Transportabenteuer

Auf den RMV war verlass, bei unserer letzten Reise. Das war aber auch schon alles; ansonsten hat uns die Verkehrsinfrastruktur allenthalben im Stich gelassen.

Es ging mit dem RE 50 nach Frankfurt und von dort mit der S-Bahn zum Flughafen. Dort angekommen, wurden wir am Gate von einer gestressten einzelnen Dame eingecheckt, die einem Praktikanten noch zurief: „Ich weiß nicht, was sie von mir will, ich kann aber jetzt nicht hier weg.“

Als wir mit dem Bus am Flugzeug angelangt waren, wurde klar, was „sie“ wohl wollte. Die ersten Fluggäste waren schon eingestiegen, als dem Boardpersonal auffiel, dass wir die falschen Passagiere waren. Also ab zurück in den Bus. Der drehte noch eine Runde, während unser Flieger neben dem anderen einparkte. Wir warteten noch auf das Aussteigen und ein überhastetes Klar-Schiff-Machen, dann ging es in die Maschine.

Die landete in London Stansted – und zwar so hart, dass der Pilot sich dafür extra entschuldigt hat. Ich kann es ihm auch nicht verübeln, denn man kann schon etwas abgelenkt sein, wenn es auf der Landebahn direkt neben unserer lichterloh brennt. Da stand ein Flugzeug und mehrere Fahrzeuge, aber ich konnte so schnell nicht erkennen, was da genau brannte. War wohl nicht so tragisch, vielleicht sogar nur eine Übung, es gab auf jeden Fall keinen Bericht darüber. Trotzdem war ich froh, gut angekommen zu sein.

Der Rückflug hatte eingangs 40 Minuten Verspätung, weil besonders viel los war, im Luftraum über London. Macht ja nix, wir haben hinten raus noch Puffer bis zum letzten Zug aus Frankfurt, dachten wir noch. Aber das Rückflug-Abenteuer hatte noch gar nicht richtig angefangen.

In Stansted (und auch in Heathrow) wird das Gate immer erst ganz kurz vor Boarding angezeigt. Eigentlich kein Problem, es sei denn, der Shuttle-Zug zum Gate funktioniert nicht. Die Passagiere von drei Flugzeugen, für die zeitgleich das Gate bekannt gegeben wurde, trafen sich vor dem Zug, der einfach die Türen nicht aufmachte. Dann eine erste, völlig unverständliche Durchsage von einem britischen Flughafenmitarbeiter. Da sich die Tür weiterhin nicht öffnete, schloss ich rückwirkend: „Ich glaube er hat sowas wie ‚inoperational‘ gemurmelt.“

Ein paar Minuten später dann eine verständliche Durchsage einer Flughafenmitarbeiterin mit Migrationshintergrund: technischer Defekt am Zug. Wir sollen bitte auf Anweisungen vom Personal warten. Statt die Durchsage einfach noch mal zu wiederholen, durften die Nicht-Bestöpselten den ganzen Leuten mit Knopf im Ohr noch mal erklären was los war. Ganz zu schweigen von den Leuten, die nicht so gut Englisch sprechen. Wir informierten einige deutsche Passagiere, unsere Nachbarin übersetzte ins Spanische. Da könnten sich die Briten ausnahmsweise beim Service mal etwas von den Deutschen abschauen: In Frankfurt gibt es alle Durchsagen in drei Sprachen – deutsch, englisch und in der Landessprache des Reiseziels.

