Pendler-Abenteuer in Hamburg

Bin mal wieder Fremdgependelt, diesmal mit dem HVV.

Merke: Man kann in Hamburg (Stichprobe Bahrenfeld und Stadthausbrücke) keine Wochen- oder Monatskarten am Automaten oder beim Busfahrer* kaufen.

*Völlig überraschter O-Ton: „Die verkaufen wir gar nicht. Ich weiß auch nicht, wo hier in der Nähe das nächste Service-Center wäre.“

Sehr interessanter „Dienstleistungs“-Ansatz, liebe Hansestadt.

Seltsame Dispositionsentscheidung

Neulich hatten wir Fernreisendenbesuch in der Kinzigtalbahn. Der Regionalexpress war 40 Minuten verspätet, „wegen einer technischen Störung an einem anderen Zug,“ sagte das Spruchband an der Anzeigentafel. Also sind wir alle in die zuerst eintreffende Regionalbahn gestiegen.

Kurz vor Gelnhausen kam dann die – eigentlich total hilfreiche – Durchsage, dass der RE direkt hinter uns fährt und wir in Gelnhausen am gleichen Gleis umsteigen können, da er uns danach überholen wird. Super, da hat mal jemand an den Service für die Fahrgäste gedacht – auch wenn die Empfehlung nicht bis zum Ende durchdacht war.

Eine kleine Überfüllungs-Warnung wäre nett gewesen, denn als wir in den RE steigen wollen, stolpern wir schon im Eingangsbereich über jede Menge Koffer und Taschen – und stehende Menschen. Neben den üblichen Pendlern, die den Zug ab Gelnhausen schon selbst vollkriegen, wimmelt es hier von Fernreisenden.

Die sind total genervt und aufgeregt, viele von ihnen sind auf dem Weg zum Flughafen. Ein Geschäftsreisender ist gerade am Telefon und bucht um. Ein älterer Herr läuft auf einem kleinen freien Stück Gang hin und her wie ein eingesperrter Tiger. Bei jedem Halt wird er nervöser. „Am liebsten würde ich den Zug anschieben. Warum halten wir jetzt so lange hier? Wir müssen unbedingt diese S-Bahn um kurz vor 10 Uhr bekommen, sonst ist der Flieger weg. Da fährt man extra Zug, um nicht im Stau zu stehen …“

Der Bahnhof in Flieden

Natürlich konnte keiner mit dem liegengebliebenen Güterzug zwischen Flieden und Schlüchtern rechnen. Der ICE (mit Halt Frankfurt Flughafen Fernbahnhof) direkt dahinter musste erst wieder ein Stück zurücksetzen, und hat dann seine Passagiere in Flieden am Bahnhof ausgesetzt. Da standen sie wohl eine knappe Stunde, bis der RE 50 sie von dort aufgegabelt hat. Während die Pendler am Ende mit 53 Minuten Verspätung in Frankfurt ankamen, hatten die ICEler mittlerweile über 2 Stunden – und mussten dann ja auch noch vom Hauptbahnhof an den Flughafen gelangen. Eine etwas seltsam anmutende Dispositionsentscheidung, denn wo ein RE und ein RB langfahren können, hätte auch ein ICE seinen Weg, mit viel weniger Unterbrechungen und damit wohl auch viel schneller, gefunden.

Bild: Bahnhof Flieden von Johannes Müller (CC BY-SA 3.0)

Transportabenteuer

Auf den RMV war verlass, bei unserer letzten Reise. Das war aber auch schon alles; ansonsten hat uns die Verkehrsinfrastruktur allenthalben im Stich gelassen.

Es ging mit dem RE 50 nach Frankfurt und von dort mit der S-Bahn zum Flughafen. Dort angekommen, wurden wir am Gate von einer gestressten einzelnen Dame eingecheckt, die einem Praktikanten noch zurief: „Ich weiß nicht, was sie von mir will, ich kann aber jetzt nicht hier weg.“

Als wir mit dem Bus am Flugzeug angelangt waren, wurde klar, was „sie“ wohl wollte. Die ersten Fluggäste waren schon eingestiegen, als dem Boardpersonal auffiel, dass wir die falschen Passagiere waren. Also ab zurück in den Bus. Der drehte noch eine Runde, während unser Flieger neben dem anderen einparkte. Wir warteten noch auf das Aussteigen und ein überhastetes Klar-Schiff-Machen, dann ging es in die Maschine.

