Fiktive Lieblingsfrau

Ich wurde vor kurzem gefragt, wie die Top 10 meiner weiblichen Lieblingscharaktere aussieht – allerdings nur bestehend aus Figuren, die vor einem Mann der absolute Liebling im fiktiven Werk sind. Während also zum Beispiel Scully bei „Akte X“ einer meiner absoluten Lieblingscharaktere ist, gilt sie nicht, da ich Mulder noch cooler finde. Leider ist die Auswahl mit dieser Einschränkung gar nicht so einfach – was wieder mal zeigt, dass es weniger gut geschriebene weibliche Charaktere in Büchern, Serien und Filmen gibt.

Über die Nummer eins musste ich allerdings überhaupt nicht lange nachdenken. Da steht Tod, die große Schwester von Morpheus aus den Sandman-Comics von Neil Gaiman. Und mit der Einschätzung stehe ich wohl nicht ganz allein da, denn nachdem die zierliche Schwarzhaarige mit der gesunden Lebenseinstellung ihrem Bruder zum ersten Mal in „The Sound of Her Wings“ den Kopf gewaschen hat, war schnell klar, dass der coole Goth eine eigene Mini-Serie verdient – ach was, mindestens zwei!

So erschien 1993 Death: The High Cost of Living und 1997 Death: The Time of Your Life. In der ersten Geschichte – die übrigens eins der meistverkauften Comics des Vertigo-Labels wurde – bringt Tod, die für einen Tag unter den Sterblichen wandelt, einen jungen Mann von seinen Selbstmordplänen ab. In der zweiten Geschichte geht es um Liebe und einen Pakt mit dem Tode für zwei Charaktere, die schon im Sandman aufgetaucht sind. Wie immer: fantastische Kost aus der Feder eines der größten Geschichtenerzähler unserer Zeit.

Wer es sonst noch unter meine Lieblingsfrauen schafft? In ungeordneter Reihenfolge: Lúthien, Xena, Yara Greyjoy (in den Büchern, von der Serie hab ich wenig Ahnung), Catherine Morland, Nanny Ogg (obwohl es da so viele tolle Charaktere gibt, dass sich das ständig ändert), Ronja Räubertochter, Dee, Kathryn Janeway und Jadzia Dax. Ich musste lange nachdenken, bis ich diese Liste zusammenbekommen habe.

Natürlich gibt es da noch die vielen total coolen Frauen wie Dana Scully, Buffy Summers, Black Widow, Minerva McGonagall, Erendis, Emma Woodhouse, Mazikeen, Sango, Beverly Brook, Laura Holt oder Detta/Odetta/Susannah, denen dann aber doch ab und zu ein anderer Charakter, meist männlich, in meiner Gunst die Show stiehlt.

Wie sieht Eure Top 10 aus?

Favourite fictional woman

Recently, I was asked about my top 10 favourite female characters – though only the ones that are my absolute favourite in the respective fictional world. So while Scully from „X-Files“ is one of my favourite characters ever, she does not count, because I like Mulder even more. With that restriction, the task isn’t an easy one – which serves to show that there are not a lot of well-written female characters in books, series or films out there.

I had no problems naming my number 1, though. That is Death, Dream’s older sister in the Sandman comics by Neil Gaiman. And apparently I am not the only one who thinks so. After the petite black-haired girl first appeared in „The Sound of Her Wings“ to set her brother straight, it was clear that the cool goth deserved her own mini-series – or two.

In 1993 Death: The High Cost of Living was published, followed by Death: The Time of Your Life in 1997. In the first story – which ranges amongst the bestselling comics for the Vertigo label – Death, who has turned mortal for a day, distracts a young man from his suicide plans. The second story is about love and a pact between Death and two characters (female, by the way) who have already starred in Sandman. As per usual: fantastic writing penned by one of the best storytellers of our time.

Now, who else made it into my list of favourites? In no particular order: Lúthien, Xena, Yara Greyjoy (from the books, I have only a very limited grasp of the series), Catherine Morland, Nanny Ogg (even though that particular universe yields another favourite each time I read), Ronia (the Robber’s Daughter), Dee, Kathryn Janeway and Jadzia Dax. I had to think about that list for a long time.