Naja, egal. Dann gab es wieder schlechten Service für alle, als zwei Damen in Warnwesten kamen und den Passagieren im direkten Umkreis sagten, sie könnten zum Gate laufen, das wäre gar kein Problem. Bis sich diese Stille-Post-Nachricht verbreitet hatte, dauerte es eine ganze Weile, dann kam die Masse in Bewegung, wurde aber vorne durch irgendein Hindernis aufgehalten. Wir fanden uns direkt neben einem weiteren Mitarbeiter wieder, der für Ordnung beim Einsteigen in den Zug sorgt. Der bekam gerade eine Nachricht über Walkie-Talkie, und sagte uns, dass der Zug gleich wieder einsatzfähig wäre, wir sollten am besten hier warten. Kurz darauf ging auch die Tür auf und der Zug fuhr los. Eine weitere Durchsage gab es keine. Mit Verzögerung sind auf jeden Fall irgendwann alle irgendwie am Gate angelangt.

Flughafen Frankfurt

In Frankfurt gelandet, stiegen wir in den dritten und letzten Bus für den Transfer zum Flughafen. Eigentlich sind nur zwei Busse üblich, aber so hatten wir immerhin ganz gut Platz. Am Terminal angelangt, warteten wir, dass erst der erste, dann der zweite Bus seine Ladung auslud und fuhren dann vor. Als die ersten Leute gerade die Rolltreppe bestiegen hatten, wurde diese abgeschaltet. Man hat wohl nicht mit einem dritten Bus gerechnet … Für uns war das nicht wirklich ein Problem, aber die Leute mit dem Kinderwagen und einige Passagiere mit schwererem Gepäck hatten ihren Spaß beim Erklimmen der beiden steilen und langen Rolltreppen. Beim Feierabend in Frankfurt hört der Service dann auf.

Glück hatten wir dann wieder mit dem RMV. Die S-Bahn am Regionalbahnhof fuhr eine Minute nach unserem Einstieg ab, so haben wir den letzten Zug nach Hause noch problemlos bekommen. Bei der nächsten S-Bahn wäre es knapp geworden.

Morgen geht es mit dem allerersten RE 50, der um 04:01 Uhr in Fulda startet, wieder auf den Weg zum Flughafen. Drückt uns die Daumen, dass die Reise diesmal nicht ganz so abenteuerlich wird!

 

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Lake District Live V: Dove Cottage

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Dove Cottage

Unsere heutige Reise führte uns in das erste Familiendomizil von William Wordsworth: Dove Cottage. Es hatte früher einen wunderbaren Blick auf Grasmere, welches der Dichter von seinem Bett aus sehen konnte. „Er sah die Spiegelung des Mondlichts auf dem See“, erzählte uns die Führerin. Sie erweckte für uns die Atmosphäre der Zeit zum Leben, gab uns nicht nur die harten Fakten, sondern erzählte auch wunderbare Familienanekdoten – und Geschichten über illustre Hausgäste, so wie Samuel Taylor Coleridge oder Thomas De Quincey (der übrigens Dove Cottage übernahm, nachdem die Wordsworths ausgezogen sind).

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Pepper

Eine dieser Anekdoten betrifft den geliebten Familienhund Pepper, der ein Geschenk von Sir Walter Scott war. Wordsworth verfasste gerne Gedichte beim Wandern und redete dabei mit sich selbst. Der Hund warnte Wordsworth nun vor Wanderern, die ihm entgegenkamen und ansonsten diesen seltsamen vor sich hinmurmelnden Mann getroffen hätten.

Im Museum nebenan konnte man Wordsworths Biografie folgen – die Fakten – präsentiert mit Bildern, Gedichten und Audioaufnahmen. Gefallen hat mir vor allem seine Beschreibung von London. Ich konnte mir genau vorstellen, wie der junge Mann, der im Lake District aufgewachsen ist, die Stadt für die reinste Hölle für Augen und Ohren gehalten haben muss. Außerdem gab es für junge und alte Kinder alle möglichen lustigen Dinge zu tun. Jeder Literaturfan, der gerade in der Gegend ist, muss auf jeden Fall am Dove Cottage Station machen!

