Ein halbes Stündchen Kunst

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Wenn man das Ausstellungsplakat gefunden hat, ist man am richtigen Eingang

Wer sich in der Nähe des Frankfurter Hauptbahnhofs aufhält, und plötzlich ein halbes Stündchen Zeit hat, der kann sie perfekt mit dem Besuch der wechselnden Kunstausstellungen im Art Foyer des City-Hauses (separater Eingang direkt zur Friedrich-Ebert-Anlage) bei der DZ Bank verbringen.

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Der Weg hinauf ins Art Foyer

Bis zum 27.8.16 läuft dort im Moment noch die Ausstellung „Zurück in die Zukunft der Fotografie“. Ich war zu einer späten Mittagspause dort und die ganze halbe Stunde völlig allein mit der Kunst. Zu jeder Ausstellung gibt es eine Broschüre, in der man Hintergrundinformationen zu den Künstlern und den Werken findet. Bei der aktuellen Ausstellung war ich sehr überrascht, wie abstrakt viele der fotografischen Werke sind. Die Entwicklungsgeschichte (Wortspiel intendiert) spielt dabei oft eine viel größere Rolle als das eigentliche Motiv.

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Helena Petersen – aus der Serie „Pyrographie“. Die Bilder enstehen in einem Schießstand, wo das Mündungsfeuer einer Waffe das Fotopapier belichtet.

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Torben Eskerod – aus der Serie „Damaged Portraits“. Eine Flut hat die Werke des ‚ganz normalen‘ Portraitfotografen unter Wasser gesetzt. Er hat sie feucht eingelagert und als er sie wieder herausholte, waren sie verschimmelt. Diese teils monströs verunstalteten Gesichter hat er dann wieder abgelichtet.

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Alexander Endrullat – Aufnahme von Dresden mit selbstgebauter Lochkamera. Danach mit „nicht vorgesehener“ Chemikalie entwickelt, die für solch schöne Vefärbungen sort.

Der Eintritt ins Art Foyer ist frei. Geöffnet hat es Dienstag bis Samstag von 11-19 Uhr.

Einmal Paradies und zurück

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Der Blick ins Paradies

Am Wochenende war ich in Jena unterwegs. Die meiste Zeit habe ich an der Friedrich-Schiller-Universität verbracht. Dementsprechend habe ich hauptsächlich Bilder vom Campus um den Ernst-Abbe-Platz mitgebracht. Und zwei Bilder vom Paradies, natürlich.

Meinungsverschiedenheit mit King über Shakespeare

Theater im Stil von Shakespeare […]. Ab und zu versucht jemand einen Blankvers aufzuführen, entweder auf dem Broadway oder off-Broadway. Das ist zwangsläufig zum Scheitern verurteilt.

kingStephen King sagte das 2002, im Vorwort zu seiner Kurzgeschichtensammlung Everything’s Eventual. Davor erwähnt er außerdem Shakespeare-Filme, die nicht mal funktionieren würden mit Brad Pitt als Hamlet oder Jack Nicholson als Polonius.

Da muss ich widersprechen. Wenn ich mir Shakespeare-Verfilmungen der Zeit anschaue, gab es 2000 Ethan Hawke als Hamlet, Kenneth Branagh in derselben Rolle 1996, Anthony Hopkins als Titus Andronicus 1999, Leonardo di Caprio als Romeo 1996 – alle in Blankvers, und nicht alle sind gescheitert.

Zu solchen Stücken auf dem Broadway kann ich nichts sagen. In den Theatern von London gehören Shakespeare-Produktionen zum Tagesgeschäft – und sie sind oft sehr erfolgreich. In Deutschland gibt es manchmal sehr seltsame Produktionen, die nur vage auf den Originalen basieren, aber oft auch in Blankvers aufgeführt werden. Vielleicht liegen die Dinge heute anders – oder vielleicht schätzen europäische Zuschauer den alten Barden einfach mehr – seine Stücke sind aber sicher keine verlorene Kunst, wie King uns das glauben machen möchte.

