32 Seiten Einblick in ein verschrobenes Autorenhirn

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9781780885421Es gab bisher erst drei Bücher die ich, einmal angefangen, vor deren Beendigung zur Seite gelegt habe. Ich bin da eigentlich recht leidensfähig (The Life and Opinions of Tristram Shandy, Gentleman…). Unter den drei gescheiterten befindet sich nun auch Steve Ponty’s Middle-earth in Magic Mirror Maps, erschienen 2014 bei Matador im Selbstverlag. Das zweite und dritte ‚Heil Hitler‘ waren einfach zu viel. Wäre das Buch so weitergegangen wie es angefangen hat, ohne die vielen Heile, hätte ich vielleicht noch ein paar Seiten mehr durchgehalten. So habe ich die Unternehmung auf S. 32 aufgegeben.

Dabei wollte der Autor doch eigentlich nur erklären, dass das walisische haul ausgesprochen wird wie das deutsche heil („as in Hitler“, S. 32). Ich habe das nach dem ersten Mal gleich verstanden. Ponty schreibt dann aber … in seiner unverwechselbaren Art … mit vielen … Auslassungszeichen … weiter:

… Haul your backpack upwards the sun (Haul) in a Third Reich (Sieg Heil!) … in exactly the same pattern as Smaug to Smeig … (nothing ‘hail’ is off to another trail altogether) … and do listen out for Frodo and Sam as they haul themselves up the mountains of The Third Reich in Germany, for we are to climb the Emyn Muil way, way, up ahead in Volume III of our Quest in the Rings, for The Taming of …

Smeagol: … we knows where, yess, yess, we knows where to climb … the Erz Gebirge of the Ore Moutains … Germanys, My Luv …
[ebd.]

Ich höre die Frage im Raum stehen, ob das ganze klarer wird, wenn man die vorhergegangenen 31 Seiten gelesen hat. Äh, nein.

Ponty möchte mit seinem Buch beweisen, dass Tolkien die Karte von Wales einfach auf den Kopf gestellt und mit dieser Vorlage die Karte von Mittelerde erschaffen hat. Das jedenfalls steht auf dem Klappentext. Aus den ersten 32 Seiten des Buches kann man dies nur bedingt herauslesen. Denn Ponty schreibt offensichtlich in allerbester stream-of-consciousness Manier. Was bei einem fiktiven Werk spannend sein kann. Bei einem Sachbuch – jedenfalls suggeriert der Verlag diese Klassifizierung – wäre es für den Leser allerdings ganz hilfreich, wenn man der Argumentation des Autors folgen könnte.

Ich zerpflücke ja eigentlich ganz gerne schlechte Texte, aber vor diesem Berg im Erzgebirge, pardon, in Wales natürlich, musste ich schlicht und einfach kapitulieren. In einer kleinen Hommage an Ponty präsentiere ich hier einfach mal ungefiltert meine Aufzeichnungen zu den ersten Seiten:

Startet mit „Legal Mumbo Jumbo“ … warum erklärt er überhaupt, dass man Zitate tatsächlich verwenden darf? … inkonsistente Groß- und Kleinschreibung … unverständlich, rätselhafte Formulierungen, Blabla … stellt seine Kartenvermutung als definitiv dar, keine reine Theorie … will nichts mit Akademikern zu tun haben, sie unterminieren … gibt zu, dass er nicht richtig zitieren kann; nennt solche Dinge idiotsyncracies … beruft sich darauf etwas lustiges schreiben zu wollen … mein persönlicher Humor nicht getroffen … Geschwafel, Wiederholung, kommt nicht zum Punkt … Heil Hitler??? Ach, scheiß doch drauf!

Man hat das Gefühl, man hangelt sich an den verschrobenen Gedankengängen des Autors entlang, die am Ende aber nur er selbst verstehen oder lustig finden kann. Es könnte sich bei der ganzen Sache tatsächlich um Satire oder eine Parodie der Tolkienforschung handeln, aber wenn dem so ist, versteht das der Leser anhand der gegebenen Signale nicht, egal ob mit oder ohne akademischem Hintergrund.

