Verwirrung nach dem Downgrade

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Heute kein außerplanmäßiger Halt in Wächtersbach (Blick auf das Schloss)

Neulich im RE 50, kurz nach einer noch pünktlichen Abfahrt am Bahnhof Wächtersbach: „Eine Durchsage der Betriebsleitung: Ab Wächtersbach halten wir an allen Zwischenhalten.“ Der Zug wird also zum RB heruntergestuft, was den Schaffner irgendwie ein bisschen verwirrt. Kurz vor der Einfahrt in den Hauptbahnhof Frankfurt sagt der nämlich: „Wir haben zurzeit 20 Minuten Verspätung wegen außerplanmäßigen Zwischenhalten in Wächtersbach und Hanau.“

Kurzer Hinweis für alle, die nicht regelmäßig durch das Kinzigtal pendeln: Wächtersbach und Hanau stehen sowohl beim RE als auch bei der RB immer auf dem Halteplan. Die außerplanmäßigen Halte waren Wirtheim, Haitz-Höchst, Hailer-Meerholz, Niedermittlau, Rodenbach und Wolfgang – aber die Liste war dem Schaffner vielleicht einfach zu lange.

Zugdegradierung

Am 19. Januar 2007 wurde mein Zug vom RE zur RB degradiert. Das ist in etwa so, als würde eine Anlage von (gerade noch so) investment grade auf Ramsch heruntergestuft. Die Geschichte habe ich gerade beim Lesen eines alten Tagebuchs wiederentdeckt.

Strommast

Sturmopfer Strommast

Am Tag davor hat Orkan Kyrill das Land und die Bahngleise unsicher gemacht. Am nächsten Morgen gegen 9:30 Uhr fuhren die ersten Züge dann bereits wieder durch das Kinzigtal. In der ersten Ansage im Zug hieß es, der RE wurde bis Hanau zum RB heruntergestuft – und hielt damit an allen Bahnhöfen. Noch habe ich mir keine Gedanken über die Ansage gemacht. Erst als uns der Schaffner in Hanau dann etwas enttäuscht erkläre, dass wir tatsächlich die restliche Strecke bis Frankfurt Hauptbahnhof ebenfalls in einer RB darben müssten, wurde ich hellhörig.

Ein RE von Hanau nach Frankfurt Hbf hält auf dem Weg in Offenbach und Frankfurt Süd.

Eine RB von Hanau nach Frankfurt Hbf hält auf dem Weg in Offenbach und Frankfurt Süd.

Aber schon klar. Die Kinzigtalbahn sollte in der Hackordnung einfach ganz unten sein. Auf Ramschniveau herabgestuft. Trotzdem hat uns kein ICE mehr überholt.

Bild: Umgeknickter Freileitungsmast bei Magdeburg von Olaf 2 (CC BY-SA 3.0)

DB sucht Liftboys für Bahnhof Wächtersbach

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Keine Angst vor großen Zahlen – der Aufzug in Wächtersbach hat nur zwei Ebenen-Tasten.

Die Bahn hat endlich eine Lösung für den ständig defekten Aufzug an Gleis 2/3 im Bahnhof Wächtersbach gefunden. Sie sucht Liftboys, die den Aufzug im Dreischichtbetrieb bedienen und vor allem vor Beschädigungen schützen sollen. „Der ideale Kandidat kann nummerierte Knöpfe bedienen, ist serviceorientiert und hat eine imposante Statur, um mögliche Vandalen abzuhalten. Kenntnisse in Kampfsportarten, Fremdsprachen – vor allem Vogelsberger Dialekt – und in der Aufzugreparatur sind ebenso von Vorteil“, erzählte die zuständige Personalsachbearbeiterin Frau Scherz exklusiv dem Wilden Kinzigtal.

Die Frage, warum beim Umbau überhaupt ein Aufzug und keine Rampe eingebaut wurde, beantwortete Frau Scherz mit Kostengründen. „Unsere kreativen Buchhalter arbeiten ausschließlich mit der Kurzfristrechnung*. Die Rampe war in der Erstanschaffung einfach teurer.“ Mit Wartungs- und Reparaturkosten für den Aufzug hätte man nicht rechnen können. „Wer kann denn ahnen, dass Menschen so zerstörerisch sind, oder die Technik einfach nicht mitspielt?“

Die Liftboy-Lösung findet Scherz ideal: „Kurzfristig bleiben die Ausgaben bei den heutigen Personalkosten auf jeden Fall günstiger als die Rampe. Der Bahnhof wird endlich wieder behindertenfreundlich, sicherer und außerdem schaffen wir zusätzliche Arbeitsplätze im Kinzigtal. Eine rundum gelungene Win-Win Situation.“ Natürlich dürfen sich auch Liftgirls bewerben.

