Kräuterworkshop auf dem Scheffehof

Der Scheffehof

An einem heißen Tag im Juli war ich mit dem Tolkien Stammtisch im Vogelsberg bei einem Kräuterworkshop auf dem Scheffehof in Kirchbracht. Unter fachlicher Anleitung von Eva Leitzgen stöberten wir dabei die passenden Kräuter auf einer Runde ums Dorf auf und lernten Grundtechniken für die Zusammenstellung einer Hausapotheke – also wie man zum Beispiel eine Tinktur, eine Einreibung oder ein Öl ansetzt. Dabei haben wir uns insbesondere das Johanniskraut, die Schafgarbe, den Spitzwegerich und den Ackerschachtelhalm angeschaut, aber noch viel mehr beim Spaziergang und bei der Sammlung von weiteren Kräutern für ein Duftkissen erfahren. Den Stoff für das Kissen haben wir stilecht mit Hammer und Blüten verziert.

Für unser leibliches Wohl wurde mit einem selbstgebackenen Brot mit Brennesselsamen und Blütenbutter und später mit leckeren Erdbeerkuchen gesorgt, und natürlich dürften eine Kräuterlimonade und ein Kräutertee nicht fehlen. Den Workshop kann ich uneingeschränkt weiterempfehlen und auch der Scheffehof selbst ist ein Kleinod, samt Möbelschreinerei und Imkerei, dem man unbedingt einen Besuch abstatten sollte!

Passend zum Tagwerk, gab es am Abend noch einen Vortrag zu (Heil-)Kräutern im Herrn der Ringe, natürlich mit besonderem Fokus auf dem Star aller Heilkräuter: dem Athelas.

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Geschichten sind keine sicheren Orte

triggerwarningIn der Einleitung zur Kurzformatsammlung Trigger Warning spricht Neil Gaiman über Triggerwarnungen für fiktionale Texte. Er und ich sind uns darin einig, dass Geschichte keine sicheren Orte sein sollten; dass sie uns ab und zu herausfordern (s. auch Tolkiens Ansichten dazu), dass sie unbehaglich sein, ja sogar Albträume verursachen sollten. Man muss einigen Dingen einfach unvorbereitet begegnen, wie sonst sollte man seinen Horizont erweitern? Das heißt nicht, dass man das gelesene mögen muss. Ich habe Bret Easton Ellis American Psycho zwischendurch mal an die Wand geschmissen. Ich habe das Buch wieder aufgehoben und mich durchgequält, bis ans Ende. Ich habe die Erfahrung gemacht – und weiß, dass ich sie nicht wiederholen möchte.

Gaimans Welten, egal wie düster, würde ich jederzeit wieder betreten. Man muss die Fragebogen-Geschichte „Orange“ einfach lieben. Und ich hatte ein ähnliches Gefühl bei einer Übernachtung in einem heruntergekommenen Bed & Breakfast in Marlborough, wie das was in „My Last Landlady“ heraufbeschwört wird. Ich hatte viel Vergnügen auch beim zweiten Lesen von „The Sleeper and the Spindle“, welches gleich zwei Märchen neu erzählt, beim Sherlock Holmes-Abenteuer „The Case of Death and Honey“ … Eigentlich könnte ich hier alle aufzählen.

Fiction is not a safe place

In the introduction to the short story collection Trigger Warning, Neil Gaiman talks about his view on trigger warnings for works of fiction. He and I very much agree that stories should not be safe places; that they should challenge us from time to time (cf. also Tolkien’s view on that), make us uncomfortable, even carry nightmares. You need to encounter some things unprepared, how else do you expect to broaden your horizon? It does not mean that you have to like what you read. I threw Bret Easton Ellis’ American Psycho against a wall at some point. I picked it up again and plowed through to the end. I had the experience – and knew I would not want to repeat it.

Now, Gaiman’s worlds, no matter how dark, I am willing to enter any day. Simply got to love the questionnaire story “Orange”, had a similar feeling staying in a run-down B&B in Marlborough at some point as that evoked in “My Last Landlady”, enjoyed a re-read of the retelling of two fairy stories in “The Sleeper and the Spindle”, the Sherlock Holmes adventure “The Case of Death and Honey” … I could name them all, really.

