Überraschungsbesuch im RB 55

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Kurgäste aus Hanau Wilhelmsbad kamen vielleicht gerade noch so in den Zug hinein.

Am Montag durften sich ganz viele Menschen im RB 55 über den spontanen Besuch von hunderten Pendlern aus dem Kinzigtal freuen. Denen war nämlich der RE 50 mit (relativ pünktlicher) Ankunft um 8:07 Uhr in Hanau der Zug unter dem Arsch verreckt. „Wegen eines Triebwerkschadens hat unser Zug einige Minuten Verspätung“, sagte uns der Schaffner nach mehr als einigen Minuten Verspätung. Wann es in etwa weitergehen würde, blieb unbekannt. Dafür bekamen wir den Hinweis: „Der nächste Zug nach Frankfurt Süd fahrt um 8:29 Uhr von Gleis 102.“ Worauf die Menge aus dem laaaangen RE 50 Doppelstöcker losmarschierte und den armen kurzen RB 55, einstöckig, kaperte … Ab Maintal Ost passte keine Maus mehr in den Zug und einige Pendler in den Stationen danach blieben ob der fremden Menschenmassen im heimischen Zug verdutzt am Bahnsteig zurück.

Lake District XIII: Rydal Mount

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Rydal Mount

Ich dachte, ich gebe Euch mal die schnelle Tour, nachdem ich Rydal Mount in meiner Notiz zu Dorothy Wordsworths Grasmere Tagebuch erwähnt habe. Das Haus ist definitiv ein Upgrade im Vergleich zu Dove Cottage. Mit Blick auf die Seen Windermere und Rydal Water, bot das Haus viel mehr Platz für die Familie Wordsworth. William legte selbst den wunderschönen Garten an.

Lake District XIII: Rydal Mount

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Dorothy Wordsworths Bett hat supercoole Beine / Dorothy Wordsworth’s bed has the coolest legs

Thought I’d give you the tour of Rydal Mount after mentioning it in my latest note on Dorothy Wordsworth’s Grasmere Journal. The dwelling is definitely a step up from Dove Cottage. Overlooking both Lake Windermere and Rydal Water, it offered far more space for the Wordsworth family. William designed the beautiful gardens.

Bilder von / Pictures by mir/me, mrs.bananabrain and khorazîr

Hinter den Kulissen bei Wordsworths

dorothyBei meinen Ausflügen im Lake District habe ich sowohl Dove Cottage als auch Rydal Mount besucht, zwei ehemalige Wohnsitze von William Wordsworth und seiner Familie. Seine Schwester Dorothy war ein wichtiger Bestandteil dieser Familie, und sie führte ein Tagebuch des Kommens und Gehens im Hause, der Wanderungen, der Besucher, was die Nachbarn so anstellten. Sie beschreibt das Leben im Dove Cottage in ihrem Grasmere Tagebuch (The Grasmere and Alfoxden Journals. Oxford UP, 2002). Ich gebe zu, dass ich mir mehr davon versprochen habe, längere Geschichten oder Anekdoten, aber leider bleiben Dorothys Einträge meist sehr kurz. Was mich hauptsächlich bei der Stange bleiben hat lassen, war Dorothys Eigenständigkeit und, dass ich mit ihr zusammen wieder auf Wanderschaft gehen konnte, bei einer Runde um Grasmere oder Rydal Water oder beim Aufstieg aufs Loughrigg Fell.

Behind the scenes at Wordsworths

Dove Cottage

Dove Cottage

On my tours through the Lake District, I visited both Dove Cottage and Rydal Mount, two dwellings once occupied by William Wordsworth and his family. His sister Dorothy was an integral part of that family, and she kept a diary of the comings and goings, the hikes, the visitors, what the neighbours were up to. You can find out a lot about life in Dove Cottage in her Grasmere Journal (The Grasmere and Alfoxden Journals. Oxford UP, 2002). I admit to having had higher hopes in terms of actual stories and anecdotes unfolding but Dorothy tended to keep her entries short. What kept me going was mostly Dorothy’s independent spirit and the fact that I could walk alongside her on her strolls, imagining myself back on a round of Grasmere, Rydal Water or a hike up Loughrigg Fell.

Machtvolle Durchsage

Ich habe ja schon mal erwähnt, dass wir ziemlich coole Schaffner auf der Strecke haben. Neulich war einer mal wieder besonders unterhaltsam.

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Da hinten steht er irgendwo – und kommt nicht rein.

Wir stehen direkt vor dem Frankfurter Hauptbahnhof, in der langgezogenen Kurve kurz nach der Brücke über den Main. Nach 15 Minuten Stillstand kommt die Durchsage:

„Wie Sie und ich gemeinsam festgestellt haben, sind wir aus einem mir noch unbekannten Grund zum Halten gekommen. Sobald ich weitere Informationen von der Transportleitung habe, gebe ich Ihnen Bescheid.“

Kaum hat er den Satz zu Ende gesprochen, fährt der Zug weiter. Prompte Rückmeldung:

„Der Fehler lag wohl bei mir. Ich hätte die Durchsage einfach früher machen sollen.“

Lake District XII: Seathwaite Tarn

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Der Weg zur Staumauer / Ascent towards the dam

Letztes Jahr sind wir von unserem Ferienhaus im Duddon Valley zum Seathwaite Tarn, einem Stausee, spaziert. Der nicht vorhandene Pfad beim Anstieg auf das Brim Fell ist so mit das steilste, was man im Lake District erwandern kann. Zurück zum Ferienhaus ging es dann über die Walna Scar Road.

