Krimi-Ausflug mit King

mr-mercedesMr. Mercedes?“ fragt mich ein Bekannter beim Lesen des gleichnamigen Werkes von Stephen King. „So wie ich King kenne, rast da ein Verrückter mit dem Mercedes in eine Menschenmenge.“

Ja, genau so ist es. Was sich auf den ersten Blick wie typischer King’scher Horror erscheint, ist allerdings ein für den Autor eher untypischer typischer Krimi – ok, einer von denen mit ganz viel Blut. Im Laufe des Buches (meine Ausgabe: Pocket, 2015) kristallisiert sich ein Ermittlertrio heraus, das trotz aller Inkongruenzen ziemlich gut zusammenarbeitet.

Und zwar so gut, dass die drei im zweiten Band der Serie, Finders Keepers (Hodder & Stoughton, 2016), eine Privatdetektei zusammen eröffnet haben. Die Geschichte lässt sich auch ohne Vorwissen aus dem ersten Teil verstehen, wer alle Nuancen und Anspielungen verstehen möchte, der sollte den ersten Band natürlich gelesen haben.

Den zweiten finde ich tatsächlich spannender, da er das Verhältnis zwischen Autor und Leserschaft thematisiert. Der Bösewicht Morris Bellamy ist so besessen von seinem Lieblingsautor, dass er über Leichen geht, um dessen unveröffentlichte Werke sein eigen zu machen. Sein Verhältnis zum Autor und der Welt, die er kreiert hat, erinnert doch sehr an den ein oder anderen fanatischen Fan da draußen, der seine Ansprüche an eventuelle Fortsetzungen, Adaptionen etc. lautstark Kund tut. Wie schon Annie Wilkes in Misery überschreitet Bellamy dabei natürlich alle Grenzen.

Ich freue mich auf jeden Fall schon auf den dritten Teil der Reihe, End of Watch.

A walk on the crime side with King

findersMr. Mercedes?” an acquaintance asked me when he saw me reading the book of the same name by Stephen King. “The way I know my King, a crazy guy drives into a crowd of people, right?”

Right, exactly so. What seems to be a typical King horror story on first glance, is a, for the author, atypical typical crime story – admittedly one with a lot of gore. In the novel (my edition: Pocket, 2015), a detective trio is emerging that is working really well together despite its incongruences.

And they do it so well, that they have founded a private investigator’s office together by the second book of the series, Finders Keepers (Hodder & Stoughton, 2016). You can read the story without knowing the first, but those who want to understand all allusions and nuances should have read the first novel, of course.

All in all, I found the second one more compelling because it broaches the issue of the relationship between an author and his readers. The villain Morris Bellamy is so obsessed by his favourite author that he is ready to kill in order to get at unpublished material. His relationship to the author and the world he has created reminds me a lot of some fanatic fans out there who are vociferous about their demands on possible sequels, adaptations etc. Just as Annie Wilkes in Misery, Bellamy transgresses all sorts of boundaries, of course.

I am definitely looking forward to the third part of the series, End of Watch.

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Meinungsverschiedenheit mit King über Shakespeare

Theater im Stil von Shakespeare […]. Ab und zu versucht jemand einen Blankvers aufzuführen, entweder auf dem Broadway oder off-Broadway. Das ist zwangsläufig zum Scheitern verurteilt.

kingStephen King sagte das 2002, im Vorwort zu seiner Kurzgeschichtensammlung Everything’s Eventual. Davor erwähnt er außerdem Shakespeare-Filme, die nicht mal funktionieren würden mit Brad Pitt als Hamlet oder Jack Nicholson als Polonius.

Da muss ich widersprechen. Wenn ich mir Shakespeare-Verfilmungen der Zeit anschaue, gab es 2000 Ethan Hawke als Hamlet, Kenneth Branagh in derselben Rolle 1996, Anthony Hopkins als Titus Andronicus 1999, Leonardo di Caprio als Romeo 1996 – alle in Blankvers, und nicht alle sind gescheitert.

Zu solchen Stücken auf dem Broadway kann ich nichts sagen. In den Theatern von London gehören Shakespeare-Produktionen zum Tagesgeschäft – und sie sind oft sehr erfolgreich. In Deutschland gibt es manchmal sehr seltsame Produktionen, die nur vage auf den Originalen basieren, aber oft auch in Blankvers aufgeführt werden. Vielleicht liegen die Dinge heute anders – oder vielleicht schätzen europäische Zuschauer den alten Barden einfach mehr – seine Stücke sind aber sicher keine verlorene Kunst, wie King uns das glauben machen möchte.

Nach dieser kurzen Meinungsverschiedenheit mit King, ist der Rest des Buches voller wunderbarer Geschichten. Ich habe es natürlich gekauft wegen „The Sisters of Eluria“, das uns in das Universum des Revolvermanns zurückführt. Aber der Rest hat mich ebenfalls unterhalten. Da gibt es zum Beispiel einen Mann auf dem Autopsie-Tisch, der noch gar nicht tot ist, ein unheimliches Bild, Massenmord im Café, einen Mann, der über Selbstmord nachdenkt, eine „Täglich grüßt das Murmeltier“-Episode, Hunde- vs. Katzen-Menschen … einige Geschichten blutig, einige dunkel, alle tief.

Disagreeing with King on Shakespeare

Playwriting in the Shakespeare style […]. Every now and then someone tries mounting a blank-verse either on Broadway or off it. They inevitably fail.

Stephen King said that 2002, in the foreword to his short story collection Everything’s Eventual. Before that he also mentions Shakespeare on film, which would not even work with Brad Pitt as Hamlet or Jack Nicholson as Polonius.

