Schräge Typen tragen das Laienspiel

Kommissar Kluftinger bekommt in seinem vierten Fall Unterstützung vom BKA und von den Kollegen aus Österreich. Und das ist auch gut so, denn bei dem Versuch der Vereitelung eines Terroranschlags hat der Leser eins und eins längst zusammengezählt, während die Ermittler allesamt noch auf der falschen Fährte sind. Es ist also wieder mal nicht der Fall, sondern die schrägen Typen, die das Laienspiel (meine Ausgabe: Piper, 2012) zum Lesespaß machen. Neben den üblichen Verdächtigen, also Kluftiger & Ko(llegen), glänzt diesmal vor allem noch Valentin Bydlinski, der ungeliebte Kollege aus Österreich.

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Krimi-Ausflug mit King

mr-mercedesMr. Mercedes?“ fragt mich ein Bekannter beim Lesen des gleichnamigen Werkes von Stephen King. „So wie ich King kenne, rast da ein Verrückter mit dem Mercedes in eine Menschenmenge.“

Ja, genau so ist es. Was sich auf den ersten Blick wie typischer King’scher Horror erscheint, ist allerdings ein für den Autor eher untypischer typischer Krimi – ok, einer von denen mit ganz viel Blut. Im Laufe des Buches (meine Ausgabe: Pocket, 2015) kristallisiert sich ein Ermittlertrio heraus, das trotz aller Inkongruenzen ziemlich gut zusammenarbeitet.

Und zwar so gut, dass die drei im zweiten Band der Serie, Finders Keepers (Hodder & Stoughton, 2016), eine Privatdetektei zusammen eröffnet haben. Die Geschichte lässt sich auch ohne Vorwissen aus dem ersten Teil verstehen, wer alle Nuancen und Anspielungen verstehen möchte, der sollte den ersten Band natürlich gelesen haben.

Den zweiten finde ich tatsächlich spannender, da er das Verhältnis zwischen Autor und Leserschaft thematisiert. Der Bösewicht Morris Bellamy ist so besessen von seinem Lieblingsautor, dass er über Leichen geht, um dessen unveröffentlichte Werke sein eigen zu machen. Sein Verhältnis zum Autor und der Welt, die er kreiert hat, erinnert doch sehr an den ein oder anderen fanatischen Fan da draußen, der seine Ansprüche an eventuelle Fortsetzungen, Adaptionen etc. lautstark Kund tut. Wie schon Annie Wilkes in Misery überschreitet Bellamy dabei natürlich alle Grenzen.

Ich freue mich auf jeden Fall schon auf den dritten Teil der Reihe, End of Watch.

A walk on the crime side with King

findersMr. Mercedes?” an acquaintance asked me when he saw me reading the book of the same name by Stephen King. “The way I know my King, a crazy guy drives into a crowd of people, right?”

Right, exactly so. What seems to be a typical King horror story on first glance, is a, for the author, atypical typical crime story – admittedly one with a lot of gore. In the novel (my edition: Pocket, 2015), a detective trio is emerging that is working really well together despite its incongruences.

And they do it so well, that they have founded a private investigator’s office together by the second book of the series, Finders Keepers (Hodder & Stoughton, 2016). You can read the story without knowing the first, but those who want to understand all allusions and nuances should have read the first novel, of course.

All in all, I found the second one more compelling because it broaches the issue of the relationship between an author and his readers. The villain Morris Bellamy is so obsessed by his favourite author that he is ready to kill in order to get at unpublished material. His relationship to the author and the world he has created reminds me a lot of some fanatic fans out there who are vociferous about their demands on possible sequels, adaptations etc. Just as Annie Wilkes in Misery, Bellamy transgresses all sorts of boundaries, of course.

I am definitely looking forward to the third part of the series, End of Watch.

