Der Sound der Großstadt

Ende Februar saß ich eine Weile am Albert-Mangelsdorff-Weiher in der Bockenheimer Anlage. Ich hatte einen Termin in der Nähe und noch etwas Zeit zu überbrücken – wie das halt so ist, wenn man mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Stadt pendelt. Bevor ich mich auf eine Bank am Weiher setzte, fand ich eine Schautafel, die den Namen des Gewässers erklärte.

Albert Mangelsdorff war Jazz-Musiker, ein Posaunist, um genau zu sein, den sein mehrstimmiges Spiel unverwechselbar machte. Und seine Inspiration holte er sich just an dem Weiher, an dem ich mich nun niedergelassen hatte. Ich bin kein Jazz-Fan, aber ich lasse mich auf ihn ein, den Sound der Großstadt.

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Albert-Mangelsdorff-Weiher

In den Bäumen zwitschern die Vögel; der Verkehr brummt an der Anlage vorbei; Fahrräder klappern und ihre Reifen knirschen auf dem Weg; eine bestöckelschuhte Frau klackt vorbei; auf einer Baustelle gegenüber wird gebohrt; auf dem Ponton im Weiher zetern die Wasservögel, die um die besten Plätze streiten; ein Müllauto leert die Tonnen auf der Hochstraße; Laub raschelt im Wind; es hupt, eine Bremse quietscht. eine Gangschaltung rattert, eine Feuerwehrsirene, ein schreiendes Kind. Jetzt fängt der Regen an zu plätschern.

Danke Frankfurt, cooles Ständchen.

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Unzuverlässiger Erzähler

English (original) version below

artistKazuo Ishiguros An Artist of the Floating World (meine Ausgabe Faber & Faber, 2001) hat einen meiner liebsten Erzählertypen: einen unzuverlässigen. Wir befinden uns in Japan, kurz nach dem zweiten Weltkrieg, und lesen die Gedanken einen Künstlers, der früher gerne Propaganda-Poster gemalt, als Berater für das Komitee Unpatriotischer Aktivitäten gearbeitet und sogar als Polizei-Informant gegen liberale Kollegen, manche davon alte Freunde, fungiert hat. Er findet sich plötzlich in einer völlig veränderten Welt wieder, und hat Probleme damit, seinen Reputationsschwund und die Veränderungen innerhalb der eigenen Familie zu verstehen, ganz abgesehen von der Notwendigkeit, Verantwortung für seine früheren Handlungen zu übernehmen. Ein tiefgründiges Buch über wichtige Themen der Menschheitsgeschichte.

Unreliable narrator

Kazuo Ishiguro’s An Artist of the Floating World (my edition: Faber & Faber, 2001) features my favourite type of narrator: an unreliable one. We are in post-World War II Japan and read the reflections of an artist who was happy to paint propaganda posters, acted as an advisor to the Committee of Unpatriotic Activities and even as a police informant against liberal colleagues, some former friends. He now faces a changed world and is not easily coming to grips with his fall in reputation, changes in his family and the need to take responsibility for his past actions. A profound novel on important themes in human history.

Lake District IX: Buttermere

English (original) version below

Diesmal geht es an den Buttermere, ‚den See am Weideland für Milchvieh‘. Er ist einer der kleineren Seen, so dass wir uns einen halben Tag zur Umrundung genommen haben.

Der Weg führt direkt am Rande des Sees entlang, so dass man so gut wie gar nicht klettern muss. Es gibt sogar einen Tunnel zu durchqueren. Die Aussichten sind umwerfend – einer davon hat mir sogar eine Träne entlockt. Das Erhabene war mal wieder am Werke.

Bilder sind von mrs.bananabrain und mir.

6,5 km, Schwierigkeitsgrad: leicht

buttermereLake District IX: Buttermere

Welcome to Buttermere, ‘the lake by the dairy pastures’. It’s one of the smaller lakes so we took a half day to walk once around the lake.

The path winds directly along the lakeside, so not much climbing involved. There’s even a tunnel to go through. Views are stunning – one of them even brought tears into my eyes. The Sublime was at work again.

Pictures are by mrs.bananabrain and me.

Geek sein oder nicht sein, das ist hier die Frage

Die Frage habe ich mir jedenfalls vor kurzem mal gestellt. Denn ich habe gelesen, dass manchen Geeks, vor allem junge Frauen, der ‚Titel‘ ab und zu streitig gemacht wird. Die müssen dann erst mal ihre Credentials auf den Tisch legen, um ‚zur Szene‘ dazugehören zu dürfen. Was ein Schwachsinn. Denn eine der wichtigsten Dinge im Fandom ist doch, dass dort so viele unterschiedliche Leute aufeinandertreffen, die sich im Alltag nie begegnen würden. Und jeder darf dort so abgefahren, ungewöhnlich oder auch normal sein wie er will.