I must beg to differ here. Looking at films, there was Ethan Hawke as Hamlet in 2000, Kenneth Branagh in the same role in 1996, then Anthony Hopkins as Titus Andronicus in 1999, Leonardo di Caprio as Romeo in 1996 – all in blank-verse and certainly not all failed.

Of course I cannot comment on the success of such plays on Broadway. In London’s theatres, Shakespeare productions are part of the everyday stock – and they are often quite successful. In Germany you sometimes get some very weird productions, more loosely based on the original but usually also in blank verse. Maybe things have changed these days – or maybe European audiences are simply more appreciative of the old bard – and his plays are certainly not a lost art, as King wants to make us believe.

After that short disagreement right at the beginning, the rest of the book is filled with wonderful stories. I bought it, of course, for “The Little Sisters of Eluria” which leads us back to the Gunslinger’s universe. But the rest of the tales kept me entertained as well. We get a man on the autopsy table who is not actually dead, an eerie picture, mass murder at a café, a man contemplating suicide, a Groundhog Day episode, dog vs. cat people … some stories gory, some dark, all deep.

Zu schwer für die Reise?

Es gibt Bücher, die machen das Pendeln schwerer: dicke Wälzer, die kaum in die Handtasche passen.

Ja, ok, ich sehe es ein. Passt das Buch nicht rein, ist die Handtasche zu klein. Hilfe! Ein Reim.

wolves_of_the_calla31Ich bin kein Parallelleser. Immer nur ein Buch. Unterbrechen mag ich die Lektüre eines Buches auch nicht gerne, selbst wenn plötzlich was hochspannendes und langersehntes auf meinen ‚ungelesen‘ Stapel kommt. So war es schon ein bisschen ungewöhnlich, dass ich mitten in der Lektüre von Stephen Kings Wolves of the Calla, Teil fünf vom Dunklen Turm, eine Pause machte. Das Pendeln hält mich nicht von schweren Büchern ab – der dicke King war auch noch Hardcover – aber eine weitere Reise schon.

the-scarEs ging in den Sommerferien ins Vereinigte Königreich. Hin mit dem Flugzeug nach London. Den Flug mit Zeitungslektüre überbrückt. Erster Stopp vor Ort: ein Buchladen. Und was kauft sich der gewichtsbesorgte Leser? The Scar von China Miéville (die Pan-Ausgabe). Genauso dick wie der King. Aber immerhin ein Taschenbuch. Ein paar Gramm hab ich da bestimmt gespart…

Das zweite Buch aus dem Bas-Lag Universum hat mich halt so schön vom Regal angelächelt, was kann ich sagen? Klasse Lektüre, vor allem, wenn man auf der Heimfahrt die Fähre nimmt und dabei liest, was so alles unter einem lauern könnte.

Als ich mich auf den Heimweg begab, hatte ich übrigens weitere vier-fünf Bücher zu meinem Gepäck hinzugefügt. Mehr zu Miéville und King sicher demnächst auf dieser Seite.

Too heavy for the journey?

Some books make commuting more arduous: heavy tomes that hardly fit into the handbag.

Yeah, I know. If the book doesn’t fit, the handbag’s too small. (Pity, this makes for an excellent rhyme in German.)

I’m not a parallel reader. One book each, line on the left. I also don’t like to suspend reading one novel for another, even if a long-awaited, exciting new book makes it onto my ‘unread’ pile. So it’s been a bit of a strange occurrence when I stopped in the middle of reading Stephen King’s Wolves of the Calla, part five in the Dark Tower series. Commuting doesn’t detain me from handling heavy books – the massive King was a hardcover – but a longer journey does.

I went summer vacationing to the UK. Outbound travel by plane to London. Bridging the flight time with a newspaper. First stop: bookstore. And what does the weight-conscious reader buy? The Scar by China Miéville (the Pan edition). Just as thick as the King. But at least a paperback. I must be saving several grams here …

The second book in the Bas-Lag universe just looked so attractive on the shelf, I couldn’t help myself. Wonderful reading, especially if you take the ferry on the return trip and ponder over what could be lurking underneath the surface of the sea.

By the time I headed home, I’d added another four or five books to my luggage, by the way. More on Miéville and King soon.

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Einer dieser Orte, wo man Bücher finden kann / One of them places where you can find books

 

Der vergessliche Leser

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Der vergessliche Professor von Per Lindroth (1929)

Ich habe vor kurzem die Dunkle Turm-Reihe von Stephen King erneut gelesen. Die ersten vier-fünf Bücher sind wie alte Freunde für mich, da ich sie immer wieder neu gelesen haben, wenn ein neuer Band herausgekommen ist. An die letzten zwei-drei Bücher konnte ich mich dagegen nicht wirklich gut erinnern. Die meisten Überraschungen warteten in The Dark Tower VII auf mich, den ich bisher nur einmal verschlungen habe. Völlig vergessen hatte ich zum Beispiel den Tod eines der Hauptcharaktere. Total klasse, aufs Neue überrascht zu werden, selbst wenn es so herzzerreißend war. Auf die Vergesslichkeit!

hardcover_prop_embedDie Serie ist übrigens eine der besten Fantasy-Geschichten, die jemals geschrieben wurden. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich Euch irgendwann mehr davon erzählen werde.

 The forgetful reader

I re-read The Dark Tower series by Stephen King recently. The first four-five books are very old friends, which were re-read whenever a new book came out. I found I didn’t actually remember a lot about the last two-three books. Most surprises came in The Dark Tower VII, which I’ve only read once so far. I had totally forgotten about the death of one of the characters, for example. Loved to be surprised anew, even if it was heart-breaking. To forgetfulness!

The series is one of the best fantasy stories ever written, by the way. I’m pretty sure I’ll be telling you more about it at some point.