Lake District XXI: Whitehaven

Zeugnis alten Glanzes / Remains of former glory

Etwas heruntergekommener Charme gepaart mit schönen Dingen auf dem Pflaster – so präsentiert sich Whitehaven. An unserem Ausflugstag in die Küstenstadt hat es geregnet; ich bin mir sicher bei Sonnenschein sieht das alles gleich ein bisschen freundlicher aus. Wir haben zwei Museen besucht: The Beacon (Regionalmuseum) und The Rum Story (über die Geschichte des Rums). Die wärmste Empfehlung gibt es allerdings für Michael Moons Antiquariat. Man sollte Zeit für die Expedition in den L-Space mitbringen – und für ein nettes Gespräch mit Michael.

Lake District XXI: Whitehaven

A bit of derelict charme paired with beautiful ornaments on the pavement – that is how Whitehaven presented itself. It rained while we were there, and I’m sure it all looks a lot more welcoming in the sunshine. We visited two museums: The Beacon and The Rum Story. The warmest recommendation comes for Michael Moon’s Bookshop, though. You should bring along some time for an expedition into L-space – and for a wide-ranging chat with Michael.

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Schlimmer geht immer

Der Bahnhof in Steinau an der Straße

Wie oft habe ich mich nicht schon über fehlende Durchsagen an meinem Heimatbahnhof beschwert. Dass es immer schlimmer sein kann, durfte ich am Montag in Steinau an der Straße erleben. Während in Wächtersbach oft eine akustische Information zu Änderungen im Zugfahrplan (=Verspätungen) fehlt, gibt es in Steinau gar keine Ansage. Nicht mal das automatische „Vorsicht, ein Zug fährt durch“, ganz zu schweigen vom üblichen „Auf Gleis X erhält Einfahrt …“  Der vor-sich-hin-träumende Reisende steht also völlig unvorbereitet am Gleis und wird vom vorbeirauschenden ICE genauso überrascht, wie vom pünktlich einfahrenden RE nach Frankfurt.

Winterwald

Dramatischer Himmel über dem Winterwald

Seit gestern liegt fast in ganz Deutschland Schnee. Bei uns im Vogelsberg hat es schon etwas früher geschneit, deshalb hier ein paar Eindrücke von einem Spaziergang durch den Winterwald am Samstag. Mittlerweile ist der Schnee um einiges höher – aber gestern war es einfach drinnen viel gemütlicher. Einen Schneemann hätte ich gerne nach dem Schneeschippen noch gebaut, aber der Schnee war zu pulverig. So hat es nur für drei kleine Schneegeister gereicht.

Großartige kleine Welten

Die Phantastische Bibliothek Wetzlar gibt regelmäßig Kürzestgeschichten in ihrer Reihe „Phantastische Miniaturen“ heraus. Dem Leser werden dabei auf engstem Raume eine Vielfalt unterschiedlichster phantastischer Welten präsentiert. Der 5. Band der Reihe (September 2013) passt dazu thematisch besonders gut. In Nanowelten, herausgegeben von Thomas Le Blanc, dreht sich alles um ganz besonders kleine Dinge.

Neben den zu erwartenden düsteren Geschichten über mögliche Gefahren der Nanotechnologie, gibt es tatsächlich viel Witziges zu entdecken – allen voran Troys verräterische Nano-Pigmentos in André Lautenbachers „Disconight“ und der „Lesefehler“ von Alexander Röder – und natürlich Einblicke in winzig kleine Welten. So bekämpfen „Rote Ritter“ im gleichnamigen Beitrag von Friedhelm Schneidewind Krebszellen, die sich in einer weiteren Geschichte des Autors („Mini-Demokratie“) als Mini-Vampire herausstellen. Auf die Spitze des Miniaturisierens treibt es Karl-Ulrich Burgdorf mit seinem „Beitrag aus der Nanowelt“, der nur mit einem Nano-Lesegerät oder einer speziellen Nano-App gelesen werden kann.

Trotz Kürze und Thema: in den Nanowelten finden sich einige sehr große Geschichten. Wer die Bibliothek besucht, sollte sich unbedingt ein Exemplar sichern! Alternativ kann man die Bände auch per E-mail bestellen.

Gebrochenes Arztgeheimnis

Letztens bin ich mal wieder im ICE fremdgefahren. Der Zug war ziemlich voll, aber ich habe noch einen Sitzplatz im Ruheabteil ergattert. Statt auf dem Laptop rumzuklappern, hole ich also mein Buch raus. Ein geplantes Telefongespräch führe ich außerhalb des Abteils.

Wieder drinnen angekommen, wundere ich mich über die fast gespenstische Stille. Eigentlich funktioniert das doch nie mit der Ruhe. Kaum gedacht, klingelt ein Handy. Eine Frau ein paar Sitze weiter geht dran und führt ihr Gespräch in ganz normaler Lautstärke – was bei der Ruhe bedeutet, dass ihre Stimme bis in den letzten Winkel des Abteils zu hören ist.

