Herzlich Willkommen im Informationschaos

Irgendeine Streckensperrung im Kinzigtal. Soweit so gut, gibt sicher einen triftigen Grund, für den man Verständnis haben könnte – wenn man mal eine klare Ansage bekommen würde.

Das Internet sagt, dass die RB51 um 7:20 Uhr ausfällt. Der RE50 hat dort 1 Minute Verspätung und fährt abweichend auf Gleis 3 ein. Grund für die Verspätung ist ein liegengebliebener Zug in Hailer-Meerholz.

Das AnzeigenSpruchband am Gleis sagt für die RB51 gar nichts, für den RE50 erklärt es uns, dass der heute ausnahmsweise in Wirtheim, Heitz-Höchst und Hailer-Meerholz hält und 15 Minuten Verspätung hat. Grund dafür ist eine Störung am Zug. Vom Gleiswechsel erfahren wir erst, als der RE50 auf 3 statt auf 1 einfährt.

Die Durchsage sagt die meiste Zeit gar nichts. Ab und zu setzt die automatische Dame an, um uns von der Verspätung des RE50 zu erzählen. Sie wird aber mittendrin immer wieder von einem wohl ungünstig auf der Auslöseschleife stehenden Zug mit der automatisch generierten Durchsage „Achtung, ein Zug fährt durch. Halten Sie Abstand von der Bahnsteigkante“ unterbrochen.

In der Realität steht da am Gleis neben dem gerade eingefahrenen RE50 auch noch die RB51. Inklusive Zugführer, Schaffner und Mitfahrern. Nach Totalausfall sieht das nicht aus.

Durchsage im RE50, in den mittlerweile die meisten gewechselt sind: „Streckensperrung wegen eines Fahrzeugbrands.“ Noch eine neue Information. Plötzlich winkt der Schaffner an der RB51: „Wir erhalten Ausfahrt.“ Er wirkt genauso überrascht wie wir. Ein paar Leute schaffen noch den Wechsel, viele im RE50 haben es nicht mitbekommen. Denn natürlich gibt es keine Ansage, welcher Zug zuerst ausfährt.

Offenbach, äh, ich meine: Informationschaos

Wir tuckern nun also mit der offiziell ausgefallenen RB51 Richtung Frankfurt. Durchsage gibt es keine mehr – bis kurz vor Offenbach: „Bitte beachten Sie, dieser Zug endet heute in Offenbach. Steigen Sie bitte in den RE50, der hinter uns einfahren wird.“ Aber gerne doch.

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Verspätung auf allerhöchstem Niveau

Wir Kinzigtalbahn-Fahrer, wir kommen ja schon von einem sehr hohen Niveau. Die Bahnstrecke zwischen Fulda und Frankfurt sorgt bekanntermaßen für die meisten Verspätungen in Hessen. Das sind wir gewohnt. Im Moment kommt es durch die Sperrung des S-Bahn-Tunnels in Frankfurt noch ein bisschen dicker, da sich z.B. in Frankfurt Süd plötzlich jede Menge S-Bahnen auf den Gleisen tummeln, die dort eigentlich nicht hingehören. Haben wir uns auch schon dran gewöhnt. Jetzt kommt allerdings noch der Faktor Wetter obendrauf. Und langsam fängt es an zu nerven.

Schönes Beispiel heute: Am Morgen mit 60 Minuten Verspätung in Frankfurt angekommen, wegen einer Gleisstörung in Wolfgang. Es ist zu heiß, sagt man uns. Da macht das Material schon mal schlapp. Auf dem Rückweg fangen wir uns dann 30 Minuten ein, auch wegen der Hitze – wenn auch diesmal indirekt.

Der Main-Spessart-Express hat das Rennen gegen den RE50 gewonnen und erhält als erstes auf Gleis 6 am Südbahnhof Einfahrt – und ist bei der Ankunft schon berstend voll. Natürlich wollen noch weitere Fahrgäste einsteigen, aber es geht weder vor noch zurück. Es dauert geschlagene 15 Minuten, bis sich die Türen endlich schließen lassen. Grund für die Enge (neben den S-Bahn Touristen aus Offenbach und Hanau): ein gesperrter Waggon, in dem die Klimaanlage ausgefallen ist. Das kann man ja keinem zumuten. Das unsägliche Gequetsche offensichtlich schon … Und so richtig kühl sahen die Menschenmassen auch nicht aus.

Naja, die Fahrt im dahinter fahrenden RE50 war im Vergleich wirklich angenehm – nur halt mal wieder viel zu lange. Ob sie uns jetzt auf ein noch höheres Verspätungsniveau anheben können, das bleibt abzuwarten. Ich hoffe ja auf eine Entspannung ab dem 6. August, wenn die ganzen S-Bahnen wieder dahin kommen, wo sie hingehören. Wir sind gespannt.