Nach dieser kurzen Meinungsverschiedenheit mit King, ist der Rest des Buches voller wunderbarer Geschichten. Ich habe es natürlich gekauft wegen „The Sisters of Eluria“, das uns in das Universum des Revolvermanns zurückführt. Aber der Rest hat mich ebenfalls unterhalten. Da gibt es zum Beispiel einen Mann auf dem Autopsie-Tisch, der noch gar nicht tot ist, ein unheimliches Bild, Massenmord im Café, einen Mann, der über Selbstmord nachdenkt, eine „Täglich grüßt das Murmeltier“-Episode, Hunde- vs. Katzen-Menschen … einige Geschichten blutig, einige dunkel, alle tief.

Disagreeing with King on Shakespeare

Playwriting in the Shakespeare style […]. Every now and then someone tries mounting a blank-verse either on Broadway or off it. They inevitably fail.

Stephen King said that 2002, in the foreword to his short story collection Everything’s Eventual. Before that he also mentions Shakespeare on film, which would not even work with Brad Pitt as Hamlet or Jack Nicholson as Polonius.

I must beg to differ here. Looking at films, there was Ethan Hawke as Hamlet in 2000, Kenneth Branagh in the same role in 1996, then Anthony Hopkins as Titus Andronicus in 1999, Leonardo di Caprio as Romeo in 1996 – all in blank-verse and certainly not all failed.

Of course I cannot comment on the success of such plays on Broadway. In London’s theatres, Shakespeare productions are part of the everyday stock – and they are often quite successful. In Germany you sometimes get some very weird productions, more loosely based on the original but usually also in blank verse. Maybe things have changed these days – or maybe European audiences are simply more appreciative of the old bard – and his plays are certainly not a lost art, as King wants to make us believe.

After that short disagreement right at the beginning, the rest of the book is filled with wonderful stories. I bought it, of course, for “The Little Sisters of Eluria” which leads us back to the Gunslinger’s universe. But the rest of the tales kept me entertained as well. We get a man on the autopsy table who is not actually dead, an eerie picture, mass murder at a café, a man contemplating suicide, a Groundhog Day episode, dog vs. cat people … some stories gory, some dark, all deep.

Ist das Kunst oder kann das weg?

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Die Kinzigtalbahn von gestern Abend

Die Bahn wird das eindeutig mit wegmachen beantworten – wenn nicht gar mit Vandalismus. Ich finde diese Tags ja meist echt langweilig. Es gibt so gute Graffitis da draußen (s. z.B. bei der Dosenkunst), auch an legalen Stellen, da erscheint mir diese Form des künstlerischen Ausdrucks doch irgendwie überflüssig.

Toller Bildband über Ilja Repin

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Wer einen Bildband mit den wichtigsten Werken von Ilja Repin sucht, dem lege ich den von Grigori Sternine, 2011 bei Parkstone erschienen, ans Herz. Hier sind alle bekannten Bilder, teilweise inklusive Skizzen zu den Werken, in guter Qualität widergegeben. Die Texte begleiten das Kunstschaffen Repins und gehen im Detail auf einzelne Bilder ein. Ein bisschen mehr zum Leben des Autors wäre schön gewesen, aber bei dem günstigen Preis leistet man sich sicher einfach noch eine Biografie dazu.

Wonderful coffee-table book on Ilya Repin

To anyone looking for a coffee-table book with Ilya Repin’s most popular works, I recommend the one by Grigori Sternine, published 2011 by Parkstone. It collects the most famous pictures, including several sketches, in good quality. The texts are mostly about Repin’s artistic development and detailed analyses of some pictures. A bit more on the author’s life would have been nice but at this low price, you will probably have some budget left for a biography as well.

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Mein Favorit: Porträt der Schauspielerin Eleonora Duse / My favourite: Portrait of actress Eleonora Duse

Gestatten, Zucchini-Apokalypse

Heute will ich euch einen Teil meiner Sammlung vorstellen: Die Ausstellung zur Zucchini-Apokalypse.

Zucchini-Risotto / Courgette risotto

Kunst am Zucchini

Anno 2014, nach der Rückkehr aus dem Sommerurlaub, hatten sich im Garten der Kuratorin 15 große Zucchinis zusammengerottet. Und es war absehbar, dass fast jeden Tag kleinere neue Gefährten dazukommen würden. Die Zucchini-Apokalypse war angebrochen.