Arztbefund im Zugabteil

Es beschwert sich auch keiner wegen Ruhestörung, wir sind alle ganz entspannt. Allerdings sollte das der Gesprächspartner der Dame nicht unbedingt sein. Die Frau ist Ärztin und gibt einem Patienten, dessen Namen wir alle verstanden haben, einen Befund durch. Wir wissen also nicht nur, wie der Mann heißt, sondern auch, wie es um seine Gesundheit bestellt ist.

Manchmal wünschte ich, ich wäre dreister. Dann hätte man sich das Handy schnappen können und Herrn X „Gute Besserung, auch vom Rest des Abteils!“ wünschen können. Vielleicht hätte der ein oder andere auch noch einen Hausmittelchen-Tipp parat gehabt.

Lake District XX: St Bees

Am Strand von St Bees

Während meine Reisegefährten bei mäßiger Sicht in den Bergen im Wasdale herumkraxelten, bin ich an den Strand von St Bees gefahren. Nach einem kurzen Abstecher zu den Felsen rechts der befestigten Promenade, merkte ich schnell, dass die Flut auf dem Vormarsch war, so dass ich den Spaziergang – über die sowieso superglitschigen Steine – früh wieder abbrach. Stattdessen habe ich oben auf einer Bank gesessen, ein Picknick gemacht, mir die Sonne auf den Pelz scheinen lassen und dem Meeresrauschen gelauscht.

Ich habe keinen Stein aufgehoben, bin nicht losmarschiert und habe ihn nicht nach über 300 km in Robin Hood’s Bay wieder ins Meer fallen lassen. Aber ich kenne eine Bloggerin, die es schon zweimal getan hat!

Lake District XX: St Bees

While my travelling companions were climbing into the coulds in the mountains of Wasdale, I drove to the beach at St Bees. During a short stroll on the super slippery stones on the right-hand side of the promenade, I soon realised that the tide was coming in, so that I returned to the beach quite quickly. I sat on a bench instead, had a picknick, enjoyed the sun and listed to the crashing of the waves.

I did not pick up a stone, did not start a hike and didn’t drop the stone over 300 km later into the sea at Robin Hood’s Bay. But I know a blogger who’s done it – twice!

 

Vergessener Sandman

Es ist schon eine ganze Weile her, da habe ich den ’neusten‘ Sandman-Comic (die Deluxe-Ausgabe erschienen 2015 bei Vertigo) von Neil Gaiman gekauft. Der landete dann irgendwie nicht auf meinem Stapel mit ungelesenen Büchern. Aus den Augen, aus dem Sinn – auch wenn ich mir nicht ganz erklären kann, wie ausgerechnet die Fortführung meiner absoluten Lieblingscomicreihe so in Vergessenheit geraten konnte.

Zum Glück bin ich ja wieder drüber gestolpert, habe dabei aber nicht wirklich auf den Titel geachtet. Das letzte Lesen der Reihe war schon ein paar Jahre her, so dass ich freudig das ganze Abenteuer von vorne begann (so dachte ich jedenfalls), bevor ich mich dem neusten Band widmete.

Die Reihe fängt damit an, dass Traum (aka Dream, Morpheus, Oneiros …) – einer der neun Ewigen – von einem okkulten Zirkel gefangen gesetzt wird – versehentlich, wie sich herausstellt, da sie eigentlich seine Schwester Tod einfangen wollten. Die weiteren Geschichten entspinnen sich dann um die Probleme im Traumreich und in der realen Welt, die entstehen, wenn der Herrscher der Träume nicht anwesend ist, und um die Rekonstruktion des Reiches nach Morpheus Entkommen aus der Gefangenschaft.

Der neue Band, The Sandman: Overture, setzt natürlich vor der Reihe an. Hier wird erklärt, wie es überhaupt dazu kam, dass Morpheus gefangen genommen werden konnte. Gaiman nimmt uns wieder mit auf eine phantastische Reise, diesmal auch in die Träume ferner Galaxien. Er erzählt im Vorwort, dass er eine Geschichte geschrieben habe, die unmöglich zu illustrieren war – und doch ist es J.H. Williams III gelungen, das Unmögliche glaubhaft und in wunderschönen Farbexplosionen aufs Papier zu bringen. Man muss das Buch einige Male beim Lesen drehen und größere Bildtafeln aufklappen. Die Deluxe-Ausgabe hat zum Schaffensprozess außerdem noch einige Extras parat.

Im Endeffekt war es gar nicht schlimm, dass ich die Ouvertüre erst nach der Reihe gelesen habe. Denn so habe ich mir die Überraschungen, die neuen Charaktere, das Beste bis zum Schluss aufgehoben. Wer den Sandman noch nicht gelesen hat: unbedingt nachholen!