Die landete in London Stansted – und zwar so hart, dass der Pilot sich dafür extra entschuldigt hat. Ich kann es ihm auch nicht verübeln, denn man kann schon etwas abgelenkt sein, wenn es auf der Landebahn direkt neben unserer lichterloh brennt. Da stand ein Flugzeug und mehrere Fahrzeuge, aber ich konnte so schnell nicht erkennen, was da genau brannte. War wohl nicht so tragisch, vielleicht sogar nur eine Übung, es gab auf jeden Fall keinen Bericht darüber. Trotzdem war ich froh, gut angekommen zu sein.

Der Rückflug hatte eingangs 40 Minuten Verspätung, weil besonders viel los war, im Luftraum über London. Macht ja nix, wir haben hinten raus noch Puffer bis zum letzten Zug aus Frankfurt, dachten wir noch. Aber das Rückflug-Abenteuer hatte noch gar nicht richtig angefangen.

In Stansted (und auch in Heathrow) wird das Gate immer erst ganz kurz vor Boarding angezeigt. Eigentlich kein Problem, es sei denn, der Shuttle-Zug zum Gate funktioniert nicht. Die Passagiere von drei Flugzeugen, für die zeitgleich das Gate bekannt gegeben wurde, trafen sich vor dem Zug, der einfach die Türen nicht aufmachte. Dann eine erste, völlig unverständliche Durchsage von einem britischen Flughafenmitarbeiter. Da sich die Tür weiterhin nicht öffnete, schloss ich rückwirkend: „Ich glaube er hat sowas wie ‚inoperational‘ gemurmelt.“

Ein paar Minuten später dann eine verständliche Durchsage einer Flughafenmitarbeiterin mit Migrationshintergrund: technischer Defekt am Zug. Wir sollen bitte auf Anweisungen vom Personal warten. Statt die Durchsage einfach noch mal zu wiederholen, durften die Nicht-Bestöpselten den ganzen Leuten mit Knopf im Ohr noch mal erklären was los war. Ganz zu schweigen von den Leuten, die nicht so gut Englisch sprechen. Wir informierten einige deutsche Passagiere, unsere Nachbarin übersetzte ins Spanische. Da könnten sich die Briten ausnahmsweise beim Service mal etwas von den Deutschen abschauen: In Frankfurt gibt es alle Durchsagen in drei Sprachen – deutsch, englisch und in der Landessprache des Reiseziels.

Naja, egal. Dann gab es wieder schlechten Service für alle, als zwei Damen in Warnwesten kamen und den Passagieren im direkten Umkreis sagten, sie könnten zum Gate laufen, das wäre gar kein Problem. Bis sich diese Stille-Post-Nachricht verbreitet hatte, dauerte es eine ganze Weile, dann kam die Masse in Bewegung, wurde aber vorne durch irgendein Hindernis aufgehalten. Wir fanden uns direkt neben einem weiteren Mitarbeiter wieder, der für Ordnung beim Einsteigen in den Zug sorgt. Der bekam gerade eine Nachricht über Walkie-Talkie, und sagte uns, dass der Zug gleich wieder einsatzfähig wäre, wir sollten am besten hier warten. Kurz darauf ging auch die Tür auf und der Zug fuhr los. Eine weitere Durchsage gab es keine. Mit Verzögerung sind auf jeden Fall irgendwann alle irgendwie am Gate angelangt.

Flughafen Frankfurt

In Frankfurt gelandet, stiegen wir in den dritten und letzten Bus für den Transfer zum Flughafen. Eigentlich sind nur zwei Busse üblich, aber so hatten wir immerhin ganz gut Platz. Am Terminal angelangt, warteten wir, dass erst der erste, dann der zweite Bus seine Ladung auslud und fuhren dann vor. Als die ersten Leute gerade die Rolltreppe bestiegen hatten, wurde diese abgeschaltet. Man hat wohl nicht mit einem dritten Bus gerechnet … Für uns war das nicht wirklich ein Problem, aber die Leute mit dem Kinderwagen und einige Passagiere mit schwererem Gepäck hatten ihren Spaß beim Erklimmen der beiden steilen und langen Rolltreppen. Beim Feierabend in Frankfurt hört der Service dann auf.

Glück hatten wir dann wieder mit dem RMV. Die S-Bahn am Regionalbahnhof fuhr eine Minute nach unserem Einstieg ab, so haben wir den letzten Zug nach Hause noch problemlos bekommen. Bei der nächsten S-Bahn wäre es knapp geworden.

Morgen geht es mit dem allerersten RE 50, der um 04:01 Uhr in Fulda startet, wieder auf den Weg zum Flughafen. Drückt uns die Daumen, dass die Reise diesmal nicht ganz so abenteuerlich wird!