Bewerbungen werden heute noch bis 23:59 Uhr unter April.Scherz@db.com entgegengenommen.

*Eine besonders im öffentlichen Dienst beliebte Unterart der Teilkostenrechnung.

Das coolste Auto im Kinzigtal

P1110932So kommt es mir jedenfalls vor, wenn ich aus dem verschneiten Vogelsberg ins leider nur verregnete Kinzigtal runterfahre. Zwei Mädchen auf dem Schulweg neulich fanden das auch total cool. Denn als ich an einer Ampel stehenblieb zeigten sie total aufgeregt auf meine Kühlerhaube. Sie kamen zaghaft näher, eine schaute mich fragend an. Ich nickte und sie nahm eine Handvoll Schnee von meinem Auto und freute sich – wie eine Schneekönigin halt.

Mein zweiter Fischer

978_3_936622_78_2…ist eigentlich der erste. Also: Die Farben des Zorns von Matthias Fischer, 2006 zum ersten Mal im Hanauer Verlag M. Naumann erschienen. Diesmal habe ich den Regionalkrimi, der hauptsächlich in Gelnhausen, rund um Wächtersbach und in Fulda spielt, bei einem Besuch in Bad Orb erstanden. Und auch diesmal prangt in meinem Exemplar eine Unterschrift des Autors.

Und jetzt wird auch meine Neugierde auf eine tiefere Charakterisierung der Haupt- und Nebencharaktere befriedigt. Ist ja auch meine eigene Schuld, wenn ich mit den Toten vom Kinzigtal statt mit dem ersten Roman der Reihe anfange. Aber der Titel war einfach zu verlockend, um ihn nicht auf diesem Blog zu rezensieren.

Neben den grauseligen Mordfällen bahnt sich in den Farben die Beziehung zwischen dem Ermittler Dr. Caspari und seiner späteren Lebensgefährtin, der Gelnhäuser Pfarrerin Clara Frank an. Dabei fällt auf, dass die beiden doch sehr ähnliche Charakterzüge haben. Beide sind sehr selbstreflektiert, stark in ihrem Glauben, (kampf-)sportlich und beide scheinen die gleiche Schwäche zu haben: ein Missverständnis, welches mit einer einfachen Nachfrage aus dem Weg geräumt werden könnte, führt jeweils zu einem Eifersuchtsausbruch, der im völligen Rückzug des jeweiligen Charakters endet. Einer der beiden kann ja gerne ‚so blöd‘ sein und nicht gleich nachfragen, um die Situation aufzuklären, aber gleich beide? So passen die beiden wie Topf auf Topf und unterscheiden sich lediglich durch ihre Berufe. An der Aufklärung des Falls arbeiten sowieso beide mit. Bin auf jeden Fall gespannt, ob sich in späteren Bänden unterschiedlichere Charakterzüge herauskristallisieren.

Die Toten vom Kinzigtal

KinzigtalDas Buch ist ja quasi Pflichtlektüre für diesen Blog. Eine Berliner Bekannte schickte mir einen Link dazu, mit der freudigen Botschaft: „Bis vor kurzem hätte mir dieses Tal so gar nichts gesagt.“

Also, ab in ‚meinen‘ Buchladen, Dichtung & Wahrheit in Wächtersbach, wo ich sogar ein vom Autor signiertes Exemplar (2015 im auf Regionalkrimis spezialisierten Kölner emons Verlag erschienen) in die Hand gedrückt bekam. Der ist wohl öfter vor Ort. Matthias Fischer ist schreibender Pfarrer und Notfallseelsorger – und das merkt man.

Vor allem die Frau des Ermittlers – eine Pfarrerin und Notfallseelsorgerin … – aber auch Caspari selbst bieten einen moralischen Kompass, der den meisten Krimis völlig abgeht. Hier wird das Trauma nicht nur erlebt, sondern ansatzweise tatsächlich verarbeitet. Die erschütternden Erfahrungen, die z.B. der Ermittler macht, werden ausnahmsweise nicht in irgendwelche selbstzerstörerischen Bahnen geleitet. Dieser Mensch hat sozialen und spirituellen Rückhalt, was ihn auf jeden Fall für Otto-Normal-Leser zugänglicher macht. Für eingefleischte Atheisten könnte es allerdings etwas zäh werden.