Lake District Live V: Dove Cottage

P1140126Today’s journey took us to William Wordsworth’s first family home: Dove Cottage. It used to have a wonderful view of Grasmere, which the poet could see from his bed. “He saw the moonlight reflected in the lake,” the guide told us. She did a wonderful job of recreating the atmosphere of the times in Wordsworth’s household, relating not just the bare facts but also some interesting family anecdotes – or those from the colourful guests in the house, which included Samuel Taylor Coleridge and Thomas De Quincey (who took over Dove Cottage after the Wordsworths moved out).

One of those anecdotes concerned the beloved family dog Pepper, a gift from Sir Walter Scott. Wordsworth liked to compose his poetry out in the countryside, often talking out loud. The dog now warned Wordsworth of oncoming wanderers who might otherwise have found a strange man muttering to himself.

London

London

In the nearby museum, you could follow Wordsworth’s biography – the facts – enhanced with pictures, poetry and audio files. I especially liked his description of London, and could very well picture a young man raised in the Lakes finding the city a hell for eyes and ears. It also included lots of activity stations, where young and old kids had fun. The place is a must-see for any literary-minded people visiting the area!

Die Geschichten der Toten

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Treffpunkt zur Führung / Meeting point for the guided tour

Mein letzter langer Spaziergang war eine Führung über den Kensal Green Friedhof in London. Wer sich am Sonntag um 14 Uhr an der Kapelle in der Friedhofsmitte einfindet, der trifft meist auf Henry Vivian-Neal, der von dem Gebäude (das übrigens über einen Sargaufzug mit drehbarer Auflage verfügt) einfach drauf los spaziert und Geschichten erzählt. Natürlich von den berühmteren Bewohnern des Friedhofs, aber vor allem denen mit kuriosen Geschichten. Und dabei kommt man schnell zu dem Schluss: „Egal auf welches Grab ich hier zeige – er kann mir die Lebensgeschichte all dieser Menschen hier erzählen.“ Im Gedächtnis geblieben sind mir vor allem:

Charles Blondin

20160522_143559[1]Ein Seiltänzer, der einige Male die Niagarafälle überquerte. Er hat immer noch Fans, die sich einmal im Jahr auf dem Friedhof zu einer großen Party treffen. Mit Champagner. Man findet im Kies auf dem Grab so einige Korken.

Dr. James Barry

Ein anerkannter Arzt, dem unter anderem einer der ersten erfolgreichen Kaiserschnitte – also einer bei dem sowohl Mutter als auch Kind überlebten – gelang. Barry war eine Frau, die sich als Mann ausgegeben hat, um studieren zu können.

Prince George, Duke of Cambridge

20160522_144347[1]Ein Cousin von Königin Victoria und ein schlechter Militärstratege. Aber vor allem bekannt für die skandalöse Heirat der Schauspielerin Sarah Fairbrother – die man vor allem von einem Gemälde kennt, auf dem sie Abdullah in Aladdin verkörpert.

William Cavendish-Scott-Bentinck, Duke of Portland

20160522_150437[1]Einsiedler und Exzentriker. Er wollte von seinen Angestellten ignoriert werden, wenn sie ihn trafen und installierte Briefkästen im ganzen Haus, damit er nicht direkt kommunizieren musste. Liebte pink. Nach seinem Tode tauchten die Druces auf und behaupteten, mit ihm verwandt zu sein. Während der anschließenden Verfahren wurden zwei Beteiligte für verrückt erklärt, und landeten im Irrenhaus.

Dead men’s tales

20160522_151736[1]My last longer stroll was a guided tour of Kensal Green Cemetery in London. If you arrive at the chapel in the middle of the graveyard at 2 pm on a Sunday, you’ll probably meet Henry Vivian-Neal, who just starts to march on from the chapel (which by the way houses a coffin elevator), telling tales. Of course there are stories about the more famous inhabitants of the cemetery, but mostly there are the curious ones. And you quickly come to the realisation: “No matter what grave I point to – the man can tell me the life story of any one of these people.” I especially recall the following:

Dr. James Barry

A recognised surgeon, who among other things performed one of the first successful caesareans – i.e. one in which both the mother and the child survived. Barry was a woman posing as a man to be admitted to study.