Of course there are a host of other cool women such as Dana Scully, Buffy Summers, Black Widow, Minerva McGonagall, Erendis, Emma Woodhouse, Mazikeen, Sango, Beverly Brook, Laura Holt or Detta/Odetta/Susannah – but sometimes a man is stealing the spotline from those for me.

What would your top 10 look like?

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Vergessener Sandman

Es ist schon eine ganze Weile her, da habe ich den ’neusten‘ Sandman-Comic (die Deluxe-Ausgabe erschienen 2015 bei Vertigo) von Neil Gaiman gekauft. Der landete dann irgendwie nicht auf meinem Stapel mit ungelesenen Büchern. Aus den Augen, aus dem Sinn – auch wenn ich mir nicht ganz erklären kann, wie ausgerechnet die Fortführung meiner absoluten Lieblingscomicreihe so in Vergessenheit geraten konnte.

Zum Glück bin ich ja wieder drüber gestolpert, habe dabei aber nicht wirklich auf den Titel geachtet. Das letzte Lesen der Reihe war schon ein paar Jahre her, so dass ich freudig das ganze Abenteuer von vorne begann (so dachte ich jedenfalls), bevor ich mich dem neusten Band widmete.

Die Reihe fängt damit an, dass Traum (aka Dream, Morpheus, Oneiros …) – einer der neun Ewigen – von einem okkulten Zirkel gefangen gesetzt wird – versehentlich, wie sich herausstellt, da sie eigentlich seine Schwester Tod einfangen wollten. Die weiteren Geschichten entspinnen sich dann um die Probleme im Traumreich und in der realen Welt, die entstehen, wenn der Herrscher der Träume nicht anwesend ist, und um die Rekonstruktion des Reiches nach Morpheus Entkommen aus der Gefangenschaft.

Der neue Band, The Sandman: Overture, setzt natürlich vor der Reihe an. Hier wird erklärt, wie es überhaupt dazu kam, dass Morpheus gefangen genommen werden konnte. Gaiman nimmt uns wieder mit auf eine phantastische Reise, diesmal auch in die Träume ferner Galaxien. Er erzählt im Vorwort, dass er eine Geschichte geschrieben habe, die unmöglich zu illustrieren war – und doch ist es J.H. Williams III gelungen, das Unmögliche glaubhaft und in wunderschönen Farbexplosionen aufs Papier zu bringen. Man muss das Buch einige Male beim Lesen drehen und größere Bildtafeln aufklappen. Die Deluxe-Ausgabe hat zum Schaffensprozess außerdem noch einige Extras parat.

Im Endeffekt war es gar nicht schlimm, dass ich die Ouvertüre erst nach der Reihe gelesen habe. Denn so habe ich mir die Überraschungen, die neuen Charaktere, das Beste bis zum Schluss aufgehoben. Wer den Sandman noch nicht gelesen hat: unbedingt nachholen!

Forgotten Sandman

It’s been a while since I bought the ‚latest‘ Sandman comic (the Deluxe Edition was published by Vertigo in 2015) by Neil Gaiman. It somehow did not land on the ‚unread‘ pile and was forgotten – though I cannot for the life of me say how that happened to the newest addition to my absolute favourite comic series.

Fortunately I stumbled over it again, just didn’t really read the title. It’s been a few years since I (re-)read the series so that I started the whole adventure from its beginning (or so I thought) before turning to the new instalment.

The series starts with the capture of Dream (aka Morpheus, Sandman, Oneiros …) – one of the nine Endless – by an occult circle. He is imprisoned by mistake, as they originally targeted Dream’s sister Death. The story that unfolds tells about the problems that arise from the absence of the Lord of Dreams in his realm as well as in the real world, and about the reconstruction of the realm after Morpheus escapes his prison.

The new volume, The Sandman: Overture, takes place before the series, of course. It explains how it was possible to capture Morpheus in the first place. Gaiman takes us on a fantastic journey, including into dreams of other galaxies. In the foreword, he says that he has written a story which is impossible to illustrate – and yet J.H. Williams III managed to create the impossible with believable and colourful explosions on paper. You have to turn the book around several times to read it and to open up larger picture panels. The Deluxe Edition also features additional material on the creative process.