Lake District XII: Seathwaite Tarn

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Wunderbarer Blick auf … Sellafield / Wonderful view of … Sellafield

Last year, we walked from our holiday cottage in Duddon Valley to Seathwaite Tarn, a water reservoir. The non-existent path up towards Brim Fell is one of the steepest ascents you can walk in the Lake District. The way back to the cottage was by the Walna Scar Road.

Bilder von / Pictures by mrs.bananabrain and me.

Geschichten sind keine sicheren Orte

triggerwarningIn der Einleitung zur Kurzformatsammlung Trigger Warning spricht Neil Gaiman über Triggerwarnungen für fiktionale Texte. Er und ich sind uns darin einig, dass Geschichte keine sicheren Orte sein sollten; dass sie uns ab und zu herausfordern (s. auch Tolkiens Ansichten dazu), dass sie unbehaglich sein, ja sogar Albträume verursachen sollten. Man muss einigen Dingen einfach unvorbereitet begegnen, wie sonst sollte man seinen Horizont erweitern? Das heißt nicht, dass man das gelesene mögen muss. Ich habe Bret Easton Ellis American Psycho zwischendurch mal an die Wand geschmissen. Ich habe das Buch wieder aufgehoben und mich durchgequält, bis ans Ende. Ich habe die Erfahrung gemacht – und weiß, dass ich sie nicht wiederholen möchte.

Gaimans Welten, egal wie düster, würde ich jederzeit wieder betreten. Man muss die Fragebogen-Geschichte „Orange“ einfach lieben. Und ich hatte ein ähnliches Gefühl bei einer Übernachtung in einem heruntergekommenen Bed & Breakfast in Marlborough, wie das was in „My Last Landlady“ heraufbeschwört wird. Ich hatte viel Vergnügen auch beim zweiten Lesen von „The Sleeper and the Spindle“, welches gleich zwei Märchen neu erzählt, beim Sherlock Holmes-Abenteuer „The Case of Death and Honey“ … Eigentlich könnte ich hier alle aufzählen.

Fiction is not a safe place

In the introduction to the short story collection Trigger Warning, Neil Gaiman talks about his view on trigger warnings for works of fiction. He and I very much agree that stories should not be safe places; that they should challenge us from time to time (cf. also Tolkien’s view on that), make us uncomfortable, even carry nightmares. You need to encounter some things unprepared, how else do you expect to broaden your horizon? It does not mean that you have to like what you read. I threw Bret Easton Ellis’ American Psycho against a wall at some point. I picked it up again and plowed through to the end. I had the experience – and knew I would not want to repeat it.

Now, Gaiman’s worlds, no matter how dark, I am willing to enter any day. Simply got to love the questionnaire story “Orange”, had a similar feeling staying in a run-down B&B in Marlborough at some point as that evoked in “My Last Landlady”, enjoyed a re-read of the retelling of two fairy stories in “The Sleeper and the Spindle”, the Sherlock Holmes adventure “The Case of Death and Honey” … I could name them all, really.

Verwirrung nach dem Downgrade

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Heute kein außerplanmäßiger Halt in Wächtersbach (Blick auf das Schloss)

Neulich im RE 50, kurz nach einer noch pünktlichen Abfahrt am Bahnhof Wächtersbach: „Eine Durchsage der Betriebsleitung: Ab Wächtersbach halten wir an allen Zwischenhalten.“ Der Zug wird also zum RB heruntergestuft, was den Schaffner irgendwie ein bisschen verwirrt. Kurz vor der Einfahrt in den Hauptbahnhof Frankfurt sagt der nämlich: „Wir haben zurzeit 20 Minuten Verspätung wegen außerplanmäßigen Zwischenhalten in Wächtersbach und Hanau.“

Kurzer Hinweis für alle, die nicht regelmäßig durch das Kinzigtal pendeln: Wächtersbach und Hanau stehen sowohl beim RE als auch bei der RB immer auf dem Halteplan. Die außerplanmäßigen Halte waren Wirtheim, Haitz-Höchst, Hailer-Meerholz, Niedermittlau, Rodenbach und Wolfgang – aber die Liste war dem Schaffner vielleicht einfach zu lange.

Die Erste nach dem Lake District

20161023_145352… ist immer ein bisschen deprimierend. Ich spreche von der ersten Wanderung zurück in heimischen Gefilden. Irgendwie fällt es mir da immer schwer, die Schönheit des Vogelsbergs zu entdecken. Man soll ja Äpfel nicht mit Birnen vergleichen, aber lustig finde ich es irgendwie schon, dass die Berge hier fast genauso hoch sind, wie im Lake District. Nur ist der Abstieg ins Tal nicht so weit. Das macht das Wandern leichter, dafür die Landschaft aber einfach nicht so spektakulär.