Fazit: Nur was für Kuriositätensammler. Ansonsten: Finger weg!

32-page insight into an author’s quirky brain

So far, there have only been three books in my life that once I started reading I could not finish. I can be a masochist, if needs be (The Life and Opinions of Tristram Shandy, Gentleman, anyone?). Among those three is Steve Ponty’s Middle-earth in Magic Mirror Maps now, self-published last year with Matador. The second and third ‘Heil Hitler’ were simply too much to bear. Had the book continued as it had started, without all the Heils, I may have lasted a few more pages. As it was, I threw it across the table on p. 32.

And all the author wanted to achieve was to explain that Welsh haul is pronounced like the German heil (“as in Hitler,” p. 32). I got it the first time, thanks very much. But Ponty continues … in his distinctive way … with a lot of … ellipses:

… Haul your backpack upwards the sun (Haul) in a Third Reich (Sieg Heil!) … in exactly the same pattern as Smaug to Smeig … (nothing ‘hail’ is off to another trail altogether) … and do listen out for Frodo and Sam as they haul themselves up the mountains of The Third Reich in Germany, for we are to climb the Emyn Muil way, way, up ahead in Volume III of our Quest in the Rings, for The Taming of …

Smeagol: … we knows where, yess, yess, we knows where to climb … the Erz Gebirge of the Ore Moutains … Germanys, My Luv …
[ibid.]

I can hear you asking: Is this becoming any clearer if one has read the first 31 pages. Emm, no.

With this book, Ponty wants to prove that Tolkien took the map of Wales, put it on its head and used it as a template for the map of Middle-earth. At least that is what the blurb says. You can only read this between the lines on the first 32 pages. Because Ponty uses what is quite a wonderful stream-of-consciousness technique to convey his thoughts. This can be interesting in a work of fiction. For a non-fiction book – which is at least the category suggested by the publisher – it would be helpful if the reader could actually follow the author’s arguments.

I love picking bad texts to pieces but I had to capitulate in front of this mountain in the Erzgebirge, pardon, Wales. As a small homage to Ponty, I’ll present my notes, unfiltered, on the first pages:

Starts with “Legal Mumbo Jumbo” … why does he need to explain that citations can be used legitimately in the first place? … inconsistent lower and upper case … unintelligible, cryptic wording, bla-bla … presents his conclusion on the map as definitive, not just a theory … doesn’t want to have anything to do with academics, wants to undermine them … confesses he does not know how to cite properly; calls such things idiotsyncracies … claims he wants to write something humourous … hasn’t hit my funnybone … waffle, repetition, doesn’t come to the point … Heil Hitler??? Fuck that!

You get the feeling that you get a unique insight into an author’s quirky brain, which can ultimately only be understood or found funny by himself. The whole thing could actually be satire or a parody of Tolkien research but all the signs typically understood by the reader, whether he is an academic or not, are absent.

The upshot? This work is only suitable for collectors of curiosities. If you are not one of them: hands off!

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Charme in der Straßenbahn

Freitagabend, Feierabend. Ich steige in die Straßenbahn – und bleibe direkt hinter der Tür stehen. Ein Kardinalfehler im ÖPNV, wenn man nicht der letzte Ein- und der erste Aussteiger ist. So ist es geplant. Ich fahre nur eine Station.

Die Straßenbahn hält und von hinten drückt jemand hektisch auf den noch nicht grün gewordenen Türschalter, und mir in den Rücken. Der Mann hinter mir brummt schon leise mürrisch vor sich hin. Dann hat er mich fluchend zur Seite geschoben, bevor ich aussteigen kann, da ich weiter am Rande stehe und die Tür noch nicht ganz auf ist.