In the end, it wasn’t bad at all that I’d read the overture after the series. That way, I saved the surprises, the new characters, the best for last. If you have not read The Sandman yet: go get it now!

Cover Detail The Sandman: Overture #5 (Quelle/Source: Vertigo)

V – Heiligt der Zweck alle Mittel?

Das ist die zentrale Frage in V for Vendetta von Alan Moore (meine Ausgabe: DC, 2015). Nach dem Dritten Weltkrieg hat die faschistische Nordfeuer-Partei die Macht übernommen und England in einen totalitären Staat verwandelt. V, ein Anarchist und Terrorist in Guy Fawkes-Maske, kämpft im Alleingang gegen das Regime. Und dabei ist ihm jedes Mittel recht. Während der Leser natürlich mit dem Ziel des Umsturzes sympathisiert, strapaziert V durch seine massive Gewaltanwendung – auch gegenüber Unschuldigen – das anfängliche Wohlwollen. Und genau in diesem Spannungsfeld des Utilitarismus liegt die Faszination des Comics.

V – Does the end justify all means?

That is the central questions in V for Vendetta by Alan Moore (my edition: DC, 2015). After the Third World War, the fascist Norsefire Party has seized power and turned England into a totalitarian state. V, an anarchist and terrorist who is wearing a Guy Fawkes mask, is single-handedly fighting the regime. And he uses all possible means. While the reader of course sympathises with his goal to overthrow the status quo, V’s use of violence – also against innocents – soon puts a strain on the initial goodwill. And it is exactly this utilitarian conflict that makes V such a fascinating comic.

Formatumstieg bei Ex Machina

English (original) version below

ex_machina_v1Ich hatte mir den ersten Band von Brian K. Vaughans Ex Machina in der 2005er Version gekauft. Als nach dem ersten Lesen klar war, dass ich unbedingt den Rest der Geschichte brauche, bin ich auf die fünf- statt zehnbändige Sammelausgabe von Vertigo umgestiegen. Das war einfach billiger.

Ansonsten hat sich nichts geändert. Die Story bleibt faszinierend bis zuletzt. Besonders cool fand ich Brians und Tonys eigenen Auftritt in Book Four, als der Autor und der Künstler den Auftrag bekommen, das Leben von Bürgermeister Hundred in einer Comic-Biografie festzuhalten. Ich liebe solche Verquickungen zwischen der fiktiven und der realen Welt.

Changing format for Ex Machina

ex-machina-bk-4_I had bought the first volume of Brian K. Vaughan’s Ex Machina in the 2005 version. After it became clear that I urgently needed the rest of the story, I switched from the ten- to five-volume collection by Vertigo. That was simply cheaper.

Otherwise, nothing has changed. The story remained fascinating to the end. I especially liked Brian’s and Tony’s own appearance in Book Four, when the author and the artist are charged with creating Hundred’s biography in a comic. I just love such ties between the fictional and the real world.

Der Gott aus der Maschine

exmachinaDiesmal bin ich meinem Vorsatz treu geblieben, eine Comic-Serie erst dann anzufangen, nachdem sie bereits abgeschlossen ist. Ex Machina: The First Hundred Days, als Sammelband bei DCs Vertigo erschienen, bündelt die Hefte #1-5 von Brian K. Vaughans Serie über einen Superhelden der zum Bürgermeister von New York wird. Die Handlung springt dabei zwischen den Zeiten hin und her, von Mitchell Hundreds Kindheit, über seine Superhelden-Genese bis zum Beginn seiner Amtszeit. Wie nicht anders zu erwarten, hat mich Vaughans SciFi-Politthriller voll gepackt. Der Rest der Serie ist bestellt und ich werde sicher wieder berichten.

The god from the machine

I stuck to my resolution this time to only started reading a comic book series after it has been printed in its entirety. Ex Machina: The First Hundred Days, published under DC’s Vertigo imprint, collects issues #1-5 of Brian K. Vaughan’s series about a superhero turned mayor of New York. The story jumps between different timelines, from Mitchell Hundred’s childhood to his superhero genesis and the beginning of his term of office. Vaughan’s scifi political thriller gripped me from the start, as was to be expected. The rest of the series has been ordered and I’m sure I’ll give you an update on it soon.