Verrecker auf der Strecke

Was waren das denn heute Abend für Verrecker auf der Strecke? In Hanau angekommen, sagt uns der Zugbegleiter, dass sich die Weiterfahrt wahrscheinlich etwas verzögert, da zwischen Hanau und Gelnhausen ein ICE liegengebliebenen ist. In Gelnhausen freuen wir uns noch, dass wir relativ schnell dran vorbeigekommen sind, dann kommt die Durchsage: „Wegen eines weiteren liegengebliebenen Zuges zwischen Haitz-Höchst und Wirtheim wird sich die Weiterfahrt abermals verzögern.“ Aber auch das Hindernis ist schnell umschifft.

Wir kommen zwar mit 15 Minuten Verspätung an – 10 davon hatte der Zug allerdings schon bei der Abfahrt in Frankfurt Süd. Einen Grund dafür gab es keinen. Aber vielleicht lag zwischen dem Hauptbahnhof und Süd ja auch schon ein Zug auf der Strecke rum.

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Gebrochenes Arztgeheimnis

Letztens bin ich mal wieder im ICE fremdgefahren. Der Zug war ziemlich voll, aber ich habe noch einen Sitzplatz im Ruheabteil ergattert. Statt auf dem Laptop rumzuklappern, hole ich also mein Buch raus. Ein geplantes Telefongespräch führe ich außerhalb des Abteils.

Wieder drinnen angekommen, wundere ich mich über die fast gespenstische Stille. Eigentlich funktioniert das doch nie mit der Ruhe. Kaum gedacht, klingelt ein Handy. Eine Frau ein paar Sitze weiter geht dran und führt ihr Gespräch in ganz normaler Lautstärke – was bei der Ruhe bedeutet, dass ihre Stimme bis in den letzten Winkel des Abteils zu hören ist.

Arztbefund im Zugabteil

Es beschwert sich auch keiner wegen Ruhestörung, wir sind alle ganz entspannt. Allerdings sollte das der Gesprächspartner der Dame nicht unbedingt sein. Die Frau ist Ärztin und gibt einem Patienten, dessen Namen wir alle verstanden haben, einen Befund durch. Wir wissen also nicht nur, wie der Mann heißt, sondern auch, wie es um seine Gesundheit bestellt ist.

Manchmal wünschte ich, ich wäre dreister. Dann hätte man sich das Handy schnappen können und Herrn X „Gute Besserung, auch vom Rest des Abteils!“ wünschen können. Vielleicht hätte der ein oder andere auch noch einen Hausmittelchen-Tipp parat gehabt.

Zugführer gesucht

Ich hatte Glück am Sonntag, denn ich war im Süden Deutschlands mit dem Zug unterwegs. Während viele der Mitreisenden im ICE von München nach Berlin wegen Sturmtief Herwart in Kassel Wilhelmshöhe stranden sollten, wollte ich ja nur bis Hanau mitfahren und von dort in den Regionalexpress Richtung Fulda umsteigen.

Wir waren so gut wie pünktlich in Frankfurt, aber dann ging es irgendwie nicht weiter. Die Zeit verstrich und mir wurde klar, dass ich es in Hanau nicht in den RE schaffen würde. Naja, die RB fährt ja ein bisschen später durch, kein Problem. Dann die etwas genervte Durchsage der Zugbegleiterin: „Wir sind im Moment auf der Suche nach einem Zugführer. Sobald wir einen aufgetrieben haben, können wir weiterfahren.“

Ah, ja. Der Personalwechsel in Frankfurt war geplant, aber möglicherweise war der zugeteilte Zugführer irgendwo im Norden steckengeblieben. Ich wollte mich auf keine Experimente einlassen und bin gleich in Frankfurt in die RB gestiegen, die praktischerweise auf dem Nachbargleis stand.

Seltsame Dispositionsentscheidung

Neulich hatten wir Fernreisendenbesuch in der Kinzigtalbahn. Der Regionalexpress war 40 Minuten verspätet, „wegen einer technischen Störung an einem anderen Zug,“ sagte das Spruchband an der Anzeigentafel. Also sind wir alle in die zuerst eintreffende Regionalbahn gestiegen.