Lake District Live IX: Das Stockghyll-Tal hoch und runter und hoch und runter

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Wansfell Pike

Der Morgen war mal wieder regnerisch, deshalb haben wir uns für den Nachmittag eine ‚kleinere Tour‘ in der Nähe ausgesucht. Eigentlich ist es von unserem Ferienhaus auf den Wansfell Pike (482m) nicht wirklich weit, aber man kann leider nicht direkt durch das Tal über den Stockghyll-Bach gehen. Wir sind also erst mal 2,5km die Kirkstone Road hoch. Kurz bevor es das letzte steile Stück zum Kirkstone Pass hochgeht – welches übrigens passend The Struggle heißt – biegen wir rechts auf einen Pfad ein und gehen auf der anderen Seite des Stockghyll wieder das Tal hinunter. Kurz vor Ambleside geht es dann steil links hoch auf den Wansfell Pike. Auf halben Weg treffen wir bei einer Pause einen Tolkien-Fan. „What a day! Over the Misty Mountains cold”, sagt er. Einmal auf den Wansfell angekommen, drehen wir wieder nach Nord-Westen, um auf den Gipfel des Baystones (487m) zu gelangen. Weiter geht es über den Bergrücken, zurück zum Kirkstone Pass. Und von dort diesmal den Struggle hinunter und zum Ferienhaus. Die ‚kleine Runde‘ war dann doch irgendwie 14km lang …

Hoch 1 / 1st Up:

Runter 1 / 1st Down:

Lake District Live IX: Up and down and up and down Stockghyll Valley

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Hoch 2  / 2nd Up: Auf dem Weg zum / Approaching Wansfell Pike

It rained again this morning so we decided to do a ‘smaller tour’ somewhere near in the afternoon. It isn’t really far from our holiday cottage to Wansfell Pike (482m), but you cannot take the direct route over Stockghyll. So we made our way around 2.5km up Kirkstone Road. Just before we reached the final steep ascent to the Kirkstone Pass – aptly called The Struggle – we turned right onto a small path that led us down the valley along the other side of the stream. Just before Ambleside, a steep climb veers off on the left. Halfway up the Wansfell Pike, we met a Tolkien fan. “What a day! Over the Misty Mountains cold,” he said. Once we reached the top of Wansfell, we turned North-West again to get to the summit of Baystones (487m). We continued along the down the ridge, then up again to the Kirkstone Pass. And from thence down The Struggle to our cottage. The ‘small round’ turned out to be more than 14km long …

Hoch und runter / Up and Down

Bilder / Pictures by mrs.bananabrain

Von Mythen und Bäumen im Vogelsberg

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Was wie ein gieriges Drachenauge ausschaut, ist ein Loch im Teufelstisch.

Vorletztes Wochenende war ich mit dem Tolkien Stammtisch Vogelsberg auf mythischen Pfaden durch den Wald unterwegs. Von Ilbeshausen-Hochwaldhausen ging es hinein in den Oberwald. Stammtischmitglied und Naturparkführerin Ulrike erzählte uns nicht nur, wie der Vogelsberg, der Teufelstisch und die Uhu-Klippen der Sage nach zu ihrem Namen kamen, sondern brachte uns auch diverse Mythen über Eiche, Linde und Esche näher. Dazu gab es natürlich Details zur Weltenesche Yggdrasil, über die man schnell zu Tolkien kam. Ich erzählte dann etwas zu Tolkiens Liebe zu Bäumen und wie die sich in seinem Leben und seinen Werken bemerkbar machte. Im Schwarzbachtal ließen wir uns von den Eindrücken und Geräuschen im Wald verzaubern und spielten menschliche Kamera. Trotz einiger Schauer ein wunderbar fantastischer Ausflug!

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Als dann noch auf dem Weg ein Blatt wie von Geisterhand geführt langsam vor uns herschwebte war klar, dass diese Tour nicht noch fantastischer werden kann.

Bilder von mrs.bananabrain und mir.

Die Zukunft des Schicksalsbergs

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Gestern haben wir uns auf einer Tour rund um den Hoherodskopf die Zukunft des Schicksalsbergs angeschaut. Mit dem Tolkien Stammtisch Vogelsberg, seit neustem auch unter dem Namen Filig’rain bekannt, ging es zum zweiten Mal auf den Höhenrundweg. Diesmal allerdings mit Naturparkführerin und Stammtischmitglied Andrea, die uns auf einer Einführungstour endlich die Grundlagen über den Vogelsberg vermittelt hat. Jetzt wissen wir genau, auf welcher Art Vulkan wir da tanzen, äh, wandern.

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Beim Abendessen im Schöttener Wirtshaus schauten wir in Karen Wynn Fonstads Atlas von Mittelerde – und da vor allem natürlich auf die Seiten zum Schicksalsberg. Die Ähnlichkeit des Kartenmaterials zum Vulkan, aber auch zu Wetterphänomenen oder Wasserscheiden war frappierend … Die Zukunft des Schicksalsbergs sieht also alles andere als düster aus.

