hbf hält auf dem Weg in Offenbach und Frankfurt Süd.

Aber schon klar. Die Kinzigtalbahn sollte in der Hackordnung einfach ganz unten sein. Auf Ramschniveau herabgestuft. Trotzdem hat uns kein ICE mehr überholt.

Bild: Umgeknickter Freileitungsmast bei Magdeburg von Olaf 2 (CC BY-SA 3.0)

30+∞+0+15=30

So oder so ähnlich ging das letzte Woche Dienstag mit der Verspätungsrechnung auf der Kinzigtalbahn. Frankfurt Hauptbahnhof, der RE 50 um 19:26 Uhr hat 30 Minuten Verspätung. Alles klar. Dann die schönste Botschaft, die der Bahnfahrer kennt: der Zug fällt aus; Verspätung also gegen Unendlich.

dbDie RB fährt pünktlich, also alles wieder auf 0. Dann die Durchsage im Zug: der RE wartet in Hanau auf uns, wo wir umsteigen können. Das nenne ich mal Service. Dort steht er, mit 15 Minuten Verspätung angeschlagen. Und steht, und steht, und steht … Die Anzeige in Hanau beherrscht offensichtlich nicht die große Kunst des Verspätungs-Countups, denn sie springt nach 20 Minuten spontan auf 30 um. Womit wir wieder beim Anfang wären.

Säße ich noch in der RB, wäre ich wenigstens pünktlich. Egal. Der Zug fährt los und der Zugführer begeistert uns mit seiner guten Laune: „Willkommen im RE nach Fulda, der heute in Hanau gestartet ist und bei der Abfahrt 26 Minuten Verspätung hatte. Dafür soll ich mich entschuldigen.“

Funkloch ahoi!

Neulich in der Kinzigtalbahn. Eine ältere Dame telefoniert mit dem Handy – wohl etwas, das sie nicht so oft tut. Denn sie hat ihr Gegenüber aus Versehen auf laut gestellt. Trotzdem hält sie den Hörer direkt ans Ohr und schreit ebenso laut zurück. Ich schmunzle vor mich hin. Bevor die Situation nervig werden kann, kommt zum Glück das Funkloch kurz vor Hanau.

Leute die die Strecke nicht kennen rufen übrigens oft in Hanau zurück – um dann festzustellen, dass kurz hinter Hanau das nächste Funkloch wartet …

sendemasten

Sendemasten – rund um Hanau rar gesäht

In Hanau

KniebeugeNeulich im Zug. Ein älterer Mann steht im Gang und schwankt von rechts nach links, obwohl der Zug ruhig fährt. Sollte ich ihm vielleicht meine Hilfe anbieten? Obwohl, eigentlich sieht er ganz fit aus. Bei genauerem Hinsehen könnte es sich auch um Dehnübungen handeln. Dann setzt er sich auf einen der Sitze in der leeren Vierergruppe hinter mir und raunt: „In Hanau.“

Ich nehme es mal nicht als Drohung. Da sind wir längst dran vorbei.

Bild: Schematische Darstellung einer Kniebeuge von Marcel Kollmar (CC BY-SA 3.0 DE)