Kurz vor Gelnhausen kam dann die – eigentlich total hilfreiche – Durchsage, dass der RE direkt hinter uns fährt und wir in Gelnhausen am gleichen Gleis umsteigen können, da er uns danach überholen wird. Super, da hat mal jemand an den Service für die Fahrgäste gedacht – auch wenn die Empfehlung nicht bis zum Ende durchdacht war.

Eine kleine Überfüllungs-Warnung wäre nett gewesen, denn als wir in den RE steigen wollen, stolpern wir schon im Eingangsbereich über jede Menge Koffer und Taschen – und stehende Menschen. Neben den üblichen Pendlern, die den Zug ab Gelnhausen schon selbst vollkriegen, wimmelt es hier von Fernreisenden.

Die sind total genervt und aufgeregt, viele von ihnen sind auf dem Weg zum Flughafen. Ein Geschäftsreisender ist gerade am Telefon und bucht um. Ein älterer Herr läuft auf einem kleinen freien Stück Gang hin und her wie ein eingesperrter Tiger. Bei jedem Halt wird er nervöser. „Am liebsten würde ich den Zug anschieben. Warum halten wir jetzt so lange hier? Wir müssen unbedingt diese S-Bahn um kurz vor 10 Uhr bekommen, sonst ist der Flieger weg. Da fährt man extra Zug, um nicht im Stau zu stehen …“

Der Bahnhof in Flieden

Natürlich konnte keiner mit dem liegengebliebenen Güterzug zwischen Flieden und Schlüchtern rechnen. Der ICE (mit Halt Frankfurt Flughafen Fernbahnhof) direkt dahinter musste erst wieder ein Stück zurücksetzen, und hat dann seine Passagiere in Flieden am Bahnhof ausgesetzt. Da standen sie wohl eine knappe Stunde, bis der RE 50 sie von dort aufgegabelt hat. Während die Pendler am Ende mit 53 Minuten Verspätung in Frankfurt ankamen, hatten die ICEler mittlerweile über 2 Stunden – und mussten dann ja auch noch vom Hauptbahnhof an den Flughafen gelangen. Eine etwas seltsam anmutende Dispositionsentscheidung, denn wo ein RE und ein RB langfahren können, hätte auch ein ICE seinen Weg, mit viel weniger Unterbrechungen und damit wohl auch viel schneller, gefunden.

Bild: Bahnhof Flieden von Johannes Müller (CC BY-SA 3.0)

Weichenstörung Wolfgang II

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So sollte die ungestörte Weiche aussehen

„Immer noch oder schon wieder?“ – frage ich mich am Tag nach meiner bisher härtesten Sommerbahnfahrt. Bevor ich mich auf den freitäglichen Heimweg mache, zeigt mir ein schneller Blick ins Internet eine Weichenstörung in Hanau Wolfgang. Dementsprechend ist mit Verspätungen des RE 50 und eventuellen Ausfällen zu rechnen. Ich bin gegen 17:30 Uhr am Hauptbahnhof. Der 17:26er ist noch nicht eingefahren, trifft aber bald auf Gleis 9 statt auf 6 ein. Dort eingestiegen bleibt erst mal jede weitere Information aus. So lange uns diesmal nicht wieder jemand von der Klimaanlage abklemmt, ist mir alles egal. Dafür gibt es von draußen alle fünf Minuten Informationen zu diversen ICEs nach München. Der erste hat 40 Minuten Verspätung wegen einer technischen Störung am Zug, der zweite hat 30 Minuten wegen verzögerter Bereitstellung. Wir fahren plötzlich ohne jede Vorwarnung los. Dann meldet sich der Schaffner: „Bitte beachten sie: Der Zug hat bei der Abfahrt 40 Minuten Verspätung.“ Alles klar, ist beachtet. Danke für die Information.