Am Anfang hastet die Geschichte etwas Holter-die-Polter vorbei, was allerdings vor allem daran liegt, dass viele Dinge, die in vorigen Bänden erzählt wurden, hier für Erstleser wie mich kurz zusammengefasst werden. Es werden natürlich jede Menge Schauplätze im und um das Kinzigtal erwähnt. Bei einem davon finde ich es etwas schade, dass er so verändert wurde. Denn die Realität von Schloss Ramholz ist tatsächlich viel spannender als die geschaffene Fiktion. Manchmal bleibt der Schauplatz reines name-dropping, meist in Verbindung mit body-dropping. Ein ganz klein bisschen mehr Orts- und Landschaftsbeschreibung hätte ich bei einem solchen Regionalkrimi schon erwartet. Trotzdem sind weitere Abenteuer mit Dr. Caspari nicht ausgeschlossen. Vielleicht sollte ich allerdings diesmal ganz am Anfang anfangen.

Eigentlich müsste es ein Bild von einem fahrenden Zug sein …

… aber dazu ist meine Hausfotografin einfach noch nicht gekommen. Vielleicht gibt es irgendwann den perfekten Header für den Blog. Bis dahin versuche ich mit der Vegetation rund ums Kinzigtal relativ up-to-date zu bleiben. Fühlt sich fast an, wie ein Kalenderblatt, da oben.

Hier eine kleine Werkschau des ersten Halbjahrs auf dem Wilden Kinzigtal. Alle Bilder von der wunderbaren mrs.bananabrain.

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Kornblumen und Margeriten im Juni

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Flieder im Mai

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Sternhyazinthen im April

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Krokanten [sic!] im März

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Winterwald im Februar

Spaghetti-Held und Selbstgespräche

Letzte Woche im Zug. Eine Frau telefoniert; ich dachte erst mit ihrem Kind, im späteren Gesprächsverlauf stellt sich heraus, dass es ihr Ehemann ist. Warum ich erst dachte, sie spräche mit ihrem Kind? Weil sie ihrem Gesprächspartner genau erklärt hat, wie man Spaghetti Bolognese kocht.

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Unglaublich kompliziert, das Rezept für Spaghetti Bolognese

„Ich komme ein bisschen später, das wird dann alles etwas knapp. Ich glaube du solltest schon mit dem Kochen anfangen.“ Kurzes Schweigen. Dann ganz geduldig: „Also, da nimmst du Zwiebeln, Hackfleisch und Tomatenmark …“ Und dann folgt die genaue Anleitung was zu tun ist (Schälen – Anbraten – Drüberkippen; fast ein besserer Blogtitel als Pendeln – Lesen – Wundern). „Das Würzen übernehme ich dann.“ Die Frau sieht jünger aus als ich.

Welcher Mann mittleren bis jüngeren Jahrgangs gibt sich denn bitte schön heute noch die Blöße nicht kochen, oder zumindest Rezepte lesen, zu können? Und welche Frau lässt ihrem Mann sowas kommentarlos durchgehen? Ich dachte wir fahren hier durchs Kinzig-, nicht durchs Neandertal.

Kurz nach dem Telefonat halten wir in Gelnhausen. Ein Mann steigt zu. Der sieht völlig normal aus, stellt vor sich eine Flasche Cola ab. Eine Bierdose zum Feierabend hätte mehr erklärt. Der Zug fährt nicht sofort los.

Darauf fängt der Mann lauthals an zu Schimpfen: „Worauf warten wir denn? Auf besseres Wetter? Das haben wir doch schon.“ Grummel, grummel. „Ich hab auch was Besseres zu tun, als hier im Zug zu sitzen!“ Er telefoniert nicht. Spricht auch nicht, sympathieheischend, die Frau mit dem Spaghetti-Helden zu Hause an, die auf der anderen Seite des Gangs sitzt. Ich sitze gerade so in Hörweite, sonst ist da niemand.

Der Zug fährt los. Die Frau sucht ob des seltsamen Selbstgesprächlers das Weite, obwohl es bis zur nächsten Station noch zwölf Minuten dauert. Ein klasse Tag für Beobachtungen in freier WildBahn.