„Ich wünsche ihnen auch ein wunderschönes Wochenende“, flöte ich ihm hinterher. Er dreht sich um, um meinem vermeintlichen Geschimpf mit Gegengeschimpf zu begegnen. Als er mich hinter sich charmant lächeln sieht, kommen meine Worte so langsam in seinem Hirn an. Völlig verwirrt macht sich der Mann wieder auf die Reise in den Feierabend. Gern geschehen.

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Frankfurter Straßenbahn um 1900 – damals, als die Menschen noch höflich waren

Ich sammle ab sofort Bismarcktürme

Erwandern will ich sie. Jedenfalls erst mal alle in Hessen. Auf die Idee gekommen bin ich, weil ich vor kurzem über den Blog vom Guten Bubi gestolpert bin, der sich und seine Radfahrerkollegen in einer Unendlichen Rundfahrt herausgefordert hat, alle 173 noch existierende Bismarcktürme zu erradeln.

Das klang irgendwie spannend. Warum gibt es davon eigentlich so viele? Eine Recherche, vor allem auf www.bismarcktuerme.de, brachte faszinierende Dinge zu Tage: Zwischen 1869 und 1934 wurden sage und schreibe 240 Bismarcktürme errichtet, bzw. vorhandene Bauwerke zu Bismarcktürmen umgewidmet – und das hauptsächlich auf das Betreiben von Studenten hin. Reichskanzler Otto von Bismarck wurde 1890 von Kaiser Wilhelm II. entlassen. Daraufhin entwickelte er sich zum scharfen Kritiker des Kaisers, was bei den Studenten wohl ganz gut ankam.

Bismarckhuldigung

Bismarckshuldigung, 1. April 1895, Friedrichsruh (Verlag Dr. W. Mertens & Cie., Berlin)

Zu diversen Geburtstagen empfing Bismarck studentische Gesandtschaften – und hinterließ dabei großen Eindruck. Zu seinem 80. Geburtstag wurde gar eine ‚Huldigungsfahrt‘ für 6,000 Studenten organisiert. Nach seinem Tode einigte man sich bei einer Studentenkonferenz in Hamburg darauf, ihm durch die Erbauung von Türmen im ganzen Reich ein Denkmal zu setzen. Aber mit einem einfachen Turm war es nicht getan. Der Aachener Bildhauer Christian Lehr schlug vor, Denkmäler zu errichten, von „deren Spitzen an dem geplanten Gedenktage [der 1. April, Bismarcks Geburtstag] mächtige Feuerflammen weithin durch die Nacht lodern sollten“.

Entwurf Nr 1 - Götterdämmerung von Wilhelm Kreis

Entwurf Götterdämmerung von Wilhelm Kreis

Im Dezember 1898 wurde der Aufruf an das deutsche Volk verfasst, Bismarcksäulen im ganzen Reich zu errichten. Ein Wettbewerb für geeignete Entwürfe wurde ausgerufen. Der Gewinner war die „Götterdämmerung“ vom Architekten Wilhelm Kreis. Nach dem Entwurf wurden letztlich 47 Säulen gebaut. Insgesamt wurden 410 Bismarcktürme geplant, von denen 240 realisiert wurden. 173 davon stehen noch heute, ein Dutzend davon in Hessen.

Coole Sache also. Im Radfahren bin ich gar nicht gut, und die Türme in meiner Gegend wurden beim Bubi eh alle schon erobert. Also, setzte ich mir meine eigene Herausforderung: Ich will binnen eines Jahres alle Bismarcktürme in Hessen besuchen.

Ohne mich irgendwie besonders angestrengt zu haben, kann ich bereits den ersten Bismarckturm in meine Sammlung aufnehmen, und zwar den in Schotten. Entdeckt auf dem Taufstein bei einer Wanderung auf dem Höhenrundweg, und zwar bevor ich wusste, welch faszinierende Geschichte hinter den Türmen steckt. Einen eigenen Steckbrief zum Turm, und damit den eigentlichen Auftakt der Sammlung, gibt es demnächst.