Die Weidmühle in Eschenrod

P1120359Im April ging es mit dem Tolkien-Stammtisch im Vogelsberg zu einer Führung durch die historische Weidmühle nach Eschenrod. Dort gab es nicht nur Spannendes über das alte Handwerk zu erfahren, Familie Kuss schuf für uns außerdem einen wunderbaren Ort – mit fantastisch leckerem Kuchen und heißem Kaffee an einem kühlen Frühlingstag – für unsere Diskussion zum Thema Tolkien und Anti-/Feminismus.

 

Ich bin kein junger Designer

Title_HaifischUnd werde sicher auch keiner mehr werden. Trotzdem habe ich Von der Badewanne ins Haifischbecken. Ein Survival Guide für junge Designer von Jan Hochbruck mit Freude gelesen. Ich wollte ja eigentlich nur mal kurz reinschauen, nachdem ich das Buch bei Palmer Hargreaves gewonnen habe. Ich kenne die Schreibe des Autors und war überzeugt, dass das sicher ganz heiter wird. Das Ganze war dann so kurzweilig, dass ich plötzlich durch war mit dem Buch.

Wenn das Werk also einem nicht-jungen Nicht-Designer gefällt, muss man es natürlich jedem ‚Betroffenen‘ wärmstens ans Herz legen. Es gibt ein paar sehr spezifische Passagen zur Berufswahl, aber viele Tipps sind auf alle möglichen anderen Jobs übertragbar. Das Buch ist keine oberflächliche Karrierefibel mit Motivations-Platituden, sondern ein echter Ratgeber eines Branchenprofis, der einfach frei Schnauze aus dem Nähkästen plaudert und dabei die Vor- und Nachteile, Höhen und Tiefen des Berufszweigs und eben des Berufslebens allgemein beleuchtet. Ob Bewerbung, Praktikum, das Zwischenmenschliche, Zeitmanagement, Karrieresprung, Arbeitslosigkeit – hier findet jeder Berufsanfänger, aber auch ein paar alte Hasen, gute Tipps.

Besonders gut gefallen hat dem Geek in mir natürlich die Verknüpfung der ‚trockenen‘ Materie mit Bildern aus der Fantasy, der Sci-Fi oder gar Mythen. Stellvertretend sind hier einfach mal die Tolkien-Anspielungen gesammelt.

Falls es dir immer noch schwerfällt, dich für die richtige Agentur (Firma, Studio, egal) zu entscheiden: Mache es wie Gandalf in der „Herr der Ringe“-Verfilmung, und vertraue deiner Nase. (S. 76)

Die Geschichte der Welt zeigt, dass die meisten aussichtslosen Kämpfe mit brutalen Niederlagen endeten (dennoch ist der Kampf „allen Widernissen zum Trotz“ eines der hartnäckigsten Themen in Literatur und Kunst, von David vs. Goliath bis zu Frodo Beutlin oder Luke Skywalker). (S. 158)

Über Leute, die in ihrem ersten Job verblieben sind:

Sei mit denen bloß vorsichtig. Diese Leute haben keine Abenteuer erlebt, sind nicht mit den Zwergen losgezogen, um einem Drachen seinen Schatz zu rauben. (S. 182)

Geek sein oder nicht sein, das ist hier die Frage

Die Frage habe ich mir jedenfalls vor kurzem mal gestellt. Denn ich habe gelesen, dass manchen Geeks, vor allem junge Frauen, der ‚Titel‘ ab und zu streitig gemacht wird. Die müssen dann erst mal ihre Credentials auf den Tisch legen, um ‚zur Szene‘ dazugehören zu dürfen. Was ein Schwachsinn. Denn eine der wichtigsten Dinge im Fandom ist doch, dass dort so viele unterschiedliche Leute aufeinandertreffen, die sich im Alltag nie begegnen würden. Und jeder darf dort so abgefahren, ungewöhnlich oder auch normal sein wie er will.

Bei der Deutschen Tolkien Gesellschaft zum Beispiel, da trifft sich das Legolas- oder Thorin-Fangirl, das (bisher) nur die Filme von Peter Jackson gesehen hat, auf den Mediävistik-Professor, der sich wissenschaftlich mit Tolkiens Werk auseinandersetzt. Und die entstehende Diskussion, die aufgeworfenen Fragen befruchten die akademische Arbeit des einen und wecken die Neugier auf Das Silmarillion bei der anderen. Die Vielfalt ist doch das, was ‚die Szene‘ ausmacht.

geek-pray-loveZu dem Schluss kommen auch Andrea Bottlinger und Christian Humberg in ihrer lustigen Einführung in die Welt der Geeks. Geek Pray Love, 2014 bei Cross Cult erschienen, berichtet über Fandom in allen möglichen Ausprägungen, Stammtische und fantastisches Essen (besonders wichtig!), Rollenspiel, Cons und vieles mehr. In der Rahmenhandlung, die natürlich eine Liebesgeschichte ist, entdeckt ein junger Mann die Welt der Geeks. Was mir eben besonders am Buch gefällt, ist die Einladung an jeden, an fantastischen Welten teilzuhaben, statt den ‚Club der Geeks‘ als etwas exklusives darzustellen, zu dem man erst mal einen Einstellungstest bestehen muss.