Krimi-Ausflug mit King

mr-mercedesMr. Mercedes?“ fragt mich ein Bekannter beim Lesen des gleichnamigen Werkes von Stephen King. „So wie ich King kenne, rast da ein Verrückter mit dem Mercedes in eine Menschenmenge.“

Ja, genau so ist es. Was sich auf den ersten Blick wie typischer King’scher Horror erscheint, ist allerdings ein für den Autor eher untypischer typischer Krimi – ok, einer von denen mit ganz viel Blut. Im Laufe des Buches (meine Ausgabe: Pocket, 2015) kristallisiert sich ein Ermittlertrio heraus, das trotz aller Inkongruenzen ziemlich gut zusammenarbeitet.

Und zwar so gut, dass die drei im zweiten Band der Serie, Finders Keepers (Hodder & Stoughton, 2016), eine Privatdetektei zusammen eröffnet haben. Die Geschichte lässt sich auch ohne Vorwissen aus dem ersten Teil verstehen, wer alle Nuancen und Anspielungen verstehen möchte, der sollte den ersten Band natürlich gelesen haben.

Den zweiten finde ich tatsächlich spannender, da er das Verhältnis zwischen Autor und Leserschaft thematisiert. Der Bösewicht Morris Bellamy ist so besessen von seinem Lieblingsautor, dass er über Leichen geht, um dessen unveröffentlichte Werke sein eigen zu machen. Sein Verhältnis zum Autor und der Welt, die er kreiert hat, erinnert doch sehr an den ein oder anderen fanatischen Fan da draußen, der seine Ansprüche an eventuelle Fortsetzungen, Adaptionen etc. lautstark Kund tut. Wie schon Annie Wilkes in Misery überschreitet Bellamy dabei natürlich alle Grenzen.

Ich freue mich auf jeden Fall schon auf den dritten Teil der Reihe, End of Watch.

A walk on the crime side with King

findersMr. Mercedes?” an acquaintance asked me when he saw me reading the book of the same name by Stephen King. “The way I know my King, a crazy guy drives into a crowd of people, right?”

Right, exactly so. What seems to be a typical King horror story on first glance, is a, for the author, atypical typical crime story – admittedly one with a lot of gore. In the novel (my edition: Pocket, 2015), a detective trio is emerging that is working really well together despite its incongruences.

And they do it so well, that they have founded a private investigator’s office together by the second book of the series, Finders Keepers (Hodder & Stoughton, 2016). You can read the story without knowing the first, but those who want to understand all allusions and nuances should have read the first novel, of course.

All in all, I found the second one more compelling because it broaches the issue of the relationship between an author and his readers. The villain Morris Bellamy is so obsessed by his favourite author that he is ready to kill in order to get at unpublished material. His relationship to the author and the world he has created reminds me a lot of some fanatic fans out there who are vociferous about their demands on possible sequels, adaptations etc. Just as Annie Wilkes in Misery, Bellamy transgresses all sorts of boundaries, of course.

I am definitely looking forward to the third part of the series, End of Watch.

Das Aufwärmen von/an alten Störungen

Jetzt wo die Tage kürzer werden und wir offiziell auf Winterzeit umgestiegen sind, gibt es für alle Sommerfreunde unter meinen Lesern eine kleine (herz)erwärmende Pendler-Geschichte. Stellt Euch vor, es ist heiß da draußen, so wie am 17. Juni 2013.

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Dante und Vergil im neunten Höllenkreis (Bild von Gustave Doré, 1861)

Der RE nach Fulda fährt an diesem Abend auf Gleis 12 statt auf 6 ein. Der Einstieg fühlt sich an, wie der Abstieg in Dantes Inferno. Ein kleiner Spaziergang durch die anliegenden Waggons bestätigt den ersten Eindruck: dieser Zug besitzt keine funktionierende Klimaanlage – und natürlich auch keine Fenster zum Öffnen. Dafür ist alle sehr sauber und die Polster sind noch ganz fluffig. Es riecht auch wie in einem neuen Auto. Aber das scheint die Klimaanlage nicht zu interessieren.

„Aufgrund einer technischen Störung verzögert sich unsere Abfahrt um etwa zehn Minuten,“ sagt der Schaffner nach zehn Minuten Verspätung. Unbestimmte Zeit später wird das zu einer „schwerwiegenden Störung am Zug; unbestimmte Zeit Verspätung …“ Heute hat wohl keiner Lust auf einen Notfalleinsatz. Danke dafür!

Wir marschieren zum nächsten Zug in die Richtung, rüber zu Gleis 4. Der fährt mit funktionierende Klimaanlage und ohne Verspätung – bis Gelnhausen. Dann eine leicht panische Stimme aus dem Lautsprecher. „Dies ist der RE nach Fulda. Ich wiederhole, sie befinden sich im RE nach Fulda!“ Wir bleiben noch ein bisschen stehen, bis wir alle verstanden haben, in welchem Zug wir sitzen – und kommen irgendwann glücklich und zufrieden zu Hause an. Und wenn sie nicht an Hitzschlag gestorben sind, dann fahren sie noch heute …