Wie vernichtet man nun möglichst viele Zucchinis, ohne dass dabei Langeweile aufkommt? Die üblichen Methoden, Kochen im Suppenkessel oder Zerschneiden als einfache Gemüsebeilage, würden sicher bald auch von den Opfern durschaut werden.  Neue Tötungsmethoden mussten her. In ihrer Verzweiflung wandte sich die Kuratorin an die große weite Welt. In einem sozialen Netzwerk zeigte sie ab sofort Bilder all ihrer kulinarischen Massaker, und bat Freunde und Bekannte um neue Ideen für den Zucchinizid.  Die gesammelten Ergebnisse sind nun zum ersten Mal für die breite Öffentlichkeit in dieser makabren Ausstellung zusammengetragen, inklusive einiger bisher nie veröffentlichter Werke. Spezielle Mord-Anleitungen gibt es auf Anfrage.

> Hier geht es zur Ausstellung.

Introducing the Zucchini Apocalypse

Today I want to introduce you to one of my exhibitions: the Zucchini Apocalypse.

Zucchini-Puffer in der Entstehung/ Courgette latke in the making

The zombies are coming!

Anno 2014, just after returning home from summer holidays, 15 large courgettes had banded together in the curator’s garden. And it was clear that smaller ones would be joining them almost every day in the foreseeable future. The Zucchini Apocalpyse had arrived.

Now, how to best destroy a mass of courgettes, without the onset of ennui? The usual methods, boiling in the cauldron for soup  or dicing for a simple side dish, would surely soon be seen through by the victims as well. New methods of killing needed to be explored. In her desperation, the curator turned to the world at large. She shared pictures of her culinary massacres and asked friends and acquaintances for new zucchinocide ideas. The collected material is now open to the general public for the first time in this macabre exhibition, which includes some works never before seen . Specific recipes for murder can be attained upon inquiry.

> Visit the exhibition

Sonntag in London: Serpentine

English (original) version below

Mein letzter Tag, der Flieger geht am späten Nachmittag, also noch ein bisschen Zeit sich was anzuschauen. Erst mal mache ich mich mit dem Bus auf in Richtung Paddington. Am Bahnhof St. Pancras schaue ich auf und mir die Leute an der Bushaltestelle an. Äh, Moment, die kenne ich doch! Da stehen zwei Bekannte aus Köln, natürlich über die DTG kennengelernt, und studieren den Fahrplan. Ich winke wild und werde gesehen. Zwei Tage vorher, auf der Einweihungsparty, hatte ich schon jemanden getroffen, der mir irgendwie bekannt vorkam – um dann festzustellen, dass sie Sprecherin bei einer Konferenz in Wien war, die ich mit organisiert habe. Die Welt ist so ein Dorf.

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Jimmy Durham

Paddington. Koffer abgeben. Und ab in den Hyde Park. Wunderschöner Spaziergang vom Marlborough Gate aus, am italienischen Park vorbei, an der Serpentine entlang zu den beiden Galleries. In der Sackler gab es eine Audio-Installation von Rachel Rose und zwei Videos. „A Minute Ago“ hat mich total in die fast apokalyptische Stimmung mitgerissen, mit „Palisades in Palisades“ konnte ich nicht so viel anfangen. In der Serpentine selbst stellte Jimmy Durham „Diverse Gegenstände und Beschwerden“ aus. Viel Kritisches, oft humorvoll präsentiert, hat mir gefallen.

Das war es erst mal von meinen Abenteuern in London. An alle die lieber Rezensionen oder Pendler-Geschichten lesen – danke fürs Ausharren. Ihr kommt bald wieder auf Eure Kosten.

Baumportraits / Tree portraits

Sunday in London: Serpentine

My last day, the plane is leaving in the late afternoon, so there is a little time to visit something. I start heading towards Paddington with a bus. At St. Pancras station, I look up and at the people at the bus stop. Wait a moment – I know these guys! Two acquaintances from Cologne, met of course via the German Tolkien Society, are studying the timetable. I wave frantically, am seen. Only two days earlier, at the housewarming party, I had met someone who looked vaguely familiar as well. Turns out, she was a speaker at a conference in Vienna I co-organised. The world is such a small place.

