Manche Angeber sind tatsächlich nur unfähig

Zuggespräch neulich in der Kinzigtalbahn:

union-jackIch hasse diese Leute, solche Angeber, die in deutschen Sätzen immer englische Worte einbauen müssen. Oft ist das totaler Nonsens.

Lateinische Lehnwörter scheinen also in Ordnung zu gehen.

Ich nutze relativ oft englische Wörter in meinen deutschen Alltagssätzen. Das liegt aber nicht daran, dass ich damit angeben möchte, sondern weil mir schlicht und einfach das passende deutsche Wort in dem Moment nicht einfällt. Wenn man englische Bücher und Filme konsumiert und zudem auf der Arbeit nur mit dieser Sprache zu tun hat, ist das halt so. Meine schwindende deutsche Ausdrucksfähigkeit war einer der Gründe, warum ich diesen Blog angefangen habe.

Also, lieber Mitreisender, nicht jeder Nutzer von Anglizismen ist ein Angeber. Manche sind einfach nur unfähig.

Ein halbes Stündchen Kunst

20160818_141053[1]

Wenn man das Ausstellungsplakat gefunden hat, ist man am richtigen Eingang

Wer sich in der Nähe des Frankfurter Hauptbahnhofs aufhält, und plötzlich ein halbes Stündchen Zeit hat, der kann sie perfekt mit dem Besuch der wechselnden Kunstausstellungen im Art Foyer des City-Hauses (separater Eingang direkt zur Friedrich-Ebert-Anlage) bei der DZ Bank verbringen.

20160818_141200[1]

Der Weg hinauf ins Art Foyer

Bis zum 27.8.16 läuft dort im Moment noch die Ausstellung „Zurück in die Zukunft der Fotografie“. Ich war zu einer späten Mittagspause dort und die ganze halbe Stunde völlig allein mit der Kunst. Zu jeder Ausstellung gibt es eine Broschüre, in der man Hintergrundinformationen zu den Künstlern und den Werken findet. Bei der aktuellen Ausstellung war ich sehr überrascht, wie abstrakt viele der fotografischen Werke sind. Die Entwicklungsgeschichte (Wortspiel intendiert) spielt dabei oft eine viel größere Rolle als das eigentliche Motiv.

20160818_141620[1]

Helena Petersen – aus der Serie „Pyrographie“. Die Bilder enstehen in einem Schießstand, wo das Mündungsfeuer einer Waffe das Fotopapier belichtet.

20160818_143009[1]

Torben Eskerod – aus der Serie „Damaged Portraits“. Eine Flut hat die Werke des ‚ganz normalen‘ Portraitfotografen unter Wasser gesetzt. Er hat sie feucht eingelagert und als er sie wieder herausholte, waren sie verschimmelt. Diese teils monströs verunstalteten Gesichter hat er dann wieder abgelichtet.

20160818_143431[1]

Alexander Endrullat – Aufnahme von Dresden mit selbstgebauter Lochkamera. Danach mit „nicht vorgesehener“ Chemikalie entwickelt, die für solch schöne Vefärbungen sort.

Der Eintritt ins Art Foyer ist frei. Geöffnet hat es Dienstag bis Samstag von 11-19 Uhr.

Eine botanische Familiensaga

seedScarlett Thomas schreibt mit The Seed Collectors, erschienen bei Canongate, eine botanische Familiensaga. Am Anfang und am Ende steht ein Stammbaum, der durch diverse Enthüllungen im Laufe der Geschichte verändert wird. Die wird aus der Sicht verschiedener Mitglieder der Gardener Familie und ein paar Außenstehender erzählt, inklusive eines Rotkehlchens. Während die Geschichte in der Realität verankert ist, ist sie durchzogen (genauso wie Thomas Sprache) mit Übertreibungen, Humor, dem Unglaublichen, ja dem Fantastischen. Das einzige Manko ist der Sex. Die Männer sind aggressiv, die Frauen träumen von Vergewaltigung. Bei einem ansonsten so einfallsreichen Roman, hätten Thomas wahrlich innovativere Spielarten einfallen können.

A botanical family saga

With The Seed Collectors, published by Canongate, Scarlett Thomas writes a botanical family saga. A family tree stands at the beginning and at the end, which undergoes a transformation through revelations throughout the course of the tale. This is related by various members of the Gardener family and some external characters, including a robin. While the setting is grounded in reality, it is imbued (together with Thomas’ language) with exaggerations, humour, the unbelievable and the fantastic. The only drawback is the sex. Men are aggressive, women dream of rape. In an otherwise incredibly inventive novel, Thomas could truly have thought up a few more innovative varieties.

Zwischenstation in Deal

Deal1

Pier

Auf der Rückreise aus dem Lake District-Urlaub im letzten Jahr sind wir gut durchgekommen und hatten entsprechend noch etwas Zeit, bevor wir die Fähre in Dover besteigen mussten. Zum Mittag haben wir also eine längere Pause in Deal eingelegt. Nettes kleinen Hafenstädtchen – mit einem denkmalgeschützten Pier aus den 1950ern.