Charles Blondin

Tightrope walker who regularly crossed the Niagara Falls. He still has fans who come to celebrate at the cemetery once a year. With champagne. You will find several corks on the gravel in front of his grave.

Prince George, Duke of Cambridge

A cousin of Queen Victoria and a bad military strategist. Best known, however, for his unsuitable marriage to actress Sarah Fairbrother – who is remembered in a painting dressed up as Abdullah from Aladdin.

William Cavendish-Scott-Bentinck, 5th Duke of Portland

A recluse and eccentric. Wanted to be ignored by his staff when he passed by and installed letterboxes to leave messages around the house instead of communicating directly. Loved pink. After his death, the Druces turned up claiming relations. Over the ensuing trial, two people were declared mad and ended up in an asylum.

Some more impressions / Ein paar weitere Impressionen:

Bahnhofsrätsel

Ich bin unterwegs. Habe euch Bilder von drei Bahnhöfen mitgebracht, an denen ich heute Station gemacht habe. Erkennt ihr sie?

Train station riddle

I am out and about. Brought you pictures from three train stations I visited today. Can you name them?

Meinungsverschiedenheit mit King über Shakespeare

Theater im Stil von Shakespeare […]. Ab und zu versucht jemand einen Blankvers aufzuführen, entweder auf dem Broadway oder off-Broadway. Das ist zwangsläufig zum Scheitern verurteilt.

kingStephen King sagte das 2002, im Vorwort zu seiner Kurzgeschichtensammlung Everything’s Eventual. Davor erwähnt er außerdem Shakespeare-Filme, die nicht mal funktionieren würden mit Brad Pitt als Hamlet oder Jack Nicholson als Polonius.

Da muss ich widersprechen. Wenn ich mir Shakespeare-Verfilmungen der Zeit anschaue, gab es 2000 Ethan Hawke als Hamlet, Kenneth Branagh in derselben Rolle 1996, Anthony Hopkins als Titus Andronicus 1999, Leonardo di Caprio als Romeo 1996 – alle in Blankvers, und nicht alle sind gescheitert.

Zu solchen Stücken auf dem Broadway kann ich nichts sagen. In den Theatern von London gehören Shakespeare-Produktionen zum Tagesgeschäft – und sie sind oft sehr erfolgreich. In Deutschland gibt es manchmal sehr seltsame Produktionen, die nur vage auf den Originalen basieren, aber oft auch in Blankvers aufgeführt werden. Vielleicht liegen die Dinge heute anders – oder vielleicht schätzen europäische Zuschauer den alten Barden einfach mehr – seine Stücke sind aber sicher keine verlorene Kunst, wie King uns das glauben machen möchte.

Nach dieser kurzen Meinungsverschiedenheit mit King, ist der Rest des Buches voller wunderbarer Geschichten. Ich habe es natürlich gekauft wegen „The Sisters of Eluria“, das uns in das Universum des Revolvermanns zurückführt. Aber der Rest hat mich ebenfalls unterhalten. Da gibt es zum Beispiel einen Mann auf dem Autopsie-Tisch, der noch gar nicht tot ist, ein unheimliches Bild, Massenmord im Café, einen Mann, der über Selbstmord nachdenkt, eine „Täglich grüßt das Murmeltier“-Episode, Hunde- vs. Katzen-Menschen … einige Geschichten blutig, einige dunkel, alle tief.

Disagreeing with King on Shakespeare

Playwriting in the Shakespeare style […]. Every now and then someone tries mounting a blank-verse either on Broadway or off it. They inevitably fail.

Stephen King said that 2002, in the foreword to his short story collection Everything’s Eventual. Before that he also mentions Shakespeare on film, which would not even work with Brad Pitt as Hamlet or Jack Nicholson as Polonius.