Bild: Schematische Darstellung einer Weiche von Sansculotte (CC BY-SA 2.5)

Alles was die freie WildBahn so zu bieten hat

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Gleis 6 heute schwer beliebt

Letzte Woche am Frankfurter Hauptbahnhof: Der ICE nach Wiesbaden hat 25 Minuten Verspätung, der nach Stuttgart 15 Minuten. Vom RE nach Fulda weiß man – wie immer – nichts Genaues. Nur dass nach der Rechnung der Bahn alle drei gleichzeitig auf Gleis 6 ankommen werden. Der Wiesbadener macht das Rennen. Und steht und steht und steht. Stuttgart fährt auf Gleis 7 ein, direkt gegenüber, steht nur ein bisschen und fährt wieder ab. Die Durchsage für Fulda kommt pünktlich zur geplanten Abfahrt um17:26 Uhr: heute von Gleis 12.

Dort steht die VIA Richtung Erbach/Wiebelsbach, die vor fünf Minuten hätte abfahren sollen. Dann wir das Gleis frei und es folgt ein klassischer Verspätungs-Countup für Fulda. Um 17:47 Uhr, mittlerweile im Zug sitzend, fängt das Zuglotto wieder an. Ich stelle mir die Frage, ob ich vielleicht rüber zum Gleis 5 gehen sollte, um mein Glück mit dem RE um 17:50 Uhr zu versuchen. 17:49 Uhr haben wir Abfahrt – kurz nachdem ein ganzer Schwung sich im Lotto für Gleis 5 entschieden hatte. Heute war aber auch wirklich mal wieder alles in der Wundern-Tüte.

Bild: Blick in die mittlere Bahnsteighalle von Urmelbeauftragter (CC BY-SA 3.0)

Diesmal wollen wir es aber ganz genau wissen

Durchsage neulich in der Kinzigtalbahn, kurz nach verspäteter Ausfahrt aus dem Frankfurter Hauptbahnhof: „Wegen einer polizeilichen Ermittlung im ICE nach Karlsruhe ist der ICE heute fünf Minuten später von hier abgefahren. Deshalb ist auch unser Zug mit etwas Verspätung abgefahren.“

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Was will der Kriminelle bloß in Karlsruhe?

Detailreich wie selten. Trotzdem bleiben viele Fragen offen. Was war da los? Waren die polizeilichen Ermittlungen erfolgreich? Was hat unser Zug eigentlich mit dem ICE zu tun? Hat sich der potentielle Kriminelle aus dem ICE umentschieden und wollte lieber nach Fulda statt nach Karlsruhe fahren? Was wollte er überhaupt in Karlsruhe? Und die wichtigste aller Fragen: Warum haben ICEs eigentlich immer Vorfahrt?

Bild: Karlsruhe Hauptbahnhof von Dguendel (CC BY 3.0)

Wenn die Mama voll peinlich ist

Manchmal fahre ich fremd. Also mit anderen Zügen durch die Welt. Letztens also im ICE, auf dem Weg von Braunschweig nach München.

headphones-42543_640Setze mich in ein Abteil, in dem eine Mutter mit drei Kindern sitzt, die älteste so 15-16, der jüngste vielleicht zehn. Alle vier haben ein Tablet vor der Nase und Kopfhörer auf. Super, hier kann ich ungestört arbeiten. Die Kinder unterhalten sich ab und zu leise, besprechen, dass sie gleich zusammen Minecraft spielen wollen. Der Junge packt ein Comic in englischer Sprache aus und fängt an zu lesen. Ja, mit dem Abteil habe ich eine gute Wahl getroffen.

Dann packt die Mama ein paar Äpfel aus und bietet die den Kindern an. Und zwar ohne die Kopfhörer runterzunehmen und den Ton auszustellen, also total laut. Die Kinder kucken sich schon belustigt an, ich muss auch ein bisschen lächeln. Dann erzählt die Mama, dass sie auch noch Brötchen auspacken kann. Die Kinder schütteln die Köpfe und schauen langsam ein bisschen betreten. „Ihr habt ja recht, wir sind eh bald bei der Oma“, schreit sie und jetzt wird es den Kindern zu viel. „Mensch, Mama, Du bist total peinlich“, sagt der Sohnemann und zieht ihr die Kopfhörer von den Ohren.