Lake District I: Achtung! Schimpfwortlastige Einleitung, Ullswater

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Ich war dann mal weg. Also, im Urlaub dieses Jahr. Im umwerfend schönen Lake District in Nordengland. So umwerfend schön, dass weder ich noch meine Reisegefährten die passenden Worte gefunden haben. Wir sind halt keine Poeten, deshalb haben wir vor Freude ziemlich oft laut geflucht. „Scheiße, ist das schön hier.“ – „Was ein asozialer Himmel.“ – „Das sieht doch schon wieder so verdammt gut aus.“ – „Verflucht und zugenäht, jetzt müssen wir schon wieder für ein Foto anhalten.“ – „Was eine verfickt geile Landschaft.“ Das Erhabene hat uns durchdrungen bis ins Mark, ganz wie damals die romantischen Dichter.

Ich versuche mich trotzdem mal an ein paar weniger schimpfwortlastigen Beschreibungen, samt Fotodokumenten; so in Häppchen, Ausflug für Ausflug. Sonst setze ich mich am Ende noch sofort in den nächsten Flieger oder Zug, und mich in den Lake District ab.

Ullswater-PostcardVoll retro ein Viertel ums Ullswater

Während meine etwas fitteren Reisegefährten an diesem Tag auf den Helvellyn kletterten (da sah es übrigens so aus), habe ich mich erst mal in den Ausflugsdampfer auf dem Ullswater eingeschifft und bin von Glenridding nach Howtown gefahren. Dort wurde ich zusammen mit einer Handvoll anderer Menschen ausgesetzt und machte mich von dort aus auf dem kleinen Wanderpfad am See entlang auf den Rückweg. Es war wunderschön (um hier weitere Schimpfworte zu vermeiden), und tatsächlich anstrengender als gedacht.

Denn anders als der Rundweg um den Buttermere, den wir einige Tage zuvor begangen hatten, verläuft der Weg nicht die ganze Zeit direkt am Rande des Sees entlang, sondern schlängelt sich hoch und runter. So kommt man denn doch ab und an ins Schwitzen, dafür als Belohnung aber auch wunderbare Aussichten von weiter oben auf den See. Und direkt am Ende des steilsten Anstiegs, im gefühlten Nirgendwo, rettet einen ein Stück Rocky Road und ein warmer Tee im Lowther Tea Room.

Von meiner Wanderung gibt es übrigens nur Polaroid-Aufnahmen, von einer Diana F+ mit entsprechendem Aufsatz – die ich noch nie zuvor bedient hatte, deshalb am Anfang gleich die künstlerisch besonders wertvolle Doppelbelichtung. Die zwei Digitalkameras mussten nämlich unbedingt mit rauf auf den Helvellyn… Dafür hab ich jetzt voll tolle Retro-Bilder (s. u.) von meiner Wanderung. Ätsch! Von den verf…, äh, unglaublichen Bildern im Kopf ganz zu Schweigen.

Länge: 11km, Schwierigkeitsgrad: mittel

Lake District I: Beware! Swearword-heavy introduction, Ullswater

So I was out on holidays this year. In the incredibly beautiful Lake District in northern England. So staggeringly beautiful that neither my travelling companions nor I were able to find fitting words. We are no poets, after all, and we found ourselves using a lot of swearwords. “Shit, how beautiful is that?” – “What a fucking great sky.” – “It looks damn beautiful over here as well.” – “Drat and bugger, we’ll have to stop for another photo again.” – “What a bloody awesome landscape.” We were clearly imbued with the Sublime.

I’ll try to describe some of my experiences using fewer swearwords. But only one excursion at a time, in small doses. Cause otherwise I’d probably up and leave, board the next plane or train and return to the Lakes.