I must beg to differ here. Looking at films, there was Ethan Hawke as Hamlet in 2000, Kenneth Branagh in the same role in 1996, then Anthony Hopkins as Titus Andronicus in 1999, Leonardo di Caprio as Romeo in 1996 – all in blank-verse and certainly not all failed.

Of course I cannot comment on the success of such plays on Broadway. In London’s theatres, Shakespeare productions are part of the everyday stock – and they are often quite successful. In Germany you sometimes get some very weird productions, more loosely based on the original but usually also in blank verse. Maybe things have changed these days – or maybe European audiences are simply more appreciative of the old bard – and his plays are certainly not a lost art, as King wants to make us believe.

After that short disagreement right at the beginning, the rest of the book is filled with wonderful stories. I bought it, of course, for “The Little Sisters of Eluria” which leads us back to the Gunslinger’s universe. But the rest of the tales kept me entertained as well. We get a man on the autopsy table who is not actually dead, an eerie picture, mass murder at a café, a man contemplating suicide, a Groundhog Day episode, dog vs. cat people … some stories gory, some dark, all deep.

Einmal nerv ich noch mit London

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Beim Harndrang sind doch alle gleich

Allerdings ist es diesmal eine waschechte (ha, ha – ihr seht’s gleich) Pendeln- und Wundern-Geschichte. Denn auch beim Pendeln mit dem Flieger kann man wundersame Dinge erleben.

So also auch auf dem Hinweg nach London vorletzte Woche. Am richtigen Gate in Frankfurt angekommen, vertreibe ich mir die Zeit erst ein bisschen mit lesen, dann geht es kurz vor Boarding noch mal aufs Klo. Ich schreite forschen Schritts in den Toilettenvorraum – und da steht ein älterer Mann und wäscht sich die Hände. Ooops, bin ich durch die falsche Tür gegangen? Ich also erst mal im Rückwärtsgang wieder raus, bis ich das Schild lesen kann. Ne, der Mann hat sich wohl geirrt. Eine ganze Reihe Damen läuft leicht verwirrt an ihm vorbei in den hinteren Teil, das beeindruckt den Mann aber überhaupt nicht. Er hat mittlerweile sein Hemd und seine Schuhe ausgezogen und wäscht sich. Lustige Sache das. Als ich dann hinten in meiner Kabine sitze, höre ich aus dem Vorraum: „Heh, sie können doch hier nicht …“ Ist wohl einer vom Flughafenpersonal. Der ältere Mann kommt aus dem Iran – und ist entweder ziemlich kurzsichtig, oder hat sich doch insgeheim über die seltsamen Sitten im Westen gewundert. Auf jeden Fall freut er sich, als der nette Mann vom Personal ihm die Herrentoilette zeigt.

Auf dem Rückflug hatte ich eine junge Frau mit Flugangst neben mir. Oder besser gesagt: mit Start- und Landungsangst. Sie war während des Flugs selbst relativ ruhig, aber bei Start und Landung hatte sie die Arme fest vor dem Körper verschränkt und saß total verkrampft neben mir. Beim Start murmelte sie außerdem leise: „Ich will das nicht.“

Sonntag in London: Serpentine

English (original) version below

Mein letzter Tag, der Flieger geht am späten Nachmittag, also noch ein bisschen Zeit sich was anzuschauen. Erst mal mache ich mich mit dem Bus auf in Richtung Paddington. Am Bahnhof St. Pancras schaue ich auf und mir die Leute an der Bushaltestelle an. Äh, Moment, die kenne ich doch! Da stehen zwei Bekannte aus Köln, natürlich über die DTG kennengelernt, und studieren den Fahrplan. Ich winke wild und werde gesehen. Zwei Tage vorher, auf der Einweihungsparty, hatte ich schon jemanden getroffen, der mir irgendwie bekannt vorkam – um dann festzustellen, dass sie Sprecherin bei einer Konferenz in Wien war, die ich mit organisiert habe. Die Welt ist so ein Dorf.