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint

… singt Kettcar in „Im Taxi weinen“. Soweit würde ich gar nicht gehen, aber letztens begegnete ich in der Kinzigtalbahn innerhalb weniger Minuten einem (hoffentlich) guten und einem gut gemeinten Ratschlag:

„Ist da noch Platz?“ frage ich den jungen Mann freundlich, der seinen Koffer neben sich im Fußraum stehen hat.

„Ja,“ sagt er ein bisschen zweifelnd, und versucht seinen Koffer unter seine Füße zu ziehen.

geheimer Stauraum im RE

Ich zeige ihm die Lücke zwischen den Sitzen gegenüber. Sein Gesicht hellt sich auf und er bedankt sich. Er sieht aus, als würde er sich freuen, nun auch in den Club der Wissenden um den geheimen Stauraum in den doppelstöckigen REs aufgenommen worden zu sein.

Dann kommt der hilfsbereite Mann Mitte 40 von rechts in Spiel. In belehrendem Ton sagt er zu mir: „Nur mal so als Tipp – im ersten Wagen ist immer Platz.“

Ich schaue mich demonstrativ noch mal genau um. In unserer unmittelbaren Nähe sind noch fünf Plätze frei, verstellt mit Taschen und Koffern unterschiedlicher Größe (bei weiterem problemlosen Gepäckverstauungspotential). Meint der jetzt ernsthaft, dass ein Fahrgast sich gefälligst weiterzubewegen hat, um die Taschen nicht zu stören?

Laut und verwundert sage ich das Offensichtliche: „Es sind ja aber hier auch noch jede Menge Plätze frei.“

Der Mittvierziger schaut plötzlich etwas verschreckt aus, also schicke ich mein bestes Lächeln hinterher. War vielleicht gut gemeint, aber es könnte einem fast zum Weinen sein, wenn man im HVV-Bus-Equivalent den Kürzeren gegenüber einem Gepäckstück zieht.

Wenn der Rechtsanwalt im Zug über die Kollegen lästert

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So manch einer lässt die Arbeit nicht mit dem Talar im Büro hängen.

Manche Leute haben bei Zuggesprächen überhaupt keine Hemmungen. Neulich in der Kinzigtalbahn hat ein Rechtsanwalt seine Frau angerufen und über die Kollegen und den Staatsanwalt gelästert. Alle inkompetent, laut Aussage des Rechtsanwalts. Der ist sich seiner selbst so sicher, dass er das so laut in den Zug hinausposaunt, dass es der halbe Waggon mitkriegt.

Er erteilt seiner Frau nebenbei auch noch die Erlaubnis, einen Brief des Finanzamts zu öffnen. Und jetzt versucht er niedlich zu werden, und spricht mit seiner Frau so, wie ich manchmal mit den Katzen, andere Leute mit ihrem Baby reden. Am liebsten würde ich mich genau in diesem Tonfall von ihm Verabschieden. „Ah gutschi, gutschi, guh. Allerliebstes süßes Anwaltlein, stell dir mal vor, dass einer deiner Mitreisenden einen deiner Kollegen persönlich kennen könnte.“

Historische Durchsagensammlung III

14.03.13 – Die spannende englische Übersetzung einer 0-8-15 Durchsage. Immer diese lästigen Leute im Zug aber auch.

800px-Anzeigetafel_VerspätungTrain XYZ is delayed today by five minutes due to people on the train.

11.06.2013 – Nicht für uns bestimmt:

Durchsage an das Zugpersonal: TA 240 in Ordnung.

Bei Google ist der erste Hit für TA 240 ein Toaster. Eine Minute später:

Personal, bitte Verbindung zum Zugführer aufnehmen.

Und noch ein paar Minuten später, endlich die Durchsage für das gemeine Pendlervolk:

Wegen einer Türstörung haben wir im Moment zwölf Minuten Verspätung.

Teil I Teil II

Bild:  Anzeigetafel Verspätung von Sebastian Terfloth (CC BY-SA 2.5)

Manche Angeber sind tatsächlich nur unfähig

Zuggespräch neulich in der Kinzigtalbahn:

union-jackIch hasse diese Leute, solche Angeber, die in deutschen Sätzen immer englische Worte einbauen müssen. Oft ist das totaler Nonsens.

Lateinische Lehnwörter scheinen also in Ordnung zu gehen.

Ich nutze relativ oft englische Wörter in meinen deutschen Alltagssätzen. Das liegt aber nicht daran, dass ich damit angeben möchte, sondern weil mir schlicht und einfach das passende deutsche Wort in dem Moment nicht einfällt. Wenn man englische Bücher und Filme konsumiert und zudem auf der Arbeit nur mit dieser Sprache zu tun hat, ist das halt so. Meine schwindende deutsche Ausdrucksfähigkeit war einer der Gründe, warum ich diesen Blog angefangen habe.

Also, lieber Mitreisender, nicht jeder Nutzer von Anglizismen ist ein Angeber. Manche sind einfach nur unfähig.