Meine ganz eigene Antwort auf die Frage, ob ich nun ein Geek bin oder nicht, wäre bis vor kurzem wahrscheinlich noch negativ ausgefallen. Das mit den Schubladen liegt mir halt nicht so, auch wenn die Schublade nach meiner und Bottlinger/Humbergs Definition eine echt nette ist. Dann habe ich mir eine Geek! am Kiosk gekauft. Ganz davon abgesehen, dass ich den Inhalt total spannend fand, habe ich festgestellt, dass ich die Hälfte der Berichtenden und die Hälfte der Leute kenne, über die berichtet wird. Und kennengelernt habe ich sie bei irgendwie geekigen Aktivitäten. Also beuge ich mich dem Gruppenzwang: Ich bin ein Geek. Rausholen muss mich hier keiner.

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Eins meiner Lieblingslieder: The Hero of Canton (Bild & Figuren von mrs.bananabrain)

“Über Märchen”, Zensur und Kindesförderung

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Stammtischmitglieder bei der Stadtführung

Beim Tolkien Stammtisch Vogelsberg im Oktober in Herbstein haben wir nicht nur einen wunderbaren Stadtrundgang gemacht, sondern uns beim Abendessen auch noch ausführlich mit Tolkiens Essay „Über Märchen“ beschäftigt.

Ich habe versucht die Hauptthesen kurz zusammenzufassen, was manchmal sicher etwas holprig klang, weil ich natürlich nur eine englische Ausgabe des Artikels („On Fairy-stories“, in: The Monsters and the Critics and Other Essays. London: HarperCollins, 1997) zur Hand hatte. Es gab einige Nachfragen zu weiteren Details, und es entwickelte sich eine spannende Diskussion.

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Die besten Märchen eignen sich für Erwachsene genauso wie für Kinder, sagt Tolkien. Das trifft sicher auch auf die Ausstellungsstücke im Herbsteiner Statt Museum zu.

Unter anderem stellten wir fest, wie sympathisch wir Tolkiens Aussage finden, dass man Kindern möglichst keine verkürzten, zensierten oder ‚kindgerechten‘ Texte vorgeben sollte, sondern dass sie durchaus auch solche lesen sollten, die sie beim ersten Lesen nicht gleich verstehen müssen. Denn Bücher sollten für Kinder wie Kleider sein: sie sollten Raum zum Wachsen bieten (s. S. 138). Daran anknüpfend fiel uns die noch relativ aktuelle Diskussion zur Veränderung von problematischen Ausdrücken in Neuauflagen von Kinderbuchklassikern – z.B. der Negerkönig in Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf – ein. Statt das Wort zu belassen und einen natürlich essentiellen Hinweis zur Problematik des Ausdrucks, zum Beispiel in einer Fußnote, hinzuzufügen, haben einige Verlage politisch inkorrekte Worte einfach ersetzt (hier durch Südseekönig). Die Chance einen spannenden und anregenden Diskurs über Zeit- und Sprachgeschichte anzufachen wird vertan; das von Tolkien postulierte Fordern und Fördern des Kindes bei der Lektüre bleibt bei einer solchen Herangehensweise aus.

Artikel vorab erschienen auf www.tolkiengesellschaft.de.

Gegen den Strom, ab in den Nebel

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An der Nebelgrenze

Gestern sind die Flachlandhessen alle rauf auf die Berge, um dort die Sonne zu genießen (s. z.B. Die Vogelsbergerin). Aber ich schwimme gegen den Strom. Während im Vogelsberg eitel Sonnenschein herrscht, schlägt mir kurz hinter Homberg/Ohm eine Nebelwand entgegen. In Marburg angekommen, hoffe ich noch, dass mir die Sonne bald hinunter ins Tal folgt, aber es bleibt den ganzen Tag duster. Die Panoramasicht vom Bismarckturm, Nr. 3 in meiner Sammlung, ist … nicht vorhanden, dafür haben die Schwertrichtstätte am Rabenstein im Nebel und das nur langsam auftauchende Landgrafenschloss auch was. Auf dem Weg von einer Talseite auf die andere nehme ich noch ein paar Eindrücke aus der Altstadt mit.

ca. 10km, Schwierigkeitsgrad: mittel