Der Kluftinger halt

csm_produkt-4207_fbfbe7ae0bÜber mrs.bananabrain, die was mit Kühen zu tun hat, bin ich an den ersten Alpenkrimi von Volker Klüpfel und Michael Kobr gelangt. Milchgeld hieß der nämlich. Mittlerweile habe ich den dritten in der Reihe Seegrund (meine Ausgabe von Piper, 2013) gelesen.

Ich würde mal sagen, stilistisch und sprachlich ist das ganze keine Meisterleistung, aber das macht der schrullige Hauptcharakter, Kommissar Kluftiger, wieder wett. Der trottelt sich einfach so schön durch die Romanwelt, ob bei der Begegnung mit ‚fremden‘ Kulturen oder dem weiblichen Geschlecht, es gibt immer was zum Schmunzeln, denn solche Provinzler kennen wir alle. Dazu passt selbst der ziemlich hanebüchene Krimiplot.

Mein zweiter Fischer

978_3_936622_78_2…ist eigentlich der erste. Also: Die Farben des Zorns von Matthias Fischer, 2006 zum ersten Mal im Hanauer Verlag M. Naumann erschienen. Diesmal habe ich den Regionalkrimi, der hauptsächlich in Gelnhausen, rund um Wächtersbach und in Fulda spielt, bei einem Besuch in Bad Orb erstanden. Und auch diesmal prangt in meinem Exemplar eine Unterschrift des Autors.

Und jetzt wird auch meine Neugierde auf eine tiefere Charakterisierung der Haupt- und Nebencharaktere befriedigt. Ist ja auch meine eigene Schuld, wenn ich mit den Toten vom Kinzigtal statt mit dem ersten Roman der Reihe anfange. Aber der Titel war einfach zu verlockend, um ihn nicht auf diesem Blog zu rezensieren.

Neben den grauseligen Mordfällen bahnt sich in den Farben die Beziehung zwischen dem Ermittler Dr. Caspari und seiner späteren Lebensgefährtin, der Gelnhäuser Pfarrerin Clara Frank an. Dabei fällt auf, dass die beiden doch sehr ähnliche Charakterzüge haben. Beide sind sehr selbstreflektiert, stark in ihrem Glauben, (kampf-)sportlich und beide scheinen die gleiche Schwäche zu haben: ein Missverständnis, welches mit einer einfachen Nachfrage aus dem Weg geräumt werden könnte, führt jeweils zu einem Eifersuchtsausbruch, der im völligen Rückzug des jeweiligen Charakters endet. Einer der beiden kann ja gerne ‚so blöd‘ sein und nicht gleich nachfragen, um die Situation aufzuklären, aber gleich beide? So passen die beiden wie Topf auf Topf und unterscheiden sich lediglich durch ihre Berufe. An der Aufklärung des Falls arbeiten sowieso beide mit. Bin auf jeden Fall gespannt, ob sich in späteren Bänden unterschiedlichere Charakterzüge herauskristallisieren.

Die Toten vom Kinzigtal

KinzigtalDas Buch ist ja quasi Pflichtlektüre für diesen Blog. Eine Berliner Bekannte schickte mir einen Link dazu, mit der freudigen Botschaft: „Bis vor kurzem hätte mir dieses Tal so gar nichts gesagt.“

Also, ab in ‚meinen‘ Buchladen, Dichtung & Wahrheit in Wächtersbach, wo ich sogar ein vom Autor signiertes Exemplar (2015 im auf Regionalkrimis spezialisierten Kölner emons Verlag erschienen) in die Hand gedrückt bekam. Der ist wohl öfter vor Ort. Matthias Fischer ist schreibender Pfarrer und Notfallseelsorger – und das merkt man.

Vor allem die Frau des Ermittlers – eine Pfarrerin und Notfallseelsorgerin … – aber auch Caspari selbst bieten einen moralischen Kompass, der den meisten Krimis völlig abgeht. Hier wird das Trauma nicht nur erlebt, sondern ansatzweise tatsächlich verarbeitet. Die erschütternden Erfahrungen, die z.B. der Ermittler macht, werden ausnahmsweise nicht in irgendwelche selbstzerstörerischen Bahnen geleitet. Dieser Mensch hat sozialen und spirituellen Rückhalt, was ihn auf jeden Fall für Otto-Normal-Leser zugänglicher macht. Für eingefleischte Atheisten könnte es allerdings etwas zäh werden.