P1110484Paddington. I leave my luggage and enter Hyde Park via the Marlborough Gate. I take a wonderful stroll, passing the Italian gardens, along the Serpentine towards the two galleries. At the Sackler, there is an audio-installation by Rachel Rose and two videos. “A Minute Ago” sweeps me away into an almost apocalyptic mood, while “Palisades in Palisades” leaves me unimpressed. The Serpentine itself features Jimmy Durham who exhibits “Diverse Objects and Complaints”. A lot of critical stuff, often presented quite humorously, which I like a lot.

Enough of my adventures in London now. To all those who prefer reviews or commuter stories – thanks for holding out. Stuff is in store for you soon.

Spaziergang durch / Stroll through Hyde Park

 

Freitag in London: Comic Con

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Die beste Kunst und die besten Leute gab es hier / The best art and best people to be found here

London Comic Con war nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe. Es gab nur wenige Panels, oder überhaupt irgendwelches Programm. Alle anderen Cons, die ich bisher besucht habe, waren so überfüllt mit Aktivitäten drumherum, dass man sich gerne geklont hätte. Hier besucht man allem voran einen kommerziellen Event. Man kann sehr viel Geld für Merchandise und Kunst ausgeben. Ich würde fast sagen, der Eintritt (den ich glücklicherweise nicht zahlen musste) lohnt nicht – wenn da nicht die vielen Menschen in wundervollem und fantasiereichem Cosplay wären, die durch die Halle wandeln. Am Freitag hinzugehen war eine sehr gute Entscheidung, denn da konnte man sich alles in Ruhe anschauen, während die Halle am Samstag einfach nur zum Bersten voll war.

Am Abend war ich zu einer Einweihungsparty in West Kensington eingeladen. Und was für eine wunderbare Wohnung! Ich war total beeindruckt, vor allem von der Lampe im Wohnzimmer.

Friday in London: Comic Con

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Die beste Lampe gab es in West Kensington / The best lamp was found in West Kensington

London Comic Con was not what I imagined it to be. There were hardly any panels, or any sort of program to attend for that matter. All other cons I’ve visited were so brim full with activities around the event that you wanted to clone yourself. This here is first and foremost a commercial event. You can spend a lot of money on merchandise and artwork here. I’d be tempted to say it’s not really worth paying the entry for (which I fortunately didn’t have to) – if it weren’t for the masses of people in wonderful and imaginative cosplay that were walking through the aisles. Going there Friday was a wise decision as you actually got to see stuff, while the hall was simply packed on Saturday.

In the evening, I was invited to a housewarming party in West Kensington. And what a wonderful flat they found! I was totally impressed, especially be the lamp in the living room.

Ich bin der Kurator meines eigenen Lebens

Ich kann auch Kunst

Meine Ausstellungsfläche ist unter anderem dieser Blog. Das reflektiere ich ab sofort unter dem neuen Menüpunkt „Gesammelt“.

Dort befindet sich meine Dauerausstellung mit diversen Sammlungen, wobei der Sammlungsbegriff sehr weit gefasst wird. Meine Büchersammlung kennt ihr bereits. Die Ausstellung zur Zucchini-Apokalypse (bereits online) und meine Bismarckturm-Sammlung stelle ich demnächst noch mal gesondert vor. Weitere folgen bestimmt.

Öffnungszeiten: 00:00-24:00 Uhr. Der Eintritt ist frei.

I am the curator of my own life

One of my exhibition areas is this blog. This is now also reflected in a new menu item: “Gesammelt” (Collected).

There you will find my new permanent exhibition, with collections in a broader sense. You already know my collected books. I will introduce the exhibitions on the Zucchini Apocalypse (already online) and my Bismarck Tower Collection in separate posts soon. Further collections to follow.

Opening hours: 00:00-24.00 h. Entry is free.

 

Tolkien-Kompendium mit nur einem Schönheitsfehler

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Lee_A Companion to JRR Tolkien_v1.inddDer Companion to J.R.R. Tolkien, herausgegeben von Stuart D. Lee, ist im Mai letzen Jahres bei Wiley in der Reihe ‘Blackwell Companions to Literature and Culture’ erschienen. Er bietet eine Sammlung von Einführungsartikeln zu einschlägigen Themen in der Tolkienforschung und bringt dabei das Who-is-who der Sekundärliteraturautoren zusammen. Dabei gelingt es hervorragend, den Forschungsneuling, oder gar den alten Hasen mit Interesse an einem neuen Bereich, mit dem jeweiligen Thema kurz vertraut zu machen und mit der Bereitstellung von Quellen und weiterführender Literatur für die nächsten Schritte zu wappnen. Das Buch muss in jeder Universitätsbibliothek vorhanden sein.

