Hier bin ich falsch

Es ist 19 Uhr. Ich komme am Südbahnhof in Frankfurt an und sehe, das die RB 51 um 18:48 Uhr mit 10 Minuten Verspätung angezeigt wird. Ich eile hoch zum Gleis, wo die RB ebenfalls angezeigt ist – und da steht auch ein roter Doppelstöcker. Nichts wie rein. Sehr cool. Dann schaue ich mich ein bisschen genauer um und mir wird schnell klar: hier stimmt was nicht. Die Zugeinrichtung ist ungewöhnlich komfortabel, es gibt Tische und eine Kinderecke. Das Licht ist ganz anders – und die Menschen um mich herum unterhalten sich mit einem fränkischen Akzent. Klarer Fall von Main-Spessart-Express. Nichts wie raus hier!

Die Flucht gelingt. Der RE 55 nach Würzburg (der übrigens auch schon ganz schön Verspätung hat) bleibt noch 10 Minuten am Gleis stehen, während die Anzeige weiterhin darauf beharrt, dass hier die RB 51 rumsteht. Der Anzeigetafel-Aktualisierer schläft mal wieder vor sich hin.

Ich sehe viele Menschen in den Zug eilen. Die meisten kommen auch wieder raus. So eine luxuriöse Innenausstattung sind die Kinzigtalbahnfahrer einfach nicht gewohnt. Alle Verschlafenen haben in Hanau ja zum Glück noch mal die Chance, umzusteigen. Eigentlich auch in Offenbach, aber da scheint heute der Grund der Verspätungen zu liegen.

Blick auf die Frankfurter Skyline

Nachdem der Main-Spessart-Express abgefahren ist, kommt die Durchsage: „Auf Gleis 6 steht bereit, die RB 51 Richtung Wächtersbach.“ Äh, nein – es sei denn, der Zug ist mal wieder unsichtbar. „Bitte beachten sie: der Zug hält heute aus betrieblichen Gründen nicht in Offenbach.“ (Die Züge aus der anderen Richtung hatten übrigens wegen „eines Notfalleinsatz am Gleis“ Verspätung.) Kurze Zeit später fährt sie dann auch tatsächlich ein, und wir haben einen wunderschönen Blick auf die Frankfurter Skyline von der Deutschherrnbrücke aus. Man soll ja immer das positive sehen.

Bild: Kindertisch im Main-Spessart-Express (Foto: DB Regio Franken)

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Der Preis für saubere Bahnhöfe

Zuggespräch neulich in der Kinzigtalbahn: Ein Mann beschwert sich über die mangelnde Sauberkeit am Südbahnhof, wo er eben eingestiegen ist. „In anderen Ländern funktioniert das doch auch! Und die Fahrkarten sind auch noch viel günstiger.“ Als Beispiel nennt er Singapur.

singapur

Saubere U-Bahn Station in Singapur

Was er nicht erwähnt, vielleicht weil er es einfach nicht weiß, ist, dass die Sauberkeit an Bahnhöfen nichts mit dem Bahnbetreiber zu tun hat, sondern mit den strengen Gesetzen im Land. Die Bußgelder sind sehr hoch, wenn man Müll einfach auf die Straße, oder eben den Bahnhof, schmeißt. Kaugummis und andere für uns selbstverständliche Dinge sind ebenfalls verboten. Ja, sicher, es ist sauber dort. Mein Gespräch mit dem Müllbergproduzenten im Zug letztes Jahr wäre sicher anders verlaufen, wenn ich mit der Polizei drohen hätte können.

Nebenbei haben sicher die im Vergleich zu Deutschland niedrigen Lohn– und Energiekosten auch etwas mit dem günstigen Preis der Fahrkarten zu tun … Sind wir aber wirklich bereit, diese Preise für mehr Sauberkeit am Bahnhof und günstigere Tickets zu bezahlen?

Verspätungs-Countup

Heute widmen wir uns einem Phänomen, dass wohl jeder regelmäßige Bahnfahrer gut kennt: dem Verspätungs-Countup.

800px-Suedbahnhof_Ffm_Bahnhofsgebaeude18:33 Uhr, Gleis, 6, Südbahnhof Frankfurt. Eigentlich sollte jetzt der RE Richtung Fulda einfahren. Tut er aber nicht.

18:40 Uhr, Gleis 6, Südbahnhof Frankfurt. Eigentlich hätte der RE Richtung Fulda vor sieben Minuten einfahren sollen. Jetzt springt die Anzeige um. Ah, der RE hat also fünf Minuten Verspätung.

18:42 Uhr, Gleis 6, Südbahnhof Frankfurt. Die Anzeige springt um. Der RE 55 Richtung Aschaffenburg hat fünf Minuten Verspätung. Was mit dem RE 50 passiert ist, wissen wir erst mal nicht.

18:45 Uhr, Gleis 6, Südbahnhof Frankfurt. Der RE 55 fährt ein und kurz darauf wieder ab.

18:50 Uhr, Gleis 6, Südbahnhof Frankfurt. Eigentlich hätte der RE Richtung Fulda vor 17 Minuten einfahren sollen. Jetzt springt die Anzeige um. Ah, der RE hat also fünfzehn Minuten Verspätung.

18:55 Uhr, Gleis 6, Südbahnhof Frankfurt. Eigentlich hätte der RE Richtung Fulda vor 23 Minuten einfahren sollen. Jetzt springt die Anzeige um. Ah der RE hat also zwanzig Minuten Verspätung.

Ihr wisst schon wie es weitergeht. Manchmal hat der Bahnfahrer Glück und es gibt eine Durchsage zum Sachverhalt, der reinrassige Countup kommt allerdings nur über die Anzeige daher.

Bild: Südbahnhof von EvaK (GNU FDL 1.3)