A quarter round Ullswater in full retro mode

While my somewhat fitter travelling companions went up Helvellyn that day (where it looked like this, by the way), I embarked on an Ullswater Steamer from Glenridding to Howtown where I was cast out with a handful of other hikers to make our way back along the little path along the lakeshore. It was utterly beautiful (not to use swearwords here), and a lot more exhausting than anticipated.

A few days before, we had walked once round Buttermere where the path leads right along the lake shore the whole time. Not so at Ullswater, where the way winds up and down all the time. So, you will break into a sweat but are also rewarded with some stunning views of the lake from higher up. And directly at the end of one of the most steep ascents, somewhere in the middle of nowhere, you are saved by a piece of rocky road and a hot tea at the Lowther Tea Room.

There are only polaroids from my hike, taken with a Diana F+ with an additional fixture – which I had never used before. So you get an artsy double exposure right at the start. The two digital cameras just had to go up Helvellyn… Well, I now have these great retro pictures from my hike. Not to mention the fu…lminantly incredible pictures in my head.

Herzlichen 65., lieber Allan!

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Anke Eißman hat den Großen Cthulhu gemalt!

Die Festschrift zum 65. Geburtstag Allan Turners, From Peterborough to Faëry: The Poetics and Mechanics of Secondary Worlds, letztes Jahr von Walking Tree veröffentlicht, versammelt Artikel zu seinen beliebtesten literarischen Themen und Autoren: Chaucer, Burns, Tolkien, Vance, Pratchett, Fforde, Lovecraft, Gaiman und Miéville. Nachdem ich Werke von fast allen auf der Liste gelesen habe – die Ausnahme ist Jack Vance, dessen Bücher zwar spannend, aber doch ein bisschen nach Literatur für junge Männer klingen – und dazu noch fünf meiner Favoriten (Tolkien, Pratchett, Gaiman, Miéville and Fforde) drinstehen, musste ich mir den Band einfach zulegen.

Die Einleitung von Dirk Vanderbeke und Thomas Honegger wandert vom Heiligen Petrus nach St. Petersburg in Russland, dem fiktiven St. Petersburg in den USA bis nach Peterborough in Vereinigten Königreich, in dessen Chronik zum ersten Mal von der Wilden Jagd in England berichtet wird. Alles Orte voller Geschichten, und letzterer auch die Heimat von Allan Turner und seiner Imagination und literarischen Neugierde. Obwohl ich das Glück habe, Allan ein paar Mal beim Tolkien Seminar zu begegnen und mit ihm über Tolkien zu reden, barg die Beschreibung seines Werdegangs doch noch einige Überraschungen.

Den Chaucer habe ich vor langer Zeit im Studium gelesen, deshalb konnte ich dem ersten Artikel von Wolfram Keller über Haushaltsmanagement und literarische Ästhetik im Prolog der „Legend of Good Women” nicht ganz folgen. Aber ich bin sicher, das ganze wird glasklar, sobald man den Primärtext noch mal gelesen hat. „Tam o’Shanter“ von Robert Burns war auch nur noch schwach im Gedächtnis, aber man konnte Andrew Listons Essay über übernatürliche Elemente im Gedicht ein bisschen besser nachvollziehen.

Julian Eilmanns Artikel über den Romantischen Geist in Tolkiens Werken führte mich zurück in bekannte Gefilde. Immerhin hatte ich ja das Tolkien Seminar 2010 zum Thema Tolkien und Romantik an der Friedrich-Schiller-Universität besucht und gar selbst dort vorgetragen (alle Beiträge sind in Hither Shore 7 veröffentlicht). Eilmann schaut sich die Romantische Poetologie aus deutscher Sicht an, und Märchen als literarische Form, die nicht nur für Kinder bestimmt ist. Tom Shippey untersucht Jack Vance als Meistererfinder jeder Menge fantastischer Welten.