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Jimmy Durham

Paddington. Koffer abgeben. Und ab in den Hyde Park. Wunderschöner Spaziergang vom Marlborough Gate aus, am italienischen Park vorbei, an der Serpentine entlang zu den beiden Galleries. In der Sackler gab es eine Audio-Installation von Rachel Rose und zwei Videos. „A Minute Ago“ hat mich total in die fast apokalyptische Stimmung mitgerissen, mit „Palisades in Palisades“ konnte ich nicht so viel anfangen. In der Serpentine selbst stellte Jimmy Durham „Diverse Gegenstände und Beschwerden“ aus. Viel Kritisches, oft humorvoll präsentiert, hat mir gefallen.

Das war es erst mal von meinen Abenteuern in London. An alle die lieber Rezensionen oder Pendler-Geschichten lesen – danke fürs Ausharren. Ihr kommt bald wieder auf Eure Kosten.

Baumportraits / Tree portraits

Sunday in London: Serpentine

My last day, the plane is leaving in the late afternoon, so there is a little time to visit something. I start heading towards Paddington with a bus. At St. Pancras station, I look up and at the people at the bus stop. Wait a moment – I know these guys! Two acquaintances from Cologne, met of course via the German Tolkien Society, are studying the timetable. I wave frantically, am seen. Only two days earlier, at the housewarming party, I had met someone who looked vaguely familiar as well. Turns out, she was a speaker at a conference in Vienna I co-organised. The world is such a small place.

P1110484Paddington. I leave my luggage and enter Hyde Park via the Marlborough Gate. I take a wonderful stroll, passing the Italian gardens, along the Serpentine towards the two galleries. At the Sackler, there is an audio-installation by Rachel Rose and two videos. “A Minute Ago” sweeps me away into an almost apocalyptic mood, while “Palisades in Palisades” leaves me unimpressed. The Serpentine itself features Jimmy Durham who exhibits “Diverse Objects and Complaints”. A lot of critical stuff, often presented quite humorously, which I like a lot.

Enough of my adventures in London now. To all those who prefer reviews or commuter stories – thanks for holding out. Stuff is in store for you soon.

Spaziergang durch / Stroll through Hyde Park

 

Samstag in London: Hamlet

English (original) version below

P1110463Samstag war erst mal ausschlafen angesagt. Erst um kurz nach Zwölf, High Noon, ging es auf die Straße, auf einen gemütlichen Spaziergang Richtung Süden. Direkt hinter Smithfield Market – sicher der Alptraum jedes Vegetariers oder Veganers – habe ich mich in den runden Mini-Park zum (vegetarischen) Mittagessen gesetzt, und bekam bald Besuch eines neugierigen Eichhörnchens.

Von da aus ging es durch den Tunnel unterhalb des Barbicans ins Barbican Centre, wo es Shakespeares „Hamlet“ zu sehen gab. Die Inszenierung ist sehr poetisch und irgendwie filmisch, mit Zeitlupen und fantastischen Spezialeffekten. Direkt vor der Pause gab es eine epische Explosion, bei der man glaubte, die Wogen des Sturms in die Hamlets Schiff geraten ist brechen über Claudius in seinem Schloss herein. Der wird übrigens von Ciarán Hinds gespielt, der ja schon in „Rome“ eine gute Figur als Herrscher abgegeben hat. Dass Benedict Cumberbatch, unser Hamlet, ein klasse Schauspieler ist, das ist eh klar – auch wenn ich die Verzückungen einiger weiblicher Fans nicht ganz nachvollziehen kann. Die coolste Rolle hatte sowieso Karl Johnson, der neben dem Geist von Hamlets Vater auch den Totengräber spielen durfte. Während der erste Teil der Aufführung mit einem Kracher endete, fand ich die große Todesszene am Ende irgendwie etwas gehetzt und so wenig aufrührend.