Bei der Deutschen Tolkien Gesellschaft zum Beispiel, da trifft sich das Legolas- oder Thorin-Fangirl, das (bisher) nur die Filme von Peter Jackson gesehen hat, auf den Mediävistik-Professor, der sich wissenschaftlich mit Tolkiens Werk auseinandersetzt. Und die entstehende Diskussion, die aufgeworfenen Fragen befruchten die akademische Arbeit des einen und wecken die Neugier auf Das Silmarillion bei der anderen. Die Vielfalt ist doch das, was ‚die Szene‘ ausmacht.

geek-pray-loveZu dem Schluss kommen auch Andrea Bottlinger und Christian Humberg in ihrer lustigen Einführung in die Welt der Geeks. Geek Pray Love, 2014 bei Cross Cult erschienen, berichtet über Fandom in allen möglichen Ausprägungen, Stammtische und fantastisches Essen (besonders wichtig!), Rollenspiel, Cons und vieles mehr. In der Rahmenhandlung, die natürlich eine Liebesgeschichte ist, entdeckt ein junger Mann die Welt der Geeks. Was mir eben besonders am Buch gefällt, ist die Einladung an jeden, an fantastischen Welten teilzuhaben, statt den ‚Club der Geeks‘ als etwas exklusives darzustellen, zu dem man erst mal einen Einstellungstest bestehen muss.

Meine ganz eigene Antwort auf die Frage, ob ich nun ein Geek bin oder nicht, wäre bis vor kurzem wahrscheinlich noch negativ ausgefallen. Das mit den Schubladen liegt mir halt nicht so, auch wenn die Schublade nach meiner und Bottlinger/Humbergs Definition eine echt nette ist. Dann habe ich mir eine Geek! am Kiosk gekauft. Ganz davon abgesehen, dass ich den Inhalt total spannend fand, habe ich festgestellt, dass ich die Hälfte der Berichtenden und die Hälfte der Leute kenne, über die berichtet wird. Und kennengelernt habe ich sie bei irgendwie geekigen Aktivitäten. Also beuge ich mich dem Gruppenzwang: Ich bin ein Geek. Rausholen muss mich hier keiner.

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Eins meiner Lieblingslieder: The Hero of Canton (Bild & Figuren von mrs.bananabrain)

Wo die wilden Tiere wohnen

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Der Dillblick Richtung Greifenstein

Da bin ich Mitte Januar ein bisschen herumspaziert. Genauer gesagt ging es hoch zum Wildgehege in Herborn, dann hoch auf den neuen Aussichtsturm Dillblick und zurück durch die wunderschöne Altstadt. Man merkt so langsam, das alle Zeichen in der Stadt mittlerweile auf Hessentag stehen.

Vorbereitungslektüre

islandIn Vorbereitung auf Kristof Magnussons Debütroman Zuhause, habe ich mir erst mal die Gebrauchsanweisung für Island (meine Ausgabe: Piper, 2015) vom gleichen Autor zu Gemüte geführt. Wer schon immer mal etwas über das jüngste Land der Erde mit einer der ältesten Demokratien der Welt erfahren wollte – egal ob als Reisevorbereitung oder einfach nur aus Neugier auf das literarische Völkchen – dem sei dieses Buch wärmstens ans Herz gelegt. Magnusson erzählt humorvoll von Geschichte und Geschichten, dem Ringen mit der Natur, der Bankenkrise, dem Großstadtleben, Schwimmbädern (ganz wichtig!) und vielem mehr. Fernweh garantiert.

30+∞+0+15=30

So oder so ähnlich ging das letzte Woche Dienstag mit der Verspätungsrechnung auf der Kinzigtalbahn. Frankfurt Hauptbahnhof, der RE 50 um 19:26 Uhr hat 30 Minuten Verspätung. Alles klar. Dann die schönste Botschaft, die der Bahnfahrer kennt: der Zug fällt aus; Verspätung also gegen Unendlich.

dbDie RB fährt pünktlich, also alles wieder auf 0. Dann die Durchsage im Zug: der RE wartet in Hanau auf uns, wo wir umsteigen können. Das nenne ich mal Service. Dort steht er, mit 15 Minuten Verspätung angeschlagen. Und steht, und steht, und steht … Die Anzeige in Hanau beherrscht offensichtlich nicht die große Kunst des Verspätungs-Countups, denn sie springt nach 20 Minuten spontan auf 30 um. Womit wir wieder beim Anfang wären.

Säße ich noch in der RB, wäre ich wenigstens pünktlich. Egal. Der Zug fährt los und der Zugführer begeistert uns mit seiner guten Laune: „Willkommen im RE nach Fulda, der heute in Hanau gestartet ist und bei der Abfahrt 26 Minuten Verspätung hatte. Dafür soll ich mich entschuldigen.“

Lake District VIII: Wrynose Pass

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Abfahrt ins / Descent into Little Langdale

Auf dem Weg von unserem Ferienhaus zur Cathedral Cave, sind wir über den Wrynose Pass gefahren. Der verbindet die die Täler Duddon Valley und Little Langdale. Die Straße wurde ursprünglich von den Römern angelegt. Die Steigung beträgt teilweise 30%.

Lake District VIII: Wrynose Pass

On the way from our holiday cottage to Cathedral Cave, we drove over the Wrynose Pass, which links Duddon Valley with Little Langdale. The road was originally built by the Romans. Maximum incline is 30% on some sections.

Bilder von mrs.bananabrain und mir.