Doreen Triebel analysiert Terry Pratchetts The Amazing Maurice and His Educated Rodents, mit besonderem Augenmerk darauf, dass die Problemlösung in der Fiktion – friedlich und für jeden günstig – ein Modell für gute Problemlösung in der Realität sein kann. Sie untersucht außerdem den ökokritischen Kern des Buches und wie dies junge Leser beeinflussen sollte. James Fannings Ausführungen zur Metalepse in Jasper Ffordes sechstem Thursday Next Buch erinnerten mich daran, dass ich mir dringend die ersten drei nochmal vornehmen und dann die Reihe weiterlesen muss.

Thomas Honegger untersucht den Cthulhu Mythos, der von Howard P. Lovecraft erfunden, jedoch immer noch von diversen Autoren in neuen Geschichten verbreitet wird. Zum Schluss beschäftigt sich Dirk Vanderbeke mit der Zweitschöpfung eines unterirdischen Londons durch Neil Gaiman und China Miéville; mit urbaner Fantasy mit einem eminent politischen Kern. Genau die Art von absolut seltsamen Geschichten mit einer Botschaft, die ich so liebe.

Happy 65th, dear Allan!

The festschrift on the occasion of Allan Turner’s 65th birthday From Peterborough to Faëry: The Poetics and Mechanics of Secondary Worlds, published last year by Walking Tree, collects essays on his favourite literary topics and authors: Chaucer, Burns, Tolkien, Vance, Pratchett, Fforde, Lovecraft, Gaiman and Miéville. Having read works from all but one on the list – Jack Vance whose works sound interesting, but he may be a bit too much a ‘boys-own’ writer for me to thoroughly enjoy – and including five favourites (Tolkien, Pratchett, Gaiman, Miéville and Fforde), I simply had to buy the book.

The introduction by Dirk Vanderbeke and Thomas Honegger moves from St Peter to St Petersburg in Russia, the fictional St Petersburg in the US to Peterborough in the UK, which has the first Wild Hunt ever recorded in its Chronicle. All places steeped in story, and the latter also hometown to Allan Turner and his imagination and literary curiosity. While I had the good fortune to meet and talk to Allan at several Tolkien Seminars, reading about his background still held quite a few surprises.

Having read Chaucer a long time ago during my studies, I found I simply couldn’t follow the first article by Wolfram Keller on household management and literary aesthetics in the prologue to the “Legend of Good Women” closely enough. But I’m sure it’ll all become perfectly clear once the reader has had a thorough re-read. My reading of “Tam o’Shanter” by Robert Burns has also been a while ago but Andrew Liston’s essay on the supernatural elements in the poem was a little easier to follow.

Julian Eilmann’s article on sub-creation and the Romantic spirit in Tolkien’s works was steering me back into familiar waters, having attended and participated in the Tolkien Seminar 2010 at Friedrich-Schiller-University in Jena on Tolkien and Romanticism (all conference contributions, including mine, are published in Hither Shore 7). Eilmann looks at Romantic poetology from a German viewpoint and fairy stories as a literary form not only meant for children. Tom Shippey examines Jack Vance as a master creator of a multitude of fantastic worlds.

Doreen Triebel analyses Terry Pratchett’s The Amazing Maurice and His Educated Rodents, specifically pointing out that the way in which problems are solved in the fiction – peacefully and to everyone’s benefit – can be a model for good problem solving in reality. She also looks at the novel’s ecocritical core and how that should affect young readers. James Fanning’s insights into metalepsis in Jasper Fforde’s sixth Thursday Next novel reminded me that I urgently need to re-read the first three and pick up the thread of the series again from there.

Thomas Honegger examines the Cthulhu Mythos invented by Howard P. Lovecraft but still perpetuated in stories by various authors today. Finally Dirk Vanderbeke takes a look at sub-creations of sub-London by Neil Gaiman and China Miéville; at urban fantasy with an eminently political core. Just the kind of perfectly weird tale with a message that I love.