Bild: Spaghetti Bolognese von Eric Hossinger (CC BY 2.0)

Das beste Navi im Kinzigtal

Gelnhausen-Altenhasslau-Hailer

Gelnhausen aus der Luft

Aus ganz besonderem Anlass gibt es heute eine ganz besondere Pendelgeschichte.

Irgendwann Ende der Neunziger, also vor der Zeit der elektronischen Navigationsgeräte, da machte ich mich mit meinem guten Freund Jörg auf den Weg zur Herbstfreizeit der NAJU Hessen in Gelnhausen. Mit der Einladung zu solchen Veranstaltungen bekam man immer eine prima Anfahrtsbeschreibung geliefert, die normalerweise sogar gut an selbst abgelegene Orte führte. Wir waren auf der Suche nach der Schule, die für das Wochenende unsere Unterkunft sein würde.

Jörg drückte mir nach der Abfahrt von der Autobahn die Anfahrtsbeschreibung in die Hand. „Guck mal, wo wir jetzt lang müssen.“ Alles klar. Karten lesen ist meine leichteste Übung, außerdem habe ich einen sehr guten Orientierungssinn. „Also, demnächst müssten wir an einen Bahnübergang kommen.“ Und schwupps war der auch schon da, obwohl wir laut der Karte auf dem Zettel eigentlich noch ein bisschen weiter hätten fahren müssen. Seltsam, aber egal, wir haben ihn ja gefunden. „Dann muss es demnächst in einer Kurve nach links den Berg hochgehen.“ Wo der Bahnübergang zu schnell war, ließ die Kurve irgendwie zu lange auf sich warten. Ich begann erste Zweifel zu äußern, da tauchte die Kurve doch noch auf. Also gut. „Nach der Beschreibung führt die Straße eigentlich am Waldrand entlang“, murmelte ich verwirrt vor mich hin. Wir waren mitten im Wohngebiet. „Und da vorne müsste die Schule dann gleich sein.“ War sie aber nicht. Irgendwas ist hier faul. Jörg hielt kurz an und schaute auf die Karte. Bahnübergang – check, Linkskurve – check, aber die Schule hätte schon längst hier links auftauchen müssen. Wir fahren einfach noch ein Stück weiter und fragen nach, beschlossen wir. Doch bevor wir den Plan umsetzten konnten, tauchte die Schule links von uns auf.

Beim Aussteigen waren Jörg und ich immer noch etwas fassungslos ob der inakkuraten Karte und Anfahrtsbeschreibung. Bis Jörg den Zettel umdrehte und in lautes Lachen ausbrach. Die Wegbeschreibung war die der Herbstfreizeit vom Jahr zuvor, an einem völlig anderen Ort. Egal. Offensichtlich kommt man mit dem richtigen Navigator überall hin. Auch wenn man ab und zu ein Schlagloch in Malta trifft.

Jörg, ich glaube Du hast nun die richtige Navigatorin auch außerhalb des Kinzigtals gefunden. Ich wünsche Euch alles Gute auf Eurem gemeinsamen Weg. Vergesst einfach alle Beipackzettel und geht auf Eure eigene Reise. Viel Spaß dabei – und lasst es heute krachen!

Bild: Luftbild von Gelnhausen von Dr. Bernd Gross (CC BY-SA 3.0)

Frühling im Kinzigtal

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Gute Krokanten …

Der Frühling kehrt im Kinzigtal immer etwas früher ein als bei mir zu Hause auf dem Vulkan. Bei uns sind die Krokanten (ein hauseigenes Idiom für die Mehrzahl von Krokus) gerade erst aufgeblüht, während sie unten im Tal schon fast verblüht sind. Ich finde es immer wieder erstaunlich, welche klimatische Reise man da jeden Tag auf dem Weg zum Zug unternimmt. Im Winter durchbricht man auf halber Strecke meist die Schneegrenze, im Herbst fährt man morgens oft vom sonnigen Berg hinunter in den Nebel, der sich manchmal erst gegen Mittag in Frankfurt verzieht.

Der neue (und alte) Header des Blogs stammt übrigens von mrs.bananabrain, deren wunderbare Fotos ich für diese Seite nutzen darf. Sie ist mit der Platzierung der Krokanten im Header noch nicht ganz zufrieden. Vielleicht gibt es demnächst also wieder ein Update. Immer diese Künstler …

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… schlechte Krokanten