Weichenstörung Wolfgang II

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So sollte die ungestörte Weiche aussehen

„Immer noch oder schon wieder?“ – frage ich mich am Tag nach meiner bisher härtesten Sommerbahnfahrt. Bevor ich mich auf den freitäglichen Heimweg mache, zeigt mir ein schneller Blick ins Internet eine Weichenstörung in Hanau Wolfgang. Dementsprechend ist mit Verspätungen des RE 50 und eventuellen Ausfällen zu rechnen. Ich bin gegen 17:30 Uhr am Hauptbahnhof. Der 17:26er ist noch nicht eingefahren, trifft aber bald auf Gleis 9 statt auf 6 ein. Dort eingestiegen bleibt erst mal jede weitere Information aus. So lange uns diesmal nicht wieder jemand von der Klimaanlage abklemmt, ist mir alles egal. Dafür gibt es von draußen alle fünf Minuten Informationen zu diversen ICEs nach München. Der erste hat 40 Minuten Verspätung wegen einer technischen Störung am Zug, der zweite hat 30 Minuten wegen verzögerter Bereitstellung. Wir fahren plötzlich ohne jede Vorwarnung los. Dann meldet sich der Schaffner: „Bitte beachten sie: Der Zug hat bei der Abfahrt 40 Minuten Verspätung.“ Alles klar, ist beachtet. Danke für die Information.

Bild: Schematische Darstellung einer Weiche von Sansculotte (CC BY-SA 2.5)

Alles was die freie WildBahn so zu bieten hat

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Gleis 6 heute schwer beliebt

Letzte Woche am Frankfurter Hauptbahnhof: Der ICE nach Wiesbaden hat 25 Minuten Verspätung, der nach Stuttgart 15 Minuten. Vom RE nach Fulda weiß man – wie immer – nichts Genaues. Nur dass nach der Rechnung der Bahn alle drei gleichzeitig auf Gleis 6 ankommen werden. Der Wiesbadener macht das Rennen. Und steht und steht und steht. Stuttgart fährt auf Gleis 7 ein, direkt gegenüber, steht nur ein bisschen und fährt wieder ab. Die Durchsage für Fulda kommt pünktlich zur geplanten Abfahrt um17:26 Uhr: heute von Gleis 12.

Dort steht die VIA Richtung Erbach/Wiebelsbach, die vor fünf Minuten hätte abfahren sollen. Dann wir das Gleis frei und es folgt ein klassischer Verspätungs-Countup für Fulda. Um 17:47 Uhr, mittlerweile im Zug sitzend, fängt das Zuglotto wieder an. Ich stelle mir die Frage, ob ich vielleicht rüber zum Gleis 5 gehen sollte, um mein Glück mit dem RE um 17:50 Uhr zu versuchen. 17:49 Uhr haben wir Abfahrt – kurz nachdem ein ganzer Schwung sich im Lotto für Gleis 5 entschieden hatte. Heute war aber auch wirklich mal wieder alles in der Wundern-Tüte.

Bild: Blick in die mittlere Bahnsteighalle von Urmelbeauftragter (CC BY-SA 3.0)

Diesmal wollen wir es aber ganz genau wissen

Durchsage neulich in der Kinzigtalbahn, kurz nach verspäteter Ausfahrt aus dem Frankfurter Hauptbahnhof: „Wegen einer polizeilichen Ermittlung im ICE nach Karlsruhe ist der ICE heute fünf Minuten später von hier abgefahren. Deshalb ist auch unser Zug mit etwas Verspätung abgefahren.“

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Was will der Kriminelle bloß in Karlsruhe?

Detailreich wie selten. Trotzdem bleiben viele Fragen offen. Was war da los? Waren die polizeilichen Ermittlungen erfolgreich? Was hat unser Zug eigentlich mit dem ICE zu tun? Hat sich der potentielle Kriminelle aus dem ICE umentschieden und wollte lieber nach Fulda statt nach Karlsruhe fahren? Was wollte er überhaupt in Karlsruhe? Und die wichtigste aller Fragen: Warum haben ICEs eigentlich immer Vorfahrt?

Bild: Karlsruhe Hauptbahnhof von Dguendel (CC BY 3.0)

Wenn die Mama voll peinlich ist

Manchmal fahre ich fremd. Also mit anderen Zügen durch die Welt. Letztens also im ICE, auf dem Weg von Braunschweig nach München.

headphones-42543_640Setze mich in ein Abteil, in dem eine Mutter mit drei Kindern sitzt, die älteste so 15-16, der jüngste vielleicht zehn. Alle vier haben ein Tablet vor der Nase und Kopfhörer auf. Super, hier kann ich ungestört arbeiten. Die Kinder unterhalten sich ab und zu leise, besprechen, dass sie gleich zusammen Minecraft spielen wollen. Der Junge packt ein Comic in englischer Sprache aus und fängt an zu lesen. Ja, mit dem Abteil habe ich eine gute Wahl getroffen.

Dann packt die Mama ein paar Äpfel aus und bietet die den Kindern an. Und zwar ohne die Kopfhörer runterzunehmen und den Ton auszustellen, also total laut. Die Kinder kucken sich schon belustigt an, ich muss auch ein bisschen lächeln. Dann erzählt die Mama, dass sie auch noch Brötchen auspacken kann. Die Kinder schütteln die Köpfe und schauen langsam ein bisschen betreten. „Ihr habt ja recht, wir sind eh bald bei der Oma“, schreit sie und jetzt wird es den Kindern zu viel. „Mensch, Mama, Du bist total peinlich“, sagt der Sohnemann und zieht ihr die Kopfhörer von den Ohren.