Imaginäres Hochprozentiges & enttäuschendes Brötchen

ouzo„Ich trink Ouzo, was machst du so?“ begrüßt eine junge Frau neulich ihren Gesprächspartner am Handy. Ich schaue mir die Frau, die mir schräg im Zug gegenübersitzt, unauffällig an. Den Ouzo hat sie definitiv erfunden. Begrüßt man sich jetzt so? Ich bin echt nicht mehr up-to-date. Mir gegenüber schaut ein junger Mann derweil skeptisch in sein Brötchen. Hätte er wohl doch besser selbst schmieren sollen.

Wieder mal ein super Tag für Beobachtungen in freier WildBahn.

Bild: Ouzo von Jeroen (CC BY 2.0)

Ich bin der Kurator meines eigenen Lebens

Ich kann auch Kunst

Meine Ausstellungsfläche ist unter anderem dieser Blog. Das reflektiere ich ab sofort unter dem neuen Menüpunkt „Gesammelt“.

Dort befindet sich meine Dauerausstellung mit diversen Sammlungen, wobei der Sammlungsbegriff sehr weit gefasst wird. Meine Büchersammlung kennt ihr bereits. Die Ausstellung zur Zucchini-Apokalypse (bereits online) und meine Bismarckturm-Sammlung stelle ich demnächst noch mal gesondert vor. Weitere folgen bestimmt.

Öffnungszeiten: 00:00-24:00 Uhr. Der Eintritt ist frei.

I am the curator of my own life

One of my exhibition areas is this blog. This is now also reflected in a new menu item: “Gesammelt” (Collected).

There you will find my new permanent exhibition, with collections in a broader sense. You already know my collected books. I will introduce the exhibitions on the Zucchini Apocalypse (already online) and my Bismarck Tower Collection in separate posts soon. Further collections to follow.

Opening hours: 00:00-24.00 h. Entry is free.

 

Hoch die Menstruationstassen!

10Da muss man sooo alt werden, um endlich über Menstruationstassen aufgeklärt zu werden! Ich kann es kaum fassen. Ich hab doch in Sexualkunde aufgepasst. Da wurde einem von Tampons und Binden erzählt, aber nichts von diesen kuriosen Dingern aus Silikon, die man 10 Jahre lang immer wieder verwenden kann, dabei keinen Müll produziert und die man vor allem 12 Stunden lang einfach in Ruhe sitzen lassen kann. Keine hektische Suche mehr nach einer halbwegs sauberen Toilette, um den wahrscheinlich vollen Tampon zu wechseln während man sonstwo unterwegs ist – nur um dann festzustellen, dass man noch gut 1-2 Stunden hätte warten können und deswegen alles nicht so flutscht, wie es sollte …

Ein großes Dankeschön also an Ranga, der mit seiner Sendung Quarks & Co. bei mir diesmal voll den Bildungsauftrag erfüllt hat. In „Was Männer schon immer über die Menstruation wissen wollten“ hat er mich endlich vollständig über Damenhygiene aufgeklärt. Der Verschwörungstheoretiker in mir fragt sich gerade, ob es eine Tampon- und Bindenlobby gibt, die die Verbreitung vom Wissen über die Menstruationstasse verhindert. In den USA und in Frankreich ist sie auf jeden Fall bekannter als hier in Deutschland. Ich kann mich tatsächlich erinnern, dass ich den Begriff schon mal irgendwo gelesen habe, wahrscheinlich beim Überfliegen eines Öko-Versandhauskatalogs, aber da war weder eine Abbildung dabei noch ein größeres Lobpreis auf das Produkt.

Die Tasse ist sicher nichts für alle. Man muss Blut und Schleim schon von etwas Näherem ertragen können als bei den üblichen Methoden, und am Anfang ein bisschen üben, bis alles richtig sitzt. Trotzdem lege ich meinen weiblichen Lesern das Teil wärmstens ans Herz. Probiert’s einfach mal aus. Ich bin jedenfalls total begeistert – und kann jetzt wirklich und in echt so entspannt durchs menstruierende Leben gehen, wie die Frauen in der o.b.-Werbung.