Dafür war Cumberbatchs emotionaler Spendenaufruf für die Flüchtlingshilfe nach dem Ende des Stücks umso bewegender. Und irgendwie war ich auch ein bisschen stolz drauf, dass unsere Regierung sich nicht gar solch harsche Kritik anhören muss. Cameron will nämlich, großzügig wie er ist, 20.000 Flüchtlinge über die nächste fünf Jahre aufnehmen … Kein Wunder, dass Cumberbatch sich da fremdschämt.

Saturday in London: Hamlet

P1110461The first thing I did on Saturday was to sleep in. Just after twelve, high noon, I ventured out on a leisurely stroll southwards. Directly behind Smithfield Market – surely every vegetarian’s or vegan’s nightmare – I sat down for my (vegetarian) lunch in the small round garden, and was soon joined by a curious squirrel.

From there I made my way through the tunnel below the Barbican to the Barbican Centre, where Shakespeare’s „Hamlet“ is playing right now. The production is very poetic and somehow cinematic, including slow motion and fantastic special effects. Just before the break, an epic explosion tears across the stage, which makes you believe that the waves of the storm into which Hamlet’s ship has gotten are breaking over Claudius’ head inside his castle. The latter is played by Ciarán Hinds, by the way, who already showed in „Rome“ that he makes for a grand sovereign. There is no doubt that Benedict Cumberbatch, our Hamlet, is a great actor – even though I don’t quite get the rapture of some female fans. The coolest role was played by Karl Johnson anyway, who not only got to mime the ghost of Hamlet’s father but also the gravedigger. While the first part of the play ended with a bang, I found the epic death scene at the end a little rushed and so not very stirring.

Meanwhile Cumberbatch’s emotional appeal right after the show to donate money to help refugees was all the more touching. And somehow I found myself a little proud that my own government does not deserve quite such harsh criticism. Cameron, generous as he is, wants to take in 20,000 refugees over the next five years … No wonder Cumberbatch is vicariously embarrassed.

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Freitag in London: Comic Con

English (original) version below

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Die beste Kunst und die besten Leute gab es hier / The best art and best people to be found here

London Comic Con war nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe. Es gab nur wenige Panels, oder überhaupt irgendwelches Programm. Alle anderen Cons, die ich bisher besucht habe, waren so überfüllt mit Aktivitäten drumherum, dass man sich gerne geklont hätte. Hier besucht man allem voran einen kommerziellen Event. Man kann sehr viel Geld für Merchandise und Kunst ausgeben. Ich würde fast sagen, der Eintritt (den ich glücklicherweise nicht zahlen musste) lohnt nicht – wenn da nicht die vielen Menschen in wundervollem und fantasiereichem Cosplay wären, die durch die Halle wandeln. Am Freitag hinzugehen war eine sehr gute Entscheidung, denn da konnte man sich alles in Ruhe anschauen, während die Halle am Samstag einfach nur zum Bersten voll war.

Am Abend war ich zu einer Einweihungsparty in West Kensington eingeladen. Und was für eine wunderbare Wohnung! Ich war total beeindruckt, vor allem von der Lampe im Wohnzimmer.

Friday in London: Comic Con

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Die beste Lampe gab es in West Kensington / The best lamp was found in West Kensington

London Comic Con was not what I imagined it to be. There were hardly any panels, or any sort of program to attend for that matter. All other cons I’ve visited were so brim full with activities around the event that you wanted to clone yourself. This here is first and foremost a commercial event. You can spend a lot of money on merchandise and artwork here. I’d be tempted to say it’s not really worth paying the entry for (which I fortunately didn’t have to) – if it weren’t for the masses of people in wonderful and imaginative cosplay that were walking through the aisles. Going there Friday was a wise decision as you actually got to see stuff, while the hall was simply packed on Saturday.

In the evening, I was invited to a housewarming party in West Kensington. And what a wonderful flat they found! I was totally impressed, especially be the lamp in the living room.