Es gibt nur einen Artikel, der signifikant vom hohen Qualitätsstandard, der durch die anderen gesetzt wurde, abweicht, und das ist der über Kunst. Tolkiens eigene Kunst wird kurz erwähnt, was so auch in Ordnung ist, aber dann begnügt sich Christopher Tuthill damit, spezifische Bilder einer kleinen Auswahl von Künstlern, die auch noch alle in ähnlichem Stil malen, zu vergleichen. Ferner bleibt der Vergleich Beschreibung (von Bildern, die im Artikel abgedruckt werden), nicht Analyse. Nur einer der ausgewählten Künstler weicht leicht vom Naturalismus ab, und das ist Jef Murray, der irgendwie nicht in die Reihe der ‚offiziell erschienenen‘ Illustratoren Ted Nasmith, John Howe und Alan Lee passen will. Jemima Catlin und Pauline Baynes werden erst gar nicht erwähnt. Andere bekommen wenigstens eine Randnotiz für ihren besonderen Stil, z.B. Cor Blok oder Jay Johnstone, aber der Artikel bietet wenig Grundlage für eine tiefere Analyse. Quellenangaben sind rar und es gibt keine weiterführende Literaturliste.

Ein viel ergiebigerer Ansatz für solch einen Einführungsartikel wäre eine Übersicht mit diversen Mal- und Zeichenstilen gewesen – selbst wenn man sich aus Platzgründen nur auf die offiziellen angelsächsischen Illustratoren beschränkt hätte – und deren spezifische Annäherung an Tolkiens Werk. Einige Texte dazu gibt es bereits, z.B. über die Entwicklung von Cor Bloks Stil, für andere hätte ein kurzes Gespräch mit den Künstlern direkt spannende Einblicke gegeben. Im Artikel gibt es zum Beispiel ein Foto des Totentempels der Hatschepsut, der als Inspiration für Nasmiths Minas Tirith genannt wird. Es gibt dafür keine Quellenangabe und weitere Details fehlen. Spricht man mit dem Künstler, bekommt man weitere Informationen zu seiner Darstellung von Minas Tirith: „Die Architektur generell soll númenórische Ästhetik suggerieren, so wie ich sie mir vorstelle; mit einem Look, der das Meer und die Seefahrt andeutet, die das Königreich einst charakterisierten“, sagte mir Nasmith. „Einer der Einflüsse dabei ist die kaiserlich-ägyptische Architektur, das ist wahr. Und zwar weil Tolkien die gondorische Kultur als Echo Ägyptens bezeichnete, ebenso wie ihre Liebe zu monumentalen Tempeln und zeremoniellen Gebäuden und den Totenkult um die Könige mit seinen aufwendigen Ritualen und Symbolismen.“ Genau diese Art der Analyse fehlt im vorliegenden Text.

Ich bin nur über einen faktischen Fehler gestolpert: Eorl statt Elendil wird als Vorfahre der Könige im Norden genannt (s. S. 142), aber das ist nichts, was man nicht in der zweiten Auflage ändern könnte. In Patrick Currys ansonsten sehr gutem Artikel über die Tolkienkritik fehlt Hither Shore, die Publikation der einzig jährlich stattfindenden internationalen Tolkienkonferenz, organisiert durch die Deutsche Tolkien Gesellschaft. Im Kapitel zum Krieg (s. S. 461ff) fehlt jegliche Referenz zu John Garths bahnbrechendem Buch zum Thema: Tolkien und der Erste Weltkrieg. Allerdings ist das Jammern auf hohem Niveau.