Bilder von mrs.bananabrain und mir.

Whistle stop in Deal

Möwe / Seagull

Möwe / Seagull

On our journey back from last year’s holiday in the Lake District, we made good progress on the motorways and thus had some time to spare before boarding the ferry in Dover. We decided to have a longer lunch break in Deal. Quite a nice small harbour town – with a listed pier from the 1950s.

Pictures are by mrs.bananabrain and me.

Auf Lachempfehlung hin gelesen

Vor einiger Zeit saß ich im Zug, neben einer lesenden Frau. Die fing plötzlich lauthals an zu lachen – und hörte einfach nicht mehr auf. Kaum hatte sie sich ein bisschen beruhigt, die Tränen weggewischt, so dass sie ein paar Zeilen weiterkam, ging der Lachkrampf weiter. Sie hat sich dann bei mir entschuldigt.

„Sie brauchen sich doch dafür nicht zu entschuldigen. Sie müssen mir nur verraten, was sie da gerade lesen.“

KerkelingEs war Ich bin dann mal weg von Hape Kerkeling. Als ich das Buch dann bei einem Flohmarkt entdeckte (bei dem ich schon Tschik erstanden hatte), musste ich natürlich gleich zuschlagen. Und ja, ich habe viel gelacht, wenn auch nicht laut und öffentlich (das ist mir bisher nur bei irgendeinem Terry Pratchett – natürlich auch im Zug – passiert), aber amüsiert habe ich mich trotzdem köstlich. Neben Kerkelings wundersamen Begegnungen auf dem Jakobsweg, erfährt man mehr über den Künstler, seine Ansichten und einiges Biographisches. Das Buch ist natürlich was für Fans von Hapes Humor, sollte aber auch von jedem gelesen werden, der sich auf große Pilgerfahrt begeben möchte. Besser man ist gewarnt …

Naive Regionalbahnreisende

Ein junges Pärchen besteigt den RE 50 in Frankfurt Süd. Als sie die Treppe herunterkommen, fragt er sie ganz rührend: „Oder willst du lieber an einen Tisch?“

Sorry, solchen Firlefanz können wir uns hier nicht leisten.

P1080732

Die hessichen REs sind eher spartanisch ausgelegt (s. z.B. auch fehlende Ausklapptische an den Rückseiten der Sitze).

Naive regional train travellers

A young couple boards the RE 50 in Frankfurt Süd. As they are coming down the stairs, he asks her considerately: “Or do you rather want to sit at a table?”

Sorry, we cannot afford such frippery here.

Bristol: MShed und Aquarium

20160801_115046[1]

Seehunde …

Auf dem Weg zurück aus dem Lake District, habe ich mir ein bisschen Zeit gelassen. Zwischenstation habe ich unter anderem in Bristol gemacht, wo ich das Aquarium und die MShed, sozusagen das Stadtmuseum, besichtigt habe.

Bristol: MShed and Aquarium

20160802_101643[1]

I took my time to get back from the Lake District. I stopped for a day in Bristol, for example, visiting the Aquarium and MShed, the local museum.

Mal wieder mit Verspätung zum Kultroman gekommen

Am Wochenende habe ich nach einem Museumsbesuch bei einer Umfrage teilgenommen. Eine Frage dabei war, ob ich unter meinen Freunden immer die erste sei, die neue Trends, kulturelle Neuigkeiten usw. entdeckt. Definitiv nicht!

tschikGerade bei Kultbüchern bin ich oft spät dran. In die Harry Potter-Romane bin ich zum Beispiel erst nach der Erscheinung von Band 4 im Taschenbuch eingestiegen. A Song of Ice and Fire habe ich erst vor zwei Jahren gelesen, obwohl mir diverse Freunde die Romanreihe schon vor über einem Jahrzehnt ans Herz gelegt hatten. Von Tschik von Wolfgang Herrndorf habe ich auch erst mit einiger Verspätung in einem Forum erfahren. Die Empfehlung klang ganz gut, aber die Beschreibung als Kultroman für Jugendliche hat mich dann doch erst mal wieder vom Kauf abgehalten. Dann habe ich das Buch auf einem Flohmarkt als Taschenbuch (Rowohlt, 2012) gefunden und doch zugeschlagen.

Und was soll man sagen? Das Buch verdient tatsächlich all das Lob, mit dem es überschüttet wurde. Der Tschik ist ein Abenteuerroman, ein Roadmovie mit skurrilen Begegnungen, eine Geschichte über die Jugend, und trotzdem bei weitem nicht nur was für Jugendliche. Ich bin total auf den Film gespannt, denn ich glaube bei Fatih Akin ist der Stoff in guten Händen.