Bild: Das geniale Teil von www.menstruationstasse.net (CC BY 3.0)

Sonnenaufgang auf der Milseburg

Letzten Herbst, da fing es so langsam an, das mit dem Wandern. Anfang Oktober hatte mrs.bananabrain die Milseburg beim Vorbeifahren durch die wunderschöne Rhön entdeckt, war bei ganz gutem Wetter noch hochgekraxelt, konnte die Aussicht aber nur wenige Minuten genießen, bevor sie plötzlich von dickem Nebel eingehüllt wurde. „Da müssen wir mal hin, am besten zum Sonnenaufgang!“ sagte sie begeistert nach der Rückkehr.

Eines schönen Sonntags klingelte also der Wecker schon um 5 Uhr. Heißer Tee, frisch gebackener Apfelkuchen und eine Stulle Brot in den Rucksack und los ging die Fahrt. Vom Parkplatz ca. 1 km unterhalb des Gipfels machten wir uns auf den direkten Weg durch den stockfinsteren Wald. Ein Käuzchen feuerte uns an.

Es fing langsam an zu dämmern, als wir oben ankamen – und siehe da, wir waren nicht die ersten, die die Kreuzigungsgruppe auf dem Gipfel erreichten. Bis zum Sonnenaufgang war es ganz schön frisch, oben auf den 835m; das Frühstück in der morgendlichen Sonne war dann aber wunderschön. Für den Rückweg haben wir uns die etwas längere Abstiegsroute ausgesucht. Ein paar Schnappschüsse von mir gibt es unten in der Galerie. Die echten Highlights gibt es bei mrs.bananabrain:

1. Besuch: Milseburg im Nebel

2. Besuch: Nebel im Tal INebel im Tal II Blick auf Bieberstein Regenbogen Kirchturm Felsen und Tal

ca. 3 km, Schwierigkeitsgrad: mittel

Mein zweiter Fischer

978_3_936622_78_2…ist eigentlich der erste. Also: Die Farben des Zorns von Matthias Fischer, 2006 zum ersten Mal im Hanauer Verlag M. Naumann erschienen. Diesmal habe ich den Regionalkrimi, der hauptsächlich in Gelnhausen, rund um Wächtersbach und in Fulda spielt, bei einem Besuch in Bad Orb erstanden. Und auch diesmal prangt in meinem Exemplar eine Unterschrift des Autors.

Und jetzt wird auch meine Neugierde auf eine tiefere Charakterisierung der Haupt- und Nebencharaktere befriedigt. Ist ja auch meine eigene Schuld, wenn ich mit den Toten vom Kinzigtal statt mit dem ersten Roman der Reihe anfange. Aber der Titel war einfach zu verlockend, um ihn nicht auf diesem Blog zu rezensieren.

Neben den grauseligen Mordfällen bahnt sich in den Farben die Beziehung zwischen dem Ermittler Dr. Caspari und seiner späteren Lebensgefährtin, der Gelnhäuser Pfarrerin Clara Frank an. Dabei fällt auf, dass die beiden doch sehr ähnliche Charakterzüge haben. Beide sind sehr selbstreflektiert, stark in ihrem Glauben, (kampf-)sportlich und beide scheinen die gleiche Schwäche zu haben: ein Missverständnis, welches mit einer einfachen Nachfrage aus dem Weg geräumt werden könnte, führt jeweils zu einem Eifersuchtsausbruch, der im völligen Rückzug des jeweiligen Charakters endet. Einer der beiden kann ja gerne ‚so blöd‘ sein und nicht gleich nachfragen, um die Situation aufzuklären, aber gleich beide? So passen die beiden wie Topf auf Topf und unterscheiden sich lediglich durch ihre Berufe. An der Aufklärung des Falls arbeiten sowieso beide mit. Bin auf jeden Fall gespannt, ob sich in späteren Bänden unterschiedlichere Charakterzüge herauskristallisieren.