Am Anfang hastet die Geschichte etwas Holter-die-Polter vorbei, was allerdings vor allem daran liegt, dass viele Dinge, die in vorigen Bänden erzählt wurden, hier für Erstleser wie mich kurz zusammengefasst werden. Es werden natürlich jede Menge Schauplätze im und um das Kinzigtal erwähnt. Bei einem davon finde ich es etwas schade, dass er so verändert wurde. Denn die Realität von Schloss Ramholz ist tatsächlich viel spannender als die geschaffene Fiktion. Manchmal bleibt der Schauplatz reines name-dropping, meist in Verbindung mit body-dropping. Ein ganz klein bisschen mehr Orts- und Landschaftsbeschreibung hätte ich bei einem solchen Regionalkrimi schon erwartet. Trotzdem sind weitere Abenteuer mit Dr. Caspari nicht ausgeschlossen. Vielleicht sollte ich allerdings diesmal ganz am Anfang anfangen.

Düsterer Elton

8e3cefa9463719d6bddc004cfe9bb179Mein letzter Ben Elton war Past Mortem. Viel düsterer als die bisherigen Werke, die ich von ihm gelesen habe. Seinen teils bitterbösen Humor im Angesicht von ernsten gesellschaftlichen Themen schätze ich sehr. Diesmal geht es um Mobbing in der Schule und eine daraus resultierende Mordserie. Es gibt nicht so viel zu lachen wie sonst, aber der Fall an sich fesselt und der Mörder ist auch nicht gleich erraten.

Mein bisheriger Favorit von Elton ist übrigens Chart Throb, welches einen satirischen Einblick hinter die Kulissen einer Casting-Show vermittelt.

Dark Elton

My last Ben Elton was Past Mortem. Much darker than the previous works I read of him. I very much appreciate his biting humour in the face of serious social topics. This book deals with bullying in school and a series of murders resulting from it. There is not so much to laugh at this time, but the case is suspenseful and the murderer not immediately guessed.

My favourite Elton so far is Chart Throb, by the way, which gives a satirical behind-the-scenes look of a casting show.

Von der imaginären Enterprise zum Crowdfunding

Ich habe letztes Jahr zum ersten Mal jemanden durch Crowdfunding unterstützt. Es ging um die Vorfinanzierung für Druck und Lektorat eines Buches. Eines Krimis, um genau zu sein. Davon lese ich nicht viel. Warum hat die Aktion dann trotzdem bei mir funktioniert? Über die persönliche Verbindung, natürlich. Obwohl die lange her ist.

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Patrick Stewart – Darsteller des besten Captains des Universums, sorry Mal

Damals, in der siebten Klasse. Da lief nachmittags im ZDF „Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert“ im Fernsehen. Und in der Schule gab es so ein paar Nerds und/oder Geeks, die an alle Mitschüler, die in der gleichen Reihe (also auf der Brücke) saßen, entsprechende Rollen verteilten. Ich war mit dabei, kann mich aber nicht recht entsinnen, wer wen damals abbekommen hat. Data war sehr beliebt. Wesley Crusher nicht so. Auf jeden Fall war Tobias Radloff auch mit von der Partie auf der imaginären Brücke. Und der hat vor nicht allzu langer Zeit sein viertes Buch geschrieben.

Amoralisch ist ein Biotech-Roman Noir, sagt der Autor. Privatdetektiv und Kaffeetrinker Philip Strasser bringt, wie jeder gute Ermittler, eine bewegte Vergangenheit mit in seinen ersten Fall. Es geht spannend zu und der Leser taucht unter anderem ein in die dunklen Machenschaften der Pharmaindustrie. Sehr empfehlenswert für Fans des gepflegten Krimis.

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