Forgotten Sandman

It’s been a while since I bought the ‚latest‘ Sandman comic (the Deluxe Edition was published by Vertigo in 2015) by Neil Gaiman. It somehow did not land on the ‚unread‘ pile and was forgotten – though I cannot for the life of me say how that happened to the newest addition to my absolute favourite comic series.

Fortunately I stumbled over it again, just didn’t really read the title. It’s been a few years since I (re-)read the series so that I started the whole adventure from its beginning (or so I thought) before turning to the new instalment.

The series starts with the capture of Dream (aka Morpheus, Sandman, Oneiros …) – one of the nine Endless – by an occult circle. He is imprisoned by mistake, as they originally targeted Dream’s sister Death. The story that unfolds tells about the problems that arise from the absence of the Lord of Dreams in his realm as well as in the real world, and about the reconstruction of the realm after Morpheus escapes his prison.

The new volume, The Sandman: Overture, takes place before the series, of course. It explains how it was possible to capture Morpheus in the first place. Gaiman takes us on a fantastic journey, including into dreams of other galaxies. In the foreword, he says that he has written a story which is impossible to illustrate – and yet J.H. Williams III managed to create the impossible with believable and colourful explosions on paper. You have to turn the book around several times to read it and to open up larger picture panels. The Deluxe Edition also features additional material on the creative process.

In the end, it wasn’t bad at all that I’d read the overture after the series. That way, I saved the surprises, the new characters, the best for last. If you have not read The Sandman yet: go get it now!

Cover Detail The Sandman: Overture #5 (Quelle/Source: Vertigo)

Wegen Langsamkeit beim Zuglotto gewonnen

Neulich am Frankfurter Hauptbahnhof.

Wir sitzen schon im RE 50 mit Abfahrt 18:26 Uhr – heute auf unbestimmte Zeit verspätet, wegen eines Lokschadens. Gerade als wir den Aufprall des neuen Triebfahrzeugs vorne spüren, kommt die Durchsage: „Der nächste Zug nach Wächtersbach fährt um 18:47 Uhr [sic!]*, heute voraussichtlich um 19:02 Uhr.“

Interessant, denke ich, dabei haben wir doch bereits eine neue Lok vorne festgezurrt. Naja, ich packe dann doch langsam meine Sachen zusammen. Viele sind schon ausgestiegen, um zur Regionalbahn zu gelangen, ich ziehe mir gerade die Jacke an, als ein Pfiff ertönt und der Zug losfährt – um 18:55 Uhr.

Gut, dass ich so langsam war. Hat mir diesmal den Sieg eingebracht, beim Zuglotto.

 

*eigentlich 18:42 Uhr

Eine (fast) tragische Liebesgeschichte

Am Wochenende war ich auf dem Tolkien Lesefest der Deutschen Tolkien Gesellschaft in der Phantastischen Bibliothek in Wetzlar. Unter dem Motto: „Die Leiden des jungen Tolkien“ drehte sich dort alles um die Geschichte über den Sterblichen Beren, der sich in die Unsterbliche Lúthien verliebt – und wie Tolkien seine eigene (fast) tragische Liebesgeschichte dazu inspiriert hat.

Es gab eine Komplettlesung einer frühen Fassung der Geschichte aus der in diesem Jahr erschienen Textsammlung Beren und Lúthien, herausgegeben von Christopher Tolkien. Die Sammlung, im Original erschienen bei Harper Collins, beinhaltet mehrere (Teil-)Fassungen, teils in Versform. In der deutschen Ausgabe von Klett-Cotta ist somit zum ersten Mal ein Teil der Lays of Beleriand (The History of Middle-earth III) in deutscher Übersetzung erhältlich. Ein Leser, der rein auf die Geschichte aus ist, ist wohl mit der Zusammenfassung im Silmarillion immer noch besser bedient (oder natürlich mit dem epischen Gedicht aus den Lays, sofern er des Englischen mächtig ist). Aber alle die, die die Entstehung und Entwicklung einer Geschichte faszinieren – oder Illustrationen von Alan Lee lieben – machen beim Kauf des Buches nichts falsch. Ich fand zum Beispiel besonders spannend, dass Beren in der ersten Fassung noch ein Elb war. Die Änderung zum Sterblichen macht die Geschichte am Ende viel dramatischer.

Fantastische Miniaturen

Beim Lesefest gab es übrigens noch einen Vortrag zu Tolkiens Leben, mit Fokus auf der Begegnung und der sich entspinnenden Liebesgeschichte mit Edith. Außerdem konnte man Miniaturen bemalen, Mittelerde-Spiele ausprobieren, einen Zeichenworkshop absolvieren, ein Quiz bestreiten – oder sich ganz einfach im L-Space der Phantastischen Bibliothek verlieren. Wenn alles klappt, findet im nächsten Jahr wieder ein Tolkien Lesefest dort statt. Ich freue mich schon!