Alle bis auf zwei der Artikel bieten genau das, was man vom Titel her erwartet: eine exzellente Einführung in das jeweilige Thema mit viel Quellenmaterial und weiterführender Literatur. Nur ein anderer Beitrag hat mich überrascht: Rachel Falconers „Earlier Fantasy Fiction: Morris, Dunsany, and Lindsay”. Statt sich auf die Gemeinsamkeiten zwischen Tolkien und früherer Fantasy-Autoren zu beschränken – wozu eins von Morris Fantasybüchern statt der Pseudohistorien in besseres Beispiel gewesen wäre – geht der Text darüber hinaus, um zu zeigen, wie vielfältig und kreativ das Genre vor dem Eintreffen des Herrn der Ringe war. Ein unerwarteter, aber wunderbar aufschlussreicher Ansatz.

Referenzkopie: Stuart D. Lee (ed.). A Companion to J.R.R. Tolkien. Chichester: Wiley, 2014.

A Tolkien Companion with just one flaw

A Companion to J.R.R. Tolkien was published as part of Wiley’s ‘Blackwell Companions to Literature and Culture’ series in May last year, edited by Stuart D. Lee. It offers a collection of introductory articles to the most pertinent topics in Tolkien studies, bringing together the Who’s Who of scholars in the field. And it does the job of setting a budding researcher, or a specialist in a different field for that matter, on a new topic perfectly, with the inclusion of reference work as well as further reading to each chapter. The book is a must-have for any university library.

There is only one article that strays markedly from the high standards set by the others, and that is the one on art. We get a short mention of Tolkien’s own art, which is fine, but then Christopher Tuthill settles for comparing specific artworks by a small number of artists, who all work in very similar styles as well. What is more, the comparison is more description (of pictures printed in the article) than analysis. Only one of the chosen artists strays slightly from naturalism, and that is Jef Murray who seems like the odd man out in a list of otherwise ‘officially’ published illustrators Ted Nasmith, John Howe and Alan Lee. Jemima Catlin and Pauline Baynes don’t even get a mention. Others are at least noted for different styles, including Cor Blok or Jay Johnstone, but the article offers hardly purchase for deeper analysis. References are few and no further reading list is provided.

A far more interesting approach to such an introductory article on the topic, would have been to put spotlight on a more diverse range of styles – even if just limited to official Anglo-Saxon illustrators for the sake of brevity – and note their specific approach to illustrating Tolkien. Some texts are already extant, e.g. on the development of Blok’s style, for others a short conversation with the artist would be insightful. The article includes, for example, a photograph of the Mortuary Temple of Hatshepsut and names it as an inspiration to Nasmith’s take on Minas Tirith. No source or further insight is given. If you actually ask the artist, you will get some further information on his depiction of Minas Tirith: “The architecture in general is meant to suggest what I think of as the Númenórean aesthetic, with a look that vaguely suggests the sea and seafaring, as the great realm once embodied,” Nasmith told me. “One influence in this scheme is ancient Egyptian imperial architecture, it’s true. This partly because Tolkien identified Gondorean culture as an echo of Egypt and its love of monumentalism in temples and ceremonial structures, as well as its veneration of the dead among the kings of its dynastic tradition amid elaborate rituals and symbolism.” This is the sort of analysis missing from this particular text.

Only stumbled over one factual mistake: Eorl is named as forebear of the kings in the North instead of Elendil (cf. p. 142), but that is nothing a second edition cannot remedy. Patrick Curry’s otherwise great overview of criticism is missing Hither Shore, the publication accompanying the only annual international Tolkien conference in the world, organised by the German Tolkien Society DTG. The chapter on “War” (cf. p. 461ff) is missing a reference to John Garth’s seminal Tolkien and the Great War. Nit-picking on a high level here, however.

All articles but two offer exactly what is expected from their title: an excellent introduction into the chosen topic with ample source and further reading material added. Only one other contribution surprised me: Rachel Falconer’s “Earlier Fantasy Fiction: Morris, Dunsany, and Lindsay”. Instead of focusing on the similarities Tolkien’s work has with earlier fantasy writers – for which one of Morris’ actual fantasy novels instead of his pseudo-histories would have been a better example – the text goes beyond that to show how manifold and creative the genre actually was before the advent of The Lord of the Rings. An unexpected but wonderfully insightful approach.

Reference copy: Stuart D. Lee (ed.). A Companion to J.R.R. Tolkien. Chichester: Wiley, 2014.

Rezension vorab erschienen auf / Review previously published on www